Janet Dukes interaktive Vorlesung kreiste um die Frage, ob denn "Fünf auf einen Streich" machbar sei: Können fünf eng verwandte Sprachen gleichzeitig und – provokativ formuliert – in nur 60 Minuten erlernt werden? Die Frage muss letztlich sehr ambivalent beantwortet werden und lautet: Jein. Lexik, Grafie, Morphologie und Syntax eng verwandter Sprachen helfen selbstverständlich, „Sprachfamilienmitglieder“ schneller und leichter zu entschlüsseln, eine Freikarte für die Beherrschung dieser Sprachen bedeutet dies jedoch noch lange nicht.
Janet Duke beantwortete die Frage, ob man fünf Sprachen gleichzeitig lernen kann.
Foto: Petra Siewert
Foto: Petra Siewert
Duke forscht mit einem Team im Rahmen der rezeptiven Mehrsprachigkeit bzw. Interkomprehension an der Frage, inwiefern Deutsch als Muttersprache und Englisch als erste Fremdsprache den Weg ebnen für das Leseverständnis weiterer germanischer Sprachen, ohne dass diese aktiv beherrscht werden müssten. Aufgrund der sprachlich engen Verwandtschaft liegt die Hoffnung nahe, dass man als kompetenter Deutsch- und Englischsprecher die fünf nordgermanischen Sprachen Norwegisch, Dänisch, Isländisch, Färöisch und Schwedisch praktisch „gratis dazu bekommt“ bzw. der Erwerb mit sehr geringem Aufwand gelingt. Duke selbst macht im Ergebnis jedoch deutlich, dass auch der Erwerb linguistischer Subsysteme letztlich nur mit Kraft- und Zeitaufwand möglich ist. Diese Einstellung geht mit einer Position Britta Hufeisens, Kooperationspartnerin Dukes, einher, die am Vormittag betont hatte, es müsse endlich wieder der Tatsache ins Gesicht geblickt werden, dass der Fremdsprachenerwerb ein schwieriger Kraftakt sei, der sich nun mal nicht auf den Spaßfaktor alleine reduzieren lasse.
Deutsch-Englisch-Sprechern kann somit künftig sicherlich eine Strategie an die Hand gegeben werden, wie ihnen die Rezeption nordgermanischer Texte relativ einfach gelingt. Der Titel „Fünf auf einen Streich“ passt letztlich aber doch eher als Werbeslogan eines Sprachkursanbieters, der mit der „Fun“-Garantie um seine Sprachkursschüler wirbt und weniger zu dem ernstzunehmenden Forschungsvorhaben EuroCom.



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