Der wohlverdiente Urlaub ist zwei Wochen lang. Vor dir liegt ganz Europa, und du hast gleich den Impuls, es zu umarmen – oder zumindest die neun Länder, die direkt an Deutschland angrenzen. Polen streiche ich sofort von der Liste, denn von dort bin ich ja erst kürzlich zurückgekommen. Nach Paris haben wir vor zwei Jahren mal einen zweitägigen Abstecher gemacht, aber es blieb dennoch eine unbekannte Größe: Wegen des damals dort stattfindenden bekanntesten und prestigereichsten Radrennens der Welt, der Tour de France, habe ich es noch nicht einmal geschafft, mir den Arc de Triomphe (Triumphbogen) anzusehen. Und Paris kann man schließlich auch ewig genießen, ohne dass es einem zu viel wird. Besonders dann, wenn man sich ein paar Mal die Filme „Paris, I love you“ und „Paris“ mit Juliette Binoche angesehen und Remarques Buch „Liebe deinen Nächsten“ gelesen hat.
Das Kapitel Luxemburg ist für mich seit April abgehakt. Drei Stunden hatten ausgereicht, um nachvollziehen zu können, wie betucht dort die Rentner leben, wie teuer das Mittagessen ist – und wie lohnenswert, sich hier mit billigem Berlin einzudecken. Die Schweiz zogen wir wegen ihrer Kostspieligkeit gar nicht erst in Betracht. Belgien, Österreich und Liechtenstein haben wir uns für das nächste Mal aufgehoben. Dänemark wird hoffentlich im Dezember im Rahmen der Klimakonferenz klappen.
Der erste Kandidat für einen Besuch war Amsterdam mit seinen berüchtigten, verqualmten Gässchen und seinen Coffee-Shops. Die nächste Variante, die aussichtsreichste und hoffnungsvollste, war Prag: Ganz in der Nähe von Berlin, und die Hotelpreise wärmen einem das Herz. Nachdem wir uns im Internet die Wettervorhersage angesehen hatten, verabschiedeten wir uns auch von Amsterdam: Für die ganze Woche war Regen vorausgesagt. Daraufhin fingen wir an, Touren nach Italien oder Spanien zu suchen. Also: Prag und eine dazu gekaufte Last Minute-Reise nach Italien.
Nach Prag haben wir uns mit der Mitfahrgelegenheit aufgemacht, einer Seite, die sich vom Trampen dahingehend unterscheidet, dass man sich im Vorhinein verabredet und Geld bezahlt. Früher war das eine günstige Möglichkeit, billig von Punkt A nach Punkt B zu kommen. Aber selbst den Deutschen fällt inzwischen auf, dass die Fahrer zunehmend gerissener werden: Früher haben sie ihre Benzinkosten gedeckt, aber jetzt verdienen sie wie Taxifahrer am Transfer von Leuten. Wir hatten Glück: Ein netter Ungar hat den ungefähren Benzinpreis ausgerechnet, der für den Weg von Berlin nach Prag anzusetzen ist, und uns ein faires Angebot gemacht.
Drei Tage in Prag haben uns gereicht, um auf den üblichen Pfaden eines Prag-Touristen zu wandeln und dazu noch an einigen Orten zu sein, die nicht im Reiseführer standen. Prag in Bildern und die Fortsetzung zu Rom und seiner „Servicekultur“ gibt es in naher Zukunft.
Donnerstag, 26. November 2009
Die Qual der Wahl
Trackbacks
Trackback-URL für diesen Eintrag
Keine Trackbacks


