Kleider wo ich hin sehe, in allen Farben, in allen Größen- Hauptsache kurz und eng. Schuhe mit Absätzen, deren bloßer Anblick mir Schmerzen bereitet und glitzernder Schmuck, überall. Kein Ausschnitt scheint zu tief, kein Rock zu kurz, ein „too much“ an Schminke gibt es nicht.
Der Overkill vom Overdress scheint beim Ausgehen die Regel. Ich kann nicht aufhören Frauen (und ihren Outfits) hinterher zu schauen.
Im grellen Neonlicht der Damentoiletten offenbart sich meine Andersartigkeit. Im Spiegel sehe ich nicht nur die schillernden, betont femininen Gestalten, sondern auch mich: Jeans, schwarzes T-Shirt/schwarzes Top und Schuhe, in denen man bequem tanzen kann. Um meinen Hals ragt kein XXL-Glitzer, sondern ein dünnes Kettchen (manchmal sogar bunt!), meine Ohrringe funkeln nicht und meine Gesichtsbemalung wirkt ärmlich im Vergleich mit den anderen Grazien.
Typisch deutsch?
Auch in verschiedenen anderen Ländern habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen vor dem Ausgehen scheinbar wesentlich mehr Zeit damit verbringen sich hübsch zu machen. Im (persönlichen) internationalen Vergleich schneidet Deutschland also ziemlich bescheiden ab, wenn es um nächtlichen Prunk geht. Warum ist Deutschland so leger? Natürlich gibt es auch dort Clubs, die einen schicken Dresscode fordern – aber im Schnitt reichen wir scheinbar kaum an die Schönheitsbemühungen anderer Nationen heran...
Sind deutsche Frauen einfach zu faul lange Zeit im Bad zu verbringen? Stehen Deutsche auf „natürliche Schönheit“? (An dieser Stelle sei gesagt, dass der Blick auf Männer in diesem Eintrag viel zu kurz kommt). Ist die deutsch-modische Nüchternheit wohlmöglich ein Erbe der Studenten-Revolte der 70er und des Feminismus? Anti-Schönheits-Wahn, Anti-Establishment, sozusagen? Ist Deutschland „dröge“? Oder entspricht mein persönlicher Eindruck nicht der Realität?















Kommentare