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Monika Tauber, Moskau
Zwar platzsparend veranlagt, sich jedoch nicht mit begrenztem Raum zufrieden gebend - das bin ich, Monika Tauber.Im Dezember 1987 spürte ich zum ersten Mal Boden unter meinem Rücken, an die Füße war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Ebenfalls in denkbar weiter Ferne schien die Tatsache zu liegen, dass der Schriftzug "Karl-Marx-Stadt - natural born" irgendwann die Vorderseite farbvoller T-Shirts und nicht nur die meines Personalausweises schmücken würde. Aber der Schöpfer "Zeit" hat schon vieles geleistet und so lernte ich essen, denken, laufen, sprechen und lesen - kurzum alles, was einem Menschen nützlich sein kann. Später kamen noch diverse Zusatzkompetenzen hinzu und ich erweiterte den Horizont meiner Eltern durch Haare färben, Klavierübungen zur Schlafenszeit, Sturm klingeln im Morgengrauen und das Austesten diverser flüssiger Substanzen in nicht immer geregelten Mengen.
Nach dem Abitur verschlug es mich auf die grüne Insel, wo ich endlich meiner Schafleidenschaft frönen durfte. Nebenbei trug ich natürlich noch das eine oder andere Tablett mit Guinness, Kilkenny oder Murphys durch die Gegend und versuchte dem irischen Akzent mein Schulenglisch entgegen zu setzen. Nach dieser mehr oder minder geglückter Mission ging es zum Studium der Musikwissenschaft und Skandinavistik an die Ostsee, denn es galt das Motto: "Weil Uni ist, bin ich am Meer". Und auch wenn das Wort „Meer“ für den Greifswalder Bodden eine sehr beschönigende und weniger zutreffende Umschreibung ist, vermisst habe ich ihn während meines Studienjahres in Schweden dennoch sehr stark. Ich verbuche aber auch im Nachhinein den Schrei der Möwen zur Lernzeit über universitären Bücheraufbewahrungskomplexen als befreiend und weniger nerv tötend, wobei letzteres wohl eher der Realität entsprach. Verklärung ist meine Wirklichkeit…
Nach meinem Studium hat es mich dann jedoch wieder nach Mitteldeutschland verschlagen. Nicht weit von Leipzig entfernt, zwar schon in einem anderen Bundesland, liegt die wunderbare Stadt Halle. Dort schmecken nicht nur die Hallorenkugeln viel besser, auch die Temperatur ist eine andere. Während der Rest der Bundesrepublik den Eisblumen beim Wachsen zusehen konnte, sprangen wir diesen Winter noch kurzärmelig und "sandallös" an der Saale entlang. Naja, zumindest hat sich dieses Bild bei mir so eingeprägt. Wenn ich nicht mit dem Generieren von zweifelhaften Gedankenbildern beschäftigt war, habe ich bei Radio Corax die Zuhörenden mit meiner Musik und meinen wilden Assoziationsketten vor vollendete Tatsachen gestellt – der Spaßfaktor war stets auf meiner Seite, natürlich mit steigender Tendenz. Da Winter ohne Kälte und Schnee jedoch nur halb so schön ist, bin ich Ende Februar 2012 nach Moskau geflüchtet um dort als "Kulturweit"-Freiwillige bei der Deutschen Welle zu arbeiten. Hier bin ich nun…
Alles was die russischen Wellen an meinen je nach Gemütslage sandigen oder felsigen Monika Strand anspülen, wird hier bei Ebbe frei gelegt, denn Ebbe öffnet den Raum.
Cornelius Stiefenhofer, Archangelsk

