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    <title>to4ka-treff - Städteblog - Nowosibirsk</title>
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    <pubDate>Mon, 09 Nov 2009 15:31:29 GMT</pubDate>

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    <title>Russland wird wieder normal</title>
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            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Norbert Schott)</author>
    <content:encoded>
    Hallo,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Russland wird wieder normal. Das mag zynisch klingen, aber mal ehrlich - der Höhenflug 2008 war schon eigenartig. Wolkenkratzer-Träume, Eishockey-Weltmeister, Eurovisions-Gewinner, Zuschlag zur Olympiade 2014. Ich atmete erleichtert auf, als nach drei Tagen Jubelgekreische in einer lauen Sommernacht letztes Jahr in unserem Hof gegen 3 Uhr endlich Ruhe einzog - offensichtlich endete Russlands Glückssträhne im Halbfinale der Fußball-EM. Aufatmen nicht nur, weil ich nun endlich schlafen konnte, sondern auch, weil mich mein Bauchgefühl doch nicht getäuscht hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Normal war es jedenfalls nicht, wie in Russland die Einkaufszentren wie Pilze aus dem Taiga-Boden schossen. Wovon lebten all die Nobelboutiquen, die mindestens 30 Euro Miete pro Quadratmeter zahlten, aber keine Kunden hatten? Wer waren all die Menschen, die in den dutzenden neuen Cafés von Novosibirsk plötzlich winzige Stückchen Quarkkuchen für fünf Euro kauften? Woher kamen die unzähligen Rubel, mit denen die vielen Hummer-Geländewagen mitten in Sibirien finanziert wurden? Wie konnte es sein, dass mitten in der Steppe Häuser mit 40 Etagen rentabel erscheinen, wo doch rund herum genug Platz wäre? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch meine Skepsis war nicht unbegründet. Während man in Deutschland meinem Eindruck nach von einer Krise redet, ist sie in Russland da. Die Baustellen stehen still, die Einkaufszentren machen dicht, die Preise für Dienstleistungen aller Art sinken wieder auf ein Niveau, welches auch der Qualität entspricht. Sicher tragisch für jene, die sich an das angenehme Leben mit Quarktorte im Einkaufszentrum gewöhnt hatten. Und noch tragischer für jene, die zu Zeiten des Booms Kredite mit 20 Prozent Zinsen für eine Wohnung aufgenommen hatten - im Glauben, dass die Preise selbst westeuropäische Maßstäbe überschreiten werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Angesichts der persönlichen Schicksale, die Krisen für die betroffenen Menschen bedeuten, muss man Worte mit Bedacht wählen. Aber insgeheim bin ich dennoch froh, dass der russische Größenwahn, welchen ich 2008 zunehmend unangenehm empfand, einen starken Dämpfer bekommen hat. Und ebenso beruhigt es mich, dass das wilde Wachstum, welches der SPIEGEL vergangenes Jahr noch mit neoliberalen Worten vergötterte, doch nicht so grenzenlos war, wie es schien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies will ich einfach mal so im Raum stehen lassen. Deswegen an dieser Stelle schon:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Viele Grüße,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Norbert&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 P.S.: In Novosibirsk liegen seit letzter Woche zehn Zentimeter Schnee - am Freitag waren wir bereits das erste Mal Skifahren.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 04 Nov 2009 18:03:36 +0100</pubDate>
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    <title>In Nowosibirsk startet das wichtigste Ereignis des Jahres</title>
    <link>http://blog.goethe.de/staedteblog/index.php?/archives/223-In-Nowosibirsk-startet-das-wichtigste-Ereignis-des-Jahres.html</link>
            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Irina Posrednikowa)</author>
    <content:encoded>
    Heute hat in Nowosibirsk die feierliche Eröffnung des 1. Internationalen Jugendinnovationsforums „Interra“ stattgefunden. &lt;a href=&quot;http://eto-nso.ru/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=1524&amp;catid=36&amp;Itemid=85&quot;&gt; www.eto-nso.ru&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eröffnungstag von Interra ‘09&lt;a href=&quot;http://unblogbar.org/2009/09/eroffnungstag-von-interra-09/&quot;&gt; im Blog von Marco Fieber&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://community.livejournal.com/interra_nsk/&quot;&gt;Die Community, die das Internet-Forum für die Teilnehmer der Interra 2009 koordiniert&lt;/a&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 10 Sep 2009 15:18:36 +0200</pubDate>
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    <title>Der Mord im deutschen Potzlow - und seine Resonanz in Sibirien: In Nowosibirsk wird ein russisch-deutsches Theaterprojekt realisiert</title>
    <link>http://blog.goethe.de/staedteblog/index.php?/archives/222-Der-Mord-im-deutschen-Potzlow-und-seine-Resonanz-in-Sibirien-In-Nowosibirsk-wird-ein-russisch-deutsches-Theaterprojekt-realisiert.html</link>
            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Irina Posrednikowa)</author>
    <content:encoded>
    Im Herbst findet in der sibirischen Hauptstadt die Premiere des Theaterstücks „Der Kick“ von Andreas Veiel, einem der einflussreichsten Dramaturgen und Dokumentalisten der Gegenwart, statt. Das gemeinsame Projekt des Theaters „Old House“ und des Goethe-Instituts Nowosibirsk ist abgestimmt auf das Jahr der Jugend in Russland und stellt die experimentelle Inszenierung des deutschen Stücks vor. Im Sommer hatte die erste Projektphase stattgefunden. Über deren Ergebnisse sprach die Moskauer Deutsche Zeitung mit dem Regisseur des Spektakels, Ronny Jakubaschk:  &lt;br /&gt;
&lt;a href=&quot;http://www.ru.mdz-moskau.eu/index.php?date=1252504161&amp;godnum=&quot;&gt;Lesen  &lt;/a&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 09 Sep 2009 20:54:07 +0200</pubDate>
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    <title>Interra 2009</title>
    <link>http://blog.goethe.de/staedteblog/index.php?/archives/221-Interra-2009.html</link>
            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Irina Posrednikowa)</author>
    <content:encoded>
    Vom 9.-12. September 2009 findet in Nowosibirsk das 1. Internationale  Jugendinnovationsforum „Interra“ statt. Das Forum umfasst eine Ausstellung der neuesten Technologien und innovativen Projekte in den Bereichen Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Ein Treffpunkt für in- und ausländische Spezialisten, ein Ort für Erfahrungsaustausch und für den Abschluss von Verträgen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles über „Interra“ erfahrt ihr auf der offiziellen Internetseite des Forums: &lt;a href=&quot;http://www.interra-forum.ru/about&quot;&gt;www.interra-forum.ru&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Rahmen des Forums findet das internationale Bloggerprojekt „Novoblogika“ statt, an dem Blogger aus Deutschland, der Türkei, Polen und Russland teilnehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Deutschland kommen auf Einladung des Goethe-Instituts Nowosibirsk zwei Blogger zum Forum: Simon Columbus (&lt;a href=&quot;http://www.simoncolumbus.com/&quot; title=&quot;www.simoncolumbus.com&quot;&gt;www.simoncolumbus.com&lt;/a&gt;) und Marco Fieber (&lt;a href=&quot;http://unblogbar.org/&quot;&gt;www.unblogbar.org&lt;/a&gt;). In ihren Blogs berichten sie von den Ereignissen vor Ort. Bleibt auf dem Laufenden!  
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 08 Sep 2009 12:18:36 +0200</pubDate>
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    <title>Artjom Loskutow aus U-Haft entlassen</title>
    <link>http://blog.goethe.de/staedteblog/index.php?/archives/181-Artjom-Loskutow-aus-U-Haft-entlassen.html</link>
            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Norbert Schott)</author>
    <content:encoded>
    Das Gebietsgericht des Nowosibirsker Gerichtes hat gestern dem Einspruch des Künstlers Artjom Loskutow und seines Rechtsanwaltes Recht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Richter bewerteten die Entscheidung der ersten Instanz, wonach Loskutow bis zum Hauptverfahren in Untersuchungshaft bleiben muss, als ungerechtfertigt und gaben den Fall zurück an das städtische Gericht.&lt;br /&gt;
Der Künstler wurde noch am gestrigen Tag freigelassen. Er wurde am Abend von seinen Freunden empfangen - seine charakteristischen Dreadlocks wurden während der Untersuchungshaft abrasiert (siehe&lt;br /&gt;
http://kissmybabushka.com/?p=2312)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fall hatte eine russlandweite Solidaritätswelle ausgelöst, mit Mahnwachen in Moskau, Murmansk und Nowosibirsk, Hungerstreiks in Barnaul und St. Petersburg und vielen weiteren Aktionen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Hauptverfahren, in dem es um angeblichen Drogenhandel des Künstlers geht, wird erst in einigen Wochen stattfinden, teilte der Anwalt Loskutows mit.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Thu, 11 Jun 2009 17:54:00 +0200</pubDate>
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</item>
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    <title>Paraden und Datschen </title>
    <link>http://blog.goethe.de/staedteblog/index.php?/archives/180-Paraden-und-Datschen.html</link>
            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Norbert Schott)</author>
    <content:encoded>
    Das Frühjahr in Russland steht traditionell für zwei Dinge: die Mai-Feiertage und der Beginn der Datschensaison.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Mai-Feiertagen verdankt man als Bewohner Russlands einen angenehmen Nebeneffekt. Am Samstag nach Lenins Geburtstag (23. April) wird aufgeräumt - das hatte er sich wohl zu seinen Lebzeiten so gewünscht, damit am Tag der Arbeit (1. Mai) alles sauber ist. Parkbänke werden gestrichen - meist direkt über die abbröckelnde Farbe vom Vorjahr drüber. In den Parks wird das Laub zusammengekehrt - akkurat zwei Meter links und rechts der Wege. Und auf die Straßen werden Linien gemalt - kurzzeitig erkennt man, wie viele Spuren so mancher Prospekt in Novosibirsk eigentlich hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 1. Mai gehen die Kommunisten auf die Straße. In Novosibirsk demonstrieren sie traditionell auf dem Leninplatz, wo dieses Jahr aber zufällig ein Staffellauf stattfand. So mussten die Rentner mit ihren roten Plakaten in den benachbarten Oktober-Stadtbezirk umziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber am 9. Mai ging es dann wieder nach alten Sitten zu - seit vergangenem Jahr zeigt Russland seine Stärke und lässt die Panzerparaden neu auferstehen. Typisch russisch war die Organisation der Proben in Novosibirsk: Mittwoch von 17 bis 21 Uhr, also genau in der Hauptverkehrszeit, wurde das gesamte Zentrum abgesperrt, damit im Zentrum die Kadetten das Aufstellen in Reih und Glied üben konnten. In der Stadt lief nichts mehr - einige Bekannte ließen sogar ihr Auto stehen und gingen zu Fuß nach Hause. Und was schlussfolgerten die Verantwortlichen aus diesem Chaos? Die Generalprobe fand am Donnerstag statt - wiederum mitten in der Hauptverkehrszeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darf man eigentlich die Frage stellen, wie Russlands Armee jemals einen Krieg gewinnen will, wenn sie nicht einmal Paraden auf dem Kasernenhof üben kann?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:577 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;82&quot; height=&quot;110&quot; style=&quot;float: left; border: 0px; padding-left: 5px; padding-right: 5px;&quot; src=&quot;http://blog.goethe.de/staedteblog/uploads/Tomatenpflanzen_alt_kl.serendipityThumb.jpg&quot; alt=&quot;&quot; /&gt;Mit den Maifeiertagen beginnt auch die Datschensaison, neuerdings auch gern als Agrofitness bezeichnet. Nahezu jeder Stadtbewohner besitzt in Russland ein Gartengrundstück, mindestens die Eltern oder Großeltern haben eine Datscha, wo man mit anpacken muss. Die Tomatenpflänzchen, die schon Wochen zuvor auf dem Fensterbrett in abgeschnittenen Milchpackungen gezogen wurden, müssen auf das Gartengrundstück gefahren und eingepflanzt werden. Möhren, Kartoffeln, Zwiebeln, Gurken - alles muss schnell in die Erde, damit es trotz der kurzen Vegetationsperiode einen ordentlichen Wintervorrat gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Ende Mai gibt es dann auf den Märkten die ersten Radieschen zu kaufen. Und jeder Sibirier schwärmt von den leckeren Tomaten, die man teilweise jedoch schon grün erntet, weil sie sonst von Dieben gestohlen werden könnten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 01 Jun 2009 17:43:00 +0200</pubDate>
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    <title>Aktions- und Videokünstler Artjom Loskutow verhaftet</title>
    <link>http://blog.goethe.de/staedteblog/index.php?/archives/182-Aktions-und-Videokuenstler-Artjom-Loskutow-verhaftet.html</link>
            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Norbert Schott)</author>
    <content:encoded>
    Eigentlich war ich schon dabei, eine lockere Schilderung zu den Paraden am 9. Mai und zum Beginn der Datschen-Saison in Sibirien zu schreiben. Aus gegebenen Anlass jedoch eine andere Schilderung, wesentlich nachdenklicher.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am Freitag wurde in Nowosibirsk Artjom Loskutow, ein junger Künstler, festgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artjom organisiert seit mehreren Jahren verschiedene Veranstaltungen - Videofestivals, Flash-Mobs, Installationen, Ausstellungen. Die markanteste Veranstaltung ist die von mir mehrfach erwähnte  &quot;Monstration&quot; - ohne &quot;de&quot;, denn die Vorsilbe steht für Worte wie  destruktiv, demontieren, ... Auf der Monstration kamen Jahr für Jahr  am 1. Mai bis zu 800 junge Leute zusammen und zogen mit sinnfreien, aber emotionalen Plakaten durch die Stadt, meist direkt hinter den Kommunisten mit ihren roten Bannern. Ein konkretes Ziel hatte die Monstration nie - es ging einzig um positive Emotionen. Einen politischen Charakter wollte man ausdrücklich vermeiden und forderte daher vor allem zu lustigen Plakaten auf: &quot;Irgendwie so was!&quot;, &quot;Tanja, weine nicht!&quot;, &quot;Gekochte Zwiebeln - igitt!&quot;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Monstration wurde stets argwöhnisch betrachtet, jedoch toleriert. Vereinzelt gab es kurzfristige Festnahmen wegen pornografischer Plakate oder Verstößen gegen die Versammlungsordnung - nie ernsthafte Probleme.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Dieses Jahr drehte sich der Wind, vermutlich weil man vor dem Hintergrund der Krise allgemein besorgt ist, dass die Stimmung umschlagen könnte. Damit die Kommunisten nicht an gewohnter Stelle marschieren konnten, wurde von der Stadt kurzerhand ein Staffellauf im &lt;br /&gt;
Stadtzentrum angesetzt. Für die Künstler interessierte sich das &quot;Amt für Kampf gegen Extremismus und Terrorismus&quot;. Mehrere Verantwortliche der vergangenen Jahre wurden vorgeladen und eindringlich vor einer neuen Monstration gewarnt. Die vormaligen Veranstalter sagten die Veranstaltung offiziell ab - was natürlich bei einem Internet-Flashmob &lt;br /&gt;
nur bedingt funktionierte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Während die deutlich kleinere Monstration lief, war Artjom Loskutov persönlich im &quot;Amt für Kampf gegen Extremismus und Terrorismus&quot; zur Vorsprache - hat also nachweislich nicht teilgenommen.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am Freitag Morgen erhielt Artjom einen Anruf aus dem Amt, er solle vorbeikommen. Da es ein Arbeitstag war, bat er um ein amtliches Schreiben, mit dem er sich auf Arbeit entschuldigen könne. Als Antwort bekam er die Drohung, dass man ihn mit einem Auto und Hunden abhole, wenn er nicht freiwillig komme.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Am Abend, während er mit einer Freundin spazierte, wurde er plötzlich auf der Straße von Uniformierten, welche sich nicht auswiesen, aufgegriffen. Auf Nachfrage warf man ihm Straftaten vor, ohne dies zu erläutern. Man befragte ihn zwei Stunden im Auto, danach nahm man ihm seinen Rucksack zur Durchsuchung ab. Durch den Rücken eines Beamten  verdeckt wurde der Rucksack im Kofferraum des Autos ausgekippt, worauf sich im Kofferraum unter den Sachen 11 Gramm Haschisch fanden. (Die ihm nun vorgeworfene Straftat wurde also erst festgestellt, nachdem er längst festgenommen war.)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Begleiterin von Artjom hatte wenige Minuten zuvor den Rucksack auf andere Dinge durchsucht und kein solches Päckchen gefunden. Auch Artjom streitet jeden Drogenbesitz ab. Allein die Tatsache, dass ihm wenige Stunden zuvor unangenehme Besuche der Polizei angekündigt wurden, macht es unwahrscheinlich, dass er illegale Sachen bei sich führte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Heute war die erste Gerichtsverhandlung, in welcher über die Untersuchungshaft bis zum endgültigen Prozess entschieden werden sollte. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass bei Artjom Fluchtgefahr besteht und führt einen Polizeibericht an, dass er nicht an seiner Meldeadresse gelebt hat - was in Russland oft der Fall ist. Der Bericht trägt jedoch kein Datum und ist damit an sich nicht verwertbar.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Verteidigung konnte rund 20 Unterstützerschreiben teils hochrangiger Persönlichkeiten vorweisen, die alle Artjoms Unbedenklichkeitbescheinigen: Nachbarn, Künstler, der Rektor der Universität, Direktoren von Kultureinrichtungen, Kinos und Klubs, sogar ein anderer Polizist bestätigte, dass Artjom stets aufzufinden war und nie negativ aufgefallen ist, dass er nicht trinkt und keinen Kontakt mit Drogen hatte. Kollegen und Professoren bestätigen, dass Artjom stets auf Arbeit und beim Studium erscheint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artjom kümmert sich um seine kranke Mutter, ihre Rente würde zum Überleben nicht reichen. Artjom steht drei Wochen vor seinem Diplom - für die Ausbildung hat er fünf Jahre lang hohe Studiengebühren bezahlt. Seine Arbeitsstelle bei der Pressestelle der Universität steht auf der Kippe.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Trotz dieser vielen Hinweise, dass eine Flucht von Artjom  nicht nur sehr unwahrscheinlich ist sondern auch zu unermesslichen persönlichen Härten führt, wurden von der Richterin ignoriert. Bis zur Entscheidung im Hauptverfahren bleibt er in Haft, da hohe Fluchtgefahr und &lt;br /&gt;
fortgesetzter Drogenhandel drohen würden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Einen kleinen Erfolg hatte die heutige Gerichtsverhandlung immerhin: Mit mehr als 20 Pressevertretern und zeitweise bis zu 100 Besuchern hatte niemand gerechnet. In den Verhandlungsraum passten gerade so die Pressevertreter und engsten Freunde. Die Polizei war zeitweise überfordert mit der Menschenmenge, am Ende wurden scheinbar Sonderkräfte angefordert. Es ist auch nicht alltäglich, dass nicht eingelassene Besucher sechs Stunden bei Regenwetter vor dem Gebäude warten. Es bleibt zu hoffen, dass diese unerwartete Aufmerksamkeit die Verantwortlichen zum Nachdenken über ihre Handlungen bringt.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Es wäre gut, wenn diese Aufmerksamkeit auch außerhalb Novosibirsks zunehmen würde. Wenn Ihr gute NGO- oder Pressekontakte in Deutschland habt, leitet diese Schilderung bitte weiter.&lt;br /&gt;
 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 20 May 2009 18:37:00 +0200</pubDate>
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<item>
    <title>Winterende und Masleniza </title>
    <link>http://blog.goethe.de/staedteblog/index.php?/archives/179-Winterende-und-Masleniza.html</link>
            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Norbert Schott)</author>
    <content:encoded>
    In Sibirien ist der Frühling eingezogen. Natürlich kein Frühling im deutschen Sinne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Tür liegen noch immer ein halber bis zwei Meter Schnee, der nicht von Plusgraden sondern von der starken Sonne weggebraten wird. Seit rund einer Woche verwandelt sich das prächtige Weiß in eine grau-schwarze Masse. Die schmelzenden Schneeberge mit ihren dunklen Kratern bilden richtig interessante Strukturen, die man angesichts ihrer Bestandteile aber auch apokalyptisch bezeichnen könnte. Das Schwarz bilden abgelagerte Autoabgase der letzten drei Monate, garniert mit Streusand, Hundekot oder Kippenschachteln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute stieg das Thermometer in Novosibirsk erstmals seit November auf über Null Grad. Wie jeden Winter hatten wir etwa zehn Tage mit 30 Grad, weitere drei Wochen mit unter 20 Grad. Die restlichen zwei Monate waren es zwischen 5 und 15 Grad, &quot;mit dem Zeichen Minus&quot; - wie es im Radio so schön heißt. Der kälteste Tag lag bei minus 36 Grad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außergewöhnlich war der Schnee in diesem Jahr - fast zwei Meter. Um ein Einbrechen der Dächer im Frühjahr zu vermeiden, ist es angesichts solcher Massen üblich, die Dächer Ende Februar / Anfang März von ihrer Last zu befreien. Absperrbänder in Höfen sollte man daher immer beachten - im besten Fall sind Schneelawinen von oben zu erwarten, im schlimmsten Fall aber auch abstürzende Eiszapfen. Eiszapfenopfer sind leider keine Seltenheit in Sibirien! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eingeleitet wird der sibirische Frühling durch das Masleniza-Fest. Aus religiöser Sicht entspricht dieser Brauch dem Karneval - in der letzten Woche vor der Fastenzeit muss es krachen! Während die Rheinländer Lastwagen mit Pappmascheefiguren durch die Innenstädte schicken, Fußgänger mit Bonbons bewerfen und eigenartige Reden halten, verbrennen die Russen Vogelscheuchen, backen Blini und singen eigenartige Lieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vogelscheuchen symbolisieren den Winter, der also unter Missachtung demokratischer Grundwerte verabschiedet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Russiche Bliny entsprechen sächsischen Eierkuchen, rheinischen Pfannkuchen oder französischen Crepes - nur sind sie deutlich dünner. Sie sollen den Übergang von fettigen Winteressen zur Fastenkost versüßen, ihre Form symbolisiert wohl ferner die nun länger scheinende Sonne. Oft werden sie mit Quark oder Hackfleisch gefüllt, aber auch mit saurer Sahne oder hausgemachter Marmelade gegessen. Traditionell sollen Schwiegermütter ihren Schwiegersöhnen in der Festwoche am Mittwoch Bliny backen, die Schwiegersöhne sollten sich dann am Freitag revanchieren. Sehr praktisch, dass die Schwiegermutter vorlegen muss, dies reduziert die Gefahr eines Familienstreits.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Festwoche wird begleitet durch diverse andere Bräuche - in Dörfern beispielsweise &quot;Wand gegen Wand&quot;. Die jungen Männer des Dorfes machen den Oberkörper frei, stellen sich in zwei Linien auf und ... ja ... prügeln auf einander ein, bis eine Seite gewonnen hat. Zugegeben verliert dieser Brauch in letzter Zeit an Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frauen messen sich sowieso friedlicher, beispielsweise mit rhythmischen Vierzeilern zu einer festen Melodie. Die Sprüche sind stets lustig, oft mit sexueller Ausrichtung und einer entsprechenden Lexik. Ein Beispiel, frei übersetzt:&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;&lt;br /&gt;
&quot;Will mich nicht mehr versöhnen,&lt;br /&gt;
mit dem Wallach, dem schönen,&lt;br /&gt;
&#039;nen neuen Helden hab ich längst,&lt;br /&gt;
ist ein Scheusal, aber Hengst!&quot;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den Abschluss findet das die Masleniza-Woche mit dem (Sonn)Tag der Vergebung, an dem man allen Bekannten sagen soll: &quot;Verzeih mir für alles!&quot;. Die Antwort sollte: &quot;Gott verzeiht!&quot; sein, was bedeutet, dass dies nun Gott zu entscheiden hat - persönlich hat man quasi schon verziehen. Äußerst lustig ist dies, wenn man jemanden sagt: &quot;Verzeih mir für alles!&quot; ... und dieser begreift überhaupt nichts, weil er das ganze Masleniza-Fest verpennt hat!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich habe natürlich daran gedacht und selbst mit meiner Schwiegermutter Blini ausgetauscht! &lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Mon, 09 Mar 2009 14:30:00 +0100</pubDate>
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    <title>Fahrstühle im Frost </title>
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            <category>Nowosibirsk</category>
    
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    <author>nospam@example.com (Norbert Schott)</author>
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    Zwischenzeitlich war es in Sachsen kälter als in Sibirien, aber im Großen und Ganzen merkt man doch, dass es auch in Sibirien kalt ist. Beispielsweise durften es kurz nach Neujahr meine Zehen zu spüren bekommen - die ich vier Stunden lang in Skistiefel gequetscht hatte, um auf einem wunderschönen Bergkamm Ski zu fahren. Die Zehen fanden den Wind auf dem Bergkamm weniger schön und haben protestiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Folge ärgerte ich mich drei Wochen mit Erfrierungen zweiten Grades herum. Zum Glück gibt es auf dem Markt schöne große Filzstiefel (&quot;Walenki&quot;), in welche ich auch mit Frostblasen hineinpasste. Normalerweise trägt man Walenki nur auf den Dörfern - wo es richtig kalt ist und hoher Schnee liegt. In der Stadt sorgte ich nun für ihre Verbreitung. So wie mich alle anschauten - Walenki im Kino, cool - habe ich unfreiwillig einen Modetrend begründet und nächstes Jahr wird der Absatz von Walenki in die Höhe schnellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dank der Walenki und vorsichtiger Massage der Füße mit Wodka - trinken wurde mir übrigens verboten - haben es auch es auch alle Zehen überstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so kann ich auch den Winter wieder genießen. Im Moment liegt hier ein knapper Meter Schnee - nur von den Straßen wird er fleißig weggefahren. In vielen Stadtvierteln stehen Schnee- und Eisskulpturen - in diesem Jahr natürlich vorzugsweise Rindviecher, da in China das Jahr des Büffels angebrochen ist. Noch immer kann mir niemand erklären, warum in Russland der chinesische Kalender eine Rolle spielen muss, aber ich bin schon ganz gespannt auf die Schnee-Häschen in zwei und die Schlangen in vier Jahren!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Winter hat auch die Hochtechnologie im Novosibirsker Nahverkehr Einzug gehalten - es gibt nun zwei Haltestellen mit dynamischen Anzeigen, wann der nächste Bus kommt. Das allein wundert mich noch nicht, aber sie funktionierten sogar ganze drei Tage! Es kam tatsächlich ein Bus zur angezeigten Uhrzeit. Am vierten Tag war die Anzeige dann kaputt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in unserem Haus gibt es eine Neuerung - unsere Fahrstühle wurden gekoppelt! Unsere lieben Mitbewohner hatten zwei Jahre lang stets beide Fahrstühle gerufen, obwohl zumindest in den Lastenlift definitiv jeder Hausbewohner reinpasst. Nun wurden der Hausverwaltung die Stromkosten zu hoch. Die Aufgabe, die Fahrstühle zu koppeln, überforderte den Programmierer zunächst. Knöpfe, Lämpchen und Lifte führten ein Eigenleben - drücke Knopf 1, wenn nichts passiert, drücke Knopf 2, vielleicht leuchtet dann Lämpchen 1 oder 2 und der andere Lift kommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inzwischen klappt aber alles prima, egal welchen Knopf man drückt, es leuchten beide Lämpchen und der nähere Lift kommt. Nur die Mitbewohner schimpfen, weil sie nicht mehr beide Lifte rufen können und sich einbilden, dass sie deswegen nun länger warten müssen.&lt;br /&gt;
 
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    <pubDate>Sat, 31 Jan 2009 12:00:00 +0100</pubDate>
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