Als ich kürzlich von der Staatlichen Pädagogischen Universität in Magnitogorsk eingeladen wurde, den Studierenden dort zwei deutsche Filme zu zeigen, konnte ich mir ein eigenes Bild von der Stadt machen. Hier ein paar Eindrücke meiner Reise.

Auf seiner fünfstündigen Fahrt zwischen Tscheljabinsk und Magnitogorsk macht der Überland-Bus seine einzige Pause bezeichnenderweise am Rastplatz „Stepnoe“. Ringsum Steppe, soweit das Auge reicht.

Kurz vor Magnitogorsk: Hinter den Hügeln steigt der Dunst der Fabrikschornsteine auf.

Geteilt durch den Fluss Ural liegt die Stadt auf zwei Kontinenten. Als touristische Attraktion verkauft sie das allerdings nicht.

Die Stahlfabriken auf der asiatischen Seite des Flusses Ural. Wer hier arbeitet und sich den hohen körperlichen und gesundheitlichen Belastungen aussetzt, hat einen sehr angesehenen Beruf und wird entsprechend gut bezahlt:

Im zweiten Weltkrieg war Magnitogorsk einer der wichtigsten Zulieferer der sowjetischen Rüstungsindustrie. Die Statue des Schmiedes der dem Soldaten das Schwert für die Front übergibt, erinnert daran.

Weiter Himmel, hügelige Landschaft und entspannte Menschen. Der Schnee ist übrigens genauso weiß oder dreckig, wie in anderen Großstädten auch.

Ein Betonzelt erinnert an die ersten Siedler, die die Stadt 1929 mitten in der Steppe gründeten.
Здания на улице Строителей были построены немецкими военнопленными.
Die Gebäude in der Uliza Stroitelej wurden von deutschen Kriegsgefangenen gebaut.



Hausbesuch: Die Brüder Farid und Amir Timergasin sind Schmiede in dem kleinen Magnitogorsker Vorort Agapovka. Ihre Wohnung ist voll mit Eisenskulpturen, die sie gemeinsam entworfen und gebaut haben, wie das Lesepult mit Uhu…

Oder der Drache mit integrierter Lampenkonstruktion …

Amir bleibt nicht mehr lange in Magnitogorsk. Er will sein Glück als Kunstschmied in Moskau versuchen. Wenn es nicht klappt, werden es eben erstmal wieder eiserne Hoftore für neureiche Hausbesitzer.
Der Vergnügungspark im Zentrum der Stadt ist noch im Winterschlaf. Falls sich doch jemand hierher verirrt, wird er vor der Geisterbahn großformatig von einer Versicherungsgesellschaft angeworben. "Wir sind immer bei Ihnen."


Trotz trüben Wetters macht der Gemüsesamen-Verkäufer guten Umsatz. Und wenn die Tomaten in ein paar Wochen groß genug zum Einpflanzen auf der Datscha sind...

... wird niemand zu Thomas Anders gehen.

Diese Stadt hat mich tatsächlich manchmal ganz schön zum Husten gebracht. Aber auch zum Staunen, über schöne alte Häuser zum Beispiel, darüber, in welch kurzer Zeit sich Magnitogorsk entwickelt und vergrößert hat, ohne zugebaut und dunkel zu sein. Über die herzlichen Menschen und das lebendige Wesen dieser Stadt unter dem Rußschleier, über die weite Landschaft in der sie liegt. Ich komme wieder.


