„Du hast so viele Leben wie du Sprachen sprichst“ - dieses Sprichwort aus dem Tschechischen fasst die Intention des Freitagvormittags prägnant zusammen. Sehr harmonisch verlief das Panel in der Sektion „Mehrsprachigkeit und Bildung“, in welchem die Vor-und Nachteile von Mehrsprachigkeit diskutiert werden sollten. Sehr schnell wurde jedoch deutlich, dass der Titel auf „Die Vorteile von Mehrsprachigkeit“ hätte reduziert werden können.
Bereits in der Anmoderation des souveränen Andreas Stopp wurde klar, dass die Beherrschung mehrerer Sprachen von multilingualen Sprechern selten als Last, sondern im Regelfall als Alltag und Bereicherung empfunden wird. Beate Bramstedt, Britta Hufeisen, Friederike Klippel, Ingelore Oomen-Welke und Lars Schmelter waren sich trotz ihrer unterschiedlichen Tätigkeitsgebiete bzw. wissenschaftlichen Fachbereiche darin einig, dass Mehrsprachigkeit in der „deutschsprachigen“ Gesellschaft noch viel zu wenig verankert ist und weder in den Köpfen der Menschen noch im Alltag unserer Schulen das Bewusstsein von Mehrsprachigkeit vorhanden ist.
Vom Podium ging ein Plädoyer an alle, sich die Mehrsprachigkeit unserer Umgebung klar zu machen, angefangen dabei, dass sie bereits ein Teil jeder einzelnen Sprache ist: „Wir müssen akzeptieren, dass Mehrsprachigkeit in vielen Sprachen bereits angelegt ist“, so die deutlichen Worte von Friederike Klippels. Diese Aussage bestätigt Lars Schmelter mit den Worten: „Wir sind in der Muttersprache bereits mehrsprachig“ Aus didaktischer Perspektive beleuchteten besonders Britta Hufeisen, Ingelore Oomen-Welke und Friederike Klippel das Thema der Mehrsprachigkeit. Lehrkräfte müssten bereits in Ihrer Ausbildung dafür sensibilisiert werden, dass ihre Schüler neben dem Deutschen weitere Sprachen mit ins Klassenzimmer bringen und diese nicht vor der Tür abgelegt werden: „Wir müssen uns darum kümmern, was in Kinderköpfen vorgeht“, so Oomen-Welkes Aufruf, das Thema Mehrsprachigkeit in die Unterrichtswirklichkeit zu integrieren.Kinder sollten dazu ermutigt werden, ihren multilingualen und multikulturellen Lebensalltag in den Unterricht einzubringen.
Des Weiteren wurde über die Förderung der Herkunftssprache diskutiert. Nur in Ansätzen konnte darauf eingegangen werden und so blieb es bei der einleuchtenden These, dass Herkunftssprachenunterricht von zentraler Bedeutung sein muss. Das Schulwesen dürfe die Herkunftssprachen nicht wie bisher verfallen lassen. Die Notwendigkeit die Mehrsprachigkeitsdidaktik weiter zu entwickeln und Lehrkräfte in diesem Sinne aus- und weiterzubilden, war die übereinstimmende Forderung der Referenten. Auch in jeder Fachdidaktik müsse sie darüber hinaus zu einem integralen Bestandteil werden. Denn nicht nur der Deutsch-, sondern auch der Matheunterricht ist für bilinguale Kinder bilingual, worauf Lehrkräfte vorbereitet sein müssen.
Leider war nicht die Zeit, der sich aufdrängenden Frage nachzugehen, wie sie in der Realität denn nun aussehen soll, eine funktionierende Mehrsprachigkeitsdidaktik. Wie gelingt es, dass der Unterrichtsalltag eben nicht bei der gut gemeinten Lehrerfrage stehen bleibt: „Und was heißt das in deiner Sprache?“.
Barbara Thiel und Susan Schenk
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