Es gibt Orte, die sich den Veränderungen in der Welt zu entziehen scheinen. Sie trotzen dem wandelnden Zeitgeist. Solch ein Ort ist Carfizzi. Das Dorf liegt in den abgelegen Hügeln Kalabriens, in Süditalien. 750 Bewohner hat die kleine Gemeinde. Im 15. Jahrhundert wanderten albanische Krieger hierhin aus, um Karl V. zu unterstützen. „Wir sind keine Italiener, aber Albaner sind wir auch nicht“, erklärt die ehemalige Bürgermeisterin Caterina Tascione. In Carfizzi spricht man Arberesche, eine Mischung aus Italienisch und Albanisch. Obwohl es weltweit nur etwas mehr als 2000 Menschen gibt, die der Arberesche Gemeinde angehören, wird sie als offizielle Sprache anerkannt. Tascione will dafür sorgen, dass die Sprache weiterhin überlebt, „aber in einer globalisierten Welt ist es schwierig, Minderheitensprachen zu schützen“. Als kleinen Beitrag hat sie in ihrer Amtszeit eine Stadtbibliothek gegründet, in der sämtliche Literatur auf Arberesche gesammelt wird. Das kleine Haus, in dem auch ein Museum über das traditionelle Leben der Gemeinde untergebracht ist, wirkt eher wie die Wohnung einer älteren Dame. In fünf Regalen sind die Bücher der Bibliothek untergebracht, zwei Tische laden zum Lesen ein. An der Wand hängt ein Loblied an die Frauen der Gemeinde. Tascione zieht sich ihre lila Jacke aus und setzt sich: „Unser Dorf wurde immer von uns Frauen getragen“. Die Mutter musste immer auch die Vaterrolle übernehmen, denn ursprünglich waren die Bewohner des Dorfes Soldaten. Die Männer mussten also in den Krieg ziehen, die Frauen blieben zurück. Unter Mussolini flüchteten die Männer dann vor der faschistischen Verfolgung ihrer Minderheit. In den 50ern und 60ern zogen sie als Gastarbeiter nach Deutschland. Deshalb gibt es auch dort eine Arberesche Gemeinde, nämlich in Ludwigshafen, die zweitgrößte weltweit. Die Auswanderung nach Deutschland ist auch ein Grund für den Wohlstand des Dorfes. Viele Einwohner, die früher nach Deutschland als Gastarbeiter gingen, kehrten im Ruhestand nach Carfizzi zurück und brachten ihr Erspartes mit.
Die örtliche Schule wird nur von etwa 30 Schülern besucht. Sie umfasst einen Kindergarten, die Grundschule und eine Mittelstufe. Zu weiterführenden Schulen müssen die Schüler in den Nachbarort Crotone fahren. Natürlich lernen die Schüler Italienisch, aber ein großer Teil des Unterrichts findet auch in Arberesche statt. Zur Begrüßung überreicht uns die Lehrerinn Marianna Leonetti die Gebäckspezialität „Mastacolla“, ein Teig aus Mehl und Honig. Ursprünglich wird es zur Feier einer Geburt hergestellt: „Für Jungen backen wir es in der Form eines Pferdes, für Mädchen in der Form eines Adlers“, erörtert Leonetti, „das symbolisiert unsere kriegerische Abstammung“. Zusammen mit einem Liedermacher aus Carfizzi hat sie Kinderlieder auf Arberesche produziert, die Texte dazu lieferten Gedichte ihrer Schüler. Wie Caterine Tascione will auch sie einen Beitrag für den Fortbestand der Sprache leisten. Allerdings wird dieses Vorhaben zunehmend erschwert. Für die Nachfolgerin von Caterine Tascione steht der Schutz von Arberesche nicht mehr an erster Stelle: Kopfschüttelnd zeigt Allesandro Constantino auf den Eingang zum Gemeindehaus. Dort wurde vor kurzem eine arberesche Innenschrift entfernt, „so etwas passiert zunehmend“. Der ältere Herr arbeitet als Übersetzer im Kosovo, er lebte auch schon in Argentinien und Deutschland. Trotzdem fühlt er sich dem Dorf immer noch verbunden. Ein weiteres Problem sei die Abwanderung von Jugendlichen. Spätestens für das Studium müssen sie das Dorf verlassen, nur wenige kehren zurück: „ Unsere Wirtschaft basiert vorwiegend auf der Landwirtschaft, wir haben einfach zu wenig Arbeit für junge Menschen“.
Vom Dorfplatz aus hat man eine atemberaubende Aussicht auf die Landschaft und das Mittelmeer. Von jedem albanisch stämmige Dorf in Italien kann man das Meer sehen, denn die Bewohner hatten früher Angst vor einer Invasion der Türken, die zuvor schon ihr albanische Heimatland eingenommen hatten. Mittlerweile hat hier natürlich niemand mehr Angst vor einem Angriff. Geblieben ist der Blick in einer malerische Landschaft. Die Hügel sind von Wäldern bedeckt, nur unterbrochen von einzelnen Serpentinen und Windrädern.
Auf den ersten Blick scheint die Zeit Carfizzi tatsächlich vergessen zu haben. Auf der Straße sitzt eine Gruppe älterer Männer, trinkt Kaffee und führt Gespräche über Gott und die Welt. Die Szenerie könnte das Motiv für eine Postkarte sein. So stellt sich ein Deutscher ein verschlafenes Dörfchen in Italien vor. Aber der Wandel dringt in jedes noch so abgelegene Dorf vor. Das stellt die Arberesche Gemeinde vor eine entscheidende Frage: Wie viel Tradition wollen wir erhalten?
Sunday, 30. October 2011
Carfizzi
Thursday, 27. October 2011
Never Ending Story
Die Reifen lösen sich vom Boden. Die Maschine hebt ab, wir fliegen und lassen Berlin hinter uns. Berlin unter uns wird immer kleiner. Die Stadt, in der wir noch vor wenigen Momenten mitten drin waren, sieht nun aus wie ein Model. Die Menschen verschwinden als erstes, werden kleine bunte Punkte, die mal hektisch, mal entspannt, umherlaufen. Als nächstes verschwinden die Auto. Aus der Luft erscheinen sie wie Tiere, die umherirren. Die Lichter der Stadt verschmelzen zu einer hellleuchtenden Masse. Alles geht in sie ein, Menschen, Autos, selbst die Gebäude lassen nur noch ihren Umriss erahnen. Immer kleiner wird der Berliner Leuchtball, bis er nur noch ein kleiner Punkt hinter uns wird und dann weg ist.
Weiter südlich versperren Wolken die Sicht. Als wir die Alpen überqueren liegt unter uns ein grauer Wolkenteppich, der sich aber immer stärker auflöst je weiter wir nach Italien kommen. Dann, plötzlich, gibt er den Blick auf Italien frei. Mittlerweile in der Nacht versunken lässt sich die italienischen Landschaft nur noch erahnen. Ein dunkler Untergrund, nur unterbrochen von kleinen Lichtern.
Dann erstreckt sich vor uns das Ziel unserer Reise - Roma! Wie Berlin zeigt sie sich uns im goldenem Licht, das nur vom Tiber unterbrochen wird, der sich gemächlich durch die Stadt schlängelt. Wir sinken ein in das Licht, nach und nach kann man wieder alles erkennen: Die Gebäude, die Autos, die Menschen. Dann setzen die Reifen auf den Boden auf.
Weiter südlich versperren Wolken die Sicht. Als wir die Alpen überqueren liegt unter uns ein grauer Wolkenteppich, der sich aber immer stärker auflöst je weiter wir nach Italien kommen. Dann, plötzlich, gibt er den Blick auf Italien frei. Mittlerweile in der Nacht versunken lässt sich die italienischen Landschaft nur noch erahnen. Ein dunkler Untergrund, nur unterbrochen von kleinen Lichtern.
Dann erstreckt sich vor uns das Ziel unserer Reise - Roma! Wie Berlin zeigt sie sich uns im goldenem Licht, das nur vom Tiber unterbrochen wird, der sich gemächlich durch die Stadt schlängelt. Wir sinken ein in das Licht, nach und nach kann man wieder alles erkennen: Die Gebäude, die Autos, die Menschen. Dann setzen die Reifen auf den Boden auf.
Tuesday, 25. October 2011
Hamburg, deine Zeitungen
Alles Gute beginnt mit einer guten Tasse Kaffee. Das zumindest behauptet die Werbung einer amerikanischen Fast-Food-Kette. Ob das stimmt oder nicht, das weiß ich auch nicht. Aber eines kann ich sagen: Auf den gestrigen Tag trifft es zu.
Der erste Kaffe am Morgen. Er war nicht nur gut, sondern auch notwendig, um richtig aufzuwachen. Genau der richtige Start in den Tag, der uns mit Eindrücken erwartete, die vielfältiger kaum sein könnten. Für einen Tag tauchten wir ein in die Welt der Zeitungen und Magazine.
Angefangen beim Hamburger Abendblatt, dem ältesten Titel im Axel-Springer Verlag, über den Spiegel, der, wie wir erfahren mussten, gerade in ein neues Bürogebäude umgezogen war bis zur Zeit, die passender Weise vom Italiener Giovanni di Lorenzo geleitet wird - überall wurden wir mit offenen Armen empfangen.
Auf den ersten Blick sollten all diese Zeitungen ähnlich aufgebaut und organisiert sein. Eindrucksvoll zu erfahren, wie sehr sich dann doch unterscheiden. Die Tageszeitung „Hamburger Abendblatt“ muss sich natürlich anderen Ansprüchen stellen als die Wochenzeitung „Die Zeit“. Das Hamburger Abendblatt muss auf Aktualität ihrer Nachrichten wert legen, jeden Tag ein breites Spektrum an Informationen vermitteln, während sich Die Zeit vor allem als Meinungsmedium versteht. Daneben wollen Zeit-Redakteure vor allem Analysen und Hintergrundberichte liefern. Einen ähnlichen inhaltlichen Rahmen setzt sich auch das Magazin Der Spiegel.
Der Kontrast zwischen Spiegel und Zeit lässt sich wohl durch nichts so gut beschreiben wie ihre jeweiligen Redaktionsgebäude:
Erst vor kurzem ist der gesamte Spiegel umgezogen. Er sitzt nun im größten Bürogebäude Hamburgs in der Hafencity. Modern, elegant und beeindruckend ist die gläserne Fassade, die einem Bilderrahmen ähnelt. Alles ist neu. So neu, dass sogar Google Maps die Adresse noch nicht kennt, was uns für kurze Zeit in Orientierungsschwierigkeiten brachte.
Die Redaktion der Zeit hingegen sitzt schon seit Jahrzehnten im Pressehaus, ein schlichtes Backsteingebäude, das typisch ist für Hamburg. Im Innern befinden sich viele kleine Büros, es wirkte familiärer und wärmer als in der riesigen Empfangshalle des Spiegelkomplex.
Das waren die Eindrücke des ersten Tages unserer Reise. Wenn es so weiter geht, wird es eine ereignisreiche Woche.
Der erste Kaffe am Morgen. Er war nicht nur gut, sondern auch notwendig, um richtig aufzuwachen. Genau der richtige Start in den Tag, der uns mit Eindrücken erwartete, die vielfältiger kaum sein könnten. Für einen Tag tauchten wir ein in die Welt der Zeitungen und Magazine.
Angefangen beim Hamburger Abendblatt, dem ältesten Titel im Axel-Springer Verlag, über den Spiegel, der, wie wir erfahren mussten, gerade in ein neues Bürogebäude umgezogen war bis zur Zeit, die passender Weise vom Italiener Giovanni di Lorenzo geleitet wird - überall wurden wir mit offenen Armen empfangen.
Auf den ersten Blick sollten all diese Zeitungen ähnlich aufgebaut und organisiert sein. Eindrucksvoll zu erfahren, wie sehr sich dann doch unterscheiden. Die Tageszeitung „Hamburger Abendblatt“ muss sich natürlich anderen Ansprüchen stellen als die Wochenzeitung „Die Zeit“. Das Hamburger Abendblatt muss auf Aktualität ihrer Nachrichten wert legen, jeden Tag ein breites Spektrum an Informationen vermitteln, während sich Die Zeit vor allem als Meinungsmedium versteht. Daneben wollen Zeit-Redakteure vor allem Analysen und Hintergrundberichte liefern. Einen ähnlichen inhaltlichen Rahmen setzt sich auch das Magazin Der Spiegel.
Der Kontrast zwischen Spiegel und Zeit lässt sich wohl durch nichts so gut beschreiben wie ihre jeweiligen Redaktionsgebäude:
Erst vor kurzem ist der gesamte Spiegel umgezogen. Er sitzt nun im größten Bürogebäude Hamburgs in der Hafencity. Modern, elegant und beeindruckend ist die gläserne Fassade, die einem Bilderrahmen ähnelt. Alles ist neu. So neu, dass sogar Google Maps die Adresse noch nicht kennt, was uns für kurze Zeit in Orientierungsschwierigkeiten brachte.
Die Redaktion der Zeit hingegen sitzt schon seit Jahrzehnten im Pressehaus, ein schlichtes Backsteingebäude, das typisch ist für Hamburg. Im Innern befinden sich viele kleine Büros, es wirkte familiärer und wärmer als in der riesigen Empfangshalle des Spiegelkomplex.
Das waren die Eindrücke des ersten Tages unserer Reise. Wenn es so weiter geht, wird es eine ereignisreiche Woche.
Monday, 24. October 2011
Auf der Reeperbahn Nachts um halb eins
Ungewohnt leer bot sich uns der Hamburger Kiez am ersten Abend unserer Reise dar. Aber selbst an solch einem ruhigen Abend sind die Türen der Bar „Villa Kunter Bunt“ nicht verschlossen. Für unsere deutsch-italienische Reisegruppe der perfekte Ort, um das erste Aufeinandertreffen gemütlich ausklingen zu lassen.
Nicht ganz ausgeschlafen aber dennoch motiviert starten wir mit einem vielfältigen Frühstück in den Tag. Schnell noch den Weg zur Redaktion des „Hamburger Abendlatt“ herausgesucht und die Kamera eingepackt und schon geht‘s los. Wir sind gespannt was uns erwartet.
Nach dem Abendblatt geht‘s weiter zu Spiegel und Zeit. Der Focus liegt dabei natürlich auf der Welt der Auslandsressorts. Mal Frankfurter Rundschauen was diese Gala für uns zu bieten haben wird.
Scherz beiseite: Wir freuen uns auf den Tag!
Nicht ganz ausgeschlafen aber dennoch motiviert starten wir mit einem vielfältigen Frühstück in den Tag. Schnell noch den Weg zur Redaktion des „Hamburger Abendlatt“ herausgesucht und die Kamera eingepackt und schon geht‘s los. Wir sind gespannt was uns erwartet.
Nach dem Abendblatt geht‘s weiter zu Spiegel und Zeit. Der Focus liegt dabei natürlich auf der Welt der Auslandsressorts. Mal Frankfurter Rundschauen was diese Gala für uns zu bieten haben wird.
Scherz beiseite: Wir freuen uns auf den Tag!
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