Zwei Neuigkeiten versetzen die Redaktion der Nürnberger Nachrichten in Aufregung, eine gute oder zumindest interessante und eine andere, die für Unruhe und Unsicherheit sorgt. Zuerst die schlechte, der Terroralarm, den Innenminister Thomas de Maizière in den vergangenen Stunden für Deutschland und damit auch für Nürnberg ausrief. Nach Informationen aus dem befreundeten Ausland stehe ein Attentat auf deutschem Territorium bis Ende November bevor, sagt er. Aus diesem Grund wurde die Polizeipräsenz in den Großstädten verstärkt, wurden die Kontrollen auf Bahnhöfen und Flughäfen verschärft, Beamte mit Maschinengewehr in Stellung gebracht. Es handle sich um eine ernsthafte Bedrohung, sagte der Minister, aber der Alarm dürfe nicht zu Hysterie führen. Tatsächlich scheint alles ganz normal weiterzugehen.
Nürnberg bereitet für den 26. November die Eröffnung des Weihnachtsmarkts vor, des berühmtesten im ganzen Land. Hierzulande ist man zu Recht stolz darauf. Seit Tagen laufen die Vorbereitungen, der Aufbau geht ohne Unterbrechung auf dem Hauptmarkt voran, auf dem 180 Stände versammelt sein werden, und in der gesamten Umgebung, die sich an den Feierlichkeiten mit Angeboten für die Kleinen beteiligt. In den Ladenstraßen wird die Festbeleuchtung für die Altstadt mit Hilfe hoher Leitern angebracht. Ich habe viel davon gehört und mittlerweile warte auch ich voller Ungeduld. Ich bin gespannt darauf, wie es sein wird, wenn am Nachmittag um halb sechs Uhr die Lichter gelöscht werden und das Christkindl auf der Empore der Frauenkirche erscheint, um alle Kinder dazu einzuladen, freudig am großen Ereignis teilzunehmen.
Für die Stadt ist die Feier mit rund zwei Millionen Besuchern, die etwa hundert Millionen Euro ausgeben, auch Geschäft. Für mich ist die Hauptsache, dass dabei die Freude der Kleinen durch nichts und niemanden gestört wird.
Die gute Nachricht ist, dass Nürnberg soeben einen Weg gefunden hat, um noch bekannter zu werden. Gemeinsam mit den wichtigsten 19 deutschen Städten ist Nürnberg auf Google Street View zu sehen, so dass man dort bequem vom heimischen Sessel aus „spazieren gehen“ kann. Per Mouse-Klick kann man sich auf Straßen und Plätzen umsehen, Schilder lesen, Haustüren betrachten und verborgene Ecken entdecken. Freiheit in einem Radius von 360 Grad. Für manchen ist das sogar zu viel des Guten. So sagten 244.000 Deutsche Nein, denn sei wollten nicht, dass ihr Haus in den Wohnzimmern der anderen landet, dass jeder seine Nase in ihre Privatangelegenheiten steckt. Wenn ihr auf diese Weise Nürnberg erkunden wollt, werdet ihr auf viele ausgegraute Gebäude stoßen. Deren Besitzer haben „Nein danke, ich bin nicht dabei“ zu Google gesagt.
Technologie ist wie üblich nicht gut oder schlecht an sich sondern je nach dem Gebrauch, den man davon macht. Ich rate dazu, sich mit Street View umzuschauen, vor allem denjenigen, die Nürnberg noch nicht besucht haben. Ein Blick auf die Kaiserburg, die Altstadt und die Kirchen mit der Möglichkeit, Einzelheiten auf dem eigenen PC heranzuzoomen, könnte Lust auf einen leibhaftigen Besuch machen. Es lohnt sich. Aber Vorsicht, sonnige Tage wie bei Google sind in der Wirklichkeit vor allem zu dieser Jahreszeit selten.
(Übersetzung: Bettina Gabbe)
Freitag, 19. November 2010
Lächeln für Google
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