
Ana ist eines der Opfer der Wirtschaftskrise. Zwölf Jahre lang hat sie bei einem großen spanischen Unternehmen gearbeitet, bis dieses dicht gemacht wurde und sie ihre Arbeit verloren hat. Das war vor ein paar Monaten. Seitdem ist die 34-Jährige auf der Suche nach einem neuen Job und einem neuen Leben. Zunächst aber vor allem nach einem Zimmer in Berlin. Vor zwei Monaten ist sie in der Hauptstadt angekommen, seitdem hat sie schon bei mehreren Freunden, in einem WG-Zimmer zur Zwischenmiete und in einem Hostel gewohnt.
Mit dieser Odyssee soll jetzt Schluss sein: „Wenn ich in der nächsten Woche keine Wohnung finde, kann ich wohl nicht hier bleiben“, erzählt sie. Denn ohne eine feste Bleibe ist das Leben in Berlin anstrengend und kostspielig. „Immer, wenn ich Wohnungsangebote im Internet lesen möchte, muss ich in einem Café etwas trinken, damit ich dort das kostenlose W-Lan mit meinem Handy nutzen kann.“ Außerdem findet Ana kaum Zeit, ihre Deutsch-Lektionen zu lernen, weil sie ihre gesamte Energie in die Zimmersuche investieren muss.
Dabei ist sie vor allem in Deutschland, um die Sprache zu lernen. Ana stammt aus Mallorca, einer Insel, die vor allem vom Tourismus lebt. „Dort gibt es viele Deutsche, deshalb möchte ich Deutsch lernen, um einen Job in der Tourismusbranche zu bekommen“, erklärt Ana. Doch wenn das mit der Zimmersuche nicht bald klappt, wird sie wohl früher als geplant dorthin zurückkehren. Denn auf Mallorca hat die Touristensaison bereits begonnen.
In Berlin gefällt es der jungen Spanierin allerdings sehr gut, vor allem die Freiheit, die die Stadt den Menschen bietet, empfinde sie als sehr angenehm. Deutschland hat sie vorher schon einmal besucht: Vor acht Jahren war sie für fünf Monate zum Deutschlernen in Bremen. Sie hatte das Gefühl, alles, was sie damals gelernt hat, in den vergangenen Jahren wieder vergessen zu haben. „Aber langsam merke ich, es kommt zurück“, sagt sie lachend.
Den Schritt nach Deutschland wagte sie ganz allein. „Jetzt fühle ich mich manchmal ziemlich einsam, denn ich kenne noch kaum jemanden hier in Berlin und habe normalerweise gerne gute Freunde um mich.“ Doch für Ana war es auch die Hoffnung auf bessere Jobchancen, die sie bestärkt hat, nach Deutschland zu kommen. Ob sie hier auch langfristig bleiben möchte, weiß sie noch nicht: „Zuerst einmal bin ich hier, um die Sprache besser zu lernen, wenn sich ein Job ergibt, freue ich mich natürlich.“
Obwohl die Zimmersuche so schwierig ist, möchte sie jetzt nicht aufgeben. „Ich habe das Gefühl, dass jetzt meine Zeit hier ist; in ein paar Monaten ist der Zug vielleicht schon abgefahren.“ Deshalb hofft sie auf die beiden noch ausstehenden Wohnungsangebote, vielleicht klappt es ja dieses Mal. Was danach kommt, darüber möchte Ana noch nicht sprechen: „Über die Zukunft will ich jetzt noch nicht so viel nachdenken, ich lebe und entscheide mich lieber in der Gegenwart.“
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Eines der schlimmsten Hindernisse für Fremdsprachler im Ausland ist die Angst, sich lächerlich zu machen. Ich glaube, dass wir alle irgendwann einmal unter diesem Übel leiden oder gelitten haben. Und ich weiß, dass es leichter klingt, als es ist, aber man muss versuchen, diese Angst zu überwinden. Außerdem, wenn wir einmal kurz darüber nachdenken: Das Schlimmste, das uns passieren könnte, wenn wir vor unseren Freunden einen Fehler machen, wäre, dass jemand, der die Sprache beherrscht, uns verbessert. Ist das so schlimm? Nein, eigentlich hilft es uns, wenn wir uns für einen kleinen Fehler schämen. Das sorgt dafür, dass wir ihn nie wieder machen. Also, kurz gesagt: Es lohnt sich, sprechen zu üben, denn aus Fehlern lernt man. 



Dass solche Vorurteile längst unangebracht und widerlegt sind, beweist schon der Blick in den Kreis meiner Freunde und Bekannten (neudeutsch: meine Facebook-Freundesliste). Dort haben viele gar kein Auto mehr, sondern sind eifrige Anhänger des Carsharings, also der Idee, sich mit anderen ein Auto zu teilen, statt es selbst zu besitzen.
Mir fällt also beim besten Willen nichts ein, worin wir uns alle gleich und einig wären. Wäre schließlich auch langweilig. Obwohl, wenn ich so nachdenke, eine Sache gibt es da doch, die vielleicht typisch deutsch ist: Deutsche wollen nicht typisch deutsch sein – und versuchen manchmal krampfhaft, dies zu vermeiden. So mancher verschweigt deshalb im Urlaub hartnäckig seine Herkunft und möchte bloß nicht zu den „typischen Deutschen“ gehören, die die Sonnenliege gleich morgens mit ihrem Handtuch reservieren. Das typisch deutsche Fremdschämen gehört deshalb vielleicht tatsächlich zu den wenigen Stereotypen, die sich hin und wieder bestätigen.



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