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    <title>Rayk Wieland - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}}</title>
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    <pubDate>Mon, 04 Oct 2010 15:41:19 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Rayk Wieland - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}} - </title>
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    <title>Buenos Aires - Café Sankt Moritz</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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&amp;#160;&lt;br /&gt;
am ende hat mich argentinien sehr an die ddr erinnert. vielleicht weil die zeit mir etwas lang wurde und nichts passierte. vielleicht weil die zeit auch hier stehen geblieben zu sein scheint. argentinien ist das land der alten, der alten kellner, die würdevoll im halbschatten der schankräume stehen, der alten billardspieler, mit hosenträgern und gel im grauen haar, der alten tänzer, die in alten häusern ältere damen zum tanz bitten. so kam’s mir vor. mag sein, ich bin irgendwo falsch abgebogen. doch der eindruck bleibt. wie die ddr macht dieses land einen blassen eindruck, es zieht überall, und wenn es etwas gibt, das einem sofort ins auge fällt bzw. bläst, dann ist es der staub. die städte sind grau und haben fassaden von gestern. jede menge fahnen, kreisrunde plätze, geometrisch konfuse denkmäler mit zacken. die straßen sind schlecht. das essen kann man nicht essen. mir ist ein rätsel, wie die leute hier überleben. die argentinische küche kennt keine gewürze außer ketchup und mayo, keinen fisch außer lachs und forelle. die existenz von gemüse wird bestritten. fleisch liegt in arschbackengroßen portionen vor. pizzas sind fondue, fondue ist quark. woher der kaffee seine braune farbe hat, weiß niemand. sport spielt eine große rolle. die mittagspausen sind lang. es wird viel geredet. morgen ist auch noch ein tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist der vergleich einmal gezogen, findet sich eine gemeinsamkeit nach der anderen. die peso-scheine zum beispiel sind hier aus billigstem papier, auf dem fälscher nicht wagen würden, ihre blüten zu drucken. bei der ddr waren es die alu-münzen, die noch plumper wirkten als spielgeld. in beiden ländern wurde gern gewandert, in argentinien allerdings ein, aus der ddr hinaus. in beiden ländern gab es eine insel, die sie nicht erobern konnten: die argentinier nicht die malvinas, die ddr nicht westberlin. ja, beide länder hatten eine diktatur und einen machtvollen geheimapparat, wobei die vergleicherei spätestens jetzt nonsens wird, denn die stasi verfügte nun mal über keine hubschrauber, mit denen sie tausende nackte und gefolterte menschen ins meer werfen konnte. (sie hatte übrigens auch zu wenig meer.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
worin beide länder sich wiederum unheimlich zu gleichen scheinen, ist das, was der soziologe émile durkheim „anomie“ genannt hat, das nicht-so-ernst-nehmen der eigenen gesetze, die normative unzulänglichkeit. in der ddr machte jeder, was er wollte, staat und polizei störten eigentlich nur, und in argentinien läuft’s wohl genauso. rote ampeln sind zum überfahren da, und das leben ist eine aneinanderreihung von kavaliersdelikten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die aufzählung ließe sich fortsetzen. das ende der welt, das zu markieren beide länder für sich beanspruchten, argentinien in ushuaia, die ddr an der mauer. das jeweils spezielle verhältnis zu den indianern. die vorliebe für dampferfahrten, tortenungetüme und für eine besondere nationalität, die nur in der einbildung existiert. bevor es zu beliebig wird, will ich mit einer gemeinsamkeit, der einzigen wahren gemeinsamkeit vielleicht,  schließen, die ich bezeugen kann: beide länder, argentinien und die ddr, wurden leider beherrscht  vom gleichen, irgendwie betonartigen, dunkelgrauen, trüben, scheußlich nasskalten Wetter, jedenfalls als ich da war. 
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    <pubDate>Wed, 29 Sep 2010 18:13:00 +0200</pubDate>
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    <title>Buenos Aires - London City</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:192 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RWBlog11.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
als ich in deutschland aufbrach, herrschte hochsommer, die sonne summte, die fliegen brannten, so dass es mir eine willkommene abwechslung zu sein schien, nach bariloche in den winter zu fliegen, wo ich bei einer wanderung am cerro otto durch hüfthohen schnee schwamm und einmal sogar meinen mantel als floß einsetzen musste, um nicht völlig zu versinken und womöglich nicht mehr nach buenos aires zu kommen und dort den frühling zu erleben, überall die singenden leute draußen in cafés, das flatternde licht des frühlings und die tango tanzenden vögel. zurück in deutschland, fallen die blätter aus den büchern, und es wird herbst sein und kalter regen wird die bäume schrägen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ein jahr in vier wochen, wie auf speed, wie im comic, alle vier jahreszeiten, ich hab sie durch. und ich fühle mich auch so: reifer, müder vor allem, ein jahr gealtert eben. und würde gern wissen, was das bedeutet? ob meine daten korrigiert werden müssen zum beispiel? ob ich früher rente bekomme? oder sie irgendwie gut geschrieben kriege, die ausstehenden elf monate? das sind so fragen.&lt;br /&gt;
was mich auch interessiert: muss mein tod jetzt neu angesetzt werden? 
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    <pubDate>Tue, 28 Sep 2010 22:56:00 +0200</pubDate>
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    <title>Buenos Aires - Café 36 Billares</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:191 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RWBlog10.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
ich bin sehr froh, wieder zurück in buenos aires zu sein. meine gespräche mit gletschern sind vorerst in beiderseitigem einverständnis abgeschlossen. die tiere, die ich sah, habe ich gesehen. beispielsweise die seehunde, die vor puerto madryn hauptsächlich herumnölten und damit meine bewunderung letzlich nicht erringen konnten. anders die glattwale in der bucht, die auf eine derart lässige und souveräne art im wasser faulenzten, sich herumwälzten und ab und zu, wie nach einem tiefen cigarrenzug, ausatmeten, dass ich etwas wie neid verspürte auf ihre enorme innere ruhe. den flamingos von calafate meine verehrung. die dort auf mich herabschießenden raubmöwen aber sollten nicht mit einer lobenden erwähnung rechnen. gegen die adler und geier im umfeld von bariloche hege ich keinen groll. es ist nicht ihre schuld, wenn ich sie mit dem kondor verwechselte, dessen bekanntschaft ich gern gemacht hätte. im naturpark von feuerland sah ich einen schwarzspecht, den ich hiermit grüße. als er davonflog, klang es, als würde ein kleiner hubschrauber starten. wenn er lust hat, auf mich zu hören, würde ich ihm raten, es vielleicht etwas weniger affektiert zu tun. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
ganz in der nähe scharrten hundertschaften von falken im boden und ich wagte kaum, durch ihre mitte zu gehen. das offizielle treffen mit dem führenden dalmatiner von ushuaia war einer der höhepunkte meiner expedition. wenn er einmal nach deutschland reisen wollte, wäre es mir ein vergnügen, ihn diesmal schweigend an mir vorüber gehen zu lassen. der qualle oben in den bergen, am ausläufer des beagle-kanals, wünsche ich eine gedenktafel, auf der ihre pionierleistung in sachen weichtier-tourismus adäquat gewürdigt wird. habe ich jemanden vergessen? eines nachts war mir, als hörte ich neben mir im hotel los naranjos in ushuaia das mylodon kurz aufstöhnen, jenes legendäre, vermeintlich ausgestorbene riesenfaultier, das einst in den weiten flächen patagoniens zu hause war. zweifellos eine sensation. aber im hotel? für ganz ausgeschlossen halte ich es nicht, muss aber in erwägung ziehen, dass das geräusch auch von der interaktion jenes liebespärchens verursacht worden sein könnte, das am nächsten morgen mit roten ohren im frühstücksraum platz nahm. 
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    <pubDate>Mon, 27 Sep 2010 17:51:00 +0200</pubDate>
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    <title>Ushuaia - Aeropuerto</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:186 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild1_zuBlog9.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
ich bin am ende. am ende der welt. am selbsternannten ende der welt. ushuaia nennt sich selbst fröhlich „fin del mundo“, und auf caps, t-shirts, tassen, pinguinen, baumscheiben und den unvermeidlichen dolchen in tausendfacher ausführung in den schaufenstern – überall steht „fin del mundo“ drauf. mal abgesehen davon, dass auf einer kugel wie dem erdball das ende an jeder stelle und nirgendwo zugleich ist und dass ein bahnhofsklo in stuttgart mit gleichem recht beanspruchen kann, ein endpunkt zu sein (und auch sein dürfte): es spricht nicht gerade für die welt, wenn sie wie in ushuaia aufhört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die landschaft, wie an vielen orten hier, grandios, bombastisch, schockierend schön. doch ich bin überidyllisiert. und durch mit Patagonien. ich mag keine panoramen mehr, keine weiten, keine himmel. eine gegend wie für raumfahrzeuge. areal der wolkenparaden. jeder spaziergang ist 1000 kilometer lang. und dann kommt die nächste biegung. nur gut, dass dieses stopschild namens ushuaia endlich da ist. fin del mundo. mir soll‘s recht sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die stadt, klar, ist voller leute mit besichtigungsreflexen und dem interesse für nichts. leuten, die ins indianermuseum gehen und anschließend kühlschrankmagneten kaufen. leuten, die hier etwas erleben wollen und garantiert nichts erleben werden. außer einem taschendiebstahl, adapterproblemen und zahnschmerzen. leuten, die in restaurants sitzen „mit ausblick“ und die verzückt aus fenstern schauen, in denen sie abends, wenn es dunkel geworden ist, sich selber spiegeln. ich weiß das, denn ich habe mich gesehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
touristen, like me. wir sind nachfolger, nein: wiedergänger jener abenteurer, die aufgebrochen waren, die neue welt genauso zu demolieren, wie‘s mit der alten bereits überzeugend gelungen war. was ist die kraft, die es schafft, uns bis ans ende der welt zu schicken, wo natürlich kein ende in sicht ist und wo wir weiß gott nicht sein müssten? warum machen wir keine rundfahrt auf  dem hometrainer? woher kommt die neugier auf das, was wir längst wissen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beim gang durch den nationalpark tierra del fuego* finde ich eine meeresqualle, die sich am ufer einer kleinen, verzweigten bucht am fuß des cerro guanaco etwas in die sonne gelegt hat. quallen in den bergen? quallentrekking? sehr mysteriös. ich bin etwas ratlos, ob ich sie beglückwünschen oder bedauern soll. beim studium der karte, später im hotel, sehe ich, dass ausläufer des beagle-kanal bis weit in die anden hinein reichen. ein mittlerer sturm dürfte genügt haben, um die qualle in eine neue welt vordringen zu lassen. von erobern will ich nicht reden. aber vielleicht stranden demnächst seelöwen auf den gipfeln? der tourismus hat die artengrenze übersprungen.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:187 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild2_zuBlog13.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;_______________________&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
* feuerland, wenn’s nach magellan gegangen wäre, auf den der name angeblich zurückgeht, hieße rauchland**. magellan sah keine feuer der indianer, er sah überall nur dünne rauchsäulen. der spanische könig carl v. verfügte später, dass, wo rauch sei, auch feuer sein müsse. daher der name: feuerland. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
** rauchen übrigens, wie überall in argentinien, ist hier verboten. die leute stehen in pulks vor den türen, so dass magellan, käme er wieder, erneut nur rauch sähe. ich weiß nicht genau, wie es in der antarktis geregelt ist. cigarren hätte ich dabei. aber ich zögere noch etwas, die 1000 kilometer mit dem schiff zu fahren, um eine durchzuziehen.  
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    <pubDate>Sat, 25 Sep 2010 23:01:00 +0200</pubDate>
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    <title>Ushuaia - Tante Sara</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:183 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RaykWieland_zuBlog8_Bild1.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
mich erreichen anfragen, &lt;a href=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/archives/140-Ushuaia-Cafe-Andino.html&quot;&gt;ob der hund da unten echt sei&lt;/a&gt;. es gibt vermutungen, ich hätte den hund eingebaut, ob in das fenster des hauses oder in das foto des fensters, sei dahingestellt. so einen hund gebe es nicht, heißt es, könne es nicht geben. dazu kann ich nur sagen, ich baue keine hunde ein. der hund ist ein real existierender hund, der eigenständig agiert. er ist genau da, wo er ist, in seinem haus unweit der av. leandro n. alem, oben in den hängen, wo der schmutzige restschnee des winters noch etwas verweilt. ich widerstehe der versuchung, erneut hinzugehen, um der wirklichkeit zu beweisen, dass es sie gibt. auch ein weiteres foto wäre nur ein weiteres foto. wer will, kann gern nachschauen, ich zeige ihm den weg. er muss, wenn er in der san martín losgeht, als erstes vorbei an diesem großartigen denkmal für den wind, der durch es hindurchweht. danach kommen wellblechhütten, die sich kontrastreich an die imposanten berge hinter ihnen, sagen wir, schmiegen. an dem weißen transporter am straßenende bitte rechts abbiegen. nicht wundern: in der gegend leben ungefähr 250 hunde, die jeden, der vorbeikommt, gern begleiten würden, wenn sie nicht gerade stürben. linkerhand ist eine werkstatt, die alte reifen an alten autos montiert. etwas später biegt rechts ein weg ab, und dort ist sie, die hundevilla, und da müsste er sein, der hund, der real existierende hund. bei unserer begegnung vor zwei tagen sprachen wir kein wort. ich überlegte, ob er vielleicht der bürgermeister der stadt sei, der premierminister womöglich, denn sein auftreten war sehr würdevoll. dann schien mir plausibler, ihn für einen gelehrten zu halten, einen, der seit vielen jahren studien und messungen zu vorübergehendem anstellt. er beobachtete genau und mit äußerster konzentration, wie ich vorüberging. und was mich angeht, ich habe mich noch nie in meinem leben so vorübergehend gefühlt wie in diesem moment.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:184 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RaykWieland_zuBlog8_Bild2.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:185 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild3_zuBlog8.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 21 Sep 2010 19:17:00 +0200</pubDate>
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    <title>Ushuaia - Café Andino</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:180 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild1_zuBlog7.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
offenbar hat in meinem leben  die phase begonnen, in der schiffsreisen für mich an bedeutung gewinnen. innerhalb  weniger tage fuhr ich hier mit einem schiff bei puerto madryn walen hinterher,  ich saß an bord der &lt;em&gt;modest victoria&lt;/em&gt; auf dem lago nahuel huapi, wo ich berge an  mir vorübergleiten&amp;#160;ließ, und ich  bestieg ein boot bei calafate*, das mich zum gletscher &lt;em&gt;perito moreno&lt;/em&gt; brachte, der leider nicht „kalbte“, wie es im deutschen heißt. die gletscherkuh  „kalbt“ nur alle paar jahre. bei den enormen antarktischen winden, die  herrschten, und den&amp;#160;vor ort versammelten&amp;#160;touristischen  voyeuren hätte ich, an gletschers stelle, auch nicht „kalben“ wollen.&amp;#160;&lt;br /&gt;
alle diese schiffsreisen  jedenfalls waren mich tief prägende erlebnisse bei kaffee und kuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
jetzt bin ich nach ushuaia  geraten, in die zweitsüdlichste stadt der welt und wahrscheinlich hässlichste.  ushuaia ist eine uninspirierte barackensammlung, häufig einstöckig,  zweistöckig, windschief, staubzerfressen, forciert trostlos. abseits der san  martín, der einzigen hauptstraße, an der die üblichen globalen ramschketten und  souvenirdealer liegen, geht die stadt zügig in veritable elendsbereiche über,  die sich wie sperrmüll die andenhänge hinauf ranken. über die straße laufen  hunde, wie man sie eigentlich nur unter der erde vermuten würde. andere  scheinen in häusern zu wohnen. einmal schaute mich einer von ihnen unerwartet  aus dem schlafzimmerfenster seines (?) hauses an. es war kein traum, und er war  echt. nach diesem ereignis gewannen die stadt und die ganze reise deutlich an  surrealität.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:181 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;244&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild2_zuBlog12.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:182 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild3_zuBlog7.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
niemand kommt gern nach  ushuaia, alle reisen gern wieder ab. dazu ist der hafen da, von dem die stadt  lebt bzw. fortexistiert. manche reisen von hier aus sogar in die antarktis, um  wegzukommen. andere machen ausgedehnte rundfahrten. Mit dem schiff, versteht  sich. Auch mir&amp;#160;blieb&amp;#160;praktisch  nichts anderes übrig, als erneut an bord zu gehen, diesmal an bord der &lt;em&gt;elisabetta&lt;/em&gt;,  um mit ihr auf dem beagle-channel den zweitsüdlichsten leuchtturm** der welt zu  umkurven. unterwegs betraten wir die &lt;em&gt;isla bridges&lt;/em&gt;, wo in früheren epochen  die yamana-indianer schamanistische rituale abgehalten haben sollen, worum  &amp;#160;ich sie nicht beneidete. wir gerieten dicht an mehrere aus dem wasser  ragende felsen. auf ihnen lungerten seegänse und seelöwen herum, die  seelenruhig vor sich hin stanken. dann kam der leuchtturm, und er war so  imposant, wie es ein zweitsüdlichster leuchtturm sein kann, einer, der nicht  mehr leuchtet, einer, über den Jules Verne keinen roman mit dem titel &lt;em&gt;der leuchtturm am ende  der welt&lt;/em&gt; geschrieben hat, ein arbeitsloser, überflüssiger, kaputter  und einsamer leuchtturm eben. mich, der ich ansonsten kein feind der kalten  schulter bin, ließ er nicht unberührt. aus meinen bisherigen schiffserlebnissen  hatte ich gelernt, dass sich das spirituelle niveau heben lässt, wenn man für  einen tragischen soundtrack sorgt. während der ganzen zeit lief in meinem  kopfhörer góreckis 3. sinfonie, die sinfonie der klagelieder, der 3. satz, und  ich bedauerte diesen leuchtturm, beklagte ihn, meinen freund und bruder, beim  ausharren im kampf gegen die immer dunkler werdenden dunkelheiten, inniglichst.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/biIMtiDcb8g?fs=1&amp;amp;hl=en_US&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/biIMtiDcb8g?fs=1&amp;amp;hl=en_US&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;243&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;________________________________________&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#8727; hier gibt es übrigens flamingos. sie sind wirklich pink und stehen einbeinig voller anmut in der landschaft. und wenn sie im lockeren pulk in ein graues wüstental einschweben, um irgendwo zu landen, dann tun sie dies mit einer sanftheit, vor der man sich gern verneigen würde, wenn keiner zusieht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#8727;&amp;#8727;  der zweitsüdlichste leuchtturm der welt wird oft für denjenigen gehalten, der in jules vernes roman der leuchtturm am ende der welt eine herausragende rolle spielt. er ist es aber nicht, sondern ein anderer, noch weiter südlich gelegener, irgendwo hinter südgeorgien*** postierter. jules vernes buch ist ein wirrer räuberrevolver. der roman spielt auf einem öden felsen, den sich besagter leuchtturm, seine wachmannschaft sowie ein paar piraten teilen müssen. die piraten überfallen den leuchtturm, töten zwei der drei wachleute und wollen sich mit ihrer beute davonmachen. daran werden sie aber von wachmann nr. 3 und einem plötzlich aus dem nichts bzw. vermutlich eiskalten wasser auftauchenden schiffbrüchigen im allerletzten moment – nun, dreimal darf geraten werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#8727;&amp;#8727;&amp;#8727; achtung! möglicherweise wird dieser leuchtturm im moment von einem deutschen schriftsteller namens christian kracht observiert und als basislager für diverse eroberungsideen genutzt. vorsicht! der mann hat einen an der waffel. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 20 Sep 2010 22:40:00 +0200</pubDate>
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    <title>Bariloche - Café Pueblo</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:140 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;205&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild1_zuBlog6.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
die deutschen faschisten hatten den geschmack, den sie nun mal hatten, und vielleicht haben sich deshalb so viele von ihnen nach kriegsende, über die „rattenlinie“ kommend, in bariloche verkrochen, in diesem zweitberchtesgaden und neuobersalzberg, wo sie einem genügsamen lebensfeierabend entgegendämmerten. die ns-größen reinhard kopps und hans-ulrich rudel tranken hier bier, josef schwammberger kam dazu, die skatrunde war perfekt. erich priebke hatte eine fleischerei und einen feinkostladen, er stand dem trägerverein der deutschen schule vor und galt bis in die 90er jahre als hochangesehener bürger bariloches. ich finde wirklich, man merkt es der stadt an oder will es merken, muss es merken. dazu passt die perfekte führerkulisse der natur, die überwältigenden felsendome, ein riefenstahl-panorama vor silbersee. dazu passt jeder grauhaarige greis, der hier um die ecke biegt und mindestens so suspekt ist wie die zahllosen schokoladengeschäfte, die „tante frida“ heißen oder „mamuschka“ und die schokolade natürlich selbst herstellen, braune schokolade, hellbraune, dunkelbraune. dazu passt die seltsame zwergenarmee, aufmarschiert in vielen schaufenstern der stadt, eine kolonne der mikrogartenzwerge, die immer lachen, eine diktatur des kunsthandwerks mit kleinen holzhäuschen und tässchen und krügchen und bilderrähmchen. das ganze jahr über gibt es weihnachtsstollen. in jedem zweiten schaufenster flackert christbaumbeleuchtung. und die traurigen augen der kleinen bernhardinerattrappen* in den schneekugeln schauen einen stumm an und stellen fragen, die da lauten: was soll das ganze? was hat das zu bedeuten? wie soll man das aushalten? zieht dich das alles nicht völlig runter? was hast du hier zu suchen? und dazu passt dann auch der durch und durch abgehangene, zutiefst deprimierende, vermutlich vor 30 jahren an die wand meines hotelzimmers genagelte fetzen, eine studie in brauntönen und kotzgrün, alte-socken-landschaft mit löchern, entstanden in heimarbeit am herd. es passt einfach, es passt leider alles.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:141 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;296&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild2_zuBlog11.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
und vielleicht passt auch zu viel. vielleicht ist alles nur zufall und missverständnis? zufällig brauchte das perón-regime militärische sachverständige, zufällig war der weltkrieg gerade vorbei, deutschland konnte ein paar fachkräfte erübrigen, und wie der zufall spielt, landeten sie eben in bariloche. die stadt sieht nicht aus wie nürnberg. die architektur ist ein desaströser stilmix aus vogelkäfig und autobahnbrücke. der einfluss der deutschen kann nicht groß gewesen sein. es fehlt an allem: an autobahnen zum beispiel, an sportpalästen und appellplätzen. ein flughafen immerhin ist da, um die stadt zu verlassen mit der absicht, so schnell nicht wiederzukommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;_____________________________________________&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
* schneekugelbernhardiner - eine schöne variante des genres. ich habe schon alle möglichen kinderfiguren, märchenlandschaften, bauwerke und fernsehprominenzen im schneekugelhagel gesehen, aber noch keinen einzelnen st. bernhardshund. gibt es eigentlich a. hitler in einer schneekugel? den rechten arm angehoben, klar, und putzige, kleine schneeflöckchen, die ihm wie schuppen auf den kragen rieseln? und wenn es ihn gäbe, würde er in bariloche in einem schaufenster stehen? stimmen Sie ab. antworten bitte in den kommentar...&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:142 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RW_Bild3_zuBlog6.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 17 Sep 2010 22:21:00 +0200</pubDate>
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    <title>Bariloche - Modest Victoria</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:123 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;204&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RaykWieland_ZuBlog5.jpg&quot; title=&quot;Modest Victoria © Rayk Wieland&quot; alt=&quot;Modest Victoria © Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
bariloche, wohin ich nach schlingernder fahrt mit dem nachtbus* durch die nachtseite der welt geraten bin, zerfällt in zwei teile: in bariloche und in die umgebung von bariloche. die stadt ist der übliche touristenhumbug, kaum 100 jahre alt, verstopft mit bettenburgen und souvenierschlamassel der unerfreulichsten art. urlauberkohorten schießen durch die straßen, tag und nacht die lärmenden anschläge der spaßterroristen, müllhalden, gewerbebrachen, favelas und wintersportareale umkränzen die stadt wie eine rosette des horrors. mein hotel, das „super resort bariloche“, hat zwei sterne: einen habe ich ihm bereits aberkennen müssen, der andere wackelt. die umgebung aber, die weitere umgebung der hochanden, der lago nahuel huapi, ist von aufrüttelnder zauberhaftigkeit. dem besichtigungszwang nachgebend, dem man auf reisen, zumal in quasi elysische gefilde, regelmäßig hilflos erliegt, habe ich die alte „modest victoria“ bestiegen, die eine rundfahrt durch die gletschergewässer macht. der film unten ist ohne dialoge, aber dokument eines selbstgesprächs ohne worte** und resultat einer verzückung, die auf der isla victoria, wo das schiff kurz anlegte, sich noch steigerte. als alle passagiere von bord gingen, um ein restaurant aufzusuchen, sah ich über den baumwipfeln einen schwarzen schatten. ich umrundete die menschenleere insel auf der suche nach einer lichtung, bis ich ihn sah sah: den kondor***. gleich mehrere vögel kreisten über mir. und ich wurde für diesen moment teil einer postkartenhaften idyllesken epiphanie, die mich fast demütigte. ich weiß, die natur ist alles andere alles andere als eine bilderbuchvorlage für romantische spinner. ich weiß es, und wollte es nicht wissen.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;object width=&quot;389&quot; height=&quot;234&quot;&gt;&lt;param name=&quot;movie&quot; value=&quot;http://www.youtube.com/v/G_vjvLUrAGI?fs=1&amp;amp;hl=de_DE&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowFullScreen&quot; value=&quot;true&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;param name=&quot;allowscriptaccess&quot; value=&quot;always&quot;&gt;&lt;/param&gt;&lt;embed src=&quot;http://www.youtube.com/v/G_vjvLUrAGI?fs=1&amp;amp;hl=de_DE&quot; type=&quot;application/x-shockwave-flash&quot; allowscriptaccess=&quot;always&quot; allowfullscreen=&quot;true&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;234&quot;&gt;&lt;/embed&gt;&lt;/object&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;u&gt;_____________________________________________&lt;/u&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#8727; ein ideales geschaukel, eigentlich, wäre nicht direkt über mir der lautsprecher für den monitor gewesen. der monitor war defekt, der lautsprecher nicht. die halbe fahrt gab’s filmdialoge und krawallatmo. es wurde debattiert, irgendein familienstreit, irgendwer musste immer laut werden, hin und wieder erschien ein raunender geist oder hassprediger und drang in mich ein, schüsse fielen, reifen quietschten, plötzlich stille, ich atmete durch, aber jetzt, sich langsam steigernd, waren tatsächlich schmatzende kussgeräusche zu vernehmen, widerwärtiges klaviergeklimper schwoll an, türen schlugen zu und gingen offenbar leider wieder auf, alles begann von vorn. mehrmalige konsultationen des busschaffners über diesen „stupid speaker“ führten nicht weiter. im nachhinein sind allein zwei dinge sehr erstaunlich: a) welche umfangreichen gewalt- und amokphantasien ich in den zehn stunden, nachts, im bus, die wüste querend, müde, zu entwickeln imstande war und wie es mir b) doch irgendwie gelang, äußerlich ruhig dazusitzen, aus dem fenster zu schauen, als wäre da irgendetwas zu sehen gewesen, und mir nichts anmerken ließ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#8727;&amp;#8727; ich stellte mir vor, wie es wäre, würde man immer so durch sein leben dahingleiten auf dem dampfer der gnade, das leichte schaukeln der wellen des schicksals, vorbei an den kathedralen des erhabenen, des reinen und schönen, ein ewiges fototapeten-panorama, und ich wusste, es wäre spätestens nach zwei, drei tagen unerträglich. man muss das glück nur verlängern, um es zu beenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;#8727;&amp;#8727;&amp;#8727; genauer: bis ich ihn zu sehen vermeinte, ersehnte, mir einbildete. es waren normale schwarz- oder rabengeier, die da kreisten ... „die für viele Touristen im Süden der USA, Mittel- und Südamerika zum gewohnten Anblick gehören“ (wikipedia). die kleine nachträgliche richtigstellung verwandelte meine verzücktheit in eine mittlere blödheit (was sie wahrscheinlich sowieso war), und ich kann nicht sagen, dass mich diese transformation nicht düpierte. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 15 Sep 2010 22:16:00 +0200</pubDate>
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    <title>Puerto Madryn – Takos Bar</title>
    <link>http://blog.goethe.de/rayuela/archives/104-Puerto-Madryn-Takos-Bar.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:100 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;219&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Rayk-Wieland_Bild-1_zu-Blog-4.jpg&quot; title=&quot;Takos Bar © Rayk Wieland&quot; alt=&quot;Takos Bar © Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Eher zufällig erfahre ich, hier im argentinischen kurzzeitexil, dass Christian Kracht, schweizer popliterat und hobbymystiker, vor kurzem auch nach argentinien gegangen ist, nach buenos aires, angeblich um in die politik einzusteigen und ein neoperonistisches projekt zu begründen, dessen erster programmpunkt sei, die falkland-inseln bzw. malvinas wieder für argentinien zurückzuerobern, in seinen worten: „den blutigen stachel aus dem argentinischen fleisch herauszuziehen“. Und zufällig begegnet mir am strand von puerto madryn ein erbärmliches, trost- wie einfallsloses monument, gewidmet den gefallenen heroen dieses krieges. zwei soldaten stehen oder hocken da, auf einem kleinen hügel, einer die zerfetze argentinische flagge hochhaltend, der andere einen toten kameraden im arm, den er stumm richtung himmel reckt.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:101 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;223&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Rayk-Wieland_Bild-2_zu-Blog-4.jpg&quot; title=&quot;Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen im Falklandkrieg © Rayk Wieland&quot; alt=&quot;Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen im Falklandkrieg © Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Kann ja sein, dass Kracht hier ist. Vielleicht ist er aber auch auf südgeorgien, um dieses gebiet an die sowjetunion zurückzugeben. Oder er residiert auf den sandwichinseln, um eine imbisskette zu gründen. Die falkland-idee ist jedenfalls parfümierter nonsens. Niemand sollte ein revival dieser kümmerlichen nummer wünschen. Die einwohner nicht, die so gern engländer sind und bleiben wollen, die argentinier nicht, denen das völlig sinnlose totaldebakel von 1982 reichen dürfte, und nicht die briten, die alles andere als grundsympathisch rüberkommen in der angelegenheit. Selbst ronald reagan, sonst kein kriegsgegner, verstand seinerzeit beim besten willen nicht, warum sich zwei alliierte um ein paar eisige felsen bekriegen, und für die felsen, so darf vermutet werden, blieb die sache erst recht unklar. Über tausend tote soldaten, zivilisten, seeleute und doppelt so viele verwundete ließen am ende leben und gesundheit für schätzungsweise: nichts oder eben dafür, dass alles so blieb, wie es war, also genauso kalt, kahl und ungemütlich wie zuvor. Dass im nachhinein und nebenbei herauskam, großbritannien habe zwischenzeitlich erwogen, im fall des falles eine argentinische stadt, wahlweise córdoba, mit einer atombombe auszulöschen, macht diese komische partie nicht gerade appetitlicher. Denn komisch war er auch, der falklandkrieg, man lese nur, zum beispiel auf &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Falklandkrieg&quot; target=&quot;_blank&quot;&gt;wikipedia&lt;/a&gt;, die haarsträubend-grotesken manöver der briten nach, wie sie während der „operation black buck“ versuchten, einen bomber auf dem weg zum einsatz auf den falklandinseln zu betanken. Möglich, dass es sich dabei um die dreharbeiten für „dr. seltsam reloaded“ gehandelt hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf ARTE lief mal ein film, hier bei &lt;a href=&quot;http://video.google.com/videoplay?docid=-8930528202566616479#&quot;&gt;youtube&lt;/a&gt;, der kriegsromantik und rückeroberungsphantasmen, nun ja, etwas abkühlen könnte. Am gruseligsten übrigens sind nicht die bilder der toten und verletzten, sondern die der leute in buenos aires und in london, die jubeln, die jubilieren, die ihr glück gar nicht fassen können, die außer sich sind vor freude angesichts der eroberung der unbedeutensten inseln der welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was ich bei allem ja hoffe: dass für jene armen heroen, die krachts attacke auf die felsennasen reiten und im südpolnahen abseits ihr leben lassen müssen, eine nicht ganz so unglamouröse erinnerungsskulptur dann bereit stehen möge. Und was ich aber eigentlich sagen will und ihm, kracht, gern als idee schenken würde: vielleicht, am ende, läuft es für ihn und alle besser, wenn er ein paar elefanten auf den elephanteninseln ansiedelt, als in der falklandsache sich als befreiungsdichter, sagen wir, zu stark zu exponieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur für die elefanten, man kann’s nicht allen recht machen, wäre das alles andere als der hauptgewinn. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 10 Sep 2010 19:41:00 +0200</pubDate>
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</item>
<item>
    <title>Puerto Madryn - gelbe Tonne am Strand</title>
    <link>http://blog.goethe.de/rayuela/archives/90-Puerto-Madryn-gelbe-Tonne-am-Strand.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:38 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;195&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RaykWieland_Bild1_zuBlog3.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Ich habe sie, nur zum beispiel, bei skagen in dänemark gesehen, in devon in südengland, nördlich von lissabon und jetzt hier, in argentinien, in puerto madryn, am golfo nuevo. Vermutlich sind sie überall. Sie kommen mit dem auto, bleiben am straßenrand stehen, stellen den motor ab und halten inne, bewegen sich nicht mehr, stundenlang, den blick nach vorn gerichtet, aufs meer hinaus. Manchmal kurbeln sie das fenster etwas herunter. Einige rauchen. Einige nehmen tee oder kaffee aus der thermoskanne. Hin und wieder wird der motor angelassen, der heizung wegen. Niemand steigt aus. Draußen, auf dem meer, passiert in der zeit, in der sie dort parken, nichts gerade unübliches: sonne, wellen, wind. Wolken ziehn. Das wasser schillert und flimmert in den üblichen blautönen, grüntönen, silberpapiertönen, je nachdem. Wenn die sonne untergegangen ist, blinkt es wie ein dunkles kellerfenster. Mal zeigt sich ein schiff, ein kleiner punkt, weit hinten. Mal ein schiffbrüchiges holzbrett, an dem sich eine plastiktüte festklammert. Im auto passiert nichts. Man hört das rauschen der wellen. Es klingt ein wenig wie die stadtautobahn. Irgendwann fahren sie wieder los, und man hat das gefühl, sie hätten etwas erledigt, eine arbeit, einen wichtigen auftrag.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:39 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;223&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RaykWieland_Bild2_zuBlog3.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Niemand weiß, warum sie es tun. Vielleicht sind sie angehörige einer geheimen armee, die auf den einsatzbefehl warten, der nicht kommt. Oder sie gehören zu einer sekte, die der ankunft von was auch immer harrt. Sie haben eine wette verloren und müssen das tun. Es ist ein ritual, ein zwang. Sie brauchen den meerblick, den kick des blicks, sie müssen ihn haben. Sie haben sex mit dem meer. Es ist ein geologischer porno, ein dreier mit küste und wasser. Auszuschließen ist es nicht. Oder läuft hier so ein Kontrollding? Sie müssen mit dem auto zum meer fahren, um zu prüfen, ob es immer noch ordnungsgemäß da ist? Die wächter der meere. Meldestellen weltweit nehmen berichte entgegen. Hier ist noch alles beim alten, keine vorkommnisse. Der atlantik verhält sich unauffällig. Hier vorn links könnte bald das wasser knapp werden... Oder wissen sie jemanden auf der anderen seite, am anderen ufer, an den sie denken? Vielleicht wollen sie weg, wollen ihr leben hinter sich lassen, aber sie kommen nicht weiter als bis zum ufer? Möglich wär‘s. Vielleicht ist das meer für sie die alternative zur wand in ihrer wohnung, auf die sie ansonsten starren. Vielleicht hängen da fotos vom meer, und sie machen einen abgleich. Möglicherweise. Unter umständen. Eventuell sind es aktivisten, demonstranten. Sie protestieren gegen die verbauung der städte, gegen die unterdrückung des freien blicks? Sie haben pauschalurlaube hinter sich in hotels, die, anders als im katalog stand, keinen meerblick hatten? Das kann man verstehen. Das könnte es sein. Oder warten sie? Oder warten sie nicht mehr und haben sich abgefunden damit, dass nicht mehr viel passiert, dass wellen kommen und wellen gehen? Ja? Nein? Das meer, unbeeindruckt herumwogend wie immer, wenn sie wieder abgefahren sind, verweigert natürlich die auskunft. &lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:40 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;206&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/RaykWieland_Bild3_zuBlog3.jpg&quot; title=&quot;© Rayk Wieland&quot; alt=&quot;© Rayk Wieland&quot; /&gt; 
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    <pubDate>Thu, 09 Sep 2010 18:51:00 +0200</pubDate>
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    <title>Puerto Madryn - Vernandino, Club de Mar</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:33 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Rayk_zu-Blog-2.jpg&quot; title=&quot;Vernandino, Club de Mar © Rayk Wieland&quot; alt=&quot;Vernandino, Club de Mar © Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Puetero madryn ist wirklich ein idealer ort für mich, um zu schreiben, denn hier passiert gar nichts. Die stadt ist hässlich, aber nicht atemberaubend hässlich. Quadratische straßen, quadratische häuser, gern aus beton. Reklametafeln ragen stoisch in die luft. Es gibt restaurants, supermärkte, einen haufen schuhläden mit haufen von schuhen, optiker und souvenirboutiquen. Viele geschäfte mit viel angelkram. Man kann alles haben, was man nicht braucht. Das meer liegt da, vor der küste, wo es immer liegt, und wirkt unspektakulär. Ab und zu schleudern sich wale hoch aus dem wasser - ob aus verzweiflung oder aus übermut, ist nicht zu klären. Eine riesige seebrücke sticht in den atlantik und bricht plötzlich ab wie ein irrtum. Urlauber machen familienurlaub, pärchen mit kinderchen. Alles wirkt träge, eine ewige nachsaison. Ältere damen, statuen turbulenzloser nachmittage, schweigen reglos in cafés. Es gibt langweiliges fleisch und langweiligen fisch. In restaurants läuft der fernseher, fußball auf allen kanälen. Die strandbars sind geschlossen, sie werden nie wieder öffnen. Hier könnte man sterben, falls man nicht schon tot ist. Hier könnte man auch weiterleben, das macht keinen unterschied. Selbst die möwen segeln uninspiriert durch die luft. Der himmel ist riesig, der himmel ist überall, als wolle er andeuten, dass es immer so weitergeht. Und man kann nicht viel mehr tun, als hin und her zu gehen oder sich an den straßenrand zu setzen, um aufs meer zu starren. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Hinter der stadt beginnt die wüste, die schon von weitem außerordentlich uneinladend wirkt. Begrenzt wird puerto madryn im norden von einem monströsen aluminiumwerk der firma „aluar“, der größten des kontinents, die gelegentlich als staubproduzent der wüste konkurrenz macht. Im süden hört puerto madryn irgendwo an einer schotterpiste einfach auf, und man ist dankbar dafür. Kurz vor dem ortsausgang stehen zwei denkmäler. Eines zeigt den in die falsche richtung davon reitenden Don Quijote, das andere Robin Hood mit pfeil und bogen, der sich bei näherem hinsehen als tehuelche-indianer erweist, eine reverenz an die ausgestorbenen vormieter des landstrichs. Man kann ausflüge machen. Man kann in bussen zu den kolonien der seelöwen reisen, um zu sehen, was bei denen los ist. Etwas weiter lagern 500.000 magellan-pinguine, die stundenlang herumbrüten. Boote fahren zum fototermin mit walen. Nachts zieht sich eine mondlose schwarze decke über die stadt, und für einem moment scheint es nicht ausgeschlossen, dass patagonien selbst der mond ist oder ein teil davon, ein ziemlich abgelegener. Womöglich ein eigener stern. Von Saint Exupéry, der zwischen 1929 und 31 direktor der „aeroposta argentina“ war, ist überliefert, er habe sich bei seinen beschreibungen des heimatplaneten des „kleinen prinzen“, des asteroides b612, von der kargen landschaft patagoniens, die er ständig überflog, inspirieren lassen. Mich überrascht das nicht. Auch Arno Schmidt, ein liebhaber der öde, postierte seinen schreibtisch in der lüneburger heide in sichtweite zum mond. Dieses auf den ersten blick karge, trostlose gestirn kann anregend und aufschlussreich sein. Es spart mit gehabe und lässt einen in ruhe. Mehr kann man nicht verlangen. In der nähe des mondes ist gut schreiben.  
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    <pubDate>Tue, 07 Sep 2010 20:02:00 +0200</pubDate>
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    <title>Centro Cultural Borges - Buenos Aires</title>
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    <author>nospam@example.com (Rayk Wieland)</author>
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    &lt;!-- s9ymdb:30 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;260&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Rayk-Wieland_4.9.2010_P1000432.jpg&quot; title=&quot;Centro Cultural Borges © Rayk Wieland&quot; alt=&quot;Centro Cultural Borges © Rayk Wieland&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
Der plan ist einfach und ganz einfach der: ich werde mich jeden tag hier in argentinien in ein café setzen und schreiben, öffentlich, regelmäßig, verlässlich, wie fernando pessoa, joseph roth oder, sagen wir, jorge luis borges, in der süßen hoffnung, durch nachahmung dieser methode meinen noch ungeschriebenen roman in die nähe jener unsterblichen ruhm verheißenden werke dieser autoren aufrücken zu lassen. Der kalkulierte nebeneffekt ist, dass man sich wenigstens wie ein schriftsteller fühlt, auch wenn gar nichts dabei herauskommt. Es ist nicht viel mehr als angewandte verhaltenstherapie. Wer aufrecht sitzt und sich streckt, wird ein besserer mensch, wer öfter lächelt, vertreibt die depression, und wer im café schreibt, schreibt irgendwann notgedrungen weltliteratur. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Viele pflegten, weiß ich, jeden tag im gleichen haus am gleichen platz zu schreiben. Das wird bei mir nicht möglich sein. Ich werde nur zwei tage hier in buenos aires sein, dann drei wochen in patagonien, in puerto madryn, bariloche und in ushuaia auf feuerland, und am schluss kehre ich wieder für ein paar tage zurück in die hauptstadt. Keine ahnung, ob patagonien über dichteraffine cafés oder überhaupt unterstellmöglichkeiten verfügt. Bruce chatwin berichtet von keinen. Auch er war die ganze zeit unterwegs, zu fuß anscheinend und ohne gepäck, er schlief gern draußen, den kopf an einen stein gelehnt, und er begegnete ununterbrochen genau jenen leuten, über die er schrieb. Das alles würde ich gern vermeiden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Was borges angeht, habe ich zweifel, ob er je im kaffeehaus herumsaß, aber da ich gerade hier im café des centro cultural borges in buenos aires sitze, soll dies nicht weiter stören.  
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    <pubDate>Sat, 04 Sep 2010 10:41:00 +0200</pubDate>
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