Ich bin insgesamt ein halbes Jahr hier - ein Freiwilligendienst am Goethe-Institut in Almaty hat mich hierher geführt. Für alle Interessierten: Zur Zeit ist wieder Bewerbungszeit: www.kulturweit.de
Was mir bei dem kulturweit-Vorbereitungsseminar aufgefallen ist: Es waren 172 Freiwillige, die in die verschiedensten Länder wie Samoa, Argentinien, Slowakei, China, Indien oder Kolumbien reisen. Aber bei meiner Antwort, dass ich nach Kasachstan gehe, waren die meisten doch irgendwie verblüfft: Wow, Kasachstan! Obwohl also ein äußerster Zipfel dieses großen Landes (das neuntgrößte Land der Erde!) noch auf dem europäischen Kontinent liegt (und es dadurch auch möglich ist, dass Kasachstan bei der EM-Qualifikation mitspielt!), scheint es doch manchmal viel weiter entfernt als Südamerika oder Südostasien. Kasachstan, wo liegt das überhaupt? Das musste ich, ehrlich gesagt, selbst auch erst einmal auf der Landkarte nachschauen. Im Norden das flächenmäßig größte Land der Erde und großer Beeinflusser der kasachischen Geschichte: Russland. Im Osten, man denkt gar nicht daran, liegt China. Die kasachisch-chinesische Grenze liegt nur ca. 300 km von Almaty entfernt. Im Süden dann die -stan-Ländern: Kirgistan, Usbekistan, Turkmenistan …. Im Westen liegt das kaspische Meer und daran angrenzend Aserbaidschan. Trotz der unglaublichen Größe (2.724.900 km²) leben in Kasachstan nur rund 16 Millionen Menschen, das entspricht ca. einer Bevölkerung von 6 Personen auf einem km²! Zum Vergleich, in Deutschland sind es 229 Einwohner/km². Die kasachische Hauptstadt ist seit 1997 Astana im Norden. Davor war es Alma-Ata, heute Almaty genannt, die Stadt der Äpfel. Insgeheim wird sie immer noch die Hauptstadt (des Südens) genannt und das Goethe-Institut ist auch in der „Kulturhauptstadt“ geblieben.
Ich habe hier schon einiges erlebt: Habe mich unter anderem mit den Beatles auf dem Kok-Töbe getroffen, war im Eislaufstadion Medeo (bzw. Medeu) in den Bergen, war Rollschuh fahren mit meinen Zimmernachbarinnen und hab das neue Jahr auf kasachisch begrüßt.
Außerdem war ich in dem atemberaubenden Sharyn Canyon (von da ist auch das Foto auf meiner Vorstellungsseite). Bei Canyon denkt man eher an den Grand Canyon am Colorado River, doch die unbekanntere, aber nichtsdestotrotz absolut sehenswerte Variante liegt ca. 200km östlich von Almaty am Fluss Scharyn (Tscharyn). Allein der Weg dorthin ist schon sehr beeindruckend – vor allem wenn die Berge, an denen man entlangfährt, nicht wolkenverhangen sind, sondern schon von Weitem gut sichtbar sind.
Das Wetter im Canyon war wunderbar sonnig und warm und eine angenehme Abwechslung zu dem eher trüben Wetter hier in der Stadt.
Doch gestern war es auch in der Stadt der Äpfel wunderbar warm, angenehme Plusgrade mit einer heiteren Frühlingsstimmung, Vogelgezwitscher und luftiger Kleidung.
Und hier noch ein paar Fotos vom letzten Wintereinbruch Mitte März:
Nun, einen Monat bin ich nun schon hier. Und ich bin begeistert! Manches scheint mir schon so vertraut, manches doch noch fremd. Das Essen ist unglaublich fettig, aber so unglaublich lecker. Die Stadt ist laut und dreckig, aber ich hab sie schon ins Herz geschlossen. Und ich bin gespannt auf meine weiteren Erlebnisse und Entdeckungen die nächsten 4 Monate und werde euch daran teilhaben lassen. Heute werde ich mich mal in die Banja wagen und noch ein bisschen weiter in die "Fremde" eintauchen.
До встречи!
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