Liebe Städteblogger,
fast fünf Jahre wurde hier aktiv aus deutschen und russischen Städten gebloggt und dabei sind viele spannende Beiträge entstanden. Nun halten wir die Zeit für gekommen, den Städteblog zu schließen. Alle bisher geschriebenen Beiträge findet ihr künftig im Städteblogg-Archiv unter der Rubrik „Weltenbummler“.
An dieser Stelle möchten wir noch einmal allen danken, die mit interessanten Eindrücken aus den unterschiedlichsten Städten Deutschlands und Russlands den Blog mit Leben gefüllt haben.
Eure To4ka-Redaktion!
Donnerstag, 25. Oktober 2012
Форум СМИ о научной журналистике
Сегодня я пишу с самого севера нашей замечательной страны, Архангельска. Что меня сюда привело? Очень интересное событие, а именно XI Форум СМИ от Германо-Российского Форума. Место было выбрано не случайно, ведь тема данного мероприятия «Наука и общества: диалог журналистов и ученых», то есть это место, где можно прочувствовать науку сполна, так как именно здесь начинаются многие экспедиции в Арктику. На Форум приехали представителей СМИ с немецкой и русской сторон для обсуждения насущных вопросов в сфере научной журналистики и PR.
И я оказалась среди этих счастливчиков. Сегодня, 25 октября, состоялось официальное открытие этой научной конференции. Весь день сегодня был посвящен именно научной журналистике. Русские и немецкие специалисты дали общий обзор о том, как СМИ освещают науку в обеих странах. Самым же интересным, на мой взгляд, был семинар, на котором были рассмотрены значения научной тематики в ежедневной и специализированной прессе. Специалисты в сфере научной журналистики поделились своим опытом, какая тема статьи была для них последней, какая они пришли к ней, где брали информацию. Как оказалось, черпать вдохновение даже на научные темы можно отовсюду: будь то это сообщение в каком-то институте или же проводимый научный конкурс, очень много возможностей. Исходя из этого, и источниками для собственного исследования могут быть разными: руководители проекта и организаций, интервью со специалистами из определенной отрасли, энциклопедии, и, конечно же, интернет - от источников на иностранном языке, а в особенности, на английском, вплоть до Википедии. Это зависит от желания и выбора самого автора, какому источнику он предпочитает больше верить и использовать в своей статье. В качестве примера мы разобрали 2 статьи на обоих рабочих языках Форума, немецком и английском. Мнения об этих публикациях высказывали как журналисты из научной сферы, так и из других. Могу отметить, что во многом они были схожи. Так, если взять немецкую статью, то она была о Мурманске, а вернее о радиоактивных отходов в данной области, то почти все участники высказали мнение, что не хватает опубликованных статистических данных от хорошо известного источника, чтобы можно было поверить данному исследованию. В этом случае можно отнести ее именно к научной статье. 
Что хочу также отметить, вспоминая о сегодняшнем дне (конечно же, впечатлений много и все они положительные), что первый день – это день знакомства. Ведь одной из главных целей данного мероприятия является знакомство участников друг с другом, установление контактов, может быть, даже и дальнейшее сотрудничество, что весьма важно.
Завтра нас ждет второй тематический блок, который будет посвящен научным организациям в России и Германиям
Что хочу также отметить, вспоминая о сегодняшнем дне (конечно же, впечатлений много и все они положительные), что первый день – это день знакомства. Ведь одной из главных целей данного мероприятия является знакомство участников друг с другом, установление контактов, может быть, даже и дальнейшее сотрудничество, что весьма важно.
Завтра нас ждет второй тематический блок, который будет посвящен научным организациям в России и Германиям
Samstag, 29. September 2012
Überraschung "kultureller Art"
Ein Ereignis wie die „Deutschen Tage im Gebiet Uljanowsk“ hat es nicht zum ersten Mal in unserer Stadt gegeben. Diese Veranstaltung ist ziemlich umfangreich und hocherfreulich für alle, die sich für die deutsche Kultur interessieren. Im Rahmen des Forums wurden viele unterschiedliche Seminare, Workshops, Ausstellungen, Konzerte u.s.w. angeboten. Unser Unterricht an der Universität zum Beispiel begann mit einer Vorlesung von zwei deutschen Professoren, Martin Wenke und Helmut Rupsch, die aus einer Hochschule am Niederrhein zu uns angereist waren.
Auch Karsten Heinz kam noch einmal an die Uljanowsker Staatliche Universität und berichtete den Studierenden mit Filmbeispielen von den gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland, und auch von der Wiedervereinigung.

Außerdem kamen das Jazz-Ensemble „Expressway Sketches“ und die Graffiti-Gruppe „The Pleasure Gäng“ nach Uljanowsk, die extra aus Deutschland zu uns angereist waren. Von beiden Gruppen waren im Rahmen des Programms unterschiedliche Workshops für die Uljanowsker Jugendlichen organisiert worden. Ich will euch etwas genauer von der Graffiti-Gruppe erzählen, weil eine sehr interessante Geschichte aus meinem Leben mit ihr zusammenhängt. „The Pleasure Gäng“, das sind drei junge Typen (Alex, Patrick und Michael), die ihre Begeisterung für Graffiti miteinander verbindet. Eigentlich haben sie aber alle unterschiedliche Ausbildungen hinter sich und arbeiten jetzt in verschiedenen Bereichen (als Politologe, Architekt und Ladeninhaber), wohnen mittlerweile alle drei in Berlin und machen von Zeit zu Zeit mal etwas Kreatives.
Ja genau, sie sind kreativ: Denn sie machen Graffiti – und das auch noch professionell. Deswegen sind sie auch nach Uljanowsk gekommen: um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und den Uljanowskern einige Kniffe der deutschen Graffiti-Schule beizubringen. Wie man die Farbe richtig aufträgt, damit man dicke oder im Gegenteil dünne Linien und vieles andere hinbekommt. Das alles wurde dann in der Praxis ausprobiert. Den Graffiti-Sprayern war es natürlich nicht entgangen, dass die Uljanowsker Jugendlichen einiges an Talent zu bieten haben. Außerdem waren sie angenehm überrascht, dass sie in unserer Wolgastadt auch Graffiti sehen konnten, dass auf kyrillisch gesprayt war; denn nach dem, was sie so bisher in Russland beobachtet hatten, ist das wohl eher eine Seltenheit. Einen solchen Kulturaustausch hatten wir also in der Stadt, der „The Pleasure Gäng“ außerordentlich gefallen hat. Alex, einer aus der Gruppe, hat mir von seinen positiven Eindrücken von dieser Reise berichtet. Das Netteste davon war, dass er die Russen als sehr offen und gastfreundlich empfunden hat, was er nicht erwartet hatte. Jaja, so sind wir Russen eben! Außer den Workshop hatte die Gruppe auch noch eigene Arbeiten mitgebracht, die in einem Museum unserer Stadt ausgestellt wurden.

Und hier wird es dann erst richtig interessant. Ein Teil dieser Ausstellung zeigt nämlich Motive aus Uljanowsk. Vor ihrer Abreise nach Russland hatten die Graffiti-Sprayer die Stadt gegoogelt und die ersten 16 Bilder für ihre Arbeiten verwendet. Aus diesen Bildern hatten sie Graffitis erstellt, und die hängen jetzt im Museum. Und könnt ihr euch vorstellen, dass unter diesen 16 Bildern im deutschen Google auch ein Foto von mir war? Ja, genau – von mir.
Und wisst ihr auch, warum? Alles nur dank To4ka-Treff! Dieses Foto kommt nämlich von meinem Blogprofil. Danke, To4ka-Treff, dass du mich derart berühmt gemacht hast! Ich sehe ja ein, dass das lustig klingt, aber zum Teil entspricht es wirklich der Wahrheit. Jetzt hängt ein Portrait von mir in einem Museum unserer Stadt, und dann ist es auch noch die einzige Abbildung einer Person. Das ist schon sehr schmeichelhaft. Großen Dank an die Jungs! Und außerdem will ich noch Constanze Soeder danken, durch die viele der Veranstaltungen im Rahmen des Forums erst zustande gekommen sind – darunter auch die Anreise der deutschen Gruppen.

Herr Helmut Rupsch
Auch Karsten Heinz kam noch einmal an die Uljanowsker Staatliche Universität und berichtete den Studierenden mit Filmbeispielen von den gesellschaftlichen Veränderungen in Deutschland, und auch von der Wiedervereinigung.

Herr Karsten Heinz
Außerdem kamen das Jazz-Ensemble „Expressway Sketches“ und die Graffiti-Gruppe „The Pleasure Gäng“ nach Uljanowsk, die extra aus Deutschland zu uns angereist waren. Von beiden Gruppen waren im Rahmen des Programms unterschiedliche Workshops für die Uljanowsker Jugendlichen organisiert worden. Ich will euch etwas genauer von der Graffiti-Gruppe erzählen, weil eine sehr interessante Geschichte aus meinem Leben mit ihr zusammenhängt. „The Pleasure Gäng“, das sind drei junge Typen (Alex, Patrick und Michael), die ihre Begeisterung für Graffiti miteinander verbindet. Eigentlich haben sie aber alle unterschiedliche Ausbildungen hinter sich und arbeiten jetzt in verschiedenen Bereichen (als Politologe, Architekt und Ladeninhaber), wohnen mittlerweile alle drei in Berlin und machen von Zeit zu Zeit mal etwas Kreatives.

Das Jazz-Ensemble „Expressway Sketches“
Ja genau, sie sind kreativ: Denn sie machen Graffiti – und das auch noch professionell. Deswegen sind sie auch nach Uljanowsk gekommen: um ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen und den Uljanowskern einige Kniffe der deutschen Graffiti-Schule beizubringen. Wie man die Farbe richtig aufträgt, damit man dicke oder im Gegenteil dünne Linien und vieles andere hinbekommt. Das alles wurde dann in der Praxis ausprobiert. Den Graffiti-Sprayern war es natürlich nicht entgangen, dass die Uljanowsker Jugendlichen einiges an Talent zu bieten haben. Außerdem waren sie angenehm überrascht, dass sie in unserer Wolgastadt auch Graffiti sehen konnten, dass auf kyrillisch gesprayt war; denn nach dem, was sie so bisher in Russland beobachtet hatten, ist das wohl eher eine Seltenheit. Einen solchen Kulturaustausch hatten wir also in der Stadt, der „The Pleasure Gäng“ außerordentlich gefallen hat. Alex, einer aus der Gruppe, hat mir von seinen positiven Eindrücken von dieser Reise berichtet. Das Netteste davon war, dass er die Russen als sehr offen und gastfreundlich empfunden hat, was er nicht erwartet hatte. Jaja, so sind wir Russen eben! Außer den Workshop hatte die Gruppe auch noch eigene Arbeiten mitgebracht, die in einem Museum unserer Stadt ausgestellt wurden.

Die Graffiti-Gruppe „The Pleasure Gäng“
Und hier wird es dann erst richtig interessant. Ein Teil dieser Ausstellung zeigt nämlich Motive aus Uljanowsk. Vor ihrer Abreise nach Russland hatten die Graffiti-Sprayer die Stadt gegoogelt und die ersten 16 Bilder für ihre Arbeiten verwendet. Aus diesen Bildern hatten sie Graffitis erstellt, und die hängen jetzt im Museum. Und könnt ihr euch vorstellen, dass unter diesen 16 Bildern im deutschen Google auch ein Foto von mir war? Ja, genau – von mir.
Und wisst ihr auch, warum? Alles nur dank To4ka-Treff! Dieses Foto kommt nämlich von meinem Blogprofil. Danke, To4ka-Treff, dass du mich derart berühmt gemacht hast! Ich sehe ja ein, dass das lustig klingt, aber zum Teil entspricht es wirklich der Wahrheit. Jetzt hängt ein Portrait von mir in einem Museum unserer Stadt, und dann ist es auch noch die einzige Abbildung einer Person. Das ist schon sehr schmeichelhaft. Großen Dank an die Jungs! Und außerdem will ich noch Constanze Soeder danken, durch die viele der Veranstaltungen im Rahmen des Forums erst zustande gekommen sind – darunter auch die Anreise der deutschen Gruppen.
Donnerstag, 6. September 2012
Wir sind, wir sind ein Magdeburger Kind

« Ich kenne eine Stadt am großen Strom,
die viele Häuser hat und einen Dom.
Unsere Stadt mit M beginnt,
denn wir sind, wir sind ein Magdeburger Kind»
Ja, genau: um Magdeburg und um unseren Sprachkurs wird es in diesem Blogeintrag gehen. Ich fange mal ganz von vorne an. Irgendwann im April hatte ich erfahren, dass ich ein DAAD-Stipendium für einen Sommerkurs in Deutschland bekomme (riesigen Dank für diese großartige Möglichkeit!). Und dann ging das ganze Chaos los. Natürlich ist das eine Art angenehmes Chaos: Die Beantragung des Visums, das Buchen der Flüge, das Packen der Koffer. Ich hatte noch gar nicht realisiert, dass der 29. Juli gekommen war, als ich um 9 Uhr morgens in Berlin landete. Wie nicht weiter verwunderlich, begrüßte mich die Stadt schon zum zweiten Mal in Folge mit Regen. Zufällig lernte ich ein Mädchen kennen, das ebenfalls zu dem Kurs nach Magdeburg unterwegs war, und so machten wir uns zusammen nach Sachsen-Anhalt auf.

Ich muss ehrlich zugeben, dass mein erster Eindruck von Magdeburg nicht der beste war. Dadurch, dass es ein Sonntag war, hatte natürlich alles zu, aber das war noch nicht das Schlimmste. Nachdem wir zwei Stunden durch die Stadt gelaufen waren, mussten wir einsehen, dass es ein sinnloses Unternehmen darstellte, hier etwas oder gar jemanden finden zu wollen. Während unserer gesamten Tour waren wir ca. 20 Leuten begegnet. Nach meinen Erinnerungen an Düsseldorf hatte ich von der Hauptstadt Sachsen-Anhalts etwas anderes erwartet. Außerdem war sofort klar, dass Magdeburg eine Stadt ist, die früher zur DDR gehört hat, denn es gibt dort viele Gebäude sowjetischer Bauart. Mir kam es so vor, als ob ich gar nicht ins Ausland gefahren wäre.

Was mich erstaunt hat: Am Ufer der Elbe, oder vielmehr an ihrer Uferstraße, standen eine Menge Wohnwagen herum. Später erklärte man mir, dass sie nicht nur für ältere Leute aus Deutschland, sondern auch der umliegenden Länder ihre Lieblings-Urlaubsform symbolisieren.
Am nächsten Tag, dem Tag unseres Kursbeginns, war ich sehr aufgeregt – weil ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, was mich erwartet. Aber dann gestaltete sich alles mehr als positiv. Bei einem ersten gemeinsamen Abendessen lernten wir unsere zukünftigen Lehrer und die anderen Teilnehmenden kennen. Wie sich herausstellte, setzte sich der Grundstock aus russischsprechenden Kursteilnehmern zusammen (hierzu zähle ich Russland, Belarus, die Ukraine und Kirgistan). Außerdem waren noch Studierende aus Polen, Ungarn, den USA, Kanada, Spanien, Japan, Kolumbien, Syrien, Thailand und Brasilien zum Kurs angereist. Die letzteren hatten besonders viel Glück gehabt, denn alle sieben Teilnehmenden hatten nicht nur ein Stipendium für den Sommerkurs, sondern auch noch für ein einjähriges Studium in Magdeburg bekommen. Tja, was kann ich dazu sagen – Glückspilze eben!

Na ja, und danach begann sich dann alles zu drehen und abzuheben, sodass ich gar nicht bemerkt habe, wie ganze vier Wochen vorübergeflogen sind! Obwohl das ja immer so ist, wenn das Leben voll ist von Ereignissen und Emotionen. Wir hatten jeden Tag Unterricht von 9.00-12.30 Uhr, und für die Zeit nach dem Mittagessen waren die unterschiedlichsten Kulturevents angesetzt: Ausflüge, Museumsbesuche, Vorträge u.s.w.
Magdeburg selbst ist bekannt durch die Persönlichkeit Otto von Guerickes. Da stellt sich gleich die Frage, wer das denn eigentlich ist. Genau der Mann, der hat das Barometer erfunden hat und auch als der erste Meteorologe bekannt ist. Er hat das Vorhandensein des Luftdrucks und vieles andere nachgewiesen. Seine „Magdeburger Halbkugeln“ wurden in der Stadt eine Menge Denkmäler gesetzt. Fast auf Schritt und Tritt, und ganz besonders im Stadtzentrum, stößt man auf diese Kugeln.
Natürlich erinnere mich vor allem an die Leute zurück, also an die Studierenden aus unterschiedlichen Ländern. Es war so großartig, Leute aus verschiedenen Orten kennen zu lernen, ein bisschen was über ihre Kultur und ein paar Sätze in ihrer jeweiligen Muttersprache zu lernen. Und eben die ganze Zeit mit ihnen Deutsch zu sprechen. Schließlich konnte man hier ein unbekanntes Wort nicht einfach auf Russisch sagen, damit der Kontext verständlich wird (denn so machen wir das normalerweise bei unseren Stunden in der Universität) und dann entspannt den Dialog fortzusetzen.
Ich habe mich in diesen vier Wochen so sehr an die Stadt gewöhnt, dass ich richtige Sehnsucht nach ihr habe und mich, genau wie im Lied, wie ein Magdeburger Kind fühle.
Eigentlich ist es schon so, dass man sich an dieses rosafarbene Haus mit seiner ungewöhnlichen Form gewöhnt, wenn man es jeden Tag sieht, und dass es zu etwas ganz Alltäglichem wird. Im Rahmen unseres Kulturprogrammes waren wir auch im Inneren des Gebäudes und haben dabei gesehen, dass die Wohnungen genauso erstaunlich sind wie das Haus selbst: Es wachsen Bäume in den Zimmern, auf dem Boden liegen in den verschiedensten Ecken Fliesen, und nichts darf durchschnittlich sein. Übrigens trifft man die Farbzusammenstellung, in der das Haus gehalten ist – rosa und hellblau – in der Stadt ziemlich häufig an. Zum Beispiel die Haltegriffe in der Tram sind rosa und hellblau. Außerdem gibt es noch eine Brücke in der gleichen Farbkomposition.
Alles in allem ist die Stadt nicht langweilig. Mittlerweile bin ich schon wieder zuhause und merke, wie sehr ich Magdeburg und die Atmosphäre, die in unseren Kursen geherrscht hat, vermisse. Ich würde am liebsten alles zurückholen, aber das geht ja nicht. Die harten Unitage haben schon wieder begonnen. Für mich ist es das letzte Jahr, und ich muss alle meine Gedanken und Kräfte zusammen nehmen. Doch die Erinnerungen an diesen Sommer sind immer noch sehr präsent.

Mittwoch, 8. August 2012
Umweltfreundlich durch Tscheljabinsk
Wenn man in einer russischen Großstadt Fahrrad fährt, ist man nicht einfach nur Fahrradfahrer, man ist Velosipedist. Da schwingt Überzeugung mit und Innovationsgeist, Mut für den Kampf mit der Bordsteinkante und Lust auf kreative Routengestaltung. Während bei uns in Deutschland schon jedes zweijährige Kind aufs Laufrad gesetzt wird, ist Fahrradfahren in der russischen Großstadt ein kleines Wagnis: Es gibt keine speziellen Fahrradwege und auch kaum verkehrstaugliche Fahrräder. Und so schlängeln sich die meisten Radler zwischen den Fußgängern durch, zwar ohne Klingel und Licht, dafür aber mit Handschuhen und Supermountainbikegabelfederung für offen stehende Gullideckel. In den regen Straßenverkehr hingegen traut sich kaum jemand. Viele meiner Bekannten in Tscheljabinsk haben erst in den letzten Jahren Fahrradfahren gelernt , als es immer populärer wurde – als Kind fuhr man höchstens mal bei Verwandten auf dem Dorf ein Stückchen, in der fahrradunfreundlichen Großstadt machte das wenig Sinn. Jetzt allerdings erkämpfen sich die Radfahrer in den russischen Städten mehr und mehr ihren Raum. So hatte ich am Wochenende die schöne Gelegenheit, an einer ehrenamtlich organisierten Fahrradstadtführung zur Tscheljabinsker Industriearchitektur teilzunehmen.

Architektin Nadja begann ihre Führung mit ein paar allgemeinen Infos über die Geschichte der Industrie in Tscheljabinsk. Einst vor allem mit Schwerpunkt auf Brot und Kornwirtschaft entwickelte sich die Stadt durch den Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn ab dem Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell zu einem Warenumschlagsplatz. Alles was aus Fernost hierher kam, wurde gewogen, umgefüllt und für 8 Kopeken pro Pfund teurer weiter verkauft, wodurch die Stadt von einer einfachen Holzbautensiedlung innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Großstadt anwachsen konnte.

Der „Elevator“, 1914 im Jugendstil erbaut, diente früher als Mehl- und Kornspeicher. Er steht unter Denkmalschutz, wird aber nicht sonderlich vor dem Zerfall bewahrt. Mehrere Renovierungs- und Umnutzungsvorschläge junger Architekten für das Gebäude als Bürokomplex blieben bisher unrealisiert. Für Nadja scheint es so, als warteten die Behörden darauf, dass das Haus von selbst zerfällt, um es dann endgültig abreißen und etwas komplett Neues an seiner Stelle bauen zu dürfen. Noch meint sie, sei es aber nicht zu spät für eine Renovierung.

Der Wasserturm. 15.000 Eimer Wasser passen dort angeblich hinein. Nadja machte uns auf den „pseudorussischen“ Stil des Gebäudes aufmerksam. Viele Industriebauten der Stadt zeigten Verzierungselemente wie zum Beispiel zusätzliche Backsteinreihen und Reliefs, die einen altslawischen Architekturstil imitierten. Die Route ging noch weiter zur ehemaligen Teewiege-Fabrik und zur Tabakfabrik.

Wenn sich fünfzig Fahrradfahrer gleichzeitig im Pulk durch die Stadt bewegen, kann man nur schwer verloren gehen. Außerdem sorgt das auch für neugierige Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer.

Mit viel Neugier wurde auch dieses Gefährt begutachtet, als es neulich in Tscheljabinsk Zwischenstopp machte, passenderweise direkt vor dem Denkmal zu Ehren Kurtschatows, des Süduraler Atomphysikers:

Das Solarworld GT, ein Solarauto entwickelt von Studenten der Hochschule Bochum, ist zurzeit auf Weltumrundungstour und befindet sich auf seiner letzten Etappe: Durch Russland und Asien zurück nach Australien, wo sie ihre Reise im Oktober 2011 bei einer Solarauto-Rallye gestartet haben.

Das Auto ist komplett verkehrstauglich und schafft bis zu 120 km/h. Wenn es regnet, halten die eingebauten Solarbatterien noch etwa 350 km. Wenn die Sonne dann immer noch nicht draußen ist, muss eben eine Pause eingelegt werden.

Projektleiter Tim Skerra und sein Team haben schon an die 18000 km zurückgelegt. Mit ihrer Weltumrundung zeigen sie, welch großes Potential Solarautos haben und wie alltagstauglich sie eigentlich sind.

Auf dieser Seite könnt ihr sehen, wo das Solarauto gerade ist und dem Team vielleicht auch einen netten kleinen Empfang in eurer Stadt bescheren.
Durch den regen Tscheljabinsker Stadtverkehr wurde das Auto übrigens aus Sicherheitsgründen in einem speziellen Anhänger transportiert. Bis umweltfreundliche Fortbewegungsmittel in der Großstadt tatsächlich als gleichwertige Verkehrsteilnehmer ernst genommen und berücksichtigt werden, muss wohl leider noch ein bisschen Zeit vergehen.

Architektin Nadja begann ihre Führung mit ein paar allgemeinen Infos über die Geschichte der Industrie in Tscheljabinsk. Einst vor allem mit Schwerpunkt auf Brot und Kornwirtschaft entwickelte sich die Stadt durch den Anschluss an die Transsibirische Eisenbahn ab dem Ende des 19. Jahrhunderts sehr schnell zu einem Warenumschlagsplatz. Alles was aus Fernost hierher kam, wurde gewogen, umgefüllt und für 8 Kopeken pro Pfund teurer weiter verkauft, wodurch die Stadt von einer einfachen Holzbautensiedlung innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Großstadt anwachsen konnte.

Der „Elevator“, 1914 im Jugendstil erbaut, diente früher als Mehl- und Kornspeicher. Er steht unter Denkmalschutz, wird aber nicht sonderlich vor dem Zerfall bewahrt. Mehrere Renovierungs- und Umnutzungsvorschläge junger Architekten für das Gebäude als Bürokomplex blieben bisher unrealisiert. Für Nadja scheint es so, als warteten die Behörden darauf, dass das Haus von selbst zerfällt, um es dann endgültig abreißen und etwas komplett Neues an seiner Stelle bauen zu dürfen. Noch meint sie, sei es aber nicht zu spät für eine Renovierung.

Der Wasserturm. 15.000 Eimer Wasser passen dort angeblich hinein. Nadja machte uns auf den „pseudorussischen“ Stil des Gebäudes aufmerksam. Viele Industriebauten der Stadt zeigten Verzierungselemente wie zum Beispiel zusätzliche Backsteinreihen und Reliefs, die einen altslawischen Architekturstil imitierten. Die Route ging noch weiter zur ehemaligen Teewiege-Fabrik und zur Tabakfabrik.

Wenn sich fünfzig Fahrradfahrer gleichzeitig im Pulk durch die Stadt bewegen, kann man nur schwer verloren gehen. Außerdem sorgt das auch für neugierige Blicke der anderen Verkehrsteilnehmer.

Mit viel Neugier wurde auch dieses Gefährt begutachtet, als es neulich in Tscheljabinsk Zwischenstopp machte, passenderweise direkt vor dem Denkmal zu Ehren Kurtschatows, des Süduraler Atomphysikers:

Das Solarworld GT, ein Solarauto entwickelt von Studenten der Hochschule Bochum, ist zurzeit auf Weltumrundungstour und befindet sich auf seiner letzten Etappe: Durch Russland und Asien zurück nach Australien, wo sie ihre Reise im Oktober 2011 bei einer Solarauto-Rallye gestartet haben.

Das Auto ist komplett verkehrstauglich und schafft bis zu 120 km/h. Wenn es regnet, halten die eingebauten Solarbatterien noch etwa 350 km. Wenn die Sonne dann immer noch nicht draußen ist, muss eben eine Pause eingelegt werden.

Projektleiter Tim Skerra und sein Team haben schon an die 18000 km zurückgelegt. Mit ihrer Weltumrundung zeigen sie, welch großes Potential Solarautos haben und wie alltagstauglich sie eigentlich sind.

Auf dieser Seite könnt ihr sehen, wo das Solarauto gerade ist und dem Team vielleicht auch einen netten kleinen Empfang in eurer Stadt bescheren.
Durch den regen Tscheljabinsker Stadtverkehr wurde das Auto übrigens aus Sicherheitsgründen in einem speziellen Anhänger transportiert. Bis umweltfreundliche Fortbewegungsmittel in der Großstadt tatsächlich als gleichwertige Verkehrsteilnehmer ernst genommen und berücksichtigt werden, muss wohl leider noch ein bisschen Zeit vergehen.
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Cornelius Stiefenhofer, Archangelsk

