Wie bringt man Europa in amerikanische Klassenzimmer? Wieso ist es wichtig, sich auch innerhalb der USA mit der Eurozone zu beschäftigen – und warum sollten englische Muttersprachler Deutsch oder Französisch lernen, wenn sie bereits die Weltsprache Nr. 1 beherrschen?
Antworten auf diese Fragen erhielten Deutsch-, Französisch- und Wirtschaftslehrer sowie Dozenten auf der vom Goethe-Institut Chicago ausgerichteten Konferenz
Common Economic Challenges, die vom 20. bis 22. Juli 2011 in der Federal Reserve Bank in Chicago stattfand. Zur Zeit des Euro-Gipfels in Brüssel referierten auch hier Experten, wie der deutsche Generalkonsul Onno Hückmann, der Politikwissenschaftler Dr. Henning Meyer, der Wirtschaftsberater Franck Lirzin und Nigel Nagarajan, Mitglied der EU-Delegation in Washington, D.C., über Entwicklungen und Probleme in der Euro-Zone und deren Auswirkungen auf internationale (Handels-)Beziehungen. Ergänzt wurden die Vorträge von zwei Vertretern der Federal Reserve Bank: William Strauss und Cindy Ivanac-Lillig. Spannend war es, während der anschließenden Panel Discussion eine deutsche, französische und amerikanische Wertung der aktuellen Krise in Griechenland zu erfahren.
Sprache als Schlüssel zu wirtschaftlichen Prozessen und Anregung zum fächerübergreifenden Unterricht mit unkonventionellen Lehrmethoden – diese Ziele wollten Organisatorin Roma Schultz, Goethe-Institut Chicago, und Cindy Ivanac-Lillig, Federal Reserve Bank, mit einem Mix aus Vorträgen und Workshops erreichen.
Um den Pädagogen das Thema EU schmackhaft zu machen und Schüler vor dicken Wälzern und veralteten Informationen zu bewahren, setzte sich Dr. Csanád Siklós University of Wisconsin, nachdrücklich ein: Er empfiehlt, das Internet in den Unterricht mit einzubeziehen (z.B. www.eurunion.org/eu/ oder www.ecb.int/ecb/educational/html/index.en.html). Nicht umsonst ist Csanád Siklós an der University of Wisconsin für die Lehre über und den Austausch mit Europa zuständig. "Nichts verändert die amerikanischen Studenten so nachhaltig wie ein oder zwei Semester in Europa", sagt der Wissenschaftler. "Mittlerweile gehen Amerikaner viel kritischer mit ihrem Land und dessen Geschichte um – so sind eine Annäherung an Europa und ein Dialog der verschiedenen Kulturen möglich."
Um den Teilnehmern Zeit zu geben, die geballte Information und unterschiedlichsten Anregungen zu verarbeiten, sorgte das vielseitige Kulturprogramm für Abwechslung: Im Mercantile Exchange Building kamen wir gerade rechtzeitig, um den Börsenschluss mitzuerleben, am ersten Abend lud das französische Konsulat zum Empfang ein, der Donnerstag wurde mit einer Hafenrundfahrt bei Nacht beschlossen und abschließend wurden wir durch das Money Museum der Federal Reserve Bank geführt – und konnten uns neben einer Million US-Dollar fotografieren lassen.