Zum ersten Mal zögere ich bei diesem Blog. Was soll ich schreiben? Wie soll ich mich von Rom verabschieden? " Cum subit illius tristissima noctis imago, qua mihi supremum tempus in urbe fuit ...?"
Bleiben wir gegenwärtig. Heute bin ich nochmal auf Sendung gegangen, mit der lieben Emanuela, die mir immer so nett geholfen hat - wie das ganze Team von "One-O -Fve". Dann haben wir Prosecco getrunken und schwer gesundheitsschädliche römische Süßigkeiten gegessen, mit dem Ressortleiter Luca, mit Fabio, mit Eliana ("Estiqaatsi"!), mit Giuliano und Gabriel, Programmchef Pater Andrzej Koprowski und vielen anderen von Radio Vatikan. Sean Lovett war leider nicht da, ich glaube, er ist auf Reisen. Danke Sean, Dank euch alllen und ein Riesendank an Susanne und Elisa und den anderen tollen Leuten vom Goetheinstitut Rom. Ihr wart alle großartig zu mir. Und wer nicht mit Namen genannt ist, verzeihe es mir.
Vielleicht mache ich hier Schluss. Denn gerade bin ich doch etwas traurig. Aber morgen sehe ich meine Kinder Vito und Kosmas wieder, die tapfer auf ihren Papa gewartet haben - was sie nicht so gut gemacht hätten, wenn ihre Mutter nicht so wunderbar wäre. Danke, liebe Eva!
Nur eines noch, was man mir, falls es pathetisch rüberkommt, nachsehen möge: Ich widme diese Notizen hier meinem Freund, dem Schriftsteller Peter O. Chotjewitz, der lange in Rom gelebt hat und vergangenes Jahr, am 15. Dezember, gestorben ist.
Also: Ciao bella!
Beziehungsweise: Bella ciao!
Wednesday, 16. November 2011
Monti, Michael, Ines und Andrea
Er hat es tatsächlich geschafft. Ich meine natürlich Giorgio Napolitano, den italienischen Staatspräsidenten. Alle in meiner Umgebung lieben ihn dafür. Ich bin sehr skeptisch, was die Regierung Monti angeht, und ich könnte es nicht besser sagen als es Michael Braun gesagt hat, taz- Korrespondent in Rom, der sich hier so wunderbar meiner angenommen hat. Ein Auszug aus seinem aktuellen Kommentar:
"Eine "Techniker"-Regierung ohne Politiker, ein Parlament quasi ohne Opposition, dieser Zustand ist meilenweit entfernt von demokratischer Normalität. Zu ihr aber muss das Land so schnell wie möglich zurückkehren, sprich dann, wenn auch dank ihrer Notstandsmaßnahmen die akute Krise in Italien, in Europa überwunden ist. Anderenfalls könnte die Freude über den Abschied des Populisten Silvio Berlusconi verfrüht gewesen sein."
Michael, danke, dass Du so schön geholfen hast, mir diesen Austausch zu ermöglichen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch Ines Pohl danken, der taz-Chefredakteurin. Sie war sofort von der Idee dieses Austausches begeistert und hat mich unbürokratisch und herzlich unterstützt: Danke Ines! Und danke auch an alle taz-Kollegen, denen meine Abwesenheit Mehrarbeit beschert hat (ich weiß es schon, Leute: Niemand ist unersetzbar).
Und wo ich hier alles vollschreibe: Ein großer Dank an Andrea Affaticati, meiner Übersetzerin. Es ist sehr schön mit Dir zu arbeiten, Andrea (und es ist noch nicht vorbei)!
"Eine "Techniker"-Regierung ohne Politiker, ein Parlament quasi ohne Opposition, dieser Zustand ist meilenweit entfernt von demokratischer Normalität. Zu ihr aber muss das Land so schnell wie möglich zurückkehren, sprich dann, wenn auch dank ihrer Notstandsmaßnahmen die akute Krise in Italien, in Europa überwunden ist. Anderenfalls könnte die Freude über den Abschied des Populisten Silvio Berlusconi verfrüht gewesen sein."
Michael, danke, dass Du so schön geholfen hast, mir diesen Austausch zu ermöglichen.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch Ines Pohl danken, der taz-Chefredakteurin. Sie war sofort von der Idee dieses Austausches begeistert und hat mich unbürokratisch und herzlich unterstützt: Danke Ines! Und danke auch an alle taz-Kollegen, denen meine Abwesenheit Mehrarbeit beschert hat (ich weiß es schon, Leute: Niemand ist unersetzbar).
Und wo ich hier alles vollschreibe: Ein großer Dank an Andrea Affaticati, meiner Übersetzerin. Es ist sehr schön mit Dir zu arbeiten, Andrea (und es ist noch nicht vorbei)!
Tuesday, 15. November 2011
Italien hat Sorgen - wir haben die Braune Armee Fraktion
Während SuperMario Monti versucht, den Euro zu retten (oder Italien oder die Banken - Hauptsache, er rettet nicht am Ende Berlusconi oder Bossi!), haben wir im kalten Deutschland ganz andere Probleme: Eine neonazistische Terrorgruppe, die von den Behoerden nicht beachtet wird; wobei wir nicht vergessen wollen, dass die Verfassungschuetzer - auch als sie mal in der taz vorbeischauten - immer betont haben, wie gute Informationen ihre V-Leute lieferten und dass deswegen die NPD besser nicht verboten wuerde.
In Italien ist man gerade dabei, überflüssige bzw. schädliche Institutionen einzusparen.
Hier ein Link zum Thema - damals anlässlich des "Einzeltäters" Breivik:
http://www.taz.de/Rechte-und-linke-Gewalt/!75102/
Und nun etwas ganz anderes:
Damit mein letzter Blog-Eintrag nicht zur realsozialistischen Dankesorgie wird, moechte ich heute schon mal meiner Vermieterin sagen: Danke, liebe Antonia, tausend Dank!
Denn was braucht man zum Leben? Dusche, Aschenbecher, Internet! Und wenn dann auch noch eine Dachterasse dabei ist (mit überirdisch schönem Blick auf die Kuppel von St. Peter) und so viele schöne Bücher und so geschmackvoll eingerichtet und wenn die Vermieterin dann gleichzeitig so diskret und so stets hilfsbereit ist - Danke. Zu verdanken habe ich mein Zuhause in Rom natuerlich dem Goethe-Institut. Die lieben Menschen dort werden auch noch gewürdigt. Bald - denn der Countdown der Abreise, er läuft.
In Italien ist man gerade dabei, überflüssige bzw. schädliche Institutionen einzusparen.
Hier ein Link zum Thema - damals anlässlich des "Einzeltäters" Breivik:
http://www.taz.de/Rechte-und-linke-Gewalt/!75102/
Und nun etwas ganz anderes:
Damit mein letzter Blog-Eintrag nicht zur realsozialistischen Dankesorgie wird, moechte ich heute schon mal meiner Vermieterin sagen: Danke, liebe Antonia, tausend Dank!
Denn was braucht man zum Leben? Dusche, Aschenbecher, Internet! Und wenn dann auch noch eine Dachterasse dabei ist (mit überirdisch schönem Blick auf die Kuppel von St. Peter) und so viele schöne Bücher und so geschmackvoll eingerichtet und wenn die Vermieterin dann gleichzeitig so diskret und so stets hilfsbereit ist - Danke. Zu verdanken habe ich mein Zuhause in Rom natuerlich dem Goethe-Institut. Die lieben Menschen dort werden auch noch gewürdigt. Bald - denn der Countdown der Abreise, er läuft.
Monday, 14. November 2011
Erst Radio, jetzt auch noch TV -werde ich zum Medien-Tycoon?
Heute morgen habe ich mich wieder in den roemischen Nahverkehr gestuerzt und bin zur Gewerkschaft CISL gefahren, um den Vorsitzenden Raffaele Bonanni zu interviewen - und zwar fuers Fernsehen!
Naja, es ist ein Internet-TV der Gewerkschaft und heisst Labor TV. Die sehr nette Kollegin Raffaella Vitulano nahm sich meiner an und bis auf die Frisur (meine) ging es auch einigermassen gut.
Ich sehe allerdings, dass ich meine Kenntnisse der deutschen Sozialpolitik vertiefen muss. Meine volkswirtschaftlichen Einlassungen sind aber glaube ich auf taz-Linie - die es natuerlich nicht gibt, nicht das hier Missverstaendnisse aufkommen. Ich war einfach gut beraten von der Kollegin Ulrike Herrmann, die mir am Sonntag von Berlin aus bereitwillig fuer Fragen zur Verfuegung stand. Danke, Ulrike!
Hier der Link zum Streaming:
http://labortv.cisl.it/index.php?option=com_hwdvideoshare&task=viewcategory&cat_id=27&Itemid=39
Ausserdem: habe ich inzwischen drei Interviews mit Pfarrern gemacht. Alle sprechen frei aus, was los ist: Krise, Drogen, Gewalt. Aber wenn Don Stefano in der Borgata Basilio sagt: "Ein Priester ist nie allein" und lacht und nach oben schaut - das ist dann schon ziemlich cool; und macht auch Hoffnung.
Naja, es ist ein Internet-TV der Gewerkschaft und heisst Labor TV. Die sehr nette Kollegin Raffaella Vitulano nahm sich meiner an und bis auf die Frisur (meine) ging es auch einigermassen gut.
Ich sehe allerdings, dass ich meine Kenntnisse der deutschen Sozialpolitik vertiefen muss. Meine volkswirtschaftlichen Einlassungen sind aber glaube ich auf taz-Linie - die es natuerlich nicht gibt, nicht das hier Missverstaendnisse aufkommen. Ich war einfach gut beraten von der Kollegin Ulrike Herrmann, die mir am Sonntag von Berlin aus bereitwillig fuer Fragen zur Verfuegung stand. Danke, Ulrike!
Hier der Link zum Streaming:
http://labortv.cisl.it/index.php?option=com_hwdvideoshare&task=viewcategory&cat_id=27&Itemid=39
Ausserdem: habe ich inzwischen drei Interviews mit Pfarrern gemacht. Alle sprechen frei aus, was los ist: Krise, Drogen, Gewalt. Aber wenn Don Stefano in der Borgata Basilio sagt: "Ein Priester ist nie allein" und lacht und nach oben schaut - das ist dann schon ziemlich cool; und macht auch Hoffnung.
Friday, 11. November 2011
Aufregende Tage in Rom
Madonna, hier ist vielleicht was los! Heute Abstimmung, morgen Abstimmung, Sonntag Berlusconi-Ruecktritt, am Abend schon Mario Monti als Premier, am Montag Vereidigung des neuen Kabinetts. Wenn ich alles richtig verstanden habe. Und natuerlich, wenn alles wirklich so kommt. Ich muss schon wieder an Venedig denken, wo ich viel mit Architekturstudenten zu tun hatte. Vor Pruefungen oder Abgabeterminen schienen zunaechst alle ganz gelassen. Dann, auf einmal, waren sie weg, eingeschlossen in ihren Zimmern, in Arbeitsklausur. Strenge Diaet auf der Basis von Zigaretten, Kaffee und anderen Aufputschmitteln. Und dann tauchten sie wieder auf, bleich und muede, aber sie hatten es geschafft. Italien funktioniert auch so. Und warum auch nicht? Das Land wird die Krise ueberwinden. Die Frage ist nur, wer die Rechnung zahlt.
Wer schon heute die Rechung zahlt, darueber habe ich mit Don Matteo Zuppi gesprochen. Hier der Link zur Sendung. http://www.radiovaticana.org/105live/Articolo.asp?c=536613. Aber Vorsicht: In einer der vielen freundlichen Rueckmledungen, die ich bekommen habe, heisst es: Wenn man Don Matteo hoert, bekommt man fast Lust, mal wieder in die Kirche zu gehen...
Wer schon heute die Rechung zahlt, darueber habe ich mit Don Matteo Zuppi gesprochen. Hier der Link zur Sendung. http://www.radiovaticana.org/105live/Articolo.asp?c=536613. Aber Vorsicht: In einer der vielen freundlichen Rueckmledungen, die ich bekommen habe, heisst es: Wenn man Don Matteo hoert, bekommt man fast Lust, mal wieder in die Kirche zu gehen...
Wednesday, 9. November 2011
On Air
Wenn nichts schlimmes mehr passiert, dann geht morgen gegen 10:45 Uhr nicht nur mein erstes Interview auf Sendung, sondern auch ich selbst bin live auf Radio Vatikan. Und das wird dann fuer mich ein Hoehepunkt meines journalistischen Schaffens nicht nur in diesem Jahr sein. Nein, das ist nicht ironisch gemeint! Es war eine Menge Arbeit fuer einen Anfaenger im Radio-Journalismus, morgen wird auch aufregend, ich freue mich sehr.
In Rom scheint die Sonne, es ist warm, die Stadt leuchtet. Man kommt auf die Idee, ob man hier nicht gut fuer immer, jedenfalls fuer laenger leben koennte. Lesen Sie in den naechsten tagen, was dafuer und was allenfalls dagegen spricht.
In Rom scheint die Sonne, es ist warm, die Stadt leuchtet. Man kommt auf die Idee, ob man hier nicht gut fuer immer, jedenfalls fuer laenger leben koennte. Lesen Sie in den naechsten tagen, was dafuer und was allenfalls dagegen spricht.
Monday, 7. November 2011
Torre Angela
Das Viertel "Torre Angela" liegt weit draussen - vor allem, wenn die Beschaeftigten des Nahverkehrs streiken. Aber ich habe Glueck: Gabriel, Volontaer hier bei Radio Vatikan und waschechter Roemer, begleitet mich nicht nur, er hat auch ein Auto. Die Reise an den Stadtrand wird so eine sehr nette und lehrreiche Fahrt.
Als wir nach Torre Angela kommen, bin ich dann fast etwas enttaeuscht, ich hatte mir - ich gestehe es, denn bei dem Projekt hier geht es ja darum, Vorurteile abzubauen - ich hatte mir also etwas vorgestellt zwischen dem Ambiente von Pasolinis Film "Accatone" und dem von Roberto Saviano beschriebenen neapolitanischen Viertel "Scampia".
Torre Angela ist anders, die Gegend wirkt eher ruhig und kleinbuergerlich. Wer dann ueberhaupt nicht kleinbuergerlich ist, ist Monsignore Zuppi, der Pfarrer, den Gabriel und ich interviewen. In seiner ersten Antwort zitiert er Pasolini. Er ist herzlich, er ist klug, er ist wie Gabriel "romanissimo".
In Torre Angela sind mehr als ein Drittel der Kinder (sogenannter) auslaendischer Herkunft, d h. sie sind immer noch, obwohl hier geboren, keine Italiener. Was den Islam angeht, fragt sich Monsignore Zuppi, ob "wir" auch so bereitwillig unsere Kinder zum freiwilligen Foerderunterricht in die Moschee gehen lassen wuerden, wie die Muslime ihre Kinder in die katholische Kirche S. Simone e Guida Taddeo schicken.
Gute Frage - sage ich als Vater zweier Kinder.
Als wir nach Torre Angela kommen, bin ich dann fast etwas enttaeuscht, ich hatte mir - ich gestehe es, denn bei dem Projekt hier geht es ja darum, Vorurteile abzubauen - ich hatte mir also etwas vorgestellt zwischen dem Ambiente von Pasolinis Film "Accatone" und dem von Roberto Saviano beschriebenen neapolitanischen Viertel "Scampia".
Torre Angela ist anders, die Gegend wirkt eher ruhig und kleinbuergerlich. Wer dann ueberhaupt nicht kleinbuergerlich ist, ist Monsignore Zuppi, der Pfarrer, den Gabriel und ich interviewen. In seiner ersten Antwort zitiert er Pasolini. Er ist herzlich, er ist klug, er ist wie Gabriel "romanissimo".
In Torre Angela sind mehr als ein Drittel der Kinder (sogenannter) auslaendischer Herkunft, d h. sie sind immer noch, obwohl hier geboren, keine Italiener. Was den Islam angeht, fragt sich Monsignore Zuppi, ob "wir" auch so bereitwillig unsere Kinder zum freiwilligen Foerderunterricht in die Moschee gehen lassen wuerden, wie die Muslime ihre Kinder in die katholische Kirche S. Simone e Guida Taddeo schicken.
Gute Frage - sage ich als Vater zweier Kinder.
Sunday, 6. November 2011
Zwischen Tiber und Landwehrkanal
Ja, liebe Leser dieses Blogs, Sie dürfen ruhig lachen: Aber heute ging ich den herbstlich-strahlenden Lungotevere (das Tiberufer) entlang - und mußte plötzlich an den guten alten Landwehrkanal denken! Ich glaube, es waren die Platanen, die mich diesen Gedankensprung (oder besser: Gefühlssprung) machen ließen.
Heimweh? Ach wo. Eher ein Durchatmen, bevor ich morgen in meine erste komplette Arbeitswoche starte, mit Interviews in den römischen Vorstädten.
Gestern habe ich Sigmar Gabriel beim Italienischsprechen zugehört. Die auf der Piazza S. Giovanni versammelten Anhänger der Demokratischen Partei (PD) nahmen seine Bemühungen mit einer Mischung aus Anerkennung und Schmunzeln auf.
Inhaltlich war es ok - bis auf die verschwiegene Tatsache, dass auch die SPD als Regierungspartei den neoliberalen Wahn mitgemacht hat. (Und was macht eigentlich Gerhard Schröder? Ach ja, Gazprom). Wie es Friedrich Küppersbusch mal so hübsch in der taz gesagt hat: "Sigmar Gabriel radikalisiert sich. Vermutlich wird er irgendwann sogar Sozialdemokrat."
Apropos Vergleiche: Pier Luigi Bersani, der PD-Chef, erinnerte mich an Hans-Jochen Vogel, den ehemaligen SPD-Vorsitzenden und OB meiner Heimtstadt München. Ganz nach oben, zum Kanzler, hat er es allerdings nie geschafft. Vielleicht war er zu anständig?
In Rom regnet es. Die Katastrophe von Genua bewegt hier alle sehr. Italien mag ein Problem bei der Vorsorge haben - wenn es darum geht, Mitgefühl und Solidarität auszudrücken, in Taten und in Worten, ist es noch immer das Land, in das ich mich vor mehr als zwanzig Jahren verliebt habe.
Heimweh? Ach wo. Eher ein Durchatmen, bevor ich morgen in meine erste komplette Arbeitswoche starte, mit Interviews in den römischen Vorstädten.
Gestern habe ich Sigmar Gabriel beim Italienischsprechen zugehört. Die auf der Piazza S. Giovanni versammelten Anhänger der Demokratischen Partei (PD) nahmen seine Bemühungen mit einer Mischung aus Anerkennung und Schmunzeln auf.
Inhaltlich war es ok - bis auf die verschwiegene Tatsache, dass auch die SPD als Regierungspartei den neoliberalen Wahn mitgemacht hat. (Und was macht eigentlich Gerhard Schröder? Ach ja, Gazprom). Wie es Friedrich Küppersbusch mal so hübsch in der taz gesagt hat: "Sigmar Gabriel radikalisiert sich. Vermutlich wird er irgendwann sogar Sozialdemokrat."
Apropos Vergleiche: Pier Luigi Bersani, der PD-Chef, erinnerte mich an Hans-Jochen Vogel, den ehemaligen SPD-Vorsitzenden und OB meiner Heimtstadt München. Ganz nach oben, zum Kanzler, hat er es allerdings nie geschafft. Vielleicht war er zu anständig?
In Rom regnet es. Die Katastrophe von Genua bewegt hier alle sehr. Italien mag ein Problem bei der Vorsorge haben - wenn es darum geht, Mitgefühl und Solidarität auszudrücken, in Taten und in Worten, ist es noch immer das Land, in das ich mich vor mehr als zwanzig Jahren verliebt habe.
Friday, 4. November 2011
Dies tertius/Dritter Tag bei Radio Vatikan
Heute habe ich eine italienische SIM-Karte samt japanischem Zweithandy erworben; was einerseits ganz einfach war und sehr praktisch ist, mich andererseits kulturkritische Überlegungen darüber anstellen ließ, wie ich eigentlich 1993, in Venedig, kommunikationstechnisch klar kam. Damals konnte für mich als armem Italianistik-Studenten von Mobiltelefonie nämlich noch keine Rede sein.
Von wem hingegen schon damals die Rede war - ja, nun muss er auch mal auftauchen - ist Silvio Berlusconi. Ich weiß, wie erfolgreich sein erster Wahlkampf war. Mehrere meiner Mitbewohner in der WG an der Chiesa dei Miracoli wurden Fans des Cavaliere und seiner "Forza Italia".
Und jetzt soll wirklich Schluss sein? Mit dem Cavaliere, mit seinem Nachrichtenmann Emilio Fede, mit seinem Gegner Michele Santoro, mit der ganzen Entourage, die das große Berlusconi-Theater in diesem Land seit zwanzig Jahren ad nauseam geprägt haben? Es ja hier so als wäre Kohl noch an der Regierung und Ernst Dieter Lueg immer noch das Gesicht von " Bericht aus Bonn": Überall Dinos!
Morgen sammelt sich die Opposition zur Großkundgebung in Rom, auch SPD-Chef Sigmar Gabriel wird da sein und sprechen - der muss auch mal raus aus dem Berliner Regierungsviertel. Das werde ich mir ansehen. Ob dort eine echte Alternative zum "Cavaliere", zur Politik von IWF und EZB, zu "Merkozy" (wie man hier sagt) verkündet werden wird?
Eher nicht: Die Entscheidungshoheit der Demokratien scheint sich inzwischen auf Stilfragen zu beschränken. Gute Laune für einen Freitagabend in Rom macht das nicht gerade. Deswegen: Basta.
Von wem hingegen schon damals die Rede war - ja, nun muss er auch mal auftauchen - ist Silvio Berlusconi. Ich weiß, wie erfolgreich sein erster Wahlkampf war. Mehrere meiner Mitbewohner in der WG an der Chiesa dei Miracoli wurden Fans des Cavaliere und seiner "Forza Italia".
Und jetzt soll wirklich Schluss sein? Mit dem Cavaliere, mit seinem Nachrichtenmann Emilio Fede, mit seinem Gegner Michele Santoro, mit der ganzen Entourage, die das große Berlusconi-Theater in diesem Land seit zwanzig Jahren ad nauseam geprägt haben? Es ja hier so als wäre Kohl noch an der Regierung und Ernst Dieter Lueg immer noch das Gesicht von " Bericht aus Bonn": Überall Dinos!
Morgen sammelt sich die Opposition zur Großkundgebung in Rom, auch SPD-Chef Sigmar Gabriel wird da sein und sprechen - der muss auch mal raus aus dem Berliner Regierungsviertel. Das werde ich mir ansehen. Ob dort eine echte Alternative zum "Cavaliere", zur Politik von IWF und EZB, zu "Merkozy" (wie man hier sagt) verkündet werden wird?
Eher nicht: Die Entscheidungshoheit der Demokratien scheint sich inzwischen auf Stilfragen zu beschränken. Gute Laune für einen Freitagabend in Rom macht das nicht gerade. Deswegen: Basta.
Thursday, 3. November 2011
Dies secundus /Zweiter Tag bei Radio Vatikan
Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Hier sind alle entzueckend zu mir.
Heute morgen war ich mit dem Volontaer Giuliano beim ISTAT, dem "Nationalen Institut fuer Statistik". Vorgestellt wurde die erste grosse Studie zum Stand der Hilfseinrichtungen fuer wohnungslose Menschen. Als Zeitungsjournalist kann man sich da einfach hinsetzen, mitschreiben, die Unterlagen durchblättern und nach den Statements moeglichst kluge Fragen stellen.
Giuliano aber braucht die Stimmen der Teilnehmer als Aufnahme und muss diese also nach der Pressekonferenz abpassen und noch einigermassen lebhaft vor sein Mikro bringen. Ist banal wie alles Handwerkliche, aber entscheidend - und fuer mich neu.
Der wichtigste Satz kam von dem Vertreter der "Caritas" (Ob die in Deutschland bei der Präsentation einer solchen Studie auch mit auf dem Podium säße? Muss ich bei Gelegenheit prüfen - aber da draußen ist die römische, laue Nacht und ruft: Entdecke mich!). Der Monsignore sagte, dass im heutigen Italien nicht mehr nur Einzelpersonen von der Obdachlosigkeit betroffen seien, sondern immer öfter auch ganze Familien. Das schmerzt.
Manches ist hier aber wie in Berlin: Heute stand in der Zeitung, dass ein Bussfahrer von einem Autofahrer angepöbelt und krankenhausreif geschlagen wurde. Aber Moment. In Berlin geschieht das in den Bussen selbst, wahrscheinlich deswegen, weil es dort viel weniger Verkehr gibt, der zu Konflikten Anlass gibt. Aggressionsvergleich in Metropolen - auch das wäre ein Thema. Morgen.
Heute morgen war ich mit dem Volontaer Giuliano beim ISTAT, dem "Nationalen Institut fuer Statistik". Vorgestellt wurde die erste grosse Studie zum Stand der Hilfseinrichtungen fuer wohnungslose Menschen. Als Zeitungsjournalist kann man sich da einfach hinsetzen, mitschreiben, die Unterlagen durchblättern und nach den Statements moeglichst kluge Fragen stellen.
Giuliano aber braucht die Stimmen der Teilnehmer als Aufnahme und muss diese also nach der Pressekonferenz abpassen und noch einigermassen lebhaft vor sein Mikro bringen. Ist banal wie alles Handwerkliche, aber entscheidend - und fuer mich neu.
Der wichtigste Satz kam von dem Vertreter der "Caritas" (Ob die in Deutschland bei der Präsentation einer solchen Studie auch mit auf dem Podium säße? Muss ich bei Gelegenheit prüfen - aber da draußen ist die römische, laue Nacht und ruft: Entdecke mich!). Der Monsignore sagte, dass im heutigen Italien nicht mehr nur Einzelpersonen von der Obdachlosigkeit betroffen seien, sondern immer öfter auch ganze Familien. Das schmerzt.
Manches ist hier aber wie in Berlin: Heute stand in der Zeitung, dass ein Bussfahrer von einem Autofahrer angepöbelt und krankenhausreif geschlagen wurde. Aber Moment. In Berlin geschieht das in den Bussen selbst, wahrscheinlich deswegen, weil es dort viel weniger Verkehr gibt, der zu Konflikten Anlass gibt. Aggressionsvergleich in Metropolen - auch das wäre ein Thema. Morgen.
Wednesday, 2. November 2011
Dies primus/Erster Tag bei Radio Vatikan
Nichts gegen Italien - und gegen Rom schon gleich gar nichts: Aber heute morgen um 10:15 - um dem Klischee vom praezisen Deutschen gerecht zu werden - habe ich eine andere Welt betreten; und es waren nicht gregorianische Choraele, die mich bei Radio Vatikan empfingen, sondern Sprachen.
Francesca Sabatinelli, Nachrichtenredakteurin hier beim Radio, fuehrt mich durch die verschiedenen Redaktionen, alle sind mehr als herzlich. Francesca wird in zwei Wochen mit mir zur taz nach Berlin kommen - und wenn sie so freundlich aufgenommen wird wie ich, dann ist alles gut; aber ich bin mir gar nicht sicher, ob sie unsere kleine Zeitung nicht ein wenig provinziell oder zumindest eurozentristisch finden wird, im Vergleich zum polyglotten Alltag hier.
Arbeiten werde ich in der Redaktion "105", ein Gesellschaftsressort, das mit seinem italienischsprachigen Programm vor allem Rom und Umgebung bedient.
Redaktionsleiter Luca Collodi sagt mir bei einem Kaffee - ein sehr guter Kaffee -, wie er sich die Sache denkt; und das ist gluecklicherweise: genau wie ich. Erst aber brauche ich einen Crash-Kurs im Radio-Journalismus. Dann werde ich versuchen, konkret in die roemische Realitaet einzutauchen, in die Vorstaedte, die gerade von einer Serie von Schießereien erschüttert werden. Und da ich von meinen Recherchen für die taz weiß, dass (Organisierte) Kriminalität ein gesellschaftliches Thema ist, will ich versuchen, zu verstehen und zu vermitteln, was hier gerade passiert.
Ich freue mich sehr, nicht auf Touristenpfaden zu wandern, sondern das Gespraech mit den Menschen, mit Pfarrern, Mitarbeiterinnen der Caritas und Vetreterinnen der Zivilgesellschaft zu suchen. Und Rom sozusagen von aussen kennenzulernen. Mal sehn, ob das gelingt. Aber fuer alles, was kommt, gilt natuerlich gerade hier: Dies diem docet.
Francesca Sabatinelli, Nachrichtenredakteurin hier beim Radio, fuehrt mich durch die verschiedenen Redaktionen, alle sind mehr als herzlich. Francesca wird in zwei Wochen mit mir zur taz nach Berlin kommen - und wenn sie so freundlich aufgenommen wird wie ich, dann ist alles gut; aber ich bin mir gar nicht sicher, ob sie unsere kleine Zeitung nicht ein wenig provinziell oder zumindest eurozentristisch finden wird, im Vergleich zum polyglotten Alltag hier.
Arbeiten werde ich in der Redaktion "105", ein Gesellschaftsressort, das mit seinem italienischsprachigen Programm vor allem Rom und Umgebung bedient.
Redaktionsleiter Luca Collodi sagt mir bei einem Kaffee - ein sehr guter Kaffee -, wie er sich die Sache denkt; und das ist gluecklicherweise: genau wie ich. Erst aber brauche ich einen Crash-Kurs im Radio-Journalismus. Dann werde ich versuchen, konkret in die roemische Realitaet einzutauchen, in die Vorstaedte, die gerade von einer Serie von Schießereien erschüttert werden. Und da ich von meinen Recherchen für die taz weiß, dass (Organisierte) Kriminalität ein gesellschaftliches Thema ist, will ich versuchen, zu verstehen und zu vermitteln, was hier gerade passiert.
Ich freue mich sehr, nicht auf Touristenpfaden zu wandern, sondern das Gespraech mit den Menschen, mit Pfarrern, Mitarbeiterinnen der Caritas und Vetreterinnen der Zivilgesellschaft zu suchen. Und Rom sozusagen von aussen kennenzulernen. Mal sehn, ob das gelingt. Aber fuer alles, was kommt, gilt natuerlich gerade hier: Dies diem docet.
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