Gianluca ist ein Mann, der aussieht, als würde er leidenschaftlich gerne kochen oder essen. Wir sind in der Redaktion verabredet, um gemeinsam auf unsere Fahrrad-Runde durch Parma zu gehen. Ich staune, wie behende und sicher sich der 48-Jährige auf dem Fahrrad bewegt – wie angewachsen.
Er erklärt mir die Struktur der Radwege: Ein großer Ring führt um den Stadtkern herum, von da aus zweigen - wie die Strahlen einer Sonne – einzelne Wege in alle Richtungen ab. 100 Kilometer Radwege sind es insgesamt, sagt der kleine Faltplan, der leider nur eine Übersicht gibt.
Erst vor wenigen Jahren hat die Kommune begonnen, die Radwege mit einem grünen Anstrich zu versehen. Das ist hilfreich. Wo die Bürgersteige breit sind, kann man sich auch bequem auf dem Fahrrad bewegen. Die Verkehrsregeln in Italien sind für Radfahrer ähnlich streng wie in Deutschland. Nur es hält sich niemand daran. Siehe Zentrum: Es soll den Fußgängern vorbehalten bleiben. Die Radfahrer haben dennoch das Zentrum erobert und es wird Zeit, dass die Regeln dem Leben angepasst werden.
Die Fahrt mit Gianluca wird zur Sightseeing-Tour, ich bin begeistert. Er zeigt mir den Bahnhof und den neuen EFSA-Palast nebst Europa-Brücke, den Parco Ducale, den Wasserturm und das Stadion des AC Parma. Er zeigt mir auch den überraschenden Wechsel von der Stadt ins ländlich ruhige Gebiet ganz in der Nähe seines Hauses.
Erst nach vier Stunden schiebe ich das Rad wieder in den Punto Bici an der Via Toschi. Ich zahle 2,50 Euro – recht wenig für ein Ganztagsabenteuer an frischer Luft. Dass mir als passioniertem Radfahrer abends dennoch das Hinterteil weh tut, liegt wohl an der ungewohnt niedrigen Sitzposition auf dem alten Damenrad; etwas Moderneres hat die Stadt als Mietrad nicht zu bieten.
Parma in Bici – ein Fazit: Als Transportmittel von A nach B ist das Fahrrad in Parma ideal, auch weil die Stadt flach wie ein Eierkuchen ist. Um sportlich zu fahren, muss man die Stadt jedoch verlassen; enge Fahrspuren und reichlich Verkehr drücken aufs Tempo. Ein gemächliches Dahinrollen ist jedoch jederzeit möglich. Was die Stadtväter jetzt in Angriff nehmen müssen, ist eine Beschilderung, die den Weg zu den einzelnen touristischen Zielen weist. Ohne Gianluca nämlich wäre ich auf meinem kleinen Giro di Parma aufgeschmissen gewesen.


Grazie per accogliere la mia replica.