Seit fast einer Woche – mein Gott, wie die Zeit vergeht! – bin ich nun schon hier in Wolgograd. In meiner netten kleinen, feinen Wohnung direkt im Zentrum der Stadt: Blick auf die Wolga, Deluxe Balkon (wahlweise umfunktionierbar zum Wintergarten…) dem zur Vollendung nur noch ein paar Blümchen fehlen, 3 Minuten bis zur Uni, Internet, Telefon, Radio,… Hach! Dazu strahlend blauer und wolkenloser Himmel, eine angenehme Brise aus Richtung Kasachstan und ein leichter Sonnenbrand bei etwa 25 Grad. So schön sommerlich kann Russland sein! Wenn da der Herbst nur noch ein bisschen auf sich warten lässt…
Die Anreise war auch lange genug. Mit dem Zug ging’s zunächst von Würzburg via Berlin, Frankfurt/Oder nach (huch, da war sie ja auch schon, die Grenzen) Warschau, weiter zur Weißrussischen Grenze. Grenze! Паспорт! Migrationskarte ausfüllen! спасибо. Danke dir, lieber Visumsdienst für deine Zuverlässigkeit! Bliny und Himbeeren zum Wechsel des Fahrgestells (wie auf einem Friedhof für Räder lagen die Zugunterteile in, um und neben der Montagehalle. Ein bizarres Bild gab das ab!). Die Weite des Landes zieht an der vom Regen verschmutzten Scheibe vorbei. Und wieder ein Bahnhof. In großen Lettern MINSK bei Nacht und Regen. Mit dem Sonnenaufgang ging es in die nächste Hauptstadt. Und da war sie auch schon. Schon von weitem erblickt man zunächst die Datschen, dann die Trabantenstädte, dann die werbetragenden Hochhäuser. Gut eine Stunde nach den ersten städtischen Anzeichen, endlich die Ankunft am Bahnhof, wo ich auch schon herzlich von einem Freund erwartet werde. Macht so eine weit vernetzte Welt nicht wirklich Spaß? Nach gut 24 Stunden in Moskau, mit Museum, Spaziergang und endlich wieder einem richtigen Bett, ging’s am nächsten Tag weiter nach Wolgograd. Wieder in den Zug. Wieder das richtige Coupé finden, wieder Gepäck verstauen. Wieder Buch raus, MP3 Player rein und weiter geht’s. Wieder eine Fahrt durch die Nacht und die endlose Steppe dieses Landes. Wieder Ankunft am frühen Morgen und wieder werde ich herzlich empfangen von der Leiterin des Sprachlernzentrums. So eine vernetzte Welt macht wirklich Spaß!
Meine Ankunft in Wolgograd war glücklicherweise pünktlich zum Stadtgeburtstag, der Samstag und Sonntag mit großen Feierlichkeiten begangen wurde. Wir verbrachten den ganzen Tag draußen in der Sonne, schauten in fröhliche Gesichter und ließen es uns bei Kaffee, Eis und einer ersten Fahrt über die Wolga gut gehen.
Einer der Höhepunkte war sicherlich die Flugshow zu Ehren 100 Jahre Flugwesen in Russland, die über der Wolga stattfand, bei der meine Gefühlslage zwischen Faszination, Bewunderung und fast schon sowas wie... vielleicht Angst? schwankte. Wirklich beeindruckend!
Zum Abschluss, ein Feuerwerk über der Stadt mit einem kalten Getränk in der Hand.
Ja, so schön sommerlich kann Russland sein!
Die Flugshow über Wolgograd, medial aufbereitet...
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