Die Werke der Berliner Künstlerin provozieren, polarisieren, schockieren – und berühren. Ihr neuester Bilder-Zyklus Love Affairs wurde zusammen mit ausgewählten Hauptwerken als Bildband in einer Sammleredition des Prestel Verlags veröffentlicht. Er dokumentiert auf eindrucksvolle Weise die künstlerische Entwicklung Cornelia Schleimes, der die Kunsthalle Tübingen in diesem Jahr eine große Retrospektive gewidmet hat.
Unter dem Titel Weit fort erschien die erste literarische Arbeit der Künstlerin. Es ist ein sehr persönliches Buch, das gleichsam als Schlüsselroman zu Cornelia Schleimes eigener Vergangenheit verstanden werden kann. Die Künstlerin lebte bis 1984 in Ost-Berlin und siedelte dann in den Westen über. Ihre bis dahin entstandenen Kunstwerke verschwanden im Zusammenhang mit ihrer Ausreise spurlos. Die Ich-Erzählerin Clara, ebenfalls Künstlerin, teilt dieses Schicksal. Auch sie wurde, wie Cornelia Schleime, von ihrem besten Freund jahrelang für die Stasi bespitzelt. Der falsche Freund, im Buch nicht namentlich genannt, war Sascha Anderson – der bekannteste nach der Wende enttarnte Künstler, der zu DDR-Zeiten ein Doppelleben als Stasi-IM geführt hatte. Es existiert ein Dokumentarfilm mit dem Titel Verrat, in dem Anderson durch einen plötzlichen, zuvor zwischen dem Filmemacher und der Künstlerin abgesprochenen Auftritt Cornelia Schleimes in einem römischen Café mit seinem ungeheuerlichen Verrat an ihr konfrontiert wird.
Im Buch spielt Clara eben diesen Film ihrem neuen Freund vor, den sie in einer Partnerbörse im Internet kennengelernt hat. Die zunächst vielversprechende Liebesbeziehung, ist danach abrupt zu Ende. Ludwig, der Fragen nach seiner DDR Vergangenheit stets mit Schweigen beantwortet hatte, schweigt auch in diesem Moment und verschwindet dann spurlos aus Claras Leben. Alles deutet daraufhin, dass sie sich erneut auf einen Stasi-Mann eingelassen hatte.
Weit fort von Cornelia Schleime finden Sie in unserer Bibliothek unter der Signatur 830 Schle
