Überall wird man in Parma mit Essen und mit Genuss konfrontiert. Gestern Abend lud mich Anna zu einem Essen mit Freunden ein – alles ebenfalls Journalisten. Und wieder wurde mir deutlich: Das späte Abendessen ist nichts für meinen Biorhythmus. Um halb neun sollte das Essen beginnen, doch wir mussten warten und überbrückten die Zeit mit einem wunderbaren weißen Frizzante. Als es endlich losging – es gab herrlichen Parma-Schinken, Salami und Melanzane mit Käse als Vorspeise, war ich schon fast wieder satt. Die in Parma allgegenwärtigen Tortelli d'Erbetta durften nicht fehlen. Und als es Zeit für den Hauptgang war, fielen mir schon wieder fast die Augen zu. Gesprächsthema waren neben den Unterschieden im Arbeitsalltag der Journalisten in Deutschland und Italien vor allem die Essenszeiten. Meine Freunde wollten sich schier ausschütten vor Lachen, als sie sich vergegenwärtigten, dass die Deutschen zwischen 18 und 20 Uhr zu Abend essen. Und den Vorwurf, die Italiener essen sehr spät, wollten sie nicht gelten lassen. Schließlich lasse man sich in Spanien oft erst gegen 23 Uhr am Abend am Tisch nieder. Die Uhr ging auf Mitternacht zu, als ich schließlich zurück in meine Wohnung ging. Satt und todmüde.
Heute morgen zum Interview mit einer deutschen Mitarbeiterin der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit kam das Gespräch wie von alleine auf das Essen und den Genuss. Ich erfuhr, wo man die beste Coppa di Parma, ein spezielles rundes Fleischstück kaufen kann: In der Fleischerei Farina oder bei Verdi in der Strada Garibaldi. Das ist gut für die Qualität der Mitbringsel, wenn ich am Samstag wieder nach Hause fahre.
Und heute Mittag? Anna lud mich und die Kollegen zu einem Pranzo lavoro, einem Arbeitsessen ein. Mehr als zwei Stunden saßen wir zu elft an einem großen Restauranttisch, der vor Leckereien schier überquoll. Es war eine wunderbare Idee, als Vorspeise Meeresfrüchte zu ordern. Muscheln und kleine Tintenfischchen, frittierte Filets und eingelegte Meeresschnecken – dazu ein erfrischend kalter Weißwein. Als leichtes Hauptgericht standen verschiedene Pizzas auf dem Tisch.
Das waren 24 Stunden, die mir in Sachen Genuss noch lange in Erinnerung bleiben werden. In Parma versteht man es, zu tafeln! Nur an die Essenszeit am Abend – an die werde ich mich wohl nie gewöhnen.
Thursday, 9. June 2011
Essen mit Genuss
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