Seit Anfang Mai bereits legt St. Petersburg nun sein Wintergewand ab und putzt sich für die kommenden Sommermonate heraus, genau rechtzeitig für die beiden großen Festtage im Mai: für den "Tag des Sieges" (auf Russisch "День Победы") am 09. Mai und den Stadtgeburtstag am 27. Mai. So sieht man jetzt frisch gestrichene Geländer und Straßenlaternen sowie saubere Autos herumfahren, die vor wenigen Wochen noch voller Dreck und Staub waren. Auch wenn der letzte Winter für russische Verhältnisse ziemlich warm war, werden zahlreiche Straßen neu asphalitiert - das Verkehrschaos ist vorprogrammiert.
Auf dem Nevsky Prospekt sitzen die meisten Cafébesucher schon auf der Terrasse und blinzeln in die Sonne. Endlich kann man auch ganz entspannt durch die Straßen schlendern, denn auf gefährliche Eisflächen und schmutzige Pfützen muss jetzt keine Acht mehr gegeben werden. An Stelle von Eiszapfen prägen nun viele Blumen das Stadtbild.
Jede Wiese und jedes noch so kleine Stückchen Grün nutzen die Petersburger um sich zu sonnen, auch wenn gleich daneben unzählige Autos vorbeidüsen. Manche Parkanlagen wurden sogar im April geschlossen, damit das Blumenmeer gepflanzt werden konnte. Jedoch das deutlichste Zeichen für das Winterende in St. Petersburg ist, wenn die Brücken in der Nacht bis in die frühen Morgenstunden hochgezogen und damit für den Schiffsverkehr passierbar gemacht werden. Diese Besonderheit der Petersburger Infrastruktur beeinflusst die gesamte Stadt und ihre Einwohner. So müssen die Petersburger sich bis zum nächsten Winter wieder daran gewöhnen, dass nur zu bestimmten Uhrzeiten in der Nacht auf das andere Ufer gewechselt werden kann. Andrerenfalls steht man vor hochgezogenen Brücken, die erst etwa um 5 Uhr morgens wieder überquerbar sind. Vielleicht tröstet aber in so einem Fall dann der schöne Anblick der beleuchteten Brücke...



