Und das kann ich wirklich sehr empfehlen. Es befindet sich zwar nicht im Zentrum von Kiel, sondern im Vorort Schilksee, wo der größte Stadthafen für Yachten und Segelschiffe liegt. Der Ort an sich ist schon malerisch und ein idealer Ausgangspunkt für eine Fahrradtour an freien Tagen. Und vor allem ist der Segelsport eine ziemlich teure Angelegenheit – doch die Kurse im Segelzentrum sind eine erschwingliche Möglichkeit für Studierende, sich Basiswissen anzueignen. Denn schließlich weiß man nie, wann man das mal brauchen kann.
Wenn man von vorne anfangen will, dann wohl damit, dass die Neueinsteiger nicht auf großen Yachten lernen, sondern auf deren „kleinen Brüdern“: Auf sogenannten Jollen, Segelschiffen mit einer Länge von fünf Metern und mit zwei Segeln – Groß und Fock. Wir lernen alles im Laufe der praktischen Übungen, und natürlich lässt einen auch niemand sofort auf die fast offene Ostsee rausfahren. Aber es gibt eben auch keine einzelnen, langweiligen Theorieeinheiten. In den ersten zwei Stunden lernt man gleich die Basissachen – nämlich, wie man Seeknoten bindet. Und von denen gibt es in etwa so viele, wie Yachten am Anleger von Schilksee. Aber das kommt dann schon alles mit der Übung!
Man kann zu zweit oder zu dritt auf den Jollen fahren, und umkippen kann man damit übrigens auch, denn sie liegen nicht besonders tief im Wasser. Aber so einfach passiert das nicht, und Angst muss man auch keine davor haben – obwohl natürlich ein Bad im zehn Grad kalten Wasser keinen besonderen Optimismus hervorruft. Aber ich musste damit noch keine Bekanntschaft machen.
Der erste Kurs geht über zehn Wochen, einmal pro Woche und jeweils vier Stunden. Dann kann man es im Sommer schon schaffen, das zweite Modell abzuschließen, eine kleine Prüfung ablegen, einen „Führerschein“ für das Wasser bekommen und damit das Recht haben, sich an den Wochenenden Boote auszuleihen. Die Ostsee kann man mit einer Jolle zwar nicht überqueren, aber in der Bucht mit dem Wind herumzuschippern, ist auch schon mal viel wert. Und für alle Fälle hat die Universität auch Yachten für acht Leute, mit denen man immerhin schon Dänemark umsegeln kann; insofern weiß man, worauf man hinarbeitet.
Außerdem kommt es mir noch so vor, dass die Leute, die Segelsport betreiben, von Natur aus ruhige, freundliche, geduldige und kontaktfreudige Wesen sind. Schließlich kann man auch gar nicht anders sein, wenn man bei einer langen Tour auf einer Yacht mit, sagen wir, 12 Metern Länge ein paar Tage lang zusammenhängt, oder sich auch wochenlang konstruktiv mit anderen Leuten arrangieren und mit ihnen zusammenarbeiten muss. Unser Lehrer Ulrich ist genau so ein Typ. Und übrigens findet er, dass von all den Orten, an denen er schon unterrichtet hat, die Ostsee der geeignetste Ort ist, um das Segeln zu lernen. Der Wind ist ziemlich gleichmäßig, und es gibt keinen hohen Wellengang und keine starken Stürme. Da wäre es doch eine Sünde, diese Möglichkeit verstreichen zu lassen.


