Erlaubnisse sind in Italien enorm wichtig. Kann man mit irgendeinem Papier wedeln, öffnen sich Türen, hat man keine „Permesso“, schütteln die Hüter nur stoisch mit dem Kopf. Die Erlaubnisse handhabt man außerordentlich differenziert. Auch im Straßenverkehr ist es so kompliziert, dass sich kaum die Italiener auskennen. In Parma gibt es 5 Zonen mit limitiertem Verkehr, dazu verschiedene Farbkombinationen auf der Fahrbahn. Inzwischen schmücken mein Armaturenbrett vier Erlaubnisse – und ich weiß noch immer nicht, was ich darf und wofür ich ein Knöllchen riskiere. Die nämlich sind hier erheblich kostspieliger als in heimischen Gefilden. 39 Euro, den Mindestsatz, berappe ich für eine Nacht im Parkverbot. Und beinahe vergesse ich doch, das Kleingedruckte zu lesen. Denn man hat nur fünf Tage Zeit, bei der Post den Strafzettel zu bezahlen. Ab dem sechsten Tag verdoppelt sich die Verwarngebühr. Kein Wunder, dass hier alle so scharf auf Erlaubnisse sind.
Mit einem Presseausweis wird man in Sachen Bildung und Kultur bevorzugt behandelt. Beispielsweise kommt man gratis in jedes Museum und jede Bibliothek. Aber ein Kamera? Gott bewahre, dafür braucht man natürlich eine Permesso – und die gibt es nur in irgendeiner Verwaltung. Mir ging es gestern so. Zum zweiten Mal schon war ich in der Kathedrale, um mir die Kuppel anzusehen. Eine Kuppel, von der ein Bildband (erhältlich in der Nationalgalerie im Palazzo Pilotta) behauptet, sie sei „Die Schönste der Welt“. Ausgemalt von Correggio, einem Meister der Renaissance, kann man den Blick kaum von den Deckengemälden lösen. Ich habe meine Kamera mit und bin fest gewillt, ein paar Bilder zu machen. Doch wie überall verrät mir ein Signet: Fotografieren verboten. Ich gehe in die Information an der Seite des Doms, wo die Signora mit den Schultern zuckt. Ich müsse den Custos fragen. Ich erkläre ihm wer ich bin, dass ich ohne Blitz und nur mit Stativ fotografieren werde, dass ich die Aufnahmen nur für mich und die Zeitung brauche. Doch sein Kopfschütteln bleibt. Dann fordert er mich zum Mitkommen auf und eilt zurück in die Info-Stelle. Schließlich – erst müsse der Ingegnere die Erlaubnis geben. Nach einem kurzen Telefonat gibt er mir den Hörer und eilt zurück in die Kirche. Der Ingegnere redet schnell. Und er nuschelt so, dass ich kaum ein Wort verstehe. Ich bedanke mich dennoch bei ihm. „Wofür bedankst Du Dich?“, fragt er. „Allora, weil ich denke, dass das Fotografieren verboten ist.“ Was hat er nur gesagt, frage ich mich, als ich zurück in die Kirche gehe.
„Und?“, fragt der Custos. „Ich habe mit dem Ingegnere geredet“, erkläre ich wahrheitsgemäß. Das stellt ihn vollkommen zufrieden. „Va bene“, nickt er und winkt mich durch.
Es werden schöne Fotos.
Thursday, 2. June 2011
Erlaubnis? - Va bene!
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