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    <title>Ariel Magnus - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}}</title>
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    <pubDate>Tue, 12 Oct 2010 13:27:12 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Ariel Magnus - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}} - </title>
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<item>
    <title>Zürich − 2. Oktober</title>
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
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    Es wird Zeit, sich nach Frankfurt aufzumachen, deshalb schreibe ich jetzt alles nieder, was ich noch im Tintenfass habe (wie viele Schreibwerkzeuge wird dieser Ausdruck überleben?).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Schweizer haben den Bau von Minaretten verboten, die Skyline von Zürich besteht aber aus den Kuppeln von Kirchen, die sich in nichts von diesen unterscheiden (und, wie man mir sagte, gerade eben von den Minaretten inspiriert sind). Sie unterscheiden sich nicht einmal, was den Klang anbelangt, denn mit ihren glockenförmigen Muezzins machen sie die ganze Zeit lang Krach.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Ich bin zwar überzeugt, dass es keine reichere Stadt als diese geben kann, dennoch wurde mir dieses Sprichwort aus Basel zugetragen: „In Zürich zeigt man das Geld, in Basel hat man es.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Meine Internetverbindung war unzuverlässig. Die Wettervorhersage war unzuverlässig. Anmerkung für die Defätisten, die glauben, so was passiere nur in der Dritten Welt.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:242 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild1.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Hier auch zu haben: Hundekot auf den Bürgersteigen von Zürich. Auffallend, wie die Städte sich bemühen, Buenos Aires zu ähneln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Ich habe den Test gemacht, eine Züricher Straße auf Google Earth anzusehen und dann hinzugehen. Die Hypothese war, dass es keinen Unterschied geben würde – und tatsächlich gab es keinen. Aber vielleicht gilt der Test ja für viele Städte.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:243 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Spanisch scheint hierzulande ziemlich in Mode zu sein.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:244 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild3.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Nahe der Langstrasse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Ich wollte nach Davos fahren, um mir die Überreste des Sanatoriums anzusehen, wo &lt;i&gt;Der Zauberberg&lt;/i&gt; spielt, fand aber mit ehrlicher Empörung heraus, dass sie von einem Investor gekauft und zu einem Luxushotel gemacht worden waren. Kann es sein, dass die Schweizer, die so sehr auf die Erhaltung ihrer Wohnstätten bedacht sind – das Landesmuseum in Zürich zeigt zum Beispiel Zimmer aus verschiedenen Jahrhunderten – nicht darauf gekommen sind, einen derart wichtigen literarischen Schauplatz zu bewahren? Wenn ich Schweizer wäre, soll heißen, wenn ich reich wäre und nichts zu tun hätte, würde ich mein Leben der Rekonstruktion des Sanatoriums widmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Im &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=uXskPqVUB4Q&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;momentanen Schweizer Hit&lt;/a&gt;, den das Fernsehen als Hymne für die Qualifizierung der „Nati“ – der Nationalmannschaft – zur Europameisterschaft 2012 benutzt, heißt es im Refrain: „Heute lasse ich die Welt so wie sie ist“. Täglich läuft das im Fernsehen und im Radio. Ich stelle mir alle Schweizer vor, wie sie tagtäglich singen, dass man die Dinge heute besser so lässt, wie sie sind, alles ist so schön, warum etwas ändern? Wann wird der Hit kommen, in dem es heißt: „Heute hole ich mir all das Geld von den Banken und gebe es den Armen zurück, damit die Welt nicht so bleibt, wie sie ist“?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Zu den Eigenschaften des Schweizerdeutsch gehört es, die letzte Silbe bestimmter Worte zu verschlucken. Ich weiß nicht, was die Katalanen mit den Silben machen würden, die auch sie verschlucken, die Schweizer jedoch sparen sie sicher ganz bewusst und legen sie gegen Zinsen auf eine Bank, nicht um sie später zu verbrauchen, sondern für alle Fälle, als sprachliche Reserve.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:245 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild4.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Das Schaufenster einer Apotheke. Oben die suggestive Frage nach der Pinkelhäufigkeit. Unten, ebenso suggestiv außerhalb des Bildausschnitts, das Mittel dagegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Mein Verdacht, dass es in Zürich viele Brasilianer gibt, bestätigte sich, als ich im Supermarkt inmitten der Cola-Getränke auf Guaraná stieß. Es gibt auch Dulce de leche, aber in der Abteilung für exotische Lebensmittel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Ziemlich verblüfft haben mich &lt;a href=&quot;http://www.swisslos.ch/swisslotto/de/lottoportal/swisslotto/werbekampagne/Werbekampagnen_1.jsp&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;diese &lt;/a&gt;Lotterie-Werbungen, die mir beachtenswert sexistisch vorkommen. Sie beleidigen die Frauen, die sich nur für Millionäre zu interessieren scheinen, vor allem aber uns Männer, die wir uns nur für Schlampen zu interessieren scheinen. Die Vorstellung, dass man sich als Arbeiter nie eine schöne Frau verdienen kann, gibt ebenfalls zu denken.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:246 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;518&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Die Schweizer sind große Fans von Volksentscheiden. Sie machen über alles Volksentscheide, auch über Dinge, bei denen es zweifelhaft ist, ob es wirklich angebracht ist, sie der einfachen Mehrheit zu unterwerfen. In diesem Fall ging es um einen Volksentscheid über den Bau eines künstlerischen Projekts. Hier die Plakate dafür und dagegen. Es gewann das Nein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Ich habe Wickeltische auf der Herrentoilette gesehen. Wohlan. Es gibt auch Autowerkstätten, wo man Geräte und Werkzeuge mieten kann, um selbst Hand anzulegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Nachdem ich Zürich kennengelernt habe, werden mir, so fürchte ich, alle Städte wie in der Dritten Welt vorkommen. Ich war in Wien, was mir zwar sehr gefallen hat, aber doch den Eindruck hinterließ, ein bisschen schmutzig zu sein, die Autos alt und die Leute liefen sehr wild durcheinander. &lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:247 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;518&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild6.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Ein als Mozart verkleideter Wiener in einer Pause. Rund um die Oper ist das eine Plage.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:248 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild7.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Er wird sogar in Wien gelesen. Das heißt Schneid haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Ich war auch in München, wo ich mitten ins Oktoberfest geriet. Der Journalist, der mich am Bahnhof abholen kam, trug die klassische bayrische Lederhose, was mir wenig seriös schien.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:249 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild8.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Eins der 16 Zelte, wo zum Klang der Schlager – die nur in den Filmen des großen &lt;a href=&quot;http://www.imdb.com/name/nm0237527/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Andreas Dresen &lt;/a&gt;erträglich sind – gesoffen und geschmaust wird.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:250 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild9.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Höchst subtile Wurstwerbung.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:251 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;434&quot; height=&quot;586&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild10.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Eine der Vergnügungen auf dem Oktoberfest. Die niedrigste Stufe ist &lt;i&gt;Schlappschwanz&lt;/i&gt;. Klein darunter steht erklärend „Damenhöhe“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Auch wenn die Schweiz ein ziemlich fortschrittliches Land ist, ist das Konzept des Hotdogs anscheinend noch nicht bis hierher vorgedrungen. Die Leute nehmen die Wurst in die eine Hand und das Brot in die andere und beißen dann abwechselnd hinein. Mehr als einmal war ich versucht, auf einen dieser Wurst-Brot-Esser zuzugehen und ihm die Vorteile darzulegen, die es hat, die fleischerne Rolle in das getreidige Rund zu stecken, doch ich nahm an, dass sie diesen praktischen Bund schon in irgendeinem Film gesehen haben mussten und, so sie ihn nicht übernahmen, wohl ihre Gründe dafür hatten. Mehr noch, bei näherer Betrachtung liegt vielleicht darin - sich mit niemandem zusammenzutun, jedes auf seiner Seite zu lassen - das Geheimnis ihres Erfolgs. &lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:252 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;518&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild11.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Eine Bäckerei, die es seit 1626 gibt – fast doppelt so alt wie unser Land, das gerade mit so viel Getöse seinen Jahrestag feiert. Das Haus selbst wurde zu einem Zeitpunkt erbaut, als Kolumbus noch nicht mal geboren war.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:253 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild12.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Verbieten ist verboten&lt;/i&gt;, steht auf der Wand. &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=ykODejO-0mA&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Sandras &lt;/a&gt;Fans kennen keine Grenzen.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;Was ich nach meiner Abreise aus Zürich vermissen werde:&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Stille. Und wenn sie plötzlich durch ein schreiendes Kind oder jemanden, der den Rasen mäht, unterbrochen wird, muss man nur die Doppelglasfenster schließen, damit das Zimmer zu einer kleinen Schweiz innerhalb der Schweiz wird, neutral von aller Neutralität. (In diesem Sinn kommt es mir fast komisch vor, dass Niccolò, der Besitzer dieser Wohnung, zum Schreiben seines nächsten Drehbuchs in die Berge gegangen ist, als wäre die Außenwelt hier zu chaotisch, um einer kreativen Tätigkeit nachzugehen. Vielleicht sollte er das Gegenteil versuchen und eine Zeitlang nach Buenos Aires gehen, ein Weilchen dort und seine Wohnung wird ihm wie der Gipfel des Everest vorkommen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Bibliotheken. Von ganzem Herzen werde ich sie vermissen. Auch wenn die Zentral-Bibliothek eher einem Atombunker für Bücher ähnelt (alle auf endlosen beweglichen Regalen aneinandergereiht, die mit einem Griff verschoben werden können, und zwischen denen man, wenn man nicht aufpasst, zerquetscht werden kann, der Länge oder besser gesagt der Tiefe nach in vier weißgestrichenen und von Neonlicht erleuchteten Kellerräumen, ohne weitere Ordnung als die der Zahlen oder größeren Reiz als den, an ihrem Platz zu stehen), trotzdem werde ich sie bis zu den Tränen vermissen. Es überraschte mich angenehm, in den Bibliotheken E-Readers zu sehen, nicht wie eine Drohung, sondern als Werkzeug, ein Buch mehr. Ich hoffe, das bedeutet, dass bald alle Bücher digitalisiert sein werden und man sie zuhause lesen kann. Von allem, was ich mir vorstellen kann, kommt das dem Paradies am nächsten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Filmsammlung von Niccolò, dem Hausherrn, und auch Niccolò selbst, denn auch wenn ich ihn nicht kenne, so sind doch überall Fotos von ihm. Sogar auf dem Mousepad.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Straßenbahn. Und beim Schichtwechsel verabschiedet sich der scheidende Fahrer von allen Passagieren über den Lautsprecher und wünscht ihnen einen schönen Tag. Einmal antwortete der hinter mir mit „Danke gleichfalls“, und ich glaube nicht, dass das ein Witz war.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:254 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild13.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Das Gelb an den Fußgängerampeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Victorinox-Taschenmesser, wenn die kaputt sind, die ich mitzunehmen gedenke (ich bin in der Hoffnung zu einer Victorinox-Ausstellung gegangen, darüber höchst interessante Dinge schreiben zu können, doch tatsächlich gab es nichts Besonderes zu sagen. Das größte Taschenmesser der Welt [mit über 350 Werkzeugchen] wurde gezeigt und man konnte sich vor Ort selbst eins zusammenstellen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- „Wer wird Millionär?“ im Fernsehen, ein Frage- und Antwortspiel, wo die Leute hingehen, um Geld zu gewinnen, obwohl sie schon mehr als genug haben, und deshalb gibt es, wenn der Showmaster fragt, was sie mit dem Geld machen wollen, nie Tiefschläge à la meine Kinder auf eine Privatschule schicken oder meiner Mutter eine Operation bezahlen, sondern nur Schönes, wie sich einen Whirlpool kaufen oder auf Reisen gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Geldscheine, die sehr bunt sind (und wert, was sie wert zu sein vorgeben, Monat für Monat).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Das Toilettenpapier, so weich, dass man sich am liebsten schon vor dem Kacken saubermachen würde.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:255 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild14.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Die Katzentreppen (ich riskiere die Behauptung, dass diese Locke, die von dem offenen Fenster hinunterführt, eine Katzentreppe ist, kann aber auch falsch liegen).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Der Supermarkt Coop, genauer gesagt die Käseabteilung. (Eigentlich sollte man bei Migros kaufen, der ist nicht nur ein bisschen billiger, sondern rein schweizerisch, der Gründer ist eine Legende und seine Stiftung tut viel für die Kultur. Aber nun gut, ich kofe lieber bei Coop.) (Einmal bin ich zu Lidl gegangen, einem billigen Supermarkt aus Deutschland – wenn auch nicht so billig wie Aldi, der König der Billigsupermärkte in Deutschland ... der Besitzer ist einer der reichsten Männer der Welt –, es war eine schreckliche Erfahrung. Ich bedaure es für die Schweizer, dass die deutsche Vorstellung vom Sparen am Essen bis in ihr lukullisches Land vorgedrungen ist.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Bürli, Brötchen mit dicker Kruste, nichts Besonderes, jedoch sehr lecker, und außerdem mit diesem Namen, Bürli, der gleich Appetit macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- Die Ausflüge in die umliegenden Berge.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:256 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild15.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Der Baum der Nicht-Erkenntnis, zu dem ich täglich pilgere.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:257 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild16.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Schöne Ansichten vom Baum aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 02 Oct 2010 22:50:00 +0200</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Zürich – 28. September</title>
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
    <content:encoded>
    Vor einigen Jahren zog ich nach Patagonien um, als ich gerade einen Roman über Lärm zu Ende schrieb. Es war seltsam, die letzten Kapitel aus der Perspektive eines neurotischen Städters anzugehen, der nun von der kaum weniger als perfekten Stille der Berge umgeben war. Wie zu erwarten war, beeinflusste die Entdeckung der Existenz dieses Paradieses für die Ohren mein Schreiben, und ich bin sicher, das Buch wäre anders ausgegangen, wenn ich es in der Stadt geschrieben hätte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun gut, in Fortführung dessen, was man schon als eine Tradition oder gar als Vorgehensweise ansehen könnte, bin ich jetzt ins reichste Land der Welt gekommen, als ich gerade einen Roman zu Ende schreibe, der im Armenviertel Villa 31 in Buenos Aires spielt. Schlimmer noch: Ich bin in die Stadt dieses Landes gekommen, in der es keine Armen gibt. Man läuft durch die Straßen und trifft keine einzigen Bettler, sieht keine einzige Dose, nicht einmal ein handgeschriebenes Schild mit der üblichen Bitte an jede beliebige Großstadt, vor allem, wenn jedes Kleidungsstück der Passanten einen Mindestlohn wert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Armut an Armen gibt zu denken. Mich zumindest ließ sie denken, dass die - ebenfalls unsichtbare - Polizei sie wohl aus den Gegenden verjagt, wo sie hätten betteln können. Aber nein. „So richtig Arme gibt es nicht“, sagte mir der Mann von der Touristeninformation am Hauptbahnhof, als ich ihn fragte, wo man sie versteckt hielte. „Und die Ausländer, wo sind die? Welche Gegend empfehlen Sie mir nachts lieber zu meiden?“, ich war fast verstört. „Ausländer gibt es überall, und in Zürich ist es nirgendwo unsicher.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Glück haute mich, als ich aus der Information kam, ein Schwarzer um Geld an. „Du bist der erste sogenannte Christ, der sich nicht wegdreht, wenn er mich sieht“, sagte er zu mir. „Ich nenne mich nicht Christ“, stellte ich klar. Er quatschte mich fünf Minuten lang in hervorragendem Deutsch voll und erzählte mir, er sei pleite, weil er Bekannten ausgeholfen habe, und brauche jetzt nur was, um keine Ahnung wohin zu reisen („Ich möchte nicht schwarzfahren“, erklärte mir der Schwarze, vielleicht in dem Glauben, seine Zivilisiertheit könne mich rühren, denn was die Klamotten anging, war er besser gekleidet als ich). Dass er mir das Geld am Montag, wenn er seinen Lohn erhielte, zurückzahlen würde, war der Gipfel der Zivilisiertheit. Inzwischen bereue ich, ihm nichts gegeben zu haben, und sei es auch nur, um ihn am Montag zu suchen und bestätigt zu finden, dass er nicht da ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das war der einzige sagen wir mal Arme, den ich bis dato gesehen habe. Der, und einer auf einem Foto in der Mappe, die der Ehrenamtliche einer NGO einem Passanten auf der Bahnhofstraße zeigte, um ihn zu überzeugen, für die Sache zu spenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mangel an Armen ist so verzweifelnd, dass es just dieser Tage eine Ausstellung gibt, die sie sichtbar machen möchte. Durch Interviews mit Sozialhilfeempfängern und ein paar &lt;a href=&quot;http://www.im-fall.ch/de/spiel/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;interaktiven Spielen&lt;/a&gt; (du gibst an, wie viele ihr zuhause seid und bekommst gesagt, wie viel du kriegen würdest, wenn du keinen Job hättest, dann klickst du alles an, was du normalerweise machst, und kapierst so, dass es nicht mal für die Hälfte reichen würde), dadurch sollen sich die Schweizer bewusst werden, dass das Geld schlecht verteilt ist. Mir fällt dazu ein, dass es nur jemandem in einem so hoch kulturalisierten Land einfallen kann, durch „Vermuseumslichung“ denen das Problem nahezubringen, die es nicht sehen wollen.&lt;br /&gt;
Während wir auf die neue Zweigroschenoper zum Thema warten, kam gerade dieser Tage &lt;a href=&quot;http://www.videoportal.sf.tv/video?id=91298BFC-0554-446F-AD34-D95A33B34746&amp;referrer=http%253A%252F%252Fwww.tvprogramm.sf.tv%252Fdetails%252F36e121b2-d33b-453c-b03f-d2a3cbae0de9%253FWT.zugang%253Dfront_sen&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;dieser Dokumentarfilm&lt;/a&gt; im Fernsehen, des anscheinend bekannten &lt;a href=&quot;http://www.sendungen.sf.tv/dok/Nachrichten/Archiv/2008/10/23/dokmanual/SF-Dokumentarfilmer-Pino-Aschwanden-ausgezeichnet&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Pino Aschwanden&lt;/a&gt; (nein, Aschwanden heißt nicht Solanas). Von Anfang an erklärt Pinos Stimme aus dem Off, dass wir keine „Elends“-Geschichten sehen werden, und defininiert als arm jemanden, der noch nie einen Sonnenuntergang über dem Meer gesehen hat oder lange nicht mehr auswärts essen oder mit den Kindern im Zoo war. Ich muss nicht extra sagen, dass die porträtierten Familien nicht nur jede Familie in der Villa 31 vor Neid erblassen lassen würden - die ihrerseits Familien anderer Armenviertel vor Neid erblassen lassen -, sondern auch viele Mittelschichtfamilien.&lt;br /&gt;
Mehr oder minder darum ging es in der Kritik im &lt;a href=&quot;http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fernsehen/TVKritik-Die-herbeigeredete-Armut/story/27443818&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Tagesanzeiger&lt;/a&gt;, und sie verdiente sich ziemlich viele negative Kommentare unten auf der Seite. Für viele ist Armut wirklich ein Problem, auch wenn niemand verhungert oder nicht mehr zur Schule geht oder keine medizinische Versorgung hat. Andere stimmen nüchtern zu, dass man nicht von Armut sprechen kann, solange die Grundbedürfnisse gedeckt sind, selbst wenn sie im Vergleich mit dem Besitzer von Nestlé (ich wusste gar nicht, dass das ein Schweizer Unternehmen ist) nicht so gut gestellt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es muss seltsam sein, in einem Land zu leben, in dem die einzigen Armen sich auf Fotos in Mappen von NGOs befinden oder in den halbgeschriebenen Büchern, die südamerikanische Autoren mitbringen. Ich erinnere mich, dass Carla del Ponte bei dem Abendessen, zu dem sie uns in ihrer argentinischen Residenz einlud, sagte, für sie sei ihr Aufenthalt in Argentinien wie Urlaub von der Welt. „Denn Argentinien liegt außerhalb der Welt, nicht wahr?“, suchte sie unsere Zustimmung, sie sprach dabei ohne mehr Hochmut als den, den man ganz natürlich entwickelt, wenn man im Zentrum der Welt lebt (und in ihrem Fall an den großen Themen der Welt teilhat). In dem Moment war ich einer Meinung mit ihr, denn dieses Gefühl hatte ich stets, wenn ich im Ausland lebte. Doch wo ich nun hier bin und mir überlege, dass auf der Welt die meisten Leute arm sind, frage ich mich, ob nicht die Schweiz das Land ist, das außerhalb der Welt liegt. Im Paradies, so man denn will, ein zu künstliches für meinen Geschmack, jedoch außerhalb der irdischen Realität. Diese Front, an der man in Argentinien nicht neutral sein kann, die man auch nicht ignorieren kann, selbst wenn man nicht in einem Armenviertel lebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vielleicht ist für mich das Leben in dieser Stadt deshalb so wie in den Bergen, wo die Außenwelt einen nicht betrifft. Sie ist da für den, der sie suchen möchte, doch sie wird dich nie suchen kommen. Eine kaum freundlichere, kaum weniger grausame Gleichgültigkeit als die, die ich von der patagonischen Natur zu erwarten lernte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/em&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 28 Sep 2010 22:02:00 +0200</pubDate>
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    <title>Zürich, 26. September</title>
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
    <content:encoded>
    Das wahre Zürich liegt hinter dem Hauptbahnhof. Oder: Das wahre Zürich ist wahrlich das elegante Zürich, das der Bahnhofsstraße zum Beispiel, wo sich die Klamottenläden aneinanderreihen, bei denen ein Anzug ein paar Tausend kosten kann, wo die Juweliere Schmuckstücke zu ein paar Zehntausenden ausstellen, zwischen denen der leere Raum ins Auge springt, vermutlich weil er Objekten gehört, die zu kostbar sind, um sie ins Schaufenster zu stellen; das Zürich der Banken, nüchterner, als ich erwartet hatte, manche der Namen sind mir völlig unbekannt, vielleicht weil es sie an keinem anderen Ort der Welt gibt, wozu auch, haben sie mit ein paar Kunden doch schon ihre Schäfchen im Trockenen, wie diese Repräsentanten von Fußballspielern, die nur einen einzigen Spieler vertreten, wenn manche ihren Privatjet oder ihre Privatinsel haben, warum nicht auch eine eigene Bank und fertig; das Zürich vom Bellevueplatz, mit der Oper und dem berühmten &lt;a href=&quot;http://www.odeon.ch/de/index.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Café Odeon&lt;/a&gt;, das in diesem Jahr 100 Jahre alt wird und in dem Joyce Stammgast zu sein pflegte; möglicherweise ist das wahre Zürich sogar tatsächlich dieses Viertel, in dem man mich untergebracht hat, wo die Kinder allein mit ihren Rollern herumfahren und die alten Damen allein mit ihren Hunden spazierengehen, vielleicht ist es eben dieses dreistöckige Wohnhaus neben anderen desselben Typs, alle mit Giebeldächern und Garten drumherum, mit einer Gemeinschaftswaschmaschine im Keller, an der vor ein paar Tagen ein Schild auftauchte, auf dem in verwischter Schrift stand: „Wer hat den Waschfrosch (&lt;i&gt;Washfrog&lt;/i&gt;) in diesem Zustand hinterlassen?“ (Ich vermute, der &lt;i&gt;Waschfrosch&lt;/i&gt; ist der Filter der Waschmaschine, aber ich habe mich nicht getraut zu fragen aus Angst, das könnte gegen mich verwendet werden; es gibt so viel mehr Möglichkeiten, etwas schlecht als etwas gut zu machen - wo es im Übrigen die einzige Belohnung ist, nicht bestraft zu werden -, dass man sich am besten unauffällig verhält); wahrlich, das muss das wahre Zürich sein, sehr fein und sehr mittelschichtig - doch wo ich wohnen würde, wenn ich die Wahl hätte, wäre hinter dem Bahnhof.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:171 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild1_zuBlog6.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Skandalös: Hier liegt Müll auf der Straße. Selbst der kleine Kehrwagen ist wohl beleidigt, wenn er durch dieses Viertel fährt, ist er es doch gewohnt, schon von sich aus saubere Straßen zu säubern.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:172 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild2_zuBlog6.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Skandalös II: Hier sieht man auch Wände, die nicht einheitlich gestrichen und sogar mit Graffiti verschandelt sind.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:173 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild3_zuBlog6.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Hier gibt es Thai-Restaurants, Afro-Shops, junge Eltern mit ihren coolen Kiddies, Verkäufer verbotener Substanzen (&lt;i&gt;Josh?, Josh?&lt;/i&gt;, bieten sie dir an), CD-Läden, Bars und Cafés. Es gibt coole Läden, wie diesen minimalistischen &lt;a href=&quot;http://www.editionpopulaire.ch/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;hier&lt;/a&gt;, der nur vier Artikel verkauft (oder so lautet die Werbung, doch eigentlich verkaufen sie von jedem Objekt mehrere Arten, womit die Idee, dass man nicht so viel Auswahl hat, ein wenig verloren geht; die Produkte, den Verkäufern zufolge alles Gebrauchsgegenstände für das tägliche Leben - und ich bin einverstanden mit dem Glas, vielleicht, und selbst wenn man ein Handy hat, mit dem Wecker, aber Bürste und Schuhcreme? Kommen wirklich die Banker zum Kaufen her? -; die Produkte, da war ich gerade, werden zwei Wochen lang verkauft, dann schließt der Laden für einen Monat und eröffnet mit vier neuen Produkten neu, wieder für zwei Wochen), oder ein Schuhladen, in dem ein berühmter Schauspieler bedient (das besagen die Zeitungsausschnitte, die im Fenster hängen, für mich sieht er nur wie ein Großmaul mit Schuhgesicht aus). Da ist auch &lt;a href=&quot;http://www.zeughaushof.ch/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;diese alte Kaserne&lt;/a&gt;, jetzt der Sitz von Theatern, Ateliers, Produktionsfirmen, verschiedenen Gesellschaften und sogar einer &lt;a href=&quot;http://www.tangopunkt4.ch/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Milonga&lt;/a&gt;. Und die Bäckerei &lt;i&gt;Happy&lt;/i&gt;, 365 Tage im Jahr 24 Stunden am Tag geöffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alles ist freundlicher in diesem Teil der Stadt, wenn die Preise auch ziemlich verboten bleiben. (Man sagte mir, billig seien hier, nicht in diesem Viertel, sondern in der Schweiz, neben Lindt-Schokolade - die anderen Marken nicht unbedingt - Whisky und Parfüm. Mir scheint bemerkenswert, dass dies zwei Produkte sind, von denen ich mein Lebtag nicht mehr als eine Flasche konsumiert habe, den Whisky bei meinem ersten Besäufnis - seither kann ich ihn nichtmal mehr riechen - und das Parfüm bekam ich zu meiner Bar Mitzwa geschenkt, es muss immer noch halbvoll irgendwo rumstehen.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An der Langstraße sind die Sex-Shops, die Bordelle und die Prostituierten. Die Straßenprostitution ist eins der heißen Themen der Stadt. Anscheinend hat sie stark zugenommen, und die Frauen, hauptsächlich vom Balkan (wenn ich auch mehrere Brasilianerinnen gehört habe, aber nun gut, vielleicht ist das mein selektiver Hörsinn), arbeiten unter üblen Bedingungen und dem Kommando brutaler Zuhälter. Genau einer dieser Ausbeuter steht gerade vor Gericht, und einige seiner Ex-Sklavinnen sagen gegen ihn aus. Das Problem ist, dass diese Frauen so oder so abgeschoben werden, und was anschließend mit ihnen in Rumänien oder woher sie auch kommen geschieht, interessiert dann keinen mehr.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:174 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild4_zuBlog6.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Plakat für einen der Filme, die am Eingang eines Pornokinos angepriesen werden. Es soll eine „Alpensaga“ sein, gesprochen in der Sprache der Berge, aber mit englischen Untertiteln. Alles in allem, und nicht, um es an Respekt für die Schauspielerinnen mangeln zu lassen, reizt mich nach wie vor am meisten der Laib Käse unten rechts.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:175 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild5_zuBlog6.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
„Großes Schweizer Kino“ wird oben verkündet, wenn Mercedes Escobar auch nicht gerade nach einem sehr schweizerischen Namen klingt. Auf der Milchkanne links steht recht unverblümt „Sackmilch“. Den Titel des Films verstehe ich nicht, vermutlich ist er aber ebenso subtil und elegant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 26 Sep 2010 21:27:00 +0200</pubDate>
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    <title>Zürich − 15. September</title>
    <link>http://blog.goethe.de/rayuela/archives/121-Zuerich-15.-September.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
    <content:encoded>
    Um dem Ansetzen von Käse und Schokolade (und &lt;i&gt;Röstli&lt;/i&gt; - einfach gesagt eine Kartoffeltortilla, aber ohne Ei, Pommes Frites in Butter sozusagen) etwas entgegenzusetzen, begann ich durch das Viertel, durch Oerlikon, zu spazieren, ein kleinbürgerliches Wohngebiet für das, was hier wohl die arbeitende Mittelschicht ist, vielleicht auch noch Arbeiter, das meine ich zumindest an den Lieferwagen mit Werbung für Reinigungsunternehmen, Kühlschrankservice und anderer Dienstleister ablesen zu können, die vor den Häusern parken.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:130 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;351&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog5/AM_Bild1_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Neben den Schildern mit der „Laufzeit“, die man bis zu unterschiedlichen Orten benötigt, sind überall diese Schilder zu sehen, auf denen groß „VERBOTEN“ steht und darunter die Liste all dessen, was verboten ist, mitsamt der Nummer des entsprechenden Gesetzes und dem Datum seiner Verkündigung.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:131 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;230&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog5/AM_Bild2_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Ein Verbotsschild für Autos, Motorräder und Motorroller (?), das gefährlich, vielleicht verboten, dem umgekehrten Peace-Zeichen ähnelt. In einem Museum sähe es wie eine künstlerische Anprangerung der Art und Weise aus, auf die das Verbot sich als Bastion des sozialen Friedens darstellt, im Grunde aber das genaue Gegenteil dessen ist. Coole Varianten dieser Schilder finden sich zum Beispiel in der Seilbahn hoch zur Universität, wo mit einem Slogan à la „Wir wollen hier nicht alles mit solchen Plakaten vollkleistern“ erbeten wird, man möge nicht rauchen und auch die Füße nicht auf den Sitz legen. Am Eingang zur Universität hängt ein Schild, das besagt, das Rauchverbot im Gebäude sei „generell“, wobei letzteres durchgestrichen und durch das Wort „absolut“ ersetzt ist. Auch im Hauptbahnhof habe ich auf den Tischen in den Cafés Schildchen gesehen, die verlangen „Bitte hier kein Picknick“. Man kann nicht sagen, dass sie nicht versuchen, diesen Polizeistaat - ohne kann man anscheinend keine so wohlgeordnete Gesellschaft erreichen - ohne Polizisten (bislang habe ich erst einen gesehen) sympathisch zu gestalten.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:132 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog5/AM_Bild3_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Vielleicht weil ich mein Haar abrasiert trage, fallen mir die vielen Friseursalons im Viertel auf. Wie dieser hier, der Name ist ein Wortspiel aus dem englischen Wort für Haar und dem deutschen „Herzog“. In großer Zahl gibt es auch Katzenleitern, die von den Balkons in den Garten gehen, folglich sieht man auch sehr hübsche und gepflegte Katzentiere herumspazieren. Alle Hunde werden von ihren Herrchen und Frauchen an der Leine geführt, und auch wenn es zwar keine Hundehaufen gibt, muss man beim Gehen trotzdem aufpassen, denn es gibt viele Nacktschnecken.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:133 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog5/AM_Bild4_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Ein verlassenes Haus. Daran kein Schild mit „Besetzen verboten“, man müsste es also einfach mal probieren. Wenn man eine gute Parole findet, könnte es sogar sein, dass man das Viertel auf seine Seite zieht und einem das Haus später überlassen wird.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:134 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog5/AM_Bild5_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Manche Häuser haben einen kleinen Garten, ihr Vorzeige-Gärtchen. Dieser hier gehört zu einer Schule, glaube ich. Ich würde gern den Geldwert einer dort gezogenen Tomate in Relation zum Grundstückspreis wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt auch Flächen mit Parzellen für mehrere Gärten nebeneinander. Die Ackerstücke sind nicht sehr groß, jeder Besitzer kann gerade mal eine zusammengeschusterte Hütte daraufstellen (von weitem sehen sie aus wie Elendsviertel), und den dazugehörigen Garten. „Gartenkolonie“ heißen sie in Deutschland, und wenn ich irgendwann mal einen Roman auf Deutsch schreibe, soll er in einer dieser Kolonien spielen (es wäre natürlich ein Krimi). In einer dieser Gartensiedlungen überraschte mich neben den Schweizer Fahnen der Anblick von ein paar Hütten mit brasilianischen Flaggen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Nähe meiner Wohnung liegt ein kleiner Wald, wirklich sehr klein der Fläche nach, aber dicht genug bewachsen, um den geheimnisvollen Eindruck zu vermitteln, den Wälder immer erwecken. Und tatsächlich, beim Schlendern über seine Wege stoße ich auf dieses verlassene Objekt:&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:135 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog5/AM_Bild6_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Selten sieht man einen alten Menschen mit Gehwägelchen (die lässigen Alten von hier benutzen kein Gehwägelchen, nicht mal einen Stock, sie benutzen Skistöcke), doch noch seltsamer ist es, ein Gehwägelchen ohne den dazugehörigen Alten zu sehen. Ich blicke mich um und sehe und höre niemanden. Ich mache ein Foto, in dem vollen Bewusstsein, dass ich damit gerade eines der möglichen Schlüsselelemente für die Nachforschungen über den Verbleib seines Besitzers erschaffe. Ich bin geneigt, an eine Entführung zu denken, und der nächste Ort für eine Durchsuchung ist natürlich die „Gartenkolonie“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Krimi endet jedoch wenige Meter später, als ich auf einem der Wege im Wald eine alte Frau sehe, die sehr langsam an einem Stock geht. Ganz offensichtlich läuft sie mit dem Gehwägelchen zuhause herum, und mit dem Stock rund um das Gehwägelchen herum.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:136 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog5/AM_Bild7_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Als mögliches Thema für den Krimi bleibt mir das Geheimnis dieses verlorenen Schuhs.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 19 Sep 2010 23:12:00 +0200</pubDate>
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    <title>Zürich − 15. September</title>
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
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    Vor meiner Reise in die Schweiz kam eine deutsche Journalistin zu mir nach Hause und wollte unter anderem wissen, was ich mir von diesem Aufenthalt erwartete. Während ich ihr irgendwelches vages Zeug darüber erzählte, eine andere Kultur kennenzulernen und neue Inspirationsquellen zu finden, dachte ich in Wahrheit Folgendes: 1.) ein Mercedes möge bei Rot über die Ampel und mich anfahren, im besten aller Fälle mit einem hohen Tier von einer Bank am Steuer, in Begleitung eines minderjährigen Mädchens, das nicht so richtig seine Tochter ist, und der mich - wobei ich mich anfänglich entschieden weigere und anführe, die Gesellschaft habe die Nase voll von Straffreiheit -, damit er keine Probleme mit dem Staat, der Bank und seiner Frau bekommt (keine Ahnung, ob das ein Decrescendo oder ein Crescendo ist) mit einem Scheck über ein paar Millionen versorgt; 2.) ein Portemonnaie auf dem Boden zu finden. Während ich allerorten in der Erwartung die Straße überquere, dass Ersteres geschehen möge, was geschah da, sieh mal einer an, auf dem Weg zum Boarding-Bereich des Flugzeugs, das mich nach Hamburg bringen würde? Was sehe ich da vor mir auf dem Boden liegen, braun und dick? Ein Portemonnaie, tatsächlich, doch sofort verdeckt von dem braunen und ebenfalls dicken Hintern einer alten Frau, die sich bückt, um es aufzuheben. „Wer hat sein Portemonnaie verloren?! Ich habe ein Portemonnaie gefunden!“, quäkte die Alte begeistert, zweifellos bezog sie eine hervorragende Rente, nebst ihren paar Autos und Häusern. Ich überlegte, wie ich es rechtfertigen könnte, dass mir das Portemonnaie nach vorne gefallen sei (zum Beispiel „Es ist runtergefallen und ich bin dagegengetreten“, was im Übrigen zu dem Klischee passte, dass wir Argentinier Fußball lieben und ihn immer und überall spielen), doch da drehte sich schon ein Mann um und tastete seine Taschen ab, dann bedankte er sich und nahm entgegen, was - ihm zufolge, ich zweifle noch immer daran - sein Eigentum war. (Tage später verlor ich als göttliche Strafe fast 50 Franken, ich weiß nicht wo auf der Straße und niemand gab sie mir zurück; sicher hat die ein Latino oder ein Farbiger gefunden.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um mit der Aufzeichnung der vorgeblichen Reichtümer fortzufahren: In Hamburg, wo ich mit Lola Arias und Alan Pauls auf dem &lt;a href=&quot;http://www.harbourfront-hamburg.com/2010/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=579&amp;catid=7&amp;Itemid=11&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Literaturfestival Harbourfront&lt;/a&gt; lesen durfte, kam mich am Flughafen ein brandneuer Audi A8 abholen, das luxuriöseste Auto, in das ich mein Lebtag gestiegen bin. Dennoch fand ich unhöflich, dass der Fahrer mich um mindestens drei Köpfe überragte. Ich fragte ihn, ob das Hotel in der Nähe der Reeperbahn sei, der berühmten Straße mit Sex-Shops (ist das Höchste der Gefühle auch eine Parallelstraße, die für das weibliche Publikum und unter 18-jährige geschlossen ist und wo die Frauen sich wie in Amsterdam in den Schaufenstern zeigen), was er bestätigte und anbot, wenn ich wolle, könne er mich hinfahren. „Meine Frau kommt in ein paar Stunden“, entschuldigte ich mich. „Mehr als genug Zeit“, reflektierte er.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:117 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/ArielMagnusBild1.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Der Eingang der Passage nur für Männer über 18 (ich war mit 17 einmal drin, vor genau 17 Jahren). Das „Fremdenverkehr“ auf dem Plakat erinnert mich an einen alten Trabi-Witz: Was haben ein Trabi und ein Kondom gemeinsam? Beide behindern den Verkehr.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:118 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnusBild2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Gegenüber ist die Heilsarmee. Auf dem roten Schild steht „Jesus lebt“.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:119 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnusBild3.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Es lebe die Wurst. Um die Ecke gibt es ein Restaurant namens „Asia Quick“. Auf der Reeperbahn ist alles zweideutig, auch in dem Sinn, dass es das bedeuten kann, was im Wörterbuch steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Sex-Shops, oder besser gesagt in dem, in den ich reinging, überraschten mich zwei Dinge. Zunächst, dass es eine so große Filmabteilung gab, ich dachte, diese Sparte sei dank Internet bereits ausgestorben, doch offensichtlich gibt es noch ehrliche Leute, die lieber Originale kaufen, oder Fetischisten der Cover-Kunst, die die Möglichkeit nicht ertragen, der Film könne Untertitel auf Russisch haben. Dann dass die Produkte, waren die Kunden auch fast alles Männer, eher für Frauen waren. Es gab ein paar Silikon-Mösen und einige Sadomaso-Unisex-Metall- und Ledersachen, beherrschend aber waren Gummischwänze und Dildos, von ganz kleinen für das Damenhandtäschchen bis zu solchen, die in die Tasche keines Gentlemans passen würden. Wie leicht wir zu ersetzen und sogar zu übertreffen sind, dachte ich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Kuriosität in Hamburg ist, dass an gewissen öffentlichen Plätzen, zum Beispiel an den Fahrscheinautomaten in der Station St. Pauli (gegenüber vom Stadion des gleichnamigen Clubs, dem der Punks und Bohemiens, gerade wieder in die Bundesliga aufgestiegen) oder im Hauptbahnhof, über Lautsprecher klassische Musik läuft. Aber was wie ein Stückchen Kultur aussieht, ist eine Strategie zur ethnischen Säuberung: Wie man mir sagte, ertragen die Junkies diese Musik nicht und fliehen daher von diesen Orten. Klingt wie ein urbaner Mythos, aber was wäre mit denen, wenn sie nicht in Blogs wiederholt würden?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Hamburg las ich in einer Buchhandlung in Osterholz-Scharmbeck, einem Örtchen südlich von Bremen. Im Publikum war ein etwa 50-jähriger Mann im Rollstuhl, komplett gelähmt (mir schien, er konnte nicht mal die Augen bewegen), der sehr laut atmete, fast als hinge er an der Atemmaschine, und er verschluckte sich immer wieder an seinem eigenen Speichel und musste ausspucken (seine Frau machte ihm den Mund mit einem Handtuch sauber). Irgendwann während der Lesung hörte das Geräusch plötzlich auf, und ich dachte, mein Buch habe ihn geheilt und wenn ich aufsehen würde, wäre er wieder der Mann, in den sich diese Frau verliebt hatte und den sie nun für den Rest seiner Tage zu pflegen verurteilt war - aber nein, er war gegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor der Rückreise nach Zürich fuhr ich nach Berlin, wo ich die Gelegenheit nutzte und mir einigen Kleinkram kaufte, der hier ein Vermögen kostet (Handtücher für 4 Euro - hier kosten sie 20 oder mehr, Kleiderbügel, Druckerpapier). Im  Zug erwischte ich einen Platz neben drei alten Damen, die gemeinsam verreisten und nicht eine Sekunde lang aufhörten zu quasseln. Von ihrem ununterbrochenen Geschwätz behielt ich nur den Moment, in dem eine von ihnen ihr Adressbuch zückte und zu den anderen sagte: „Ihr habt ja keine Vorstellung, wie viele Tote es hier drin schon gibt.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/em&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 15 Sep 2010 19:46:00 +0200</pubDate>
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    <title>Zürich – 13. September</title>
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
    <content:encoded>
    Ich nutzte die Gelegenheit, dass mittwochs der Eintritt frei ist, und sah mir die Giacometti-Sammlung im Kunsthaus an. Besonders gut gefiel mir ein Ölgemälde von Giovanni Giacometti, Albertos Vater, auf dem man seinen Sohn sieht, der ganz von nahem seine Mutter studiert, und im Hintergrund die Skulptur, die er gerade von ihr macht. Eindrucksvoll sind auch die Miniatur-Skulpturen, die Giacometti eine Zeit lang anfertigte (anscheinend wollte er die Entfernung in die Skulptur einbringen und machte daher winzig kleine Figürchen auf proportional unproportionalen Sockeln, so sollte der Zuschauer, selbst wenn er ganz dicht davor stünde, das Gefühl haben, sie aus kilometerweiter Entfernung zu sehen), und natürlich der &lt;a href=&quot;http://www.kunsthaus.ch/de/sammlung/gemaelde-und-skulpturen/alberto-giacometti/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;berühmte Hund&lt;/a&gt;. Seine monumentalste Skulptur („Große Frau“ oder so ähnlich, Giacomettis Titel sind ebenso karg wie seine Bilder) steht jedoch neben seinen Zeitgenossen. Von vorn gesehen hängt dahinter ein Rothko, rechts, und links ein Barnett Newman, von dem mich vor Jahren in der National Gallery in Washington die Stations of the cross fasziniert hatten. Seitlich, als harrte er auf der Reservebank auf seinen Einsatz, ein Pollock.&lt;br /&gt;
Ein Maler, den ich nicht kannte und der mir zudem gefällt (erstgenannte Kategorie ist bei mir sehr weit gefasst, die zweite eher eng), ist &lt;a href=&quot;http://www.cytwombly.info/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Cy Twombly&lt;/a&gt;, von dem so etwas wie sehr eindrucksvolle Wellen aus Farben ausgestellt waren (Zeitraum 1984-99 in der Sammlung, die man auf seiner Webseite sehen kann).&lt;br /&gt;
Da auch die Audioguides umsonst waren, hörte ich mir die Erklärungen mancher Bilder an, wunderbare Plattitüden, solange man vergisst, dass es Leute gibt, die das ernst nehmen. Von dem ganzen lachhaften Gewäsch behielt ich nur die Geschichte eines Gemäldes von Giovanni Segantini, eine Berglandschaft, von der ich im Internet keine Abbildung finde (sagen wir mal &lt;a   rel=&quot;lightbox[lightbox_group_entry_113]&quot; href=&quot;http://2.bp.blogspot.com/_ORRBEH3dUko/R2wKXtZ9gNI/AAAAAAAAARE/lyOc9wDvwH4/s1600-h/segantini_la_vita.jpg&quot;&gt;dieser Art&lt;/a&gt;, wenn auch sonniger und im Vordergrund mit einem Schäfer, der auf einem Felsblock sitzend schläft, und weidenden Schafen). Um es zu malen, soll der gute Giovanni rund drei Stunden lang durch die Berge gelaufen sein, vorgeblich um den erhöhten Punkt zu erreichen, von wo aus man die Wiesen, den See und im Hintergrund die Bergkette sehen kann. Als die Experten jedoch den genauen Ort suchen wollten, den der Künstler gemalt hatte, merkten sie, dass man da ganz etwas anderes sah.&lt;br /&gt;
Schon beim Verlassen des Museums kläfften sich im Eingangsbereich - wohlgemerkt innen - zwei Hunde an (hier kommen die Hunde überall mit rein, auch in die Busse und die Geschäfte, was nicht weiter überrascht, wenn man feststellt, dass sie besser erzogen sind als die meisten Touristen). Die Gespräche in der Halle verstummten wie auf Anweisung eines Dirigenten. Einen Moment lang herrschte Hochspannung. Doch weiter geschah nichts und zum Glück gab es kein Gebeiße zu beklagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/em&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 13 Sep 2010 23:01:00 +0200</pubDate>
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    <title>Zürich – 8. September</title>
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
    <content:encoded>
    &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Altweibersommer&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Altweibersommer&lt;/a&gt; wird auf Deutsch dieser letzte Nachschlag Wärme genannt, mit dem Zürich mich empfing, auch wenn die Etymologie anscheinend auf die Aktivität der Spinnen in dieser Jahreszeit zurückgeht und nicht auf die Großmütterchen und ihre Liebe zur späten Sonne - sei es am Tag oder in der Saison. Ich nutzte die Gelegenheit für einen Spaziergang am See entlang, wo erwartungsgemäß viele Menschen unterwegs waren, jeder versuchte auf seine Art, sich dieses Klima einzuprägen, um dann in dem halben Jahr mit Kälte und grauem Himmel, das vor uns liegt, daran zurückzudenken - oder  vielmehr, um es allmählich zu vergessen. Kurzweilig wurde der Spaziergang durch Musiker mit den seltsamsten Instrumenten, darunter ein alter Mann, der auf einer Säge spielte wie auf einem Kontrabass, ein junger Mann, der auf einer Art fliegender Untertasse aus Metall im Miniaturformat trommelte und eine Frau in &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=h6xfbBAD_HE&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Hanfschuhen&lt;/a&gt;, die ein Instrument aus mehreren Schilfrohren spielte, einige länger als die anderen und wie die Kleingeldbehälter in den alten Bussen in zwei Reihen angebracht, beim Hineinblasen gaben sie unterschiedliche Töne von sich. Wieder war ich verblüfft von der Eleganz der Menschen und selbst ihrer Hunde. Sogar die öffentlichen Toiletten haben ein ansprechendes Design, und selbstredend sind sie sauberer als meine Wohnung. Die einzigen Abfälle, die ich auf dem ganzen Spaziergang sah, waren die, die Tinguely schon vor längerem zu dieser monumentalen Skulptur angeordnet hat, auch wenn sie sich nicht bewegt wie die in &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=Hx7e5BRekIA&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Basel&lt;/a&gt; (woanders würde ich denken, sie sei defekt).&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:86 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;521&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/1_DSCK0016_zu2_2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Die Skulptur von Tinguely, aufgenommen mit einem Fotoapparat, der fast so alt ist wie ihre Bestandteile. &lt;a href=&quot;http://www.flickr.com/photos/wm_archiv/3594455120/&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Hier&lt;/a&gt; eine weitere Aufnahme mit lebendigen Farben und scharf umrissenen Konturen.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:96 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/2_DSCK0009_zu2_2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Die Eleganz der Schwäne ist hier nicht konkurrenzlos.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:88 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/3_DSCK0007_zu2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Lost&lt;/i&gt;, Version Schweiz. Um die privaten Stege betreten zu dürfen, muss man ein paar Franken bezahlen, dann kann man ins Wasser, manche haben sogar im See kleine Schwimmbereiche mit Sperrseilen abgetrennt. Trotzdem habe ich im Wasser nicht mehr als ein paar „Temperaturamorphe“ gesehen (neben der Lufttemperatur wird hier auch über die Wassertemperatur in den unterschiedlichen Seen informiert (neben dem Verfallsdatum steht auf den Verpackungen auch das Datum, bis zu dem die Geschäfte dieses Produkt verkaufen dürfen (keine Ahnung, was der Zusammenhang zwischen beiden Informationen ist, aber nun gut, wissen ist immer besser als nicht wissen))).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Anbetracht der Frauen, die sich im Bikini sonnten, halte ich es wirklich für bedauerlich, dass dieses Land nie kommunistisch gewesen ist. Die Freikörperkultur, wie das nackte Wort dafür ist, ist das beste Erbe, das uns die DDR und vielleicht der gesamte Kommunismus hinterlassen haben.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:89 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/4_DSCK0028_zu2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Die in der Mitte, hinter dem mit dem roten T-Shirt, scheint im Bikini zu sein. Tja, mehr gibt&#039;s halt nicht.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:90 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/5_DSCK0001_zu2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:91 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/6_DSCK0005_zu2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Auch hier keine Frauen im Bikini. Das männliche Publikum möge verzeihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An einem der Seeufer gelangte ich zu der &lt;a href=&quot;http://www.cucinalibri.ch/www.cucinalibri.ch/Cucina_e_Libri.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Restaurant-Buchhandlung &lt;i&gt;Cucina e libri&lt;/i&gt;&lt;/a&gt;, eine kommerzielle Kombination, − ich kann mich nicht erinnern, diese je anderswo gesehen zu haben −, und am anderen lief ich bis zu einem kleinen Botanischen Garten mit &lt;i&gt;Sukkulenten&lt;/i&gt;, einem Namen, den die Kakteen anscheinend auch auf Spanisch tragen.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:97 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/7_DSCK0032_zu2_2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:93 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/8_DSCK0003_zu2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Auf der Straße fielen mir die vielen Cabrios auf, bedenkt man, dass der Stoff, den sie als Dach haben, den größten Teil des Jahres unzureichend sein muss. In meinen Zeiten als auf Autos spezialisierter &lt;i&gt;ghost journalist&lt;/i&gt; erinnere ich mich, gelesen zu haben, dass in den Ländern Mitteleuropas die meisten Cabrios verkauft werden, auch wenn dies paradoxerweise die Länder mit den durchschnittlich meisten Regentagen pro Jahr sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem fiel mir auf, dass es neben den Gebäuden vom Anfang des 20. Jahrhunderts viele aus den 50er Jahren gibt,  diese quaderförmigen, grauen, die unweigerlich die ganze Straße verschandeln. Sagte man mir, dass Zürich im Zweiten Weltkrieg zerbombt und wieder aufgebaut worden sei, würde ich es sofort glauben. Es gibt viele Radwege, aber nicht so viele Radfahrer, was mir bei den vielen Steigungen und Senkungen in der Stadt nur zu verständlich scheint.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:94 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Blog2/9_DSCK0003_zu2.jpg&quot; title=&quot;© Ariel Magnus&quot; alt=&quot;© Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Cabrios sind ein bisschen prollig. Das hier hat Klasse!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abends übte ich mit &lt;a href=&quot;http://www.telezueri.ch/&quot; target=&quot;&lt;u&gt;blank&quot;&gt;Tele-Züri&lt;/a&gt; Schwyzerdütsch. Es erinnerte mich in Punkto Bildqualität und Inhalte an den Nachbarschaftskanal von &lt;a href=&quot;http://es.wikipedia.org/wiki/Vicente_L%C3%B3pez&lt;/u&gt;(partido)&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Vicente López&lt;/a&gt;, damals in den 90ern, heute ist der vermutlich nicht mehr so basic wie das hier (was wohl auch die Einheimischen nicht so ernst nehmen, wie dieser &lt;a href=&quot;http://www.youtube.com/watch?v=f-fCWnr3obo&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Zwischenfall&lt;/a&gt; zeigt). In der &lt;i&gt;talkshow&lt;/i&gt; verstand ich praktisch nichts, alle sprechen durcheinander wie Italiener und variieren den Klang aller Laute wie im Französischen. Ich glaube, sie diskutierten über eine bevorstehende Wahl, bei der das Parlament anschließend aus mehr Frauen als Männern bestehen könnte, skandalös in einem Land, wo die Frauen bis in die 70er Jahre hinein, in manchen Gegenden bis in die 90er, nicht gewählt haben. So geht&#039;s ihnen, weil sie keinen Peronismus hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Nachrichten (präsentiert von einer nicht sonderlich attraktiven Frau, als solle man im Fernsehen endlich mal normale Frauen zu sehen bekommen) waren vom idiomatischen Ausdruck her weiterhin unverständlich, doch die Bilder waren vielsagend. Die erste Nachricht war, dass zwei Gruppen von Jugendlichen aneinandergeraten waren, eine von jungen Leuten „mit thailändischem Hintergrund“ und die anderen mit Ich-weiß-nicht–welchem-Hintergrund, vermutlich balkanisch. Um die Aufnahmen von vier Tropfen Blut, die die Auseinandersetzung auf dem reinlichen Boden eines Asphaltplatzes hinterlassen hatte, aufzupeppen, fingierten drei Männer mit Schweizer Hintergrund eine Messerstecherei, eine Art Rekonstruktion der Geschehnisse zugunsten derer, die noch nie (und jetzt immer noch nicht) eine Prügelei gesehen hatten. Die zweite Nachricht war, dass Vandalen eine Schule mit Eiern beworfen hatten. Und das, wo die Eier so teuer sind! Am Ende der Aussagen (ein Anwohner, der aussah, als hätte er lange kein Wasser getrunken; der Hausmeister der Schule) beruhigte es mich zu erfahren, dass die Übeltäter die (insgesamt 200) Eier nicht gekauft, sondern von einem benachbarten Bauernhof geklaut hatten. Noch beruhigter war ich aber am nächsten Tag, als dasselbe Nachrichtenmagazin mich informierte, dass man die Eierwerfer gefasst hatte. Ihr Alter: 14, 15 und 18. Ich sehe schon voraus, dass Tele-Züri mir bald den Marsch der Schweizer &lt;a href=&quot;http://en.wikipedia.org/wiki/Juan_Carlos_Blumberg&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Blumbergs&lt;/a&gt; zeigen wird, die eine Herabsetzung der Altersgrenze für Straffreiheit fordern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 08 Sep 2010 22:06:00 +0200</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Zürich – 6. September</title>
    <link>http://blog.goethe.de/rayuela/archives/73-Zuerich-6.-September.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Ariel Magnus)</author>
    <content:encoded>
    Der Bereich für diejenigen, die etwas zu „deklarieren“ hatten, war leer, mehr verlassen denn ungenutzt, wie eine Grenze zwischen zwei Ländern, die inzwischen eins sind, oder eine Mautstation, an der nicht mehr kassiert wird, was mich daran denken ließ, dass in den sechs Jahren, die ich in Deutschland gelebt hatte, mein Koffer bei der Einreise nicht einmal durchsucht worden war − obwohl mir durchaus bewusst ist, dass die Durchsuchung mit verborgenen Apparaten erfolgt, so wie auch die Polizei, die einen ständig überwacht, verborgen ist. Vielleicht um dieses Bild, das ich von Deutschland und selbst von Europa hatte − als einen Ort, wo die Kontrolle aus dem Schatten heraus und inmitten der Bürger durchgeführt wird − zu widerlegen, oder vielleicht einfach nur, weil ich eine Schmugglervisage habe, beschloss der Zollbeamte mich unter den mehreren, die an diesem Morgen in Zürich ankamen, mit der Einladung ins Nebenzimmer zu ehren, für eine kleine Durchsuchung.&lt;br /&gt;
„Sie kommen aus Brasilien, stimmt&#039;s?“&lt;br /&gt;
Tatsächlich ist meine Mutter Brasilianerin, doch ich vermutete, dass er nicht das meinte.&lt;br /&gt;
„Nein, aus Argentinien.“&lt;br /&gt;
Er nickte, auch wenn sein Gesicht verriet, dass er den Unterschied nicht verstand. Anschließend fragte er mich, aus welchem Grund ich in die Schweiz käme, und ich sagte ihm zum Schreiben, auf Einladung seines Landes (bzw. auf Kosten seiner Steuerabgaben, war ich zu sagen versucht, aber es schien mir nicht die beste Art, sein Wohlwollen zu gewinnen).&lt;br /&gt;
„Ah, schön. Goethe war auch hier.“&lt;br /&gt;
Ich nickte, auch wenn mein Gesicht verriet, dass ich die Ähnlichkeit nicht verstand. Ich überlegte, ob es angebracht sei, ihn daran zu erinnern, dass Borges in seinem Land begraben lag, fürchtete aber, er könne ihn mit einem Samba-Tänzer verwechseln.&lt;br /&gt;
Abgelenkt von den Büchern in meinem Handgepäck, sah er das Paket Matetee nicht. Ich hatte in Ezeiza ein Vermögen dafür bezahlt, aber dies erschien mir auf einmal geschenkt im Vergleich dazu, wie teuer es mich zu stehen kommen könnte, wenn dieser Mann es für ein anderes Kraut hielte. Verdächtiger kam ihm jedoch der Klappentext auf einem meiner Bücher vor.&lt;br /&gt;
„Sie schreiben also über Pyromanen.“ Er sah mich prüfend an.&lt;br /&gt;
„Über Chinesen“, versuchte ich ihn zu beruhigen.&lt;br /&gt;
Er nickte, suchte nach dem Unterschied. Der Form halber wühlte er kurz in meinem großen Koffer, dann wünschte er mir „viel Inspiration“, und ich betrat Zürich, wo mich nicht viel später die vielen Brasilianer überraschen würden, die man auf der Straße trifft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vertreterin von Pro Helvetia brachte mich in meine neue Wohnung, sie gehört einem &lt;a href=&quot;http://www.niccolocastelli.ch/2009/news.html&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;italienischen Filmemacher&lt;/a&gt;. Als sie ging, zählte ich das Geld, das sie mir für meine Ausgaben dagelassen hatte, und es überraschte mich nicht festzustellen, dass es nicht stimmte. Schon in Deutschland, wo ich sechs Jahre lang gelebt hatte, hatte ich mich daran gewöhnt, dass man in den Bäckereien und anderen Geschäften das Wechselgeld falsch herausgegeben bekam, als interessierte sie das Geld nicht oder als könnten sie nicht zählen. Das Problem war, in Deutschland gaben sie mir gewöhnlich zu viel raus, aber hier hatten sie mir zu wenig gegeben. Ich dachte an das Mittagessen in der Schweizer Botschaft in Buenos Aires, bei dem man mit mir über diese Reise sprechen wollte und das dann zu einer Einladung um drei Uhr nachmittags wurde, wo man mir erst dann ein Glas Wasser anbot, als die Vertreterin von Pro Helvetia einen Hustenanfall bekam und man sich gezwungen sah, ihr eins zu bringen. „So haben die ihr Geld gemacht, indem sie am Kaffee sparen“, dachte ich seinerzeit boshaft. Später stopften sie mir gut das Maul mit einem glamourösen Dinner in der Residenz ihrer Botschafterin, der genialen &lt;a href=&quot;http://www.lanacion.com.ar/nota.asp?nota_id=991964&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;Carla del Ponte&lt;/a&gt;. &lt;br /&gt;
Zur Sicherheit und bevor ich weitere Schlüsse zog, zählte ich zunächst noch einmal das Geld. Es überraschte mich nicht festzustellen, dass es stimmte. Wie der gute Deutsche, der ich in einigen Dingen bin, war ich es, der sich verzählt hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie hatte mir nur Scheine dagelassen, und die Straßenbahn bezahlt man nur mit Münzen, deshalb musste ich einen kleinen Laden suchen, um durch einen Einkauf an Wechselgeld zu kommen. Ich zahlte einen Lichisaft und ein paar Kekse mit 50 Franken, schon darauf vorbereitet, dem hasserfüllten Gesicht und gar den gemurmelten Verwünschungen standzuhalten, die mir jeder Türke in einem deutschen Laden hätte angedeihen lassen. Der Schweizer Araber hingegen störte sich nicht nur nicht daran, er gab mir die 16 Franken, die man für zwei Tagestickets benötigt, in Münzen und mit einem Lächeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Straßenbahn sah ich einen Mann, an dessen Rucksack die Vordertasche offen war, was den Blick auf sein dickes Portemonnaie freigab. Eine Weile zuvor hatte ich bereits meine erste essentielle Schwierigkeit gehabt: Die Tür ließ sich nicht abschließen. Ich rief meine Virgilia an und sie sagte mir, ich solle einfach offen lassen, es würde eh niemand in die Wohnung reingehen. Ich fand mich schon damit ab, mein ganzes Hab und Gut zu riskieren, versuchte es dann aber noch ein letztes Mal und kam auf den Trick: Man muss die Türklinke nach oben drücken, in eine Position, die ich für nicht möglich, ich würde sogar sagen widernatürlich gehalten hatte, und obwohl es, wenn man es genau betrachtet, dieselbe wie zum Öffnen ist, nur in die entgegengesetzte Richtung, was natürlicherweise die ist, die man zum Schließen verwenden sollte. (Auch mit dem Wasserhahn im Bad würde ich später eine ganze Weile kämpfen, bis ich herausfand, wie ich ihm verständlich machen konnte, dass ich ihn in der Duschposition haben wollte. Jedes Land hat da eine eigene Technik, es scheint sogar noch mehr Varianten zu geben als bei den Netzsteckern.) Aber um zur Straßenbahn zurückzukommen, wie gesagt, ich sah diesen Mann mit dem aus dem Rucksack blitzenden Portemonnaie, und wenn ich davon absah, ihn zu warnen, dann weil ich davon ausging, dass man an einem Ort, wo man seine Haustür offen lassen kann, selbiges auch mit dem Rucksack tun kann, und selbst mit dem Geldbeutel. Ich dachte: Das ist ein Land der ehrlichen Leute. Später korrigierte ich mich: Sie werden sich ja nicht untereinander beklauen, sie wissen doch, dass sie alle von dem Geld leben, das sie anderen Ländern geklaut haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Stadt war ich verblüfft von der Eleganz, mit der sich die Leute kleideten. Eleganz im klassischen Sinne des Begriffs, wie im Edelviertel Recoleta in Buenos Aires: die Männer im Hemd, die Frauen mit Absätzen, bestechend stilsicher und die meisten sehr schön, so wie man es aus der Werbung kennt. Selbst die Angestellten im Supermarkt oder in der Bibliothek waren nach der Mode gekleidet, mit aufwändigen Frisuren und Markenschuhen. Ich hatte deutsche Frauen erwartet, das heißt konzeptuell schön, aber nichtssagend in der Praxis, oder auch &lt;i&gt;the opposite of sexy&lt;/i&gt;. Und hier sah ich, dass sogar die alten Damen Stil haben. Vielleicht unterscheiden sich die Schweizer nicht so sehr von den Deutschen, aber wie viel stilvoller sie sind!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sollten nicht die einzigen Unterschiede sein zwischen dem, was ich deutscherweise erwartete, und dem, was sich schweizerhaft herausstellte. Zum Beispiel gibt es nicht überall Bäckereien, und die Leute essen auch nicht allerorts im Gehen, und alle duzen einen schnell. Im Supermarkt bekam ich umsonst Plastiktüten (in Deutschland muss man dafür zahlen), und die Angestellten praktizierten nicht die typische falsche Freundlichkeit, die ich aus Deutschland kannte, sondern eine, die ziemlich aufrichtig schien, selbst wenn man mehrmals dasselbe fragen muss, bevor man versteht, was sie sagen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Wohnung wiederum überraschte mich, den Schuhschrank nicht vorzufinden, den es in jedem deutschen Haushalt gibt, wo sich selbst die Gäste die Schuhe ausziehen müssen, als träten sie in einen buddhistischen Tempel. Nicht hingegen überraschte mich, dass der Wasserhahn in der Küche quietschte, ich hatte schon vermutet, dass die Helvetier die Wassersparmethoden, die ich schon von den Germanen kannte, zu einem neuen Grad der Perversion geführt hatten: Das Quietschen hielt konstant an und intensivierte sich sogar beim Gebrauch, um einen daran zu erinnern, dass es im Senegal und in Argentinien ganze Dörfer ohne Trinkwasser gibt, dachte ich. Aber nein, fast das Gegenteil: Wenn man ihn ganz aufdreht, lustig Wasser verschwendet, hört der Wasserhahn auf zu quietschen. Und auch die Dusche ist nicht so angebracht, dass einem die Lust am Duschen vergeht. In Deutschland kommt dies sehr wohl vor, weil die Badewannen in der Regel keinen Vorhang haben und die Halterung zum Aufhängen der Handdusche an der undenkbar ungünstigsten Stelle ist - so es sie denn gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch keinen Tag in der Schweiz und schon hatte ich etwas gelernt – etwas das zwar offensichtlich, aber doch von zentraler Bedeutung ist: Zürich ist nicht Deutschland.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:34 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/DSCK0021_6.9.jpg&quot; title=&quot;Chocolats Lindt © Ariel Magnus&quot; alt=&quot;Chocolats Lindt © Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Zum Nachdenken: Eine 300 Gramm-Tafel Lindt-Schokolade kostet weniger als ein Dutzend Eier.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:36 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/DSCK0035_6.9.jpg&quot; title=&quot;Pestalozzi-Statue © Ariel Magnus&quot; alt=&quot;Pestalozzi-Statue © Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Statue von Johann Heinrich Pestalozzi. Ich bin auf die Pestalozzi-Straße in Buenos Aires gegangen. Darum.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:35 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/DSCK0024_6.9.jpg&quot; title=&quot;Schiller-Restaurant © Ariel Magnus&quot; alt=&quot;Schiller-Restaurant © Ariel Magnus&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
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Schiller-Restaurant neben der Goethe-Bar. Im Hintergrund, &lt;a href=&quot;http://es-la.facebook.com/pages/para-los-que-les-gustan-las-galletitas-OPERA/114403171911678&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;die Oper&lt;/a&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Silke Kleemann&lt;/i&gt; 
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    <pubDate>Mon, 06 Sep 2010 22:45:00 +0200</pubDate>
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