Vorsicht, dieser Eintrag wird ein bisschen melancholisch und nachdenklich. Wahrscheinlich verwirrend. Aber nicht zu lang:).
Blogs sind auch eine Plattform zum Gedankenaustausch (klingt ganz ernst), und ich überlege mir etwas schon lange.
Ich habe, wie wir alle vielleicht, zahlreiche Geschichten von den verschiedensten Auslandserfahrungen von anderen gelesen, gesehen, gehört, und natürlich ist mir auch schon vieles passiert, und wird noch passieren.
Es geht um die schon mehrmals überall erwähnten Vorurteile. Was für ein komisches und seltsames Ding. Grob zusammengefasste Vorstellung: einerseits wird oft selbstverständlich erwartet, dass man gegen Ausländer Vorurteile hat. Andererseits aber erwarten die "Ausländer", dass die komisch angesprochen werden oder "dumme" Fragen bekommen, was eigentlich auch schon ein Vorurteil ist. Beide Seiten sind irgendwie vorprogrammiert, nicht aufeinander offen zu gehen.
Die Gefahr in diesem Fall besteht darin, dass man das Wichtigste aus der Sicht verliert. Manchmal bekam ich plötzlich Angst, dass es sich nur darum dreht, irgendjemandem etwas zu beweisen, und das wollte ich gar nicht.
Das Ganze ist wunderbar im folgendem Zitat aus einem Artikel von Stefanie Flamm aus der "Zeit" getroffen. Die Autorin fuhr mit dem Berlin-Nowosibirsk-Express in die Hauptstadt Sibiriens und hat dabei jede Menge mit ihren russischen Mitreisenden erlebt.
Als der Zug sich Sibirien näherte, "Vom Fenster aus betrachtet, ist Sibirien wunderschön. Aber nicht jeder halte es dort aus, sagt Nikolaj Iwanowitsch. "Ihre Wehrmacht kam ja nur bis an die Wolga." Meine Wehrmacht? Er lacht, aber nicht mehr so freundlich wie bisher. Sibirien weckt bei ihm ungute Erinnerungen. Dort, sagt er, sei letztlich der Zweite Weltkrieg gewonnen worden. Denn: "Die Panzer, mit denen wir Ihren Hitler geschlagen haben, wurden hinter dem Ural gebaut." Meinen Hitler? Nikolaj war 1945 13, sein Vater und sein Bruder sind gefallen. Jetzt macht er mir das zum Vorwurf. Als Walentina dann wieder von den deutschen Gartenhecken anfängt, die sie mittlerweile "faschistisch" findet, bekomme ich Lust, die beiden auf "ihren" Stalin anzusprechen. Aber ich gehe dann doch lieber ins Bett." Darum geht es eben: Stalin ist nicht meiner und Hitler ist nicht deiner.
Es bleibt einem nichts anderes übrig, als sich selbst zu sein, so klischee wie es klingen mag, und dazu gehört einfach alles, womit und wo du aufgewachsen bist, was du erlebt hast und erleben wirdst, dein Hintergrund, deine Erfahrung, ob die international ist oder nicht. Aber das heißt nicht einfach sinnlos etwas nicht zu akzeptieren und über Unabhängigkeit zu schreien, sondern vor allem Toleranz zu haben. Das Leben und die Welt um uns herum sind so vielfältig und vernezt geworden wie nie bisher. Es kommt so viel auf uns zu, und wichtig wäre, sich selbst und anderen dabei nicht aus der Sicht zu verlieren.
Es gibt aber wie immer eine optimistische Bemerkung: unsere Generation wird immer offener einander gegenüber, und das gemeinsame Interesse an Kommunikation geht über Nationalitäten oder Herkünfte hinaus. Was ich glücklicherweise schon erlebe und hoffentlich noch lange erleben werde.
Lerne mich und nicht meinen Paß kennen...
Montag, 30. März 2009
Brennt auf der Seele
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