Während der Eröffnungsfeier fielen zwei junge Männer auf, die am Rande standen und Fußbälle unter den Armen hatten. Was haben diese Fußbälle mit „Sprachen ohne Grenzen“ zu tun?
Andrew Aris (l.) und Sven Söderberg von „Spirit of Football“. Foto: Petra Siewert
Die beiden sind Sven Söderberg und Andrew Aris vom Projekt „Spirit of Football“aus Erfurt. Das Projekt nutzt die Aufmerksamkeit und Begeisterung, die der Fußballsport auf sich zieht, für soziale Projekte, organisiert zum Beispiel Fußballturniere für Jugendliche, um dort ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen.
Schon vor den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 reiste ein Fußball symbolisch durch die Welt. Vor der WM 2009 soll „The Ball“, das fußballerische Äquivalent zur Olympischen Fackel, wieder auf eine große Tour gehen. Ein spezieller „Fair Trade“-Fußball wird eine 10.000 Meilen weite Reise von London bis Johannesburg antreten. Pünktlich zur Eröffnungsfeier der Fußballweltmeisterschaft soll er dort eintreffen. Auf seiner Reise wird „The Ball“ die Leidenschaft und den Enthusiasmus für Fußball durch die unterschiedlichsten Kulturen tragen.
Andrew Aris und Sven Söderberg zur Beschaffenheit des Balls, den sie auf die Reise durch Afrika schicken werden:
Hier kommt nun das Goethe-Institut mit seinem neuen interaktiven Jugendportal „Todo Alemán“ ins Spiel, das unter dem Dach von „Sprachen ohne Grenzen“ enstanden ist. Andrew Aris, als gebürtiger Neuseeländer, der sehr gut Deutsch spricht, selbst ein Werbeträger für Mehrsprachigkeit, wird im Rahmen von „Todo Alemán“ über die Reise des Balles einen Blog schreiben. Außerdem ist geplant, dass Andrew und der Ball bei ihrer Reise durch die Subsahara-Region dortigen Partnerschulen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ Besuche abstatten werden.
Die Konferenz „Sprachen ohne Grenzen“ hat begonnen. Mit Reden von Jochen Richter von der EU, Martin Kobler vom Auswärtigen Amt und dem Präsidenten des Goethe-Instituts Klaus-Dieter Lehmann wurde sie am Donnerstagabend feierlich eröffnet. Alle Redner betonten die Bedeutung der Mehrsprachigkeit als Grundlage für Verständigung in Europa und der Welt.
Klaus-Dieter Lehmann bei seiner Rede, im Vordergrund ein Gebärdendolmetscher Foto: Petra Siewert
Lehmann verwies auf das Motto der europäischen Integration „Einheit in Vielfalt“. Auch im Hinblick auf die zunehmenden Migrations- und Immigrationsbewegungen sei die Förderung von Mehrsprachigkeit wichtig: „Die erste Muttersprache als Teil persönlicher Identität und die Sprache des Aufnahmelandes, der zweiten Heimat, eröffnet soziale Integration.“
„Es wird von dieser Konferenz ein starkes Signal ausgehen, dass die Sprachpolitik genau in die Richtung laufen muss, wie sie auch Herr Richter ausgeführt hat“, sagte Lehmann weiter. Jochen Richter, der Stellvertretende Kabinettschef von EU-Mehrsprachigkeitskommissar Leonard Orban, sprach sich in seiner Rede nachdrücklich für das Ziel „Muttersprache-plus-zwei“ aus. Dieses Ziel hatten die EU-Mitgliedsstaaten bereits 2002 proklamiert, doch von seiner flächendeckenden Umsetzung ist die Union noch weit entfernt.
Insbesondere, so Lehmann im Gespräch mit dem „Sprachen ohne Grenzen“-Blog, gehe es nun darum, Einfluss auf die Schulpolitik in Europa zu nehmen: Jede Schülerin und jeder Schüler solle zusätzlich zur englischen Sprache eine weitere Fremdsprache erlernen.
„Damit könnte man Europa in einzigartiger Weise kommunikationsfähig machen“, meinte der Goethe-Präsident, „denn wenn wir Europa nicht offen machen, dann ist es immer wieder auf die einzelnen Länder zurückgeworfen“. Nach der Konferenz gehe es deshalb darum, mit den Ergebnissen Sprachpolitik zu betreiben: „Wir gehen nach der Konferenz in die Öffentlichkeit, in die Politik, damit jeder begreift, warum wir das eigentlich machen.“
Leonard Orban per Video Foto: Petra Siewert
Leonard Orban, EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit und Schirmherr von „Sprachen ohne Grenzen“ konnte nicht persönlich anwesend sein, wandte sich aber mit einer Videobotschaft an die zahlreichen Gäste in der Akademie der Künste. Darin gratulierte er dem Goethe-Institut zum erfolgreichen Abschluss von „Sprachen ohne Grenzen“: „Das Goethe-Institut hat erreicht, die vielen Aspekte von Sprachen mit einer globalen Sicht zu verbinden. Damit wird gezeigt, dass Deutsch wie jede andere Sprache der Welt grenzenlos ist“, sagte Orban.
Nach dem offiziellen Teil feierten die zahlreichen internationalen Gäste die Eröffnung vor der traumhaften Kulisse des Berliner Abendhimmels und begannen bereits im informellen Rahmen mit dem Austausch über ihre Erfahrungen in ihren „Sprachen ohne Grenzen“-Projekten, der heute in und neben den verschiedenen Sektionen der Konferenz fortgesetzt wird.
Gäste der Eröffnungsfeier auf der Dachtereasse der Akademie Foto: Petra Siewert
Viele fleißige Helfer wuseln durch die Akademie der Künste, kümmern sich um Aufbau, Technik, Deko und alles, was sonst noch nötig ist, damit die Eröffnungsfeier heute Abend reibungslos über die Bühne gehen kann.
Kreatives Chaos im Organisationsbüro: die letzten Vorbereitungen laufen.
Während draußen die Sonne über Berlin scheint, probt Yvette Coetzee in der Dunkelheit des dritten Untergeschosses in der Blackbox das Theaterstück Unserdeutsch. Coetzee ist die einzige Schauspielerin in dem von Marc Pohl produzierten und von Nicola Unger inszenierten Stück, das die kaum bekannte Geschichte der weltweit einzigen deutsch-basierten Kreolsprache erzählt.
Premiere ist am Freitag um 20 Uhr in der Blackbox in der Akademie der Künste am Pariser Platz. Weitere Aufführungen folgen am Samstag und am Sonntag zur gleichen Zeit. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 9 Euro.
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