
Etwas abseits des Boulevards liegt die berühmteste und exotischte Kirche von St. Petersburg, die Auferstehungskirche (russ. Спас на крови). Eine Besichtigung dieser ausgefallenen Kirche, die innen aus ca. 7500 Quadratmetern Mosaiken besteht, darf bei keinem St. Petersburg-Besuch fehlen - sei er noch so kurz.


Eines haben jedoch fast alle Kirchen in Russland gemeinsam ob russisch-orthodox, katholisch oder evangelisch. Während des 20. Jahrhunderts wurden sie geschlossen oder zweckentfremdet, manche gar beides. Die Kasaner Kathedrale beispielsweise diente während der Sowjetunion als „Museum für Geschichte der Religion und des Atheismus“, ebenso die etwas westlich des Nevsky Prospekt gelegene Isaakskathedrale (Исаа́киевский собор), einer der größten sakralen Kuppelbauten der Welt. Gemüse, Bücher und Motorräder wurden in der Katharinenkirche gelagert, bevor sie 1968 zu einer Konzerthalle umfunktioniert wurde.
In den 30er Jahren schloss die Sowjetregierung die Auferstehungskirche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann die heute so prachtvolle Kirche als Lagerhalle für Gemüse verwendet, wodurch sie den Spitznamen "Kartoffelspeicher" bzw. auf Englisch "Savior on Potatoes" bekam.
Die für mich skurrilste Zweckentfremdung einer Kirche ist jedoch die der deutschen St. Petri-Kirche etwas zurückgesetzt am Nevsky Prospekt 22. Die "Lutherische Kirche der Heiligen Peter und Paul" (russ. Лютеранская церковь Святых Петра и Павла), 1838 im neoromanischen Stil eröffnet, wurde nämlich in der Sowjetzeit als Schwimmbad genutzt. Auch wenn das Badewasser schon lange wieder abgelassen wurde und heutzutage hier wieder regelmäßig Gottesdienste stattfinden, Spuren aus dieser Zeit zwischen 1962 und 1992 sind noch immer sichtbar.
Das Schwimmbecken sowie die Stelle des Sprungbretts sind beispielsweise noch klar zu erkennen und die typischen Zuschauerränge in Schwimmbädern sind noch vorhanden. Die weiße Reling bei den Tribünen und um das Kirchenschiff lässt auch erahnen, wofür diese Kirche 30 Jahre lang verwendet wurde.




