Der Empfang gab mir das vage Gefühl, für jemand anderen gehalten zu werden und somit all dies nicht zu verdienen. Dass der ungezähmte Enthusiasmus mich gleichzeitig berührte und glücklich machte, das konnte man in meinen Augen lesen, so schrieb die lokale Zeitung. Sie schrieb auch, dass ich bulgarisch spräche; wie dem auch sei, die Sache mit dem Glücksgefühl stimmte.¡
„Das ist wirklich was“, sagte mir eine der zwei Claudias. Wie sie und die anderen Mitarbeiter des Goethe-Instituts übersetzte europäische Literatur in der Türkei verbreiten, ist nobel und sehr willkommen. „Yollarda“ steht auf ihrem Bücherbus. Auf der Straße. Brücken bauen. Meinetwegen.

Annelies Verbeke
Sie fühlen sich gefangen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass viele Studenten während meiner Lesungen wissen wollten, was eine europäische Schriftstellerin von der Türkei und den Türken denkt, und welche türkischen Autoren ich gelesen hätte. Die Namen Orhan Pamuk und Elif Shafak lassen Spannungen und Zerwürfnisse erkennen, oder machen diese zumindest greifbar. Europäer werden verdächtigt, Pamuk und Shafak nur deswegen so zu lieben, weil beide Schriftsteller so kritisch mit der Türkei umgehen. Andere Studenten nickten stumm, aber zustimmend, als ich sagte, dass einem Außenseiter nicht so sehr der Eindruck vermittelt wird, dass diese Autoren ihre schmutzige Wäsche heraushängen, sondern eher, dass diese allen in der Türkei lebenden Gemeinschaften eine Stimme geben.
„Literatur hilft dabei, eine Brücke für verschiedene Kulturen zu bauen, und führt uns zusammen, globale Weltbürger zu werden“, sagt mein glänzendes Memento sowohl in Englisch als auch in Türkisch. Ich neige dazu, das zu glauben. Das einzige, was wir jetzt noch tun müssen, ist, alle möglichen Arten von Grenzen zu öffnen.
