5:40 Uhr: Zeit zum Aufstehen, fertigmachen, frühstücken und aufbrechen: Berlin erwartet uns. Um 08:06 Uhr haben wir uns alle ein wenig fröstelnd und schläfrig auf der Bank im Bahnhof eingefunden, um auf den Zug zu warten, der uns in die Hauptstadt bringen soll. Nach dessen Ankunft haben wir es uns in dem ruhigen Zug bequem gemacht, wo einige von uns die eineinhalbstündige Fahrt genutzt haben, noch ein Nickerchen zu machen. Bei Ankunft sind wir unter dem wachsamen Auge von Frau Finocchiaro mit unserem Gepäck ausgestiegen, die trotz ihrer Aufmerksamkeit ihr eigenes Gepäck im Zug liegen gelassen hat.
Wir haben schnell unser Gepäck im Hotel abgegeben und sind sofort losgezogen, um in der berühmten Gaststätte „Ständige Vertretung“ etwas zu Mittag zu essen. Danach haben wir uns zum Campus Rütli aufgemacht, wo uns die Direktorin erwartete, um uns die Besonderheiten zu erklären.
„Kein Kind, kein Jugendlicher geht verloren“, so das Motto dieser öffentlichen Schule, die aus dem 2007 ins Leben gerufene Projekt „Mein Quartier“ entstanden ist. Dabei wurden drei Schulen, die nach einem Streik der Lehrerschaft geschlossen wurden, zusammengelegt. Die Lehrer drückten in einem Brief die Unmöglichkeit aus, weiterhin in diesem Umfeld arbeiten zu können, da es zu gefährlich geworden sei. Die Direktorin legte Wert darauf, zu betonen, dass die Lehrer ihre Schüler ausgehend von ihren persönlichen Biografien unterrichten möchten, bis diese sich eine Zukunft unabhängig von der sozialen Schicht, der sie entstammen, aufbauen können, und dabei auch ihrer Herkunft Bedeutung beimessen. Während der Beschreibung der Einrichtung sind mir zwei Dinge besonders positiv aufgefallen: Einmal das wöchentliche Treffen zwischen dem Schülerausschuss und der Direktorin, bei dem verschiedene Probleme des Instituts angesprochen werden oder neue Projekte, und zweitens die Art und Weise, auf die die Eltern der ausländischen Schüler in die Versammlungen eingebunden werden. Angesichts der Tatsache, dass diese formellen Zusammenkünften eher skeptisch gegenüberstehen, organisieren die Lehrer informelle Treffen (die Eltern werden beispielsweise zum Tee in die Schule eingeladen), um mit den Familien in Kontakt treten zu können. Ich fand die Direktorin sehr nett und ihre Erläuterungen ausführlich und ich danke ihr dafür, dass sie uns einen Einblick in diese ganz besondere Realität gewährt hat.
Nach diesem Treffen und einer langen Pause am Nachmittag sind wir um 20:00 Uhr in ein thailändisches Restaurant gegangen, wo sich mir wieder einmal bestätigt hat, dass diese besondere Küche aufgrund der Gewürze für mich nicht geeignet ist. Es war aber trotzdem ein nettes Essen, eine Art Vorspiel: Das Beste sollte noch kommen.
Wir haben die Lehrer verabschiedet und nach den üblichen Ermahnungen hat sich die Gruppe zur U-Bahn begeben, um zum Hard Rock Café zu fahren. Während der Fahrt hat unser lieber Thobias, neben dem anderen Geplappere, ein Lob auf die Früchte deutscher Ingenieurskunst gehalten: auf den Doppelknoten in den Schuhbändern. DANKE, DEUTSCHLAND! Unser Zwischenstopp im Hard Rock Café war ziemlich kurz, aber da es schon ganz schön spät war, sind wir zurück zur U-Bahn und ins Hotel gefahren. Während dieser kurzen Fahrt ist etwas passiert, was ich wohl mein Lebtag nicht vergessen werde: Eine italienisch-deutsche Gruppe in einer Berliner Metro, die fröhlich italienische Lieder singt, wie „Volare“ oder „Azzurro“ (und eine nicht veröffentlichte Version des Stücks „Lasciatemi cantare“, das für Luke und Thobias zu „Lasciatemi mangiare“ geworden ist) sowie internationale Songs wie „New York, New York“.
Diese Reise hält immer wieder Überraschungen für mich bereit und sorgt für Spaß und ordentliche Lacher!
Friday, 28. October 2011
Lasciatemi mangiare con la forchetta in mano, lasciatemi mangiare una pizza piano piano.
Tuesday, 25. October 2011
Endlich in Hamburg.
Ein typisch nordischer Platz, alt. Eine Brücke, ein Spaziergang am Flussufer und ein Transvestit, der Dudelsack spielt. Hamburg hat mich sofort fasziniert und ich habe gleich gemerkt, dass die Stadt genau so ist, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Abgesehen von dieser besonderen Situation kann ich noch gar nicht genau sagen, was mich an dieser Stadt so anzieht. Dem ersten kurzen Eindruck nach glaube ich, dass es wegen der Atmosphäre ist oder es sich einfach um Liebe auf den ersten Blick handelt. Genau, Hamburg ist ohne Zweifel meine Stadt.
Nach unserem kurzen Stadtrundgang sind Tommaso, Frau Finocchiaro und ich in das Hotel zurückgekehrt, um uns ein wenig von den Aufregungen auszuruhen und neue Energie für das wichtigste Ereignis des Tages zu tanken - das Treffen mit den anderen Projektteilnehmern. Schließlich haben wir uns alle nach ein paar Umwegen in einem gemütlichen und charakteristischen Restaurant eingefunden und uns über alles Mögliche unterhalten. Zwischen einem Schluck Bier und einem Happen Wurst ging es über die vor erst ein paar Stunden zurückgelegte Reise bis hin zu eher persönlichen Dingen. Hier hat unser deutsches Abenteuer begonnen. Nach dem Essen haben wir jugendlichen Abenteurer uns von unseren Betreuern verabschiedet, um noch einen späten Rundgang durch die Stadt mit unseren Fremdenführern Timm und Lukas zu machen. Dabei haben wir noch die unkonventionellste Straße der Stadt mit ihren vielen Nachtclubs und Bordellen gesehen, auf der sich viele fröhliche Familien mit Kindern tummelten, die auf dem Bürgersteig herumsprangen. Die Frage drängt sich einem förmlich auf: Wie erklären die Eltern ihren Kindern, was in den Clubs passiert oder was das für seltsame Gegenstände in den Schaufenstern sind? Naja. Nach einem Stopp in einer Bar, wo wir noch etwas getrunken haben, sind wir zum Schlafen in das Hotel gegangen, denn wir konnten uns schon vorstellen, dass der nächste Tag lang und anstrengende werden würde.
Und wir hatten uns nicht getäuscht. Nach dem Frühstück und dem morgendlichen Geschwätz haben wir das Hotel verlassen und sind zur ersten Redaktion gegangen, dem Hamburger Abendblatt, danach zum Spiegel und auch noch zur Redaktion von der Zeit. In allen drei Redaktionen wurden wir in Meetingrooms mit Kaffee, Tee, Säften, Wasser und Keksen empfangen. Sie haben uns also wie echte Korrespondenten empfangen. Die Erläuterungen der Vertreter der Zeitungen waren sehr interessant. Mich haben insbesondere die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Internet interessiert und beim Hamburger Abendblatt sind sie wirklich innovativ. Neben Apps für das iPhone und iPad haben sie eine Rubrik erstellt, die „Mein Quartier“ heißt. Dort können die Hamburger, nachdem sie gewählt wurden und an einer kleinen Vorbereitung teilgenommen haben, den Lesern ihr Quartier beschreiben und in einer Art Blog Nachrichten und Veranstaltungen posten. Was mir bei allen Redaktionen gut gefallen hat, ist die Suche nach dem Kontakt zur Jugend. Sie geben ihnen die Möglichkeit, den Journalismus zu entdecken, indem sie Exemplare an die Schulen senden oder auch Zeitschriften oder Seiten für die ganz Kleinen herausbringen. Das ist nicht nur eine gute Marketingstrategie, sondern auch eine gute Art und Weise, die Kleinen an die Idee heranzuführen, immer auf dem Laufenden sein zu können. Es ist tröstlich zu wissen, dass die deutschen Journalisten die italienischen Kollegen trotz aller Skandale weiterhin stimulieren und sie als kritischer und unabhängiger als das Fernsehen ansehen. Letzteres neigt dazu, die ständig gleichen Nachrichten ohne Tiefgang zu verbreiten, anders als bestimmte Zeitungen, die somit noch den Grundsatz der Zeitung erzielen: Ein Thema in seiner Ganzheit erklären, ohne dabei oberflächlich zu bleiben.
Jetzt ist es schon spät und ich glaube, ich gehe jetzt am besten schlafen, denn in knapp sechs Stunden klingelt der Wecker. BERLIN HERE WE COME!
Nach unserem kurzen Stadtrundgang sind Tommaso, Frau Finocchiaro und ich in das Hotel zurückgekehrt, um uns ein wenig von den Aufregungen auszuruhen und neue Energie für das wichtigste Ereignis des Tages zu tanken - das Treffen mit den anderen Projektteilnehmern. Schließlich haben wir uns alle nach ein paar Umwegen in einem gemütlichen und charakteristischen Restaurant eingefunden und uns über alles Mögliche unterhalten. Zwischen einem Schluck Bier und einem Happen Wurst ging es über die vor erst ein paar Stunden zurückgelegte Reise bis hin zu eher persönlichen Dingen. Hier hat unser deutsches Abenteuer begonnen. Nach dem Essen haben wir jugendlichen Abenteurer uns von unseren Betreuern verabschiedet, um noch einen späten Rundgang durch die Stadt mit unseren Fremdenführern Timm und Lukas zu machen. Dabei haben wir noch die unkonventionellste Straße der Stadt mit ihren vielen Nachtclubs und Bordellen gesehen, auf der sich viele fröhliche Familien mit Kindern tummelten, die auf dem Bürgersteig herumsprangen. Die Frage drängt sich einem förmlich auf: Wie erklären die Eltern ihren Kindern, was in den Clubs passiert oder was das für seltsame Gegenstände in den Schaufenstern sind? Naja. Nach einem Stopp in einer Bar, wo wir noch etwas getrunken haben, sind wir zum Schlafen in das Hotel gegangen, denn wir konnten uns schon vorstellen, dass der nächste Tag lang und anstrengende werden würde.
Und wir hatten uns nicht getäuscht. Nach dem Frühstück und dem morgendlichen Geschwätz haben wir das Hotel verlassen und sind zur ersten Redaktion gegangen, dem Hamburger Abendblatt, danach zum Spiegel und auch noch zur Redaktion von der Zeit. In allen drei Redaktionen wurden wir in Meetingrooms mit Kaffee, Tee, Säften, Wasser und Keksen empfangen. Sie haben uns also wie echte Korrespondenten empfangen. Die Erläuterungen der Vertreter der Zeitungen waren sehr interessant. Mich haben insbesondere die unterschiedlichen Herangehensweisen an das Internet interessiert und beim Hamburger Abendblatt sind sie wirklich innovativ. Neben Apps für das iPhone und iPad haben sie eine Rubrik erstellt, die „Mein Quartier“ heißt. Dort können die Hamburger, nachdem sie gewählt wurden und an einer kleinen Vorbereitung teilgenommen haben, den Lesern ihr Quartier beschreiben und in einer Art Blog Nachrichten und Veranstaltungen posten. Was mir bei allen Redaktionen gut gefallen hat, ist die Suche nach dem Kontakt zur Jugend. Sie geben ihnen die Möglichkeit, den Journalismus zu entdecken, indem sie Exemplare an die Schulen senden oder auch Zeitschriften oder Seiten für die ganz Kleinen herausbringen. Das ist nicht nur eine gute Marketingstrategie, sondern auch eine gute Art und Weise, die Kleinen an die Idee heranzuführen, immer auf dem Laufenden sein zu können. Es ist tröstlich zu wissen, dass die deutschen Journalisten die italienischen Kollegen trotz aller Skandale weiterhin stimulieren und sie als kritischer und unabhängiger als das Fernsehen ansehen. Letzteres neigt dazu, die ständig gleichen Nachrichten ohne Tiefgang zu verbreiten, anders als bestimmte Zeitungen, die somit noch den Grundsatz der Zeitung erzielen: Ein Thema in seiner Ganzheit erklären, ohne dabei oberflächlich zu bleiben.
Jetzt ist es schon spät und ich glaube, ich gehe jetzt am besten schlafen, denn in knapp sechs Stunden klingelt der Wecker. BERLIN HERE WE COME!
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