Bei meiner "Neapel-Mission" habe ich die Umgebung der Stadt bislang etwas vernachlaessigt. Ein Ausflug nach Ischia, ein Abstecher nach Marechiaro und Pozzuoli - das war's. Wenigstens die riesige Schloss- und Parkanlage der Reggia Caserta will ich mir aber nicht entgehen lassen. Und auf dem Rueckweg vielleicht ein Abstecher zum beruehmten Aquaedukt von Maddaloni. Die Fahrt per Zug scheint mir am bequemsten. So kann man sich irren.
Auf der Hinreise geht es noch gut, jedenfalls nachdem ich herausgefunden habe, dass man am Hautpbahnhof Neapel ausgerechnet die Tickets fuer die Fahrt nach Caserta weder am Fahrkartenautomaten noch am Ticketschalter, sondern am Zeitschriftenstand bekommt. In 35 Minuten bin ich vor Ort, noch recht frueh am Morgen, um den Park nicht in der Mittagshitze durchwandern zu muessen. Um es kurz zu machen: Die gesamte Reggia ist ein Ereignis, das den Besucher ueberwaeltig: Die Parkanlagen mit ihren Wasserspielen und Kaskaden, die maechtigen Saele, die schier ueberquellen von Wand- und Deckenmalereien. Unverzeihlich, waere ich nicht dorthin gefahren. Dann mache ich mich auf den Rueckweg.
Am Bahnhof Caserta heisst es, wegen einer Blockade der Gleise am Hauptbahnhof Neapel fahre kein Zug in die Richtung. Nein, man wisse nicht, wann es weitergehe. Ein Mann im Zug meint,es sei besser zu warten, als nach einem Bus Ausschau zu halten. Das tun wir dann auch. Warten. Eine Stunde. Dann heisst es, der Zug fahre los. Allerdings in die andere Richtung. Also aussteigen. Ob ein Taxi eine Alternative ist, frage ich einen Mitreisenden. Der winkt ab. Einmal sei er von Caserta nach Maddaloni gefahren: "Vier Kilometer, 30 Euro. Alles Banditen."
Nach gut eineinhalbstuendiger Wartezeit wird ein Bus nach Neapel angekuendigt, wenig spaeter aber wieder abgesagt. Stattdessen faehrt ein Zug. Aber zunaechst nur bis Maddaloni, vielleicht sogar bis Cancello. Immerhin.
In Maddaloni ueberlegte ich einen Moment, ob ich mir noch schnell den Aquaedukt ansehen soll, bleibe dann aber lieber in Wartestellung am Bahnhof. Das erweist sich als richtige Entscheidung, weil nur 15 Minuten spaeter ein Zug nach Cancello faehrt. Dort ist wieder Pause. Nach einer Weile wird ein Zug nach Acerra angekuendigt. Weiterfahrt ueber Casalnuovo Richtung Neapel nicht ausgeschlossen. Die Waggons sind voll besetzt, dafuer aber nicht klimatisiert, was die Fahrt zu einem ganz speziellen Ereignis macht.
Schliesslich, dreieinhalb Stunden nachdem "mein" Zug in Caserta starten sollte, erreiche ich Neapel. Am Bahnsteig verteilen zwei Maedchen kostenlose Werbeproben eines Deodorants an die Passagiere. Ich nehme gleich zwei.
Thursday, 23. June 2011
Caserta-Neapel - ein Zugfahrt mit Hindernissen
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