
Fotos @ Maria Gracia Centeno
Als Alberto Fernández in Bonn ankam, war es kalt, sehr kalt sogar. Ein Koffer und der Willen, eine neue berufliche Perspektive zu finden, war alles, was er mitgebracht hatte. Bei seiner Ankunft erwarteten ihn bereits einige Freunde mit dem Auto, um ihn in ihre Wohnung zu bringen, die außerhalb der Stadt lag. Sehr spät an diesem Abend ruhte sich Alberto zum ersten Mal in dem Land aus, das ihm seine Tore für ein langes und unbekanntes Abenteuer geöffnet hatte.
„Ich habe alles selbst organisiert.“

Alberto kommt aus Málaga, der zweitgrößten Stadt Andalusiens und einem der beliebtesten Ziele für europäische Touristen. Dort studierte Alberto Industrie-Ingenieurwesen. Zusammen mit seiner Freundin Cristina, die ebenfalls aus Málaga stammt, entschied er sich, dass sie zusammen ihr Glück in einer deutschen Stadt versuchen wollten. „Ich habe die Deutschlandkarte ausgiebig studiert und wusste, in welchen Städten die wenigsten Ingenieure arbeitslos sind. Außerdem habe ich gelesen, dass die deutsche Kultur der spanischen sehr ähnlich ist. Vielleicht gibt es hier in Deutschland weniger Kontakt zu den Leuten, denen man auf der Straße begegnet, und die Temperaturen sind unterschiedlich, aber bei der Arbeit sehe ich keine Unterschiede“, bemerkt Alberto. Am Anfang hatte er zwei Städte im Blick, in denen Miete und Lebenshaltungskosten günstiger als anderswo sind. Und so entschied er sich zwischen Berlin und Bonn für letztere. Bereits am Tag nach seiner Ankunft in Deutschland, hat Alberto seine Suche nach einer Wohnung begonnen. Er lief die ganze Stadt ab, bis er schließlich ein perfektes Angebot gefunden hatte, das ihnen beiden zusagte. „Ich habe alles selbst gesucht und organisiert, denn Makler verlangen eine Menge Geld“, sagt Alberto und gibt zu, dass es ungefähr ein Monat gedauert hat, bis die Wohnung renoviert war, die man ihm übergeben hatte. Im Februar 2011 kam schließlich auch Cristina in Deutschland an und Alberto begann zusammen mit ihr intensiv Deutsch zu lernen.
„Als wir angekommen sind, konnten wir überhaupt kein Deutsch, also besuchten wir einen Intensivkurs für Einwanderer.“
Die tägliche Routine der beiden Spanier ist inzwischen beinahe genauso organisiert wie die der Deutschen. Von Montag bis Freitag besuchen sie von 9 Uhr bis 14 Uhr den Deutschkurs. Am Nachmittag arbeiten sie dann in unterschiedlichen Lokalen als Bedienungen. Alberto arbeitet an der städtischen Oper, Cristina in einer lateinamerikanischen Bar. Sie arbeiten, wenn sie gebraucht werden. Und wenn nicht, dann nehmen sie ihre Fahrräder und fahren damit zur Bibliothek, um dort weiter Deutsch zu lernen.
„Als ich anfing, Arbeit zu suchen, fand ich innerhalb nur einer Woche eine Stelle.“
Laut Alberto ist es sehr leicht, in Deutschland einen Mini-Job zu finden. Obwohl er die deutsche Sprache noch nicht beherrscht, dauerte es nicht lange bis die Bonner Oper ihm zusagte, dass er dort arbeiten könne. Das ist zwar keine Arbeitsstelle, die seinem Ingenieursstudium entspricht, aber Alberto sagt stolz, dass er nichts Schlechtes daran findet, dort zu arbeiten, bis er seinen Traumjob findet. „Ich habe schon immer mein Studium dadurch finanziert, dass ich irgendwo gejobbt habe. Nur so konnte ich das Ingenieur-Studium absolvieren, was in Spanien nicht einfach ist. Hier in Deutschland ist das Studium günstiger als in Spanien. Es dauert dort fünf Jahre, aber niemand wird wirklich in diesem Zeitraum fertig. Bei mir dauerte es achteinhalb Jahre und es hat mich viele Opfer gekostet.“
Inzwischen hat Alberto schon mehr als 15 Bewerbungsgespräche in deutschen Unternehmen hinter sich gebracht, bei denen er vor allem Englisch gesprochen hat. Bei einigen hieß es, sie würden mit der Entscheidung bis Juni warten, um zu sehen, wie sehr sich sein Sprachniveau in Deutsch bis dahin verbessert hat. Währenddessen lernt Alberto weiter die Sprache und übt sie täglich während seiner Arbeit. „Ich bin sehr motiviert! Man braucht vielleicht ein paar Jahre, um die Sprache richtig zu beherrschen, aber hier gibt es viel Arbeit und es werden viele Ingenieure gebraucht. Deutschland nimmt sie aus Spanien, denn dort gibt es mehr als genug. Genau deshalb sind wir jetzt hier“, sagt Alberto mit einem Lächeln. Bevor er sich verabschiedet, um wieder arbeiten zu gehen, will er noch eine Empfehlung an die Leser von Rumbo Alemania loswerden: „Mein Rat ist, nicht nach Berlin zu gehen, denn dort gibt es massenweise Spanier, Portugiesen und Griechen. Dort findet man keine Hilfe, um die Sprache zu lernen, und es ist schwieriger, dort Arbeit zu finden. Außerdem empfehle ich euch, mindestens mit einem Sprachniveau von B1 hierher zu kommen.“