In Berlin, so wie in anderen Städten weltweit, schlossen sich in den 10 Tagen vor dem 25. Januar 2012 Künstler und Aktivisten der „Mad Graffiti Week“ an. Unter ihnen mischte sich auch jemand, der null, aber auch wirklich null Ahnung von Kunst, Graffiti, Street-Art und desgleichen hat... meine Wenigkeit.
Mittwoch, der 18. Januar, 22:00 Uhr, irgendwo in einem Hinterhof in Berlin. Regenschauer, gefühlte minus zwanzig Grad; trotzdem darf ich ein Teil der Vorbereitungen für den 25. Januar 2012 in Berlin sein. Für diesen Tag sind drei Demonstrationen vorgesehen. Die erste am Pariser Platz um 14:00 Uhr, gekoppelt mit einer "Kazeboon“ (Lügner-TV)-Vorführung. Um 17:00 Uhr bewegen wir uns gen ägyptische Botschaft, wo um 18:00 Uhr eine Feier stattfinden soll, weil man ja so viel zum Feiern hat (!). Und um 15:00 Uhr wird eine Gruppe vor dem Büro des Militär-Attachés demonstrieren, das sich in einem anderen Berliner Stadtteil befindet. Dazu haben wir eingeladen, aber auch darüber hinaus.
Tahrir is not a Square!
Ich gerate oft an die Grenzen der Verzweiflung, wenn ich meine Hoffnungen auf politische Entscheidungen setze. Das wurde uns oft genug während der ersten 18 Tage der Revolution 2011 und noch stärker danach bewiesen, als die Euphorie über die Präsenz der Armee und die Machtübernahme durch den Militärrat anfing zu verfliegen und alles immer verworrener wurde. Doch der Kampf wird lange dauern, und wenn man nicht körperlich anwesend ist, dann lässt man sich leichter ablenken.
Aber Tahrir ist nicht nur ein Platz, auf dem bestimmte Menschen sich zu bestimmten Zwecken und zu bestimmten Zeiten versammeln und etwas fordern. Tahrir ist eine Einstellung, und diese verbreitet sich zur Zeit auf den Wänden Berlins, der Stadt, die vom Inbegriff der Unterdrückung zum Inbegriff der Befreiung wurde. Der Stadt, in der Khaled Said auf einem Teil der ehemaligen Berliner Mauer verewigt ist. Der Stadt, in der jeder auf seine Weise seinen Kampf für Freiheit und Gerechtigkeit führen kann, sei es durch Gebet oder Rebellion, durch Schweigedemos oder laute Märsche durch die Stadt, durch klassische, konservative Ausdrucksmöglichkeiten, oder eben durch Graffiti. Graffiti ist ein Aufschrei! Umstritten, provokativ, anti-autoritär. So, wie auch die Revolution.
Rahma ist 27 und lebt und arbeitet in Berlin.