Ich erzähle euch jetzt eine wahre Geschichte.
Mit diesen Worten beginnt das Theaterstück Unserdeutsch – ein dokumentarisches Südseemärchen in der Black Box der Akademie der Künste, eindrucksvoll gespielt von der aus Südafrika stammenden Schauspielerin Yvette Coetzee.

Weihnachten auf Papua-Neuguinea
© Harry Hoerler
© Harry Hoerler
Die Geschichte handelt vom deutschen Kolonialismus in Papua-Neuguinea, von den Kindern deutscher Kolonialherren und einheimischer Frauen, von der Suche nach Identität und von einer Kreol-Sprache: Unserdeutsch.
Auf eine Schultafel in der Mitte des Raums malt Coetzee Kreidezeichnungen, die plötzlich animiert werden, alte Fotos erscheinen, kurze Videosequenzen, Interviews von den jetzt erwachsenen Sprechern von Unserdeutsch.
Wir erfahren aus Sicht der sich Erinnernden vieles über die Zwänge der Missionarsschule, ausgedrückt in dem notorischen Wiederholen deutscher Verbkonjugationen. Familien und der Zusammenhalt unter den so genannten "half-caste-children" werden sichtbar, aber auch das Leben zwischen zwei Welten, die Frage nach der Zugehörigkeit werden thematisiert.
Der Wechsel zwischen den Sprachen Deutsch, Unserdeutsch und Englisch: Ein Stück über die Mehrsprachigkeit
Die Erzählende kommuniziert mit den Unserdeutsch-Sprechern über die Schultafel: Einige Erinnerungen verblassen, der Kontakt bricht ab, aus fotografierten Personen werden Leerstellen, verbildlicht als umrisshafte Flecken des nassen Schwamms auf der hellen Tafel. Andere Erinnerungen werden vehement mit dem Schwamm gelöscht oder weggeschoben.
Was passiert mit der Kreolsprache Unserdeutsch aus Vunapope? Ist sie bald auch eine Leerstelle in der Liste der Sprachen weltweit oder wird sie Bestand haben?
Nach Ende des Stücks ist noch Zeit für ein Gespräch mit dem Linguisten Craig A. Volker und dem Zeitzeugen und Sprecher von Unserdeutsch, Harry Hoerler aus Papua-Neuguinea. Eine Frage nach der anderen stellte das Publikum den beiden Gästen. Schließlich meldet sich auch eine ältere Frau zu Wort und beginnt völlig unvermittelt den Namen, das Geburtsdatum und den Geburtsort ihres Großvaters aufzuzählen: Er lebte als Deutscher während der Kolonialzeit in Vunapope, Papua-Neuguinea. Plötzlich rückte der Wirklichkeits-Bezug des Stücks noch einmal deutlich in das Bewusstsein der Zuschauer und die geografische Distanz zwischen Berlin (Deutschland) und Berlinhafen (Papua-Neuguinea) verschwindet in den schwarzen Wänden der Black Box.
Das Stück ist noch bis zum 29. September 2009 in Deutschland zu sehen.
Link-Tipps
Weitere Vorstellungstermine und Informationen zum Stück „Unserdeutsch“
Weitere Hintergrundinfos mit Audiobeispielen (goethe.de) 



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