Der jährliche Deutschlehrertag in Göteborg ist eine Institution. Am 15. und 16. Oktober haben sich wiederum über 100 Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer aus Westschweden in der Pädagogischen Hochschule am Grönsagstorget in Göteborg versammelt, um Erfahrungen auszutauschen und Neues zu erfahren. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Deutschlehrer-Komitee und vom Goethe-Institut Schweden.
Ein Schwerpunktthema des Deutschlehrertags waren neue Medien im Deutschunterricht. Tünde Kadar, Deutschlehrerin an einem Gymnasium in Serbien und Fortbilderin des Goethe-Instituts, stellte Anwendungen im Web2.0 vor, wie Wiki, Weblog, Podcast, Twitter, YouTube, Flickr und vieles mehr. In ihrem Beitrag zeigte sie Möglichkeiten auf, wie mit diesen Werkzeugen im Deutschunterricht gearbeitet werden kann.
Ein konkretes Beispiel zur Arbeit mit einem Blog präsentierte Linda Nilsson. Sie unterrichtet Deutsch am Blackebergs Gymnasium in Stockholm. Linda Nilsson und ihre Schülerinnen und Schüler haben sich mit Tamara Bachs preisgekröntem Jugendroman „Marsmädchen“ auseinandergesetzt. Die Ergebnisse sind unter http://blackeberg.wordpress.com zu besichtigen.
Spannend war auch die Präsentation von Kim Haataja. Er ist Privatdozent für Angewandte Sprachwissenschaft an der Universität in Tampere. Seine Forschungsschwerpunkte sind integriertes Fremdsprachen- und Sachfachlernen und schulischer Erwerb mündlicher Sprachfertigkeiten. In seinem Beitrag hat er eine Computersimulation zur Einübung, Überprüfung und Auswertung mündlicher Fremdsprachenfertigkeiten vorgestellt.
Musikalisch umrahmt wurde der erste Tag von Martin Bagge. Ihm gelang es, mit „Liedern über Liebe, Lust und Tod“ die Zuhörerschaft in die Zeiten des Dichters Carl Michael Bellmann zu versetzen.
Ein beliebtes und immer wieder gewünschtes Thema ist Grammatik. Paul Rusch, Autor zahlreicher Lehrwerke, Fortbilder und Lehrbeauftragter für Didaktik Deutsch als Fremdsprache an der Universität Innsbruck, beschäftigt sich seit Jahren mit Grammatik. Er verspricht dann am meisten Erfolg, wenn die Lernenden auf verschiedenen Ebenen aktiv sind: Entdecken von Regularitäten, kreatives Spielen, Ausprobieren von neu Gelerntem.
Mit großem Interesse lauschten die Teilnehmenden der Präsentation von Rainer Moritz. Im Fokus standen Bücher mit Deutschlandbezug und herausragende Werker junger deutschsprachiger Autorinnen und Autoren. Rainer Moritz kam direkt von der Frankfurter Buchmesse nach Göteborg. Er leitet das Literaturhaus Hamburg und ist selbst auch Autor zahlreicher Bücher, u.a. über Literatur und Fußball.
Riikka Haataja, Deutschlehrerin an der PASCH-Schule in Tampere, Finnland, präsentierte in ihrem Beitrag Beispiele für einen motivierenden Deutschunterricht. Sie stellte unter anderem ein Theaterprojekt an ihrer Schule vor. Überzeugend legte sie dar, dass mit szenischem Spiel über den Erwerb der Fremdsprache hinaus soziales Lernen stattfindet, das den Erwerb von Schlüsselqualifikationen und Grundkompetenzen wie Persönlichkeitsbildung, Rollenflexibilität, Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Empathie fördert.
Karin Thelemann, Sprachabteilungsleiterin des Goethe-Instituts Schweden, stellte die Prüfungen des Goethe-Instituts, die Planungen für 2012 und die Untersuchung Språk - en väg in i arbetslivet von Lärarnas Riksförbund und Svensk Näringsliv zum Fremdsprachenbedarf vor. Ausführliche Informationen zu den Prüfungen und Terminen unter Deutsch lernen. 2012 plant die Bildungskooperation des Goethe-Instituts – wiederum mit Partnern in Schweden – zahlreiche Projekte, u.a. eine Ausstellung zu Märchen, die im Frühjahr touren wird und ein Gastspiel eines Jugendtheaters. Informationen über das aktuelle Programm sind auf unserer Homepage zu finden. Artikel zur Untersuchung findet man bei Dagens Nyheter, Västsveriges Affärstidning sowie bei Skolvärlden.
Herzlichen Dank an Frauke Greter für die Moderation und Vorstellung der Referentinnen und Referenten, an Daniel Marquardt für die immer funktionierende Technik und an Oktavia Marquardt für die Organisation. Insgesamt waren es zwei anregende und inspirierende Tage in Göteborg.