
« Ich kenne eine Stadt am großen Strom,
die viele Häuser hat und einen Dom.
Unsere Stadt mit M beginnt,
denn wir sind, wir sind ein Magdeburger Kind»
Ja, genau: um Magdeburg und um unseren Sprachkurs wird es in diesem Blogeintrag gehen. Ich fange mal ganz von vorne an. Irgendwann im April hatte ich erfahren, dass ich ein DAAD-Stipendium für einen Sommerkurs in Deutschland bekomme (riesigen Dank für diese großartige Möglichkeit!). Und dann ging das ganze Chaos los. Natürlich ist das eine Art angenehmes Chaos: Die Beantragung des Visums, das Buchen der Flüge, das Packen der Koffer. Ich hatte noch gar nicht realisiert, dass der 29. Juli gekommen war, als ich um 9 Uhr morgens in Berlin landete. Wie nicht weiter verwunderlich, begrüßte mich die Stadt schon zum zweiten Mal in Folge mit Regen. Zufällig lernte ich ein Mädchen kennen, das ebenfalls zu dem Kurs nach Magdeburg unterwegs war, und so machten wir uns zusammen nach Sachsen-Anhalt auf.
Ich muss ehrlich zugeben, dass mein erster Eindruck von Magdeburg nicht der beste war. Dadurch, dass es ein Sonntag war, hatte natürlich alles zu, aber das war noch nicht das Schlimmste. Nachdem wir zwei Stunden durch die Stadt gelaufen waren, mussten wir einsehen, dass es ein sinnloses Unternehmen darstellte, hier etwas oder gar jemanden finden zu wollen. Während unserer gesamten Tour waren wir ca. 20 Leuten begegnet. Nach meinen Erinnerungen an Düsseldorf hatte ich von der Hauptstadt Sachsen-Anhalts etwas anderes erwartet. Außerdem war sofort klar, dass Magdeburg eine Stadt ist, die früher zur DDR gehört hat, denn es gibt dort viele Gebäude sowjetischer Bauart. Mir kam es so vor, als ob ich gar nicht ins Ausland gefahren wäre.
Was mich erstaunt hat: Am Ufer der Elbe, oder vielmehr an ihrer Uferstraße, standen eine Menge Wohnwagen herum. Später erklärte man mir, dass sie nicht nur für ältere Leute aus Deutschland, sondern auch der umliegenden Länder ihre Lieblings-Urlaubsform symbolisieren.
Am nächsten Tag, dem Tag unseres Kursbeginns, war ich sehr aufgeregt – weil ich mir überhaupt nicht vorstellen konnte, was mich erwartet. Aber dann gestaltete sich alles mehr als positiv. Bei einem ersten gemeinsamen Abendessen lernten wir unsere zukünftigen Lehrer und die anderen Teilnehmenden kennen. Wie sich herausstellte, setzte sich der Grundstock aus russischsprechenden Kursteilnehmern zusammen (hierzu zähle ich Russland, Belarus, die Ukraine und Kirgistan). Außerdem waren noch Studierende aus Polen, Ungarn, den USA, Kanada, Spanien, Japan, Kolumbien, Syrien, Thailand und Brasilien zum Kurs angereist. Die letzteren hatten besonders viel Glück gehabt, denn alle sieben Teilnehmenden hatten nicht nur ein Stipendium für den Sommerkurs, sondern auch noch für ein einjähriges Studium in Magdeburg bekommen. Tja, was kann ich dazu sagen – Glückspilze eben!
Na ja, und danach begann sich dann alles zu drehen und abzuheben, sodass ich gar nicht bemerkt habe, wie ganze vier Wochen vorübergeflogen sind! Obwohl das ja immer so ist, wenn das Leben voll ist von Ereignissen und Emotionen. Wir hatten jeden Tag Unterricht von 9.00-12.30 Uhr, und für die Zeit nach dem Mittagessen waren die unterschiedlichsten Kulturevents angesetzt: Ausflüge, Museumsbesuche, Vorträge u.s.w.
Magdeburg selbst ist bekannt durch die Persönlichkeit Otto von Guerickes. Da stellt sich gleich die Frage, wer das denn eigentlich ist. Genau der Mann, der hat das Barometer erfunden hat und auch als der erste Meteorologe bekannt ist. Er hat das Vorhandensein des Luftdrucks und vieles andere nachgewiesen. Seine „Magdeburger Halbkugeln“ wurden in der Stadt eine Menge Denkmäler gesetzt. Fast auf Schritt und Tritt, und ganz besonders im Stadtzentrum, stößt man auf diese Kugeln.
Natürlich erinnere mich vor allem an die Leute zurück, also an die Studierenden aus unterschiedlichen Ländern. Es war so großartig, Leute aus verschiedenen Orten kennen zu lernen, ein bisschen was über ihre Kultur und ein paar Sätze in ihrer jeweiligen Muttersprache zu lernen. Und eben die ganze Zeit mit ihnen Deutsch zu sprechen. Schließlich konnte man hier ein unbekanntes Wort nicht einfach auf Russisch sagen, damit der Kontext verständlich wird (denn so machen wir das normalerweise bei unseren Stunden in der Universität) und dann entspannt den Dialog fortzusetzen.

In solchen Momenten haben wir auf die Sprache der Mimik und Gestik umgeschaltet. Man kann echt sagen, dass das unglaublich interessant und lustig war. Und auch unser Kulturprogramm war immer gut gefüllt: Durch Ausflüge in Parks, Reisen in andere Städte, Fahrradtouren, Besuche in Aquaparks und natürlich Partys.
Ich habe mich in diesen vier Wochen so sehr an die Stadt gewöhnt, dass ich richtige Sehnsucht nach ihr habe und mich, genau wie im Lied, wie ein Magdeburger Kind fühle.

. Die Stadt selbst ist ziemlich klein, aber mit ihrer Hauptstraße, dem Breiten Weg, der sich durch fast die ganze Stadt hindurch zieht, und mit dem wunderbaren Magdeburger Dom ist sie auf ihre eigene Art gemütlich. Ach, und ich habe völlig vergessen, etwas von den bekanntesten Sehenswürdigkeiten zu erzählen: der Grünen Zitadelle von Magdeburg und dem Hundertwasser-Haus.
Eigentlich ist es schon so, dass man sich an dieses rosafarbene Haus mit seiner ungewöhnlichen Form gewöhnt, wenn man es jeden Tag sieht, und dass es zu etwas ganz Alltäglichem wird. Im Rahmen unseres Kulturprogrammes waren wir auch im Inneren des Gebäudes und haben dabei gesehen, dass die Wohnungen genauso erstaunlich sind wie das Haus selbst: Es wachsen Bäume in den Zimmern, auf dem Boden liegen in den verschiedensten Ecken Fliesen, und nichts darf durchschnittlich sein. Übrigens trifft man die Farbzusammenstellung, in der das Haus gehalten ist – rosa und hellblau – in der Stadt ziemlich häufig an. Zum Beispiel die Haltegriffe in der Tram sind rosa und hellblau. Außerdem gibt es noch eine Brücke in der gleichen Farbkomposition.
Alles in allem ist die Stadt nicht langweilig. Mittlerweile bin ich schon wieder zuhause und merke, wie sehr ich Magdeburg und die Atmosphäre, die in unseren Kursen geherrscht hat, vermisse. Ich würde am liebsten alles zurückholen, aber das geht ja nicht. Die harten Unitage haben schon wieder begonnen. Für mich ist es das letzte Jahr, und ich muss alle meine Gedanken und Kräfte zusammen nehmen. Doch die Erinnerungen an diesen Sommer sind immer noch sehr präsent.