Meine Tage bei der Taz nähern sich ihrem Ende und damit mein erster Blog. Er wird mir fehlen, wenn ich ihn auch nicht täglich fortgeschrieben habe. In der Zwischenzeit produziere ich Artikel, die letzten beiden werden allerdings wohl erst veröffentlicht, wenn ich schon nicht mehr hier bin. Hoffentlich schicken sie mir trotzdem ein paar Belegexemplare!
In einigen Tagen wird heißen, Abschied zu nehmen, so wie Ambros vor mir es getan hat, der mir auf sehr vergnügliche Weise die Bedeutung seiner diesbezüglichen Bemerkungen erklärte. Um nicht in den Stil des „real existierenden Sozialismus“ zu verfallen, werde ich die Abschiedsgrüße auf mehrere Tage verteilen. Und um niemanden mit einer nutzlosen Namensliste zu langweilen. Hinter jedem Namen verbirgt sich eine Person, die für meine hiesige Erfahrung eine besondere Bedeutung hat.
Der einzige italienische Sender, den ich in diesen Tagen sehe, ist das erste Programm der RAI. Wer mich kennt und weiß, was ich von unserem angeblich wichtigsten Kanal halte, mag darüber lächeln. Zumindest habe ich mich so in die italienische Weihnachtsstimmung versetzt. Hier stößt man auf den Advent, sobald man auch nur die Nase aus der Tür steckt. Weihnachten ist hier einfach überall. Von der Adventskerze im Schwimmbad bis zum Kiosk zwischen den Gleisen der U2, die ich jeden morgen nehme. Es gibt keinen ungemütlicheren Ort für den Verkauf von Kaffee, Brötchen, Kuchen und Keksen. Und trotzdem haben die beiden wunderbaren weißhaarigen Damen ihren Kiosk in ein buntes Lichtermeer verwandelt. Ebenso verzaubert leuchten Kerzen und Holzschmuck in den Fenstern vieler Wohnungen. Das genaue Gegenteil der fürchterlichen Weihnachtsmänner, die über so viele römische Balkons steigen!
Und dann sind da noch die phantastischen Weihnachtsmärkte! Von den Ständen für Touristen wie auf der Piazza Navona bis zu echten Spezialitäten, die das Gefühl vermitteln, mitten in einem Bergdorf zu stehen und nicht in einer Hauptstadt wie Berlin. Wie der Weihnachtsmarkt, über den ich gestern in Neukölln geschlendert bin und den ich nur mit Hilfe eines Kenners gefunden habe. Ein Stückchen Deutschland in einem türkischen Viertel, das Dich mit Verkehr, Chaos und Lärm empfängt, sobald Du aus der U-Bahn kommst.
Ich habe nichts gekauft. „Wir müssen uns alle bemühen, Italien zu retten“, hat Ministerpräsident Monti sinngemäß gesagt, als er die Sparmaßnahmen für dreißig Milliarden Euro vorstellte. Daher drängt sich der Gedanke an die nächsten Monate voller Opfer förmlich auf, aber wie weit wird das gehen? Ich halte die Wiedereinführung der Grundsteuer unter anderem Namen für richtig. Berlusconi hatte sie abgeschafft, um seine Sympathiewerte zu erhöhen. Das war von Anfang an der falsche Ansatz. Ich zahle, weil ich es mir leisten kann. Über die anderen Maßnahmen wie Rentenreform und Steuererhöhungen muss ich mich noch genauer informieren. Instinktiv möchte ich allerdings den Protest dagegen unterstützen, den die Gewerkschaft CGIL, Italiens größte Arbeitnehmervertretung, angekündigt hat.
(Übersetzung: Bettina Gabbe)
Monday, 5. December 2011
Weihnachtsstimmung
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