Wenn man als Ausländer nach Russland kommt ist es nicht unbedingt das schlechteste, aus Deutschland zu sein. Und das sage ich nur, weil wir Deutschen vermutlich ebenso bürokratie-besessen sind wie die Russen. Über die letztendliche Logik des russischen wie des deutschen Papierwahns lässt sich aber streiten. Und das gilt für beide Seiten. Während ich im letzten Jahr in Deutschland nach meinem Uni-Abschluss wegen diverser Jobs und drei Umzügen einen unübersehbaren Stapel an versicherungs-, steuer-, renten-, arbeitslosengeld-, ummelde- und sonstwas-bezogenen Unterlagen angesammelt hatte, stehe ich heute in Russland vor neuen Herausforderungen.
Erst einmal musste ich mir hier mehrere Identitäten aneignen. Da man als Ausländer in Togliatti kein Anrecht auf Handy oder DSL hat, heiße ich bei Megafon Ksenia und bei Volga Telekom Marina (Danke an dieser Stelle!). Meinen Mietvertrag durfte ich zwar selbst unterschreiben, offiziell wohne ich aber nicht in meiner Wohnung. Das verwirrt nicht nur mich, auch beispielsweise den jungen Mann, der mich für die Wahl hier in der Stadt am Sonntag registrieren wollte. Dafür wird man aber auch die Frau schneller los, die einem Kabelfernsehen andrehen will.
Registrierung
Das schwierigste Kapitel der russischen Bürokratie für jeden Ausländer ist jedoch die Visum- und Registrierungsangelegenheit. Man ist hier sehr darauf bedacht, wo sich der Ausländer gerade aufhält und zu welchem Zweck. Ähnlich wie beim deutschen Arbeitsamt kann man bei der Registrierungsstelle alle Angaben korrekt und pünktlich angeben – irgendwie bleibt immer die Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Und vor allem in Moskau hab ich schon oft erlebt, dass man eben auch zahlen darf, wenn tatsächlich alles korrekt ist.
Und genau da liegt vielleicht mein Vorteil in Togliatti. Während ich hier zwar (anders als in Moskau) mit einem deutschen Pass keine Handynummer bekomme, so sieht aber auch kein Milizionär in mir einen westlichen Touristen, den man ausnehmen könnte. Man ist hier den Ausländer (zumindest den westlichen) nicht gewohnt.
In Togliatti gibt es keine Touristen, höchstens einheimische Erholungsurlauber
Die Vorteile dieser Tatsache bin ich grad am ausloten. Vielleicht sollte ich mal ins Museum gehen. Ob man hier als Ausländer auch den dreifachen Eintritt wie in Moskau und St. Petersburg zahlt?



Ich wollte nämlich nur ein longleaf zurückbringen, den ich für gutes Geld gekauft habe und nach der ersten "Handwäsche" die Farbe verändert hatte. Bin ich wie gewöhnt(von Deutschland) zum Laden und die Frauen, verdutzt mich ersteinmal ausgefragt nach meinen Waschmethoden.
Nach langem Hin und Her und fast schon zum Deppen abgestempelt, haben sie mir das Geld versprochen, aber erst nach dem ausfüllen von 3 Papieren. Wie sich aber herausgestellt hat, habe ich keine russische Wochnadresse, was die Sache nun sehr kompliziert macht. Aber für solche Fälle hat sie ein Blatt herausgezuckt und ich musste eine Koreanerin aus dem Butovo mir als meinige Identität angeben und dann auch noch ne Unterschrift fälschen mit ihrem Namen.
Auch habe ich einen anderen Namen bei meinem Internetanbieter, bin sogar ein gewisser Vladlena.
Na da sollen sich doch die Leute bitte hier nicht wundern, wenn irgendwelche Leute, auch wie es hier gerne heißt die "Schwärzerei" die Tadschiken und co. irgendein Mist bauen koennen, und die dann schnell untertauchen koennen. Kein Wunder bei sovielen "erlaubten" Namen.
Aber eines hat die Sache, inkognito zu sein, ist in Moskau nicht grad positiv, bei Problemen wirst du in diesem Sud einfach untergehen.
Das Alles kommt mir doch bekannt vor! Ich bin nämlich deine Vor-Vorgängerin!
Super, dass es jetzt diesen Blog gibt. Ich habe mir damals meinen eigenen eingerichtet. Interessant, wie es sich schon verändert hat und wie andere diese Stadt wahrnehmen, ich habe sie geliebt und manchmal gehasst! Aber ersteres überwiegt wegen der lieben Leute.
Wo wohnst du denn jetzt? Ist die Wohnung in der Zhilina nicht mehr die Sprassi-Zentrale?
Grüße aus Deutschland,
Maria
nein, die Wohnung gibts nicht mehr. Ich wohne jetzt Banykina, noch näher am SLZ und direkt am Wald. Also ganz guter Tausch denke ich. Freue mich, wenn bei Dir Erinnerungen geweckt werden. Mir geht es auf jeden Fall ähnlich wie Dir denke ich. Grüße aus Togliatti,
Anna
Der Blog gef