Die Sprache ist nicht nur der Schlüssel zur Kultur, die Sprache ist auch der Schlüssel zum Herzen. Und Sprache kann nerven. Das merke ich hier in Parma jeden Tag.
Fernsehen und Zeitung, die Auslagen in den Läden, der Gang zum Gemüsehändler, der Schwatz morgens in der Bar oder in der Pause mit Kollegen – die italienische Sprache umgibt mich mit einer bedrückenden Präsenz, zwingt mich, Tag und Nacht zu übersetzen, in jeder Situation meines Lebens. Inzwischen ist es nicht nur soweit, dass ich jedes deutsche Wort als eine kleine Erholung betrachte, als willkommene Ablenkung vom Alltag.
Inzwischen kommt es auch zu skurrilen Situationen in den Grenzgebieten zwischen den Sprachen, weil man eben nicht mit dem pausenlosen Übersetzen aufhören kann.
Ganz bewusst rede ich mit Anna Maria Ferrari zweisprachig, der Austauschredakteurin, die im Oktober bei der „Thüringer Allgemeinen“ arbeiten wird. Sie fragt mich deutsch, ich antworte ihr italienisch. Die Kollegen amüsieren sich über unser Sprach-Switching. Regina Roland, Autorin der „Deutschen Welle“, will ein Interview mit dem Chefredakteur. Sie fragt in Englisch, er antwortet in Italienisch, ich übersetze ins Deutsche. Alles gewollt und gesteuert.
Doch selbst im Alltag springe ich zwischen den Sprachen hin und her. Mit Sabrina beispielsweise, der netten Kellnerin in meiner Lieblingsbar, spreche ich „denglienisch“. Sabrinas Mutter ist Italienerin, die nicht englisch spricht. Sabrinas Vater ist Engländer, der nicht italienisch spricht. Kennengelernt haben sich die beiden während des Studiums in Berlin. Beide sprachen deutsch. Sabrina kann alle drei Sprachen und rührt sie kräftig durcheinander. Und als sie mich neulich – auf deutsch – fragte, ob Thüringen an der Grenze zu Polen liegt, antwortete ich ihr wie selbstverständlich italienisch.
Wenn ich am Samstag in Richtung Deutschland zurück fahre, bin ich schon neugierig darauf, in welcher Sprache ich mir den ersten Kaffee bestelle.
Wednesday, 8. June 2011
Denglienisch in der Bar
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