Van ist eine Stadt, in der ich freiwillig keine 14 Tage bleiben würde. Eine Woche könnte ich mit Ausflügen in die Umgebung verbringen und dabei Tourist in der Erinnerung an Flüchtlingsschicksale sein, wie ich sie in Filmen kennengelernt habe. Die Stadt selbst wirkt wie ein betoniertes Provisorium, aus dem alles, was hier einmal indigene Kultur war, verflogen ist. Immerhin habe ich neulich gehört, dass die Kirche zum Heiligen Kreuz auf der Vansee-Insel Akdamar jetzt wieder eine Kirche sein darf. Als ich dort war, war sie ein Museum für in der Region an sich unüblich gewordene religiöse Kulte gewesen.
Am nachdrücklichsten ist mir die Begegnung mit den Schülerinnen und Schülern in Erinnerung. Sie waren so offenherzig, aber auch so erwartungsvoll. Als müsste von außen etwas oder jemand kommen, das/der ihnen zum wahren Leben verhilft. In den Straßen von Van habe ich diese Jugendlichen mit den leuchtenden Augen nicht wiedergesehen. Vielleicht wissen sie noch nicht, dass der Raum, in dem sie leben, ihnen gehört.