Thursday, 8. March 2012
Eine wunderschöne Entdeckung
Wie in jeden Schulferien sollte ich meine schöne Geburtsstadt Bouake verlassen, um meine Ferien in einer anderen Stadt zu verbringen und andere Kulturen kennen zu lernen. Aber diesmal, da meine Schulleistungen nicht so gut waren, entschied mein Papa als Bestrafung, mich nach Gomenebéry, einem ziemlich großen Dorf, zu bringen.
Eine solche Entscheidung meines Vaters war für mich unerträglich, weil ich es nicht nur langweilig fand, Ferien in einem Dorf ohne Strom zu verbringen, sondern weil mir auch der Name dieses Dorfes Angst machte. Meine Traurigkeit war so groß, dass ich den Appetit verlor. Ich aß nicht mehr, sprach mit niemandem mehr und schlief nicht mehr.
Dennoch wusste ich überhaupt nicht, dass diese Reise mir etwas Fantastisches bieten würde. Mein Bruder Yao, der mein Leiden bemerkt hatte, versuchte fast jeden Tag, mich zu trösten und mir die Hoffnung wiederzugeben.
- Weißt du Kouamé, du sollst nicht traurig sein.
- Wieso denn?, fragte ich nervös
- Weil du nicht sollst. Papa will dich als Bestrafung nach Gomenebéry bringen, nicht?
- Ja, antwortete ich
- Das ist aber fantastich!!!!!! Ja, fantastisch!!!!!!
- Echt?
- Ja, Gomenebéry ist ein relativ großes Godjédorf, das ein paar Kilometer von Fresco entfernt ist und wo man die Ferien ruhig verbringen kann.
- Wirklich?
- Ja, Bruder! Das Wunderschönste ist, dass du dort ein aus dem Himmel stammendes köstliches Getränk namens Bandji entdecken wirst.
- Was?
- Bandji!, sag ich, M´mé n´san, auch Palmwein genannt. Dieses Getränk hat einen Zauber in sich und ist in der Lage, dir eine schöne Reise in eine andere Welt zu schenken, in der man nur Freude hat. Wenn du Bandji trinkst, kannst du Chinesisch, Guéré oder Wolof sprechen, ohne dass du diese Sprachen vorher gehört oder gelernt hast.
- Das ist fantastisch, was du mir erzählst!!!
Nach diesem Gespräch mit meinem Bruder Yao war ich plötzlich auf diese Reise gespannt, weil ich dann die Gelegenheit haben würde, Bandji zu entdecken.
Am Abend als mein Vater von der Arbeit nach Hause kam, war ich neugierig zu wissen, wann ich fahren sollte.
- Papa! Papa!
- Ja, was denn?
- Wann fahre ich nach Gomenebéry?
- Wann? Das ist komisch! Warum hast du es plötzlich eilig, dorthin zu fahren?
- Nichts, Papa.
- Sicher?
- Ja, Papa, nichts.
- Okay! Das hängt von dir ab.
- Dann fahre ich morgen früh um sechs Uhr.
- Cool!
Am Tag darauf nahm ich einen Reisebus und verließ voller Freude Bouaké und sein angenehmes Schwimmbad in Richtung Gomenebéry.
Sieben Stunden später dann war ich da. Von meiner Ankunft an hatte ich Lust auf dieses Getränk, von dem ich so sehr habe sprechen hören. Eine ganze Woche war vorüber - aber kein Bandji. Ich machte mir viele Gedanken. Hätte mein Bruder Yao mich belogen, damit ich nach Gomenebéry komme? Würde Bandji nirgendwo getrunken? Vielleicht kann es sein, dass ein aus dem Himmel kommendes Getränk nicht irgendwo und irgendwie und von irgendwem getrunken werden sollte. Dann waren zwei Wochen, drei und bald vier Wochen vergangen, und ich sah es nirgends. Immer noch kein Bandji. Das kam mir komisch vor, denn jeden Abend sah ich die meisten Jungen des Dorfes betrunken, sie führten alkoholisierte Gespräche und besangen die Wohltaten des Bandji. Sogar die Schüchternsten. Ich fragte mich unaufhörlich, ob Bandji ein Getränk sei, das man nur im Geiste trank oder so etwas.
Ich hatte noch keinen Freund in Gomenebéry und konnte somit nicht genau wissen, wo die Jungen dieses von mir sehr gesuchte Getränk fanden. Mein Bruder Yao, der mir davon erzählt hatte, war in Bouaké geblieben, weil er die letzte Klasse der Grundschule zum vierten Mal wiederholte. Er hatte dieses Schuljahr auf alles verzichtet und sich nur seinem Studium gewidmet, hatte täglich seine Lektionen gelernt, um endlich seine Prüfung zu bestehen, um seine Eltern zu erfreuen, damit die Freude die Schatten der Enttäuschung von ihren Gesichtern vertreiben würde. Leider hatte es nicht geklappt. Vielleicht würde das fünfte Mal oder das sechste Mal besser. Ja, vielleicht das sechste. Denn er war ein kluger Schüler, und das ganze Programm der Grundschule konnte er auswendig. Hätte er ein Handy, hätte ich ihn sofort angerufen, damit er mir genau sagt, wie und wo ich dieses Getränk entdecken konnte.
Glücklicherweise sollte ein Fest in einem „Baoulécampement“ namens N´zikro organisiert werden und alle Leute waren dazu eingeladen. Dieses „Campement“ ist für seine große Bandjiindustrie in Gomenebéry sehr berühmt. Es ist die Hauptstadt des Bandji. Dort findet man dieses Getränk leichter als Wasser. In N´zikro trinkt man Bandji, isst man Bandji, spricht man Bandji, atmet man Bandji und tanzt man Bandji. Alles, was man dort tut, dreht sich um Bandji. Das Leben der Bewohner von N´zikro hat keinen Sinn ohne dieses Getränk. Ich war froh, weil ich da die Gelegenheit haben würde, Bandji zum ersten Mal zu entdecken.
Das Fest fing mit einem Wettbewerb an, der darin bestand, fünfzehn Liter Bandji in fünf Minuten allein zu trinken, und dem Gewinner winkten dreißig Liter Bandji und zwei Hähne. Der Sieger war selbstverständlich Kouassi Kéhé, der als der größte Bandjitrinker der Gegend angesehen ist. Seine Preisliste ist sehr beeindruckend. Er hat diesen Wettbewerb fünfzehnmal gewonnen bei fünfzehn Teilnahmen. Außerdem hat er letztes Jahr während des regionalen Wettbewerbs Gomenebéry mit viel Erfolg vertreten. Heute hat er so viel getrunken, dass er am Ende des Wettbewerbs total besoffen war. Das war eine Ausnahme, weil Kouassi Kéhé, der berühmte Bandjitrinker, niemals angeheitert gewesen war. Da er diesmal wegen seiner Trunkenheit seinen Preis nicht erhalten konnte, wurde also beschlossen, ihm am Tag darauf sein Geschenk zu geben. Danach setzten wir uns in Gruppen zu fünf Personen zusammen, und ein fünfzehnjähriges Kind - es war mit Bandji großgezogen worden, nachdem seine Mutter nach der Entbindung den Geist aufgegeben hatte - begann, uns das Getränk zu servieren. Jeder sollte nacheinander dreimal trinken und dann war der andere dran und wir sollten weiter trinken, bis es keinen Bandji mehr im „Campement“ gab.
Als ich an der Reihe war, trank ich mit vollem Respekt und vollem Charisma meinen ersten Becher aus. Dann folgte der zweite, der dritte und ich forderte sogar einen vierten und dann einen fünften. Nach diesen von mir hintereinander ausgetrunkenen Bechern schien mir die Welt ganz anders. Ja, alles war neu und schön geworden. Ich befand mich jäh in einer Welt, in der man die Theorie von Galilei leichter verstehen konnte. In dieser Welt wusste ich ganz genau, dass die Erde sich wirklich um die Sonne drehte. Ich bemerkte auch, dass die Zahl der Gäste sich plötzlich verdreifacht hatte. Ich begann also, mein Bandji ästhetisch zu loben
Bandji! Mein verehrtes Bandji!
ich segne diesen Tag, an dem ich dir begegnet bin
wie einen verstecken Schatz habe ich dich überall gesucht
von Bouake bis hier habe ich dich gesucht
leider habe ich dich nirgendwo gefunden
Bandji! Mein verehrtes Bandji!
Du kannst nicht verstehen, wie groß meine Enttäuschung und wie tief mein Schmerz war
er war so tief, dass ich wie ein Kind war, dessen Mutter es tausend Jahre lang
im Winter allein gelassen hatte.
Jahrelang, monatelang, tagelang hatte ich Brand nach dir
Nächtelang habe ich von dir geträumt.
hoffnungslos verdurstete sie wie ein Wasserlauf in der Trockenzeit.
Aber heute wurde der Alptraum zur süßen Erfüllung
heute hast du meinen Brand gelöscht, mich in deinem Reich empfangen wie den verlorenen Sohn
dein Durchmarsch in mein Herz
lässt tief in meinem Bauch einen großen Freudenbaum wachsen
Bandji! Mein verehrtes Bandji!
Ich bin in dich verliebt und liebe dich wie die schöne Freundin der jüngeren Schwester der Frau des lustigen Nachbarn meiner netten Tante Katharina.
Nach diesem Lob befand ich mich auf einmal zu Hause, im Bett. Alles drehte sich um mich. Ich fragte mich fortwährend, wie ich nach Hause gekommen bin.
Ah! Ich brauchte mir eine solche Frage nicht zu stellen. König Bandji hat mich bestimmt in seinem Flugzeug nach Hause gebracht.
23. Oktober 2010
Dennoch wusste ich überhaupt nicht, dass diese Reise mir etwas Fantastisches bieten würde. Mein Bruder Yao, der mein Leiden bemerkt hatte, versuchte fast jeden Tag, mich zu trösten und mir die Hoffnung wiederzugeben.
- Weißt du Kouamé, du sollst nicht traurig sein.
- Wieso denn?, fragte ich nervös
- Weil du nicht sollst. Papa will dich als Bestrafung nach Gomenebéry bringen, nicht?
- Ja, antwortete ich
- Das ist aber fantastich!!!!!! Ja, fantastisch!!!!!!
- Echt?
- Ja, Gomenebéry ist ein relativ großes Godjédorf, das ein paar Kilometer von Fresco entfernt ist und wo man die Ferien ruhig verbringen kann.
- Wirklich?
- Ja, Bruder! Das Wunderschönste ist, dass du dort ein aus dem Himmel stammendes köstliches Getränk namens Bandji entdecken wirst.
- Was?
- Bandji!, sag ich, M´mé n´san, auch Palmwein genannt. Dieses Getränk hat einen Zauber in sich und ist in der Lage, dir eine schöne Reise in eine andere Welt zu schenken, in der man nur Freude hat. Wenn du Bandji trinkst, kannst du Chinesisch, Guéré oder Wolof sprechen, ohne dass du diese Sprachen vorher gehört oder gelernt hast.
- Das ist fantastisch, was du mir erzählst!!!
Nach diesem Gespräch mit meinem Bruder Yao war ich plötzlich auf diese Reise gespannt, weil ich dann die Gelegenheit haben würde, Bandji zu entdecken.
Am Abend als mein Vater von der Arbeit nach Hause kam, war ich neugierig zu wissen, wann ich fahren sollte.
- Papa! Papa!
- Ja, was denn?
- Wann fahre ich nach Gomenebéry?
- Wann? Das ist komisch! Warum hast du es plötzlich eilig, dorthin zu fahren?
- Nichts, Papa.
- Sicher?
- Ja, Papa, nichts.
- Okay! Das hängt von dir ab.
- Dann fahre ich morgen früh um sechs Uhr.
- Cool!
Am Tag darauf nahm ich einen Reisebus und verließ voller Freude Bouaké und sein angenehmes Schwimmbad in Richtung Gomenebéry.
Sieben Stunden später dann war ich da. Von meiner Ankunft an hatte ich Lust auf dieses Getränk, von dem ich so sehr habe sprechen hören. Eine ganze Woche war vorüber - aber kein Bandji. Ich machte mir viele Gedanken. Hätte mein Bruder Yao mich belogen, damit ich nach Gomenebéry komme? Würde Bandji nirgendwo getrunken? Vielleicht kann es sein, dass ein aus dem Himmel kommendes Getränk nicht irgendwo und irgendwie und von irgendwem getrunken werden sollte. Dann waren zwei Wochen, drei und bald vier Wochen vergangen, und ich sah es nirgends. Immer noch kein Bandji. Das kam mir komisch vor, denn jeden Abend sah ich die meisten Jungen des Dorfes betrunken, sie führten alkoholisierte Gespräche und besangen die Wohltaten des Bandji. Sogar die Schüchternsten. Ich fragte mich unaufhörlich, ob Bandji ein Getränk sei, das man nur im Geiste trank oder so etwas.
Ich hatte noch keinen Freund in Gomenebéry und konnte somit nicht genau wissen, wo die Jungen dieses von mir sehr gesuchte Getränk fanden. Mein Bruder Yao, der mir davon erzählt hatte, war in Bouaké geblieben, weil er die letzte Klasse der Grundschule zum vierten Mal wiederholte. Er hatte dieses Schuljahr auf alles verzichtet und sich nur seinem Studium gewidmet, hatte täglich seine Lektionen gelernt, um endlich seine Prüfung zu bestehen, um seine Eltern zu erfreuen, damit die Freude die Schatten der Enttäuschung von ihren Gesichtern vertreiben würde. Leider hatte es nicht geklappt. Vielleicht würde das fünfte Mal oder das sechste Mal besser. Ja, vielleicht das sechste. Denn er war ein kluger Schüler, und das ganze Programm der Grundschule konnte er auswendig. Hätte er ein Handy, hätte ich ihn sofort angerufen, damit er mir genau sagt, wie und wo ich dieses Getränk entdecken konnte.
Glücklicherweise sollte ein Fest in einem „Baoulécampement“ namens N´zikro organisiert werden und alle Leute waren dazu eingeladen. Dieses „Campement“ ist für seine große Bandjiindustrie in Gomenebéry sehr berühmt. Es ist die Hauptstadt des Bandji. Dort findet man dieses Getränk leichter als Wasser. In N´zikro trinkt man Bandji, isst man Bandji, spricht man Bandji, atmet man Bandji und tanzt man Bandji. Alles, was man dort tut, dreht sich um Bandji. Das Leben der Bewohner von N´zikro hat keinen Sinn ohne dieses Getränk. Ich war froh, weil ich da die Gelegenheit haben würde, Bandji zum ersten Mal zu entdecken.
Das Fest fing mit einem Wettbewerb an, der darin bestand, fünfzehn Liter Bandji in fünf Minuten allein zu trinken, und dem Gewinner winkten dreißig Liter Bandji und zwei Hähne. Der Sieger war selbstverständlich Kouassi Kéhé, der als der größte Bandjitrinker der Gegend angesehen ist. Seine Preisliste ist sehr beeindruckend. Er hat diesen Wettbewerb fünfzehnmal gewonnen bei fünfzehn Teilnahmen. Außerdem hat er letztes Jahr während des regionalen Wettbewerbs Gomenebéry mit viel Erfolg vertreten. Heute hat er so viel getrunken, dass er am Ende des Wettbewerbs total besoffen war. Das war eine Ausnahme, weil Kouassi Kéhé, der berühmte Bandjitrinker, niemals angeheitert gewesen war. Da er diesmal wegen seiner Trunkenheit seinen Preis nicht erhalten konnte, wurde also beschlossen, ihm am Tag darauf sein Geschenk zu geben. Danach setzten wir uns in Gruppen zu fünf Personen zusammen, und ein fünfzehnjähriges Kind - es war mit Bandji großgezogen worden, nachdem seine Mutter nach der Entbindung den Geist aufgegeben hatte - begann, uns das Getränk zu servieren. Jeder sollte nacheinander dreimal trinken und dann war der andere dran und wir sollten weiter trinken, bis es keinen Bandji mehr im „Campement“ gab.
Als ich an der Reihe war, trank ich mit vollem Respekt und vollem Charisma meinen ersten Becher aus. Dann folgte der zweite, der dritte und ich forderte sogar einen vierten und dann einen fünften. Nach diesen von mir hintereinander ausgetrunkenen Bechern schien mir die Welt ganz anders. Ja, alles war neu und schön geworden. Ich befand mich jäh in einer Welt, in der man die Theorie von Galilei leichter verstehen konnte. In dieser Welt wusste ich ganz genau, dass die Erde sich wirklich um die Sonne drehte. Ich bemerkte auch, dass die Zahl der Gäste sich plötzlich verdreifacht hatte. Ich begann also, mein Bandji ästhetisch zu loben
Bandji! Mein verehrtes Bandji!
ich segne diesen Tag, an dem ich dir begegnet bin
wie einen verstecken Schatz habe ich dich überall gesucht
von Bouake bis hier habe ich dich gesucht
leider habe ich dich nirgendwo gefunden
Bandji! Mein verehrtes Bandji!
Du kannst nicht verstehen, wie groß meine Enttäuschung und wie tief mein Schmerz war
er war so tief, dass ich wie ein Kind war, dessen Mutter es tausend Jahre lang
im Winter allein gelassen hatte.
Jahrelang, monatelang, tagelang hatte ich Brand nach dir
Nächtelang habe ich von dir geträumt.
hoffnungslos verdurstete sie wie ein Wasserlauf in der Trockenzeit.
Aber heute wurde der Alptraum zur süßen Erfüllung
heute hast du meinen Brand gelöscht, mich in deinem Reich empfangen wie den verlorenen Sohn
dein Durchmarsch in mein Herz
lässt tief in meinem Bauch einen großen Freudenbaum wachsen
Bandji! Mein verehrtes Bandji!
Ich bin in dich verliebt und liebe dich wie die schöne Freundin der jüngeren Schwester der Frau des lustigen Nachbarn meiner netten Tante Katharina.
Nach diesem Lob befand ich mich auf einmal zu Hause, im Bett. Alles drehte sich um mich. Ich fragte mich fortwährend, wie ich nach Hause gekommen bin.
Ah! Ich brauchte mir eine solche Frage nicht zu stellen. König Bandji hat mich bestimmt in seinem Flugzeug nach Hause gebracht.
23. Oktober 2010
Trackbacks
Trackback specific URI for this entry
No Trackbacks

