Der ägyptische Blogger Maikel Nabil wurde aufgrund seiner Kritik am Militärrat vor ein Militärgericht gestellt. Er ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Seit dem 23.08.2011 befindet er sich im Hungerstreik - bis er freigelassen wird. Mark Nabil beschreibt die ernste Lage, in der sich sein älterer Bruder derzeit befindet. Dienstag, 4. Oktober 2011
Mein Bruder ist im Hungerstreik
Der ägyptische Blogger Maikel Nabil wurde aufgrund seiner Kritik am Militärrat vor ein Militärgericht gestellt. Er ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Seit dem 23.08.2011 befindet er sich im Hungerstreik - bis er freigelassen wird. Mark Nabil beschreibt die ernste Lage, in der sich sein älterer Bruder derzeit befindet. Während Medien, Blogger und Menschenrechtsorganisationen zögern, stirbt ein Mensch im Marg-Gefängnis. Der Geburtstag dieses Menschen ist am 1. Oktober. Der erste Geburtstag, den Maikel nicht mit uns und seinen Freunden verbringen konnte. Die Militärregierung hat ihm seine Freiheit genommen.
Wir haben am 1. Oktober 2011 mit Maikel seinen Geburtstag im Marg Gefängnis gefeiert. Sein gesundheitlicher Zustand hatte sich verschlechtert, im Vergleich zum Letzten Mal, als wir bei ihm waren. Er konnte sich nicht bewegen. Wir haben eine Torte und Kerzen mitgebracht und feierten mit ihm. Danach riefen wir: „Nieder mit dem Militärrat“. Da sich Maikel im Hungerstreik befindet, hat er nicht mit uns gegessen. Wir haben es angekündigt: Falls Maikel am 4. Oktober 2011 in der Revision nicht freigelassen wird, wie alle andere Aktivisten, dann wird er auch kein Wasser mehr zu sich nehmen.
Maikel ist seit dem 23. August 2011 im Hungerstreik. Er streikt weiter. Und wird nicht eher damit aufhören, bevor er nicht freigelassen wird.
Einen Satz hat Maikel gesagt, bevor er anfing zu streiken: "Der Tod ist mir lieber, als auch nur einen Tag ungerecht im Gefängnis zu sitzen."
Jetzt ist Maikel im Krankenhaus des Marg-Gefängnisses. Obwohl man das eigentlich gar nicht mehr als Krankenhaus bezeichnen kann. Während der Revolution ist es vollkommen abgebrannt. Es besteht jetzt nur noch aus vier Betten, einem Blutdruckgerät und einem Zuckergerät. Keine Medikamente.
Am 14. September wollten wir Maikel besuchen gehen. Die Journalistin Bothina Kamel hat uns begleitet. Aber die Gefängnisverwaltung ließ uns nicht herein. Man sagte uns, Maikel sei im Krankenhaus und lehne unseren Besuch ab. Abgesehen davon sei der Zutritt ins Krankenhaus sowieso verboten. "Er müsste eigentlich zu euch raus kommen, denn ihr habt ja keine Genehmigung das Krankenhaus zu betreten."
Aus dem Gefängnis ließ Maikel uns einen Brief zukommen. Er schrieb, nicht er, sondern die Gefängnisverwaltung habe unseren Besuch abgelehnt. Er schrieb auch, dass er gar nicht in der Lage sei, das Bett zu verlassen, da ihm allein beim Stehen schwarz vor Augen wird. Und wenn er etwas abgelehnt hat, dann war es die ärztliche Untersuchung, aus Protest gegen das Verhalten der Gefängnisverwaltung. Diese weigerte sich nämlich, die Gründe für seinen Durststreik offiziell zu Protokoll zu bringen.
Maikels gesundheitlicher Zustand
Am Donnerstag, den 15. September ist Maikel in den Durststreik getreten. Vier Tage sind schon vergangen. Als man letztens seinen Blutdruck messen wollte, fand man gar keinen Puls. Dann brachte man ihm schnell die Infusion. Mit den Worten: "Wir werden die erst dann wieder 'ne Infusion geben, wenn du vor unseren Augen stirbst."
Maikel sagte bei unserem letzten Besuch: "Ich werde hier im Gefängnis nach und nach körperlich liquidiert. Man will mich einen langsamen Tod sterben lassen."
Maikels Haut ist jetzt von Krätze befallen. Wegen den unhygienischen Zuständen im Gefängnis. Wo sind die Menschenrechtsorganisationen? Ist das Maikels Strafe dafür, dass er sich immer rigoros für Menschenrechte eingesetzt hat?
Vor dem Hungerstreik wog Maikel 60 Kilogramm. Am 19. September waren es nur noch 48 Kilogramm. Er hat 20% seines Gewichts verloren. Im Schnitt ein halbes Kilo pro Tag. Würden wir in einem Rechtsstaat leben, wäre doch sicher irgendjemand gekommen und hätte sich Maikels Gesundheitszustand angesehen.
Während seines Hungerstreiks hat Maikel eine Nierenkolik bekommen. Er hätte dringend eine Nierenuntersuchung, ein Kardiogramm und eine Untersuchung seiner Leberfunktion gebraucht. Aber in diesem Krankenhaus sind solche Untersuchungen gar nicht möglich. Also haben wir bei der zuständigen Militärvertretung einen Antrag gestellt, dass Maikel vom Gefängniskrankenhaus in ein privates versetzt würde, die Kosten dafür wollten wir übernehmen. Wir haben bis jetzt keine Antwort bekommen.
Am 9.9.2011 begann Maikel, als Akt der Solidarität mit den Demonstrationen auf dem Tahrirplatz, einen Durststreik. Die Gefängnisverwaltung weigerte sich, seinen Streik festzustellen und zu protokollieren. Genauso wenig wie sie seine Krätze feststellten wollten.
Sollte Maikel irgendetwas passieren, sollte er irgendwie zu schaden kommen, dann ist Feldmarschall Tantawi, in seiner Eigenschaft als Präsident des Höchsten Rats der Armee, dafür verantwortlich.
Mark Nabil, 19 Jahre alt, studiert Informatik in Kairo und beschäftigt sich mit den Themen Demokratie und Meinungsfreiheit. Rund fünf Jahre hat er seinen Bruder Maikel auf zahlreichen Seminaren und Workshops begleitet.
Übersetzt von Sandra Hetzl
Bei Fragen oder wenn ihr helfen wollt, setzt euch mit uns in Kontakt über:
free.maikel@gmail.com
+20 0170395098
Maikels Briefe aus dem Gefängnis könnt ihr hier lesen.
Fotos von Maikel im Marg-Gefängnis zusammen mit seinem Vater, seinem Anwalt und dem Aktivisten Karim Amer.
Wir haben am 1. Oktober 2011 mit Maikel seinen Geburtstag im Marg Gefängnis gefeiert. Sein gesundheitlicher Zustand hatte sich verschlechtert, im Vergleich zum Letzten Mal, als wir bei ihm waren. Er konnte sich nicht bewegen. Wir haben eine Torte und Kerzen mitgebracht und feierten mit ihm. Danach riefen wir: „Nieder mit dem Militärrat“. Da sich Maikel im Hungerstreik befindet, hat er nicht mit uns gegessen. Wir haben es angekündigt: Falls Maikel am 4. Oktober 2011 in der Revision nicht freigelassen wird, wie alle andere Aktivisten, dann wird er auch kein Wasser mehr zu sich nehmen.
Maikel ist seit dem 23. August 2011 im Hungerstreik. Er streikt weiter. Und wird nicht eher damit aufhören, bevor er nicht freigelassen wird.
Einen Satz hat Maikel gesagt, bevor er anfing zu streiken: "Der Tod ist mir lieber, als auch nur einen Tag ungerecht im Gefängnis zu sitzen."
Jetzt ist Maikel im Krankenhaus des Marg-Gefängnisses. Obwohl man das eigentlich gar nicht mehr als Krankenhaus bezeichnen kann. Während der Revolution ist es vollkommen abgebrannt. Es besteht jetzt nur noch aus vier Betten, einem Blutdruckgerät und einem Zuckergerät. Keine Medikamente.
Am 14. September wollten wir Maikel besuchen gehen. Die Journalistin Bothina Kamel hat uns begleitet. Aber die Gefängnisverwaltung ließ uns nicht herein. Man sagte uns, Maikel sei im Krankenhaus und lehne unseren Besuch ab. Abgesehen davon sei der Zutritt ins Krankenhaus sowieso verboten. "Er müsste eigentlich zu euch raus kommen, denn ihr habt ja keine Genehmigung das Krankenhaus zu betreten."
Aus dem Gefängnis ließ Maikel uns einen Brief zukommen. Er schrieb, nicht er, sondern die Gefängnisverwaltung habe unseren Besuch abgelehnt. Er schrieb auch, dass er gar nicht in der Lage sei, das Bett zu verlassen, da ihm allein beim Stehen schwarz vor Augen wird. Und wenn er etwas abgelehnt hat, dann war es die ärztliche Untersuchung, aus Protest gegen das Verhalten der Gefängnisverwaltung. Diese weigerte sich nämlich, die Gründe für seinen Durststreik offiziell zu Protokoll zu bringen.
Maikels gesundheitlicher Zustand
Am Donnerstag, den 15. September ist Maikel in den Durststreik getreten. Vier Tage sind schon vergangen. Als man letztens seinen Blutdruck messen wollte, fand man gar keinen Puls. Dann brachte man ihm schnell die Infusion. Mit den Worten: "Wir werden die erst dann wieder 'ne Infusion geben, wenn du vor unseren Augen stirbst."
Maikel sagte bei unserem letzten Besuch: "Ich werde hier im Gefängnis nach und nach körperlich liquidiert. Man will mich einen langsamen Tod sterben lassen."
Maikels Haut ist jetzt von Krätze befallen. Wegen den unhygienischen Zuständen im Gefängnis. Wo sind die Menschenrechtsorganisationen? Ist das Maikels Strafe dafür, dass er sich immer rigoros für Menschenrechte eingesetzt hat?
Vor dem Hungerstreik wog Maikel 60 Kilogramm. Am 19. September waren es nur noch 48 Kilogramm. Er hat 20% seines Gewichts verloren. Im Schnitt ein halbes Kilo pro Tag. Würden wir in einem Rechtsstaat leben, wäre doch sicher irgendjemand gekommen und hätte sich Maikels Gesundheitszustand angesehen.
Während seines Hungerstreiks hat Maikel eine Nierenkolik bekommen. Er hätte dringend eine Nierenuntersuchung, ein Kardiogramm und eine Untersuchung seiner Leberfunktion gebraucht. Aber in diesem Krankenhaus sind solche Untersuchungen gar nicht möglich. Also haben wir bei der zuständigen Militärvertretung einen Antrag gestellt, dass Maikel vom Gefängniskrankenhaus in ein privates versetzt würde, die Kosten dafür wollten wir übernehmen. Wir haben bis jetzt keine Antwort bekommen.
Am 9.9.2011 begann Maikel, als Akt der Solidarität mit den Demonstrationen auf dem Tahrirplatz, einen Durststreik. Die Gefängnisverwaltung weigerte sich, seinen Streik festzustellen und zu protokollieren. Genauso wenig wie sie seine Krätze feststellten wollten.
Sollte Maikel irgendetwas passieren, sollte er irgendwie zu schaden kommen, dann ist Feldmarschall Tantawi, in seiner Eigenschaft als Präsident des Höchsten Rats der Armee, dafür verantwortlich.
Mark Nabil, 19 Jahre alt, studiert Informatik in Kairo und beschäftigt sich mit den Themen Demokratie und Meinungsfreiheit. Rund fünf Jahre hat er seinen Bruder Maikel auf zahlreichen Seminaren und Workshops begleitet.
Übersetzt von Sandra Hetzl
Bei Fragen oder wenn ihr helfen wollt, setzt euch mit uns in Kontakt über:
free.maikel@gmail.com
+20 0170395098
Maikels Briefe aus dem Gefängnis könnt ihr hier lesen.
Fotos von Maikel im Marg-Gefängnis zusammen mit seinem Vater, seinem Anwalt und dem Aktivisten Karim Amer.
In einem Hungerstreik zu sein ist Nabil freiwillige Wahl. Wenn er daran stirbt, ist er selbst allein daran schuld und dafuer verantwortlich. Die Gefaengisverwaltung hat nichts mit seiem Streik weder mit der Urteil zu tun. Apropos Abdul Kareem Amer (alias Karim Amer), wurde er nicht wegen einem aehnlichen Vorwurf vor einem "zivilen" Gericht gestellt und zu 3 oder 4 Jahre haft verurteilt?
Als ich die Fotos geguckt habe, dachte ich "Gleich und gleich gesellt sich gern".
http://www.mideastfreedomforum.org/index.php?id=336&PHPSESSID=b4ea48f45544cb58439e840c87775288
Maikels Durchhaltevermögen ist bewundernswert, aber er wird leider keinen Erfolg mit seinem Hungerstreik haben. Das Militär wird ihn sterben lassen.
Maikel sollte weiter leben und vor allem weiter schreiben! Er wird auf Dauer mit Worten mehr verändern können. Veränderungen, besonders im Denken der Menschen, brauchen Zeit und das ägyptische Volk ist noch nicht soweit, einen Maikel Nabil mit seinen für einen Ägypter sehr ungewöhnlichen Ansichten zu verstehen.