Am Anfang muss natürlich erwähnt werden, dass der Wettbewerb aus zwei Etappen bestand. Die erste war ein Test. Und der beinhaltete dann auch noch mal zwei Frageblöcke: Einen zur Logik und einen zur Allgemeinbildung. Erinnert ein bisschen an ein Knallgemisch aus IQ-Test und Prüfungen in allen Fächern gleichzeitig. Mit der Logik hab ich´s ja nicht so, wie die Mehrheit der weiblichen Bevölkerung auf diesem Planeten. Nicht ohne Grund sagt man ja: „Au weia, weibliche Logik“. Ich bin eine typische Stellvertreterin solch eines Individuums mit weiblicher Logik, und daher war dieser Prüfungsteil knifflig! Das einzige, bei dem ich nicht ins Rudern kam, war eine Aufgabe, bei der man denjenigen Begriff herauskriegen musste, der die beiden anderen aus der Reihe „Mutter, Tochter, Ärztin“ in sich vereinen kann. Irgendwann einmal hatten wir so eine Aufgabe schon mal bekommen. Zuerst will man gleich „Mutter“ sagen. Denn das scheint ja auf den ersten Blick der globalste und wichtigste Begriff zu sein. Doch es lohnt sich, noch mal darüber nachzudenken. Schließlich ist jede Mutter auch die Tochter von irgendjemandem, und es gibt eben keine Mütter, die keine Töchter gewesen sind. Deswegen ist der am weitesten gefasste Begriff aus dieser Reihe – die Tochter! Danach gab es Fragen an den Intellekt. Hier wurde mir dann klar, dass nichts mehr zu holen ist… Details werde ich mal weglassen, nur so viel: Trotz allem bin ich mit meinen Testergebnissen in die zweite Runde weiter gekommen, worüber ich unwahrscheinlich froh war.
Zweiter Wettbewerbstag, Runde zwei. Das war noch interessanter. Die zweite Runde bestand aus Spielen. Den ganzen Tag lang hat man Mannschaftsspiele mit uns gemacht, in denen wir unsere Führungsqualitäten und unsere Teamfähigkeit unter Beweis stellen sollten. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich im wahren Leben eine große Anführerin wäre, und deswegen war ich auch nicht an vorderster Front dabei, aber meine Vorschläge habe ich schon eingebracht, und die Gruppe hat sie auch oft angenommen. In der ersten Hälfte haben wir bei einer „Seeschlacht“ feindliche Schiffe versenkt, dann mit Spiegeln Laserstrahlen abgefangen, Bälle in Körbe geworfen und eine Fabel geschrieben. Nach den Ergebnissen dieser ersten Hälfte kam unsere Gruppe auf den ersten Platz. Danach gab es ein leckeres Mittagessen. Arme hungrige Studierende haben schließlich ununterbrochen Hunger
In der zweiten Hälfte haben wir ein Schiff gebaut, Proviant für unsere Seefahrt eingeladen, noch ein bisschen am Seehafen im Stau gestanden und sind dann schließlich auf das offene Meer hinausgefahren, um neue Welten zu erforschen. Und entdeckten dann auch wirklich ein unbekanntes Land, das bisher noch kein Fuß eines Reisenden je betreten hatte, wofür wir durch Gold mit Schokoladengeschmack belohnt wurden. Na, wenn das kein Wunder ist: Sich an nur einem Tag in einen Seemann zu verwandeln und eine kleine, aber immerhin doch eigene geographische Entdeckung zu machen. Außerdem habe ich auch noch neue Freunde gefunden. Danke an die Potanin-Stiftung für so einen tollen Wettkampf.
Das Stipendium habe ich mit meinen Ergebnissen leider nicht bekommen, aber dieser Umstand konnte meine leuchtenden Erinnerungen an diesen großartigen Wettbewerb in Gesellschaft kluger, lustiger und kommunikativer Leute nicht trüben. Ein ganz schöner Batzen war das, und das jetzt mal gar nicht aufs Geld bezogen


