Kiel also. Eine Stadt, die sich leicht auf der Landkarte und ein bisschen schwerer im Touristenführer finden lässt. Auch wenn Kiel nicht zu den größten und bekanntesten Städten Deutschlands gehört, ist es auf seine eigene Weise attraktiv und hat noch ein paar Trümpfe in der Tasche. Um den Gegenstand meiner Betrachtung hier irgendwie vorzustellen, fange ich einfach mal mit den acht wichtigsten Fakten an, die man über die Stadt wissen sollte.
1. Kiel – das ist Norddeutschland. Bis 1864 hatte das Gebiet, in dem Kiel liegt – Schleswig-Holstein – noch zu Dänemark gehört, obwohl es hauptsächlich von Deutschen besiedelt gewesen war. Als Deutschland sich unter der Führung des „Eisernen Kanzlers“ vereinigte, wurde Kiel ausschließlich deutsch – obwohl mal auch heute noch auf den Straßen der Stadt viel häufiger schwedisch oder dänisch hören kann als irgendwelche südeuropäischen Sprachen. Die Deutschen hier sprechen ziemlich sauber und haben keinen stark ausgeprägten Dialekt, nur mischen sie manchmal ein paar Wörtchen oder Laute aus dem Plattdeutschen, einem alten Volksdialekt aus Norddeutschland, dazwischen.
2. Kiel ist die Hauptstadt eines Bundeslandes, nämlich des schon genannten Schleswig-Holsteins. Für russische Begriffe ist die Stadt nicht besonders groß – sie hat um die 240.000 Einwohner – doch für Deutschland ist sie durchaus keine kleine Stadt. Hier sind eine große Anzahl der administrativen Gebäude und -Dienste angesiedelt, und überhaupt liegt Kiel von seiner Bedeutung her immerhin in ganz Norddeutschland nach Hamburg und Bremen auf dem dritten Platz.
3. Kiel ist eine Hafenstadt. Sie liegt in einer gemütlichen Bucht an der Ostsee. Das Meer spürt man hier überall: Über dem Teich an der Universität kreisen die Möwen, die Souvenirläden sind voll mit Spielzeugsegelbooten, und durch das Fenster von Bussen, die ins Stadtzentrum fahren, sieht man fast immer die riesigen Liner der touristischen Schifffahrtsgesellschaft „Stena Line“. Übrigens kann man auf diesen Schiffen ganz einfach nach Oslo oder Stockholm fahren, und wenn man Glück hat, sogar für gar nicht viel Geld. Außerdem gibt es noch ganz wunderbare Sandstrände auf beiden Seiten der Bucht. Nur sind die eher für langsame, in tiefe Gedanken versunkene Spaziergänge geeignet, und nicht unbedingt dafür, im Hawai-Hemd auf der Luftmatratze rumzuliegen.
4. Das aufsehenerregendste Ereignis des Jahres hängt in Kiel ebenfalls mit dem Meer zusammen. Es ist die sogenannte „Kieler Woche“, die in der letzten Juniwoche stattfindet und deren Hauptattraktionen eine Segelregatta und die „Windjammer-Parade“ sind. In dieser Woche dreht die ansonsten ruhige Stadt einmal komplett durch, füllt sich mit Touristen und wirft alle möglichen Segelschiffe, Yachten und anderen Schwimmgeräte in solchen Mengen auf das Meer, dass man aus dem Staunen darüber, wo das alles im Winter versteckt gewesen sein soll, gar nicht mehr herauskommt. Ich schreibe auf jeden Fall im Juni noch mal was dazu und präsentiere euch diese Aktion.
5. Das Leben am Meer hat auch seine eher negativen Seiten. Na ja, was heißt negativ – es ist auf jeden Fall etwas für Liebhaber. Die Natur kennt kein schlechtes Wetter, sagt ein russisches Sprichwort, aber da kennt sie das Kieler Wetter nicht. Das Ganze bedeutet dann Folgendes: Das Wetter kann sich hier mehrmals am Tag ändern. Wolken, Wind, Sonne und Regen wechseln sich wie auf einem Karussell miteinander ab. Wegen der kühlen Meeresluft liegen die Temperaturen hier unter dem deutschen Mittelwert, und auf einen richtigen heißen, sonnigen Sommer kann man lange warten. Aber nun bekommt mal nicht gleich Angst. Eigentlich ist die Sache an sich gar nicht so schlimm – Sonnentage gibt es in ausreichender Anzahl, außerdem ist der Frühling hier einfach wunderschön und beginnt schon Mitte Februar, das Gras ist schon grün – was will man mehr!
6. Kiel ist zwar eine alte Stadt, doch es hatte erst im neunzehnten Jahrhundert angefangen, sich aktiv zu entwickeln. Im Kaiserreich und im Nationalsozialismus war Kiel der Hauptstützpunkt der Kriegsflotte. Deswegen hat es im Krieg sehr unter den Alliierten gelitten, die uns gegenüber freundlich eingestellt waren, den Deutschen aber nicht. So ist in Kiel fast keine alte Architektur erhalten geblieben.
7. In Kiel liegt eine der größten Universitäten Deutschlands. Sie ist natürlich nicht die älteste im Land, da liegt selbst Rostock noch weiter vorn, zählt aber dennoch 25.000 Studierende und übertrifft mit ihrem Ausbildungsangebot die Hochschulen in Hamburg, Lübeck und sogar Bremen. Ich denke, dass es keine Übertreibung ist, zu sagen, dass die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die bedeutendste Uni in Norddeutschland ist. Und die Hauptsache ist, dass es dort im Unterschied zu Niedersachsen keine Studiengebühren gibt. Eine Reihe an Disziplinen, insbesondere alles, was mit der Erforschung der Meere und Ozeane zu tun hat, wird ohnehin nirgendwo sonst in diesem Umfang angeboten.
8. Durch seine Lage am Meer, und dann noch im flachen Norden der Bundesrepublik, ist Kiel einfach ein Paradies für Fahrradfahrer. Wie übrigens auch ganz Schleswig-Holstein. Es gibt praktisch keine Berge und Hügel (ich persönlich kenne in ganz Kiel höchstens zwei Hügelchen). Dafür gibt es hervorragende Fahrradwege und rücksichtsvolle Autofahrer. Wenn ihr also mal nach Kiel kommt, dann kauft euch gleich mutig ein Fahrrad – so ist es nicht nur angenehmer, sondern auch umweltfreundlicher und sportiver, sich fortzubewegen.
Dienstag, 10. April 2012
Acht Fakten, die man über Kiel wissen sollte
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