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    <title>Alissa Walser - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}}</title>
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    <pubDate>Tue, 14 Sep 2010 15:38:37 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Alissa Walser - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}} - </title>
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    <title>Posadas − 15. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Zurück in Posadas. Die deutschen Damen erzählen das erste Mal von den Konflikten in den deutschen Kolonien. Es habe viele Hitleranhänger gegeben. Pro und Contra zerstritten im Gleichgewicht. Junge Männer, die sich von Argentinien aus freiwillig an die Fronten des Zweiten Weltkriegs meldeten. Sie erinnere sich, sagt W., an zwei Schulen in derselben Straße, einander direkt gegenüber. Eine für Hitler, die andere gegen Hitler.&lt;br /&gt;
Ihr Vater, ein Pro, habe sie unpolitisch erzogen. Ihr Mann habe später versucht, den Vater aufzuklären. Vergeblich. Er sei als Nationalsozialist gestorben. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 15 Aug 2010 22:45:00 +0200</pubDate>
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    <title>Rückfahrt nach Posadas über San Ignacio</title>
    <link>http://blog.goethe.de/rayuela/archives/82-Rueckfahrt-nach-Posadas-ueber-San-Ignacio.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Besuch der Jesuiten-Missionen. An der Bushaltestelle: völlig unbeachtet ein Tier auf dem Boden. Eine Art Motte, so groß wie ein Vogel, liegt auf dem Rücken. Der kalte Wind löst schon winzige federartige Teilchen aus ihrer Brust, während Beine und Fühler noch schwach zucken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jesuiten-Missionen: Im 16. Jahrhundert kommen die Jesuiten. Bauen nach und nach riesige Kirchen mitten in den Urwald. Lernen die Sprache der Guarani. Bauen Dörfer. Insgesamt über dreißig im Dreiländereck Brasilien-Paraguay-Argentinien. Immer selber Grundriss. Große Kirche, großer Platz, drumherum in Reihen: Wohnhäuser. Nehmen Indianervölker bei sich auf. Ein Geschäft: Missionierung für den Schutz vor Sklavenjägern. Manche Stämme (Familien) halten es nicht aus. Kehren zurück in die Wälder. Es funktioniert, bis die Spanische Krone die Jesuiten vertreibt. In späteren Kriegen werden die Jesuiten-Niederlassungen bis auf die Grundmauern zerstört.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im kleinen Museum vor Ort: Skulpturen. Tonbandaufnahmen der Musik, die die Guarani gespielt haben. Die Tonbandaufnahmen der Guarani-Musik funktionieren nicht.&lt;br /&gt;
Laufe zwischen den Ruinen umher. Roter, aufeinander geschichteter Stein. Vor dem Tor: Guarani, die ihre Produkte verkaufen. Und Kinder, die nach Dollars fragen. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 14 Aug 2010 19:28:00 +0200</pubDate>
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    <title>Paraná</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Bootsfahrt auf dem Paraná. Fünf Touristen plus Bootsführer und J. Das Haus direkt am Fluss: das ehemalige Haupthaus des Anwesens. Nicht weit davon die Kapelle der Familie. Wir fahren schnell, stromaufwärts. Links Paraguay – Rinder und Kiefern, rechts Argentinien – das Reservat. Steile Ufer. Zu viele Strudel. Kein zum Schwimmen verlockender Fluss. Wir fahren in einen Seitenarm. Zu einem Wasserfall. Etwa 30 m hoch. Wir bleiben eine Weile. Wie kommt der Plastikmüll in die Baumkronen und Büsche entlang des Ufers? Durch die Flut. Wenn es mal regne, schwelle der Fluss sofort an. Und bringe Müll mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besuch der „Nursery”. Mit dabei ein Professor aus C. und seine Frau.&lt;br /&gt;
E. führt uns. Das Vergnügliche an einem Spaziergang mit einem Professor: He’ll do all the talking. Man erfährt die Fakten. Präzise Fragestellungen. Und: Oh, you are a writer – so you are here because of the feel of this place.&lt;br /&gt;
„Das Schöne“, sagt E., „ist, dass hier einfach alles wächst. Fast all die tausend Baumarten Argentiniens kommen vor.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Baumschule werden Regenwaldbäume herangezogen. Die Besitzer sehen es als Aufgabe an, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Schönheit und Notwendigkeit der ursprünglichen Flora überhaupt erst zu schaffen. Die Einwanderer aus Europa haben den Regenwald abgeholzt, verbrannt, zerstört wo sie nur konnten. Sie brachten eigene Pflanzen mit und versuchten sie heimisch zu machen. Die Transportmaschine Mensch. Die Mehrwertmaschine. Wenn alles vom Mehrwert besetzt ist, beginnt die Maschine sich selbst zu fressen. 
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    <pubDate>Fri, 13 Aug 2010 16:40:00 +0200</pubDate>
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    <title>Guapoy</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Besuch des Guarani Dorfes Guapoy („Strangler Fig”). Etwa fünfundzwanzig Familien. Vor zirka dreißig Jahren von der Regierung umgesiedelt. Sie bekommen etwa 100 Hektar Land. Und seit Frau Kirchner angeblich auch Geld. Ein bisschen. Das Land ist zu klein für die Jagd. (Die Guarani sind die Einzigen, die noch jagen dürfen.) Sie stellen Fallen aus Holz und Lianen. Kein Metall, kein Plastik. Ein junger Guarani demonstriert wie gut sie funktionieren.&lt;br /&gt;
Viele Indianer haben Alkoholprobleme, erzählt E. Die Argentinier wollen mit ihnen nichts zu tun haben. Lachen über sie. Den Guarani fehlt es an allem. Immer mehr Junge verlassen das Dorf.&lt;br /&gt;
Die Guarani zählen einfach nicht. Weder hier noch dort.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gehe jetzt anders um mit den Mücken. Nicht mehr diese panische Körperabdeckung mit dem Repellent. Und: kein Stich. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 13 Aug 2010 13:42:00 +0200</pubDate>
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    <title>Wanderung durch den Atlantischen Regenwald mit E.</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Wanderung durch den Atlantischen Regenwald mit E. (und P &amp;amp; B). Um acht geht‘s los. Ein Pfad durchs einhüllende Grün. E. macht uns auf Vogelstimmen aufmerksam. Auf abgestorbenen Bambus. Er stirbt nach genau einunddreißig Jahren. Er höre den Red Manakin. Ein knallroter Vogel im Grün. Seine durchdringenden Töne. Er warte auf Artgenossen. Wir finden Spuren von Gürteltieren und kleineren Katzen (kleiner als ein Ozelot). Später sehen wir einen bräunlichen Vogel mit roten Augen und langem Federschwanz. Warum, hat er so lange Schwanzfedern, ist doch unpraktisch? Wer weiß! Mit dem Tonband lockt E. einen Blue Manakin an. Dort drüben wohne der Crested Hummingbird. Wir sehen Blätter. E. zeigt uns einen Baum aus der Familie Myrtacea. Wirft pausenlos seine Rinde ab. Und bleibt immer, auch in der tropischen Hitze, kühl. Noch eine Feigenart: Vögel fressen die Feigen und kacken die Samen auf anderen Bäumen aus. Die Samen auf den Bäumen keimen sofort. Wachsen nach oben und unten. Verwachsen mit dem anderen Baum. Das sei ein langsamer, sich über Jahrzehnte hinziehender Prozess.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach einem Tag Schauen und Sammeln (Jäger- &amp;amp; Sammlerin): einfach nur abschalten. Trinke ein Glas sehr guten argentinischen Rotwein. Die Masken an der Wand im Restaurant. Die mythischen Tiere. Maus, Ameisenbär, Eule, Nasenbär. Wie geschaffen um abzuschalten. Lauter Grinsegesichter, die von bös nach gut kippen und vice versa.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Mücken: kein Problem. Erst abends im Zimmer. Reibe mich mit „Off” ein. Schlafe in Rollkragen und Kapuze. Werde rabiat. Erschlage alles, was sich bewegt. Ganz wie die Europäischen Einwanderer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber, aber: Gäbe es nicht so viele Mücken, hätten die Vögel, die du so liebst, nichts zu essen. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 11 Aug 2010 21:20:00 +0200</pubDate>
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    <title>Cataratas von Iguazú − 10. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Fahrt zu den Cataratas von Iguazú. Heißer Tag. Hinter dem Eingang ein Bahnhöfchen. Von dort mit dem offenen Turizug („tren ecológico” - das Wort „ecológico” höre ich hier zum ersten Mal) zum Garganta del Diablo. Durch den Urwald. Man sieht kaum hinter die erste Baumreihe. Die Bäume überwuchert. Kletterpflanzen, Lianen, Epiphyten (Pflanzen, die auf anderen Pflanzen wachsen, ohne ihnen die Nährstoffe zu entziehen). Grüner Raum aus Blättern und Licht. Töne, die ich nie gehört habe (manche erinnern an elektronisches Spielzeug – oder umgekehrt?!). Von der Endstation weiter zu Fuß. Über Gitterroste auf Betonpfeilern, Teil der bunten, mit Kameras gerüsteten Turiwalze, die sich auf die Schmetterlinge stürzt. Zitronengelb, leuchtend blau, orange, violett, schwarz, durchsichtig. Der berühmte 88er neben mir auf dem Geländer zeigt mir seine Nummer. In der Ferne Dampf. Und plötzlich stehe ich vor dem Abgrund und von allen Seiten stürzt Wasser in die Tiefe. Wie ruhig es gerade noch war. Und jetzt diese Wucht stürzenden Wassers. Löst sich in Dampf auf, der nach oben steigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht weit von der Bahnstation eine Raststätte. Fastfood, Restaurant, Sammelplatz. Massenhaft Leute. Ein Tier auf dem Tisch. Sitzt auf einem Tablett. Eine ziemlich lange Nase durchwühlt Plastik und Papier nach Essensresten. Zerbeißt hastig die Plastikteile und spuckt sie aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schilder, auf denen steht, man solle die Nasenbären nicht füttern. Sonst fräßen sie keine Waldfrüchte mehr und verbreiteten die Samen nicht mehr durch ihren Kot. Und würden zunehmend aggressiv untereinander und den Touristen gegenüber. Also bitte: keine Empanadas, Sandwiches und Würstchen, keine Coca Cola an die Nasenbären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zum Fluss: Eine dicke Frau im weiten blauen Shirt. In der Hand eine Plastiktüte aus der sie den vor ihr auf den Hinterbeinen sitzenden Nasenbär füttert. Sie kann gar nicht so schnell werfen, wie der Nasenbär frisst. Je näher er rückt, desto mehr weicht sie zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ausgang sind Tische aufgebaut. Guarani bieten ihre Handarbeiten an. Kaufe ein paar geschnitzte Tiere. Nasenbär, Tukan, Gürteltier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Rückfahrt: der schönste Sonnenuntergang meines Lebens. Wintersonne bei Sommertemperaturen. 
    </content:encoded>

    <pubDate>Tue, 10 Aug 2010 23:38:00 +0200</pubDate>
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    <title>Puerto Bemberg – 9. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Busfahrt nach Puerto Libertad. Haltestelle steht nicht im Fahrplan. Um viertel nach fünf, heißt es, komme der Bus in Iguazú an. Davon solle ich etwa eine halbe Stunde abziehen.&lt;br /&gt;
Manchmal hält der Bus mitten auf der Strecke an um jemanden raus zulassen.&lt;br /&gt;
Ich sitze oben, vorn. Die rote Erde: immer leuchtender, je grüner es wird. Statt Urwald: Kiefernplantagen, kilometerlang. Bäume wie Soldaten. Und die Straße: schnurgerade über die Hügel. Bis zum Horizont. Ab vier hat die Sonne diesen Untergangs-Touch. Fluche, weil der Bus viel zu spät dran ist. Ich soll abgeholt werden und habe die Hotelnummer vergessen.&lt;br /&gt;
Von Puerto Libertad nach Puerto Bemberg sind es wenige Kilometer auf ungeteerter Straße. Ehemalige Mate-Plantage eines reichen deutschstämmigen Brauereibesitzers aus Buenos Aires. Jetzige Besitzer betreiben das Hotel und rückverwandeln die ca. 265 Hektar in Atlantischen Regenwald. Der vom Aussterben bedrohte.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
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    <pubDate>Mon, 09 Aug 2010 19:42:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 8. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Immer wenn ich gehe, sagt Frau R.: “Und kommen Sie mich doch besuchen. Ich bin doch sonst immer nur allein”. Aber immer wenn ich sie besuche, sitzt mindestens schon eine Person da. Ich bin also nicht die Einzige, die gern bei ihr ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Putzfrau ist da und putzt die Wohnung. Trage den Müll selber runter, um mein Gewissen zu entlasten. Lächerlich – mein Anteil an der Veränderung der Verhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E. wohnt in einem schönen Haus etwas außerhalb der Stadt. Zweite Reihe zum Fluss hin. Die Straßen des Viertels: in die rote Erde gebettete Basaltbrocken. Ihr Haus steht in einem großen Garten. Hohe Urwaldbäume darauf Orchideen, ein Avocado-, ein Mango- und ein Mandarinenbaum. Großer Pool und ein paar kleine Häuschen (Badehäuschen etc.). Im Hintergrund mehrere Autos. Mit denen wird gehandelt. Vor den Autos sitzen, an Bäumen angebunden zwei Hunde. Eine Dogo Argentino und ein Deutscher Schäferhund.&lt;br /&gt;
Wir sitzen draußen im Garten unter einem strohgedeckten Dach. Es ist warm. G. hat Mate mitgebracht. Die beiden treffen sich jede Woche zum Mate-Tee-Trinken. Heute beraten sie beeindruckend lebhaft, wie sie mir helfen können, Eindrücke vom Leben in Posadas zu gewinnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn die Argentinier über Alzheimer sprechen, sagen sie, „Der Deutsche lässt grüßen”, oder „Da gab es doch diesen Deutschen, wie hieß er noch?” 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 08 Aug 2010 22:28:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 7. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
    <content:encoded>
    Kaufe bei einem sehr netten, sehr hübschen Jungen eine Maniok-Wurzel. Er hackt sie mir in zwei Stücke und wickelt sie in Zeitungspapier ein. Zu Hause packe ich sie aus. Da klebt noch jede Menge dieser roten Erde dran. Die Wurzel selber ist ziemlich hart. Ich schneide sie in kleinere Stücke. Die Haut, ein ganz dünnes, braunes Häutchen, lässt sich fast abreiben. Bin versucht ein Stück roh zu probieren, lasse es lieber. Lege sie ins Wasser und koche sie bis sie weich ist. Gehe ins Netz und suche ein Rezept.&lt;br /&gt;
Finde die Warnung: Die Maniok-Wurzel enthält Blausäure. Man muss sie erst einweichen, dann auspressen, dann kochen.&lt;br /&gt;
Ich bin entsetzt. Probiere dennoch ein Stückchen. Schmeckt nach nicht viel. Lasse sie liegen. Wegwerfen kann ich sie später.&lt;br /&gt;
Frage E., sie sagt, völliger Blödsinn, was im Netz stehe. Gebraten, sagt sie, schmecken sie am besten. Recht hat sie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Schwägerin, erzählt D., wohne in Spanien. In Barcelona. Die sammle dort die besten Sachen von der Straße auf. Jeans, richtig gute Marken. Hemden von La Costa. Asen und Skulpturen. Eine Skulptur, die dann 500 Euro wert war. Sie habe sie besucht und einiges abbekommen: eine lammfellgefütterte Jeansjacke. Ein schwarz-in-schwarz besticktes, glänzendes Top, eine tolle Jeans für ihre Enkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich erzähle Frau R. vom Creutzfeld-Jakob-Syndrom und vom BSE-Skandal in Europa. Frau R. ist entrüstet. Das geht doch nicht, sagt sie, dass man den Kühen Knochenmehl füttert. Des isch doch widernatürlich.&lt;br /&gt;
An diesem Punkt, sage ich, habe ich aufgehört, Fleisch zu essen. Deshalb, sagt D., sähe ich so gut aus. Wer Pflanzen esse, habe einen frischen Teint, Fleischesser einen gräulichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor ein paar Tagen habe man zu den elf schwarzen Katzen auch noch eine kleine rote über die Mauer in den Garten geworfen. Und jeder, der jetzt in den Garten komme, finde die kleine rote Katze so süß. Zu den elf schwarzen sage keiner mehr etwas.  
    </content:encoded>

    <pubDate>Sat, 07 Aug 2010 19:47:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 6. August II</title>
    <link>http://blog.goethe.de/rayuela/archives/74-Posadas-6.-August-II.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Fahre mit S. zur La Placita. Eine alte, große Halle, voller kleiner Verkaufsstände. Waren aus Paraguay. Alles ist besonders billig. Elektronik, Textilien, Heilkräuter. Kaufe einen Rucksack. Bunt, wasserdicht und billig.&lt;br /&gt;
Damit werde ich noch weiter in den Norden fahren.&lt;br /&gt;
E. fährt mit mir, damit ich mir ein Ticket kaufen kann, zum Terminal de Autobús. Kaufe eines der Linie Horianski.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Esse mit E. in einem Restaurant an der Uferpromenade. Während der Fahrt erläutert sie die Spezialitäten. Ich bin Vegetarierin, sage ich und sehe, wie sie erschrickt. Um halb neun sind wir da. Das Lokal völlig leer. Ab 9 Uhr füllt es sich allmählich.&lt;br /&gt;
Das mit den Männern und den Frauen, sagt E., sei hier so. Damals, um 1800, gab es einen Krieg zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien. Die „Triple Allianz”. In diesem Krieg seien so viele Männer umgekommen, dass ein echter Frauen-Überschuss herrschte. Deshalb sei – damals! – von der Regierung erlaubt worden, dass jeder Mann zwei oder drei Frauen heiratete. Und sie habe den Eindruck, dass sich das gehalten habe. Sie kenne viele Paare, bei denen der Ehemann mit Wissen der Frau eine zweite Beziehung führe. &lt;br /&gt;
In Deutschland, sage ich, gebe es zunehmend Patchworkfamilien. &lt;br /&gt;
Sie lacht. Hier sage man das so: deine Kinder – meine Kinder – unsere Kinder. 
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    <pubDate>Fri, 06 Aug 2010 23:15:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 6. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Ein Morgenspaziergang zum Museum am Parque Paraguayo. Schönes altes Gebäude. Tür steht offen. Ausgestellt: die Übrigbleibsel der Guarani-Indianer. Tontöpfe mit Schädeln drin (sie bestatteten sie darin sitzend). Schmuck, Jagdutensilien, Ketten aus Tierzähnen. Ein paar Steine aus den Ruinen der Niederlassungen der Jesuiten in San Ignacio.&lt;br /&gt;
Neben dem Eingang eine kleine Bücher-Vitrine. Kaufe ein Buch von einem aus Deutschland Eingewanderten über die Guayakis. Die Guayakis seien die scheusten aller Indianer gewesen. Seien immer nur tiefer in die Wälder geflohen. Wollten nicht einmal sprechen mit den Weißen. Immer tiefer in den Atlantischen Regenwald hinein. &lt;br /&gt;
Die Guaranis wollten nichts zu tun haben mit den Guayakis. Die Guayakis nannten sich Aché, was soviel wie „wahrer Mensch” bedeutet. Die Guaranis aber nannten sie Guayaki. Das heißt in etwa „kleines Nagetier”. Die Guayakis wurden noch bis 1973 „gejagt”.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachmittags bei Frau R. zum Tee. Ich will Plätzchen mitbringen. Gehe in die Bäckerei Ecke Córdoba/Corrientes, zeige auf die süßen Teigteilchen und sage: „acht”, („ocho”), will heißen: acht Stück. Die Junge hinterm Tresen fängt an, eine Tüte zu füllen. Eine große Tüte süßer Blätterteigteilchen für acht Pesos. Auch gut.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Früher, erzählt Frau R. hatten wir zwei Rehe. Die seien im Garten herumgerannt. Damals gab es die Mauer noch nicht. Nur einen Zaun. Eines der Rehe sei über den Zaun nach draußen gesprungen. Sie hätten es überall gesucht. Alle Nachbarn gefragt. Ein paar Tage später sei sie spazieren gegangen in der Stadt. Eine weite Runde. Da sei sie an einem Haus vorbeigekommen. Da sah sie ihr Reh hängen. An die Wand genagelt das noch blutige Fell. Das andere brachten sie dann in den Zoo.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Mann, erzählt Frau R., habe eine Bibliothek gehabt. Möbel und Bücher seien damals mit dem Seilzug nach oben gehievt worden. Über die unfertige Terrasse. Dann sei das Dach dichtgemacht worden. Jetzt seien die Möbel immobil. Naja, nicht die Bücher. Sie lacht. 
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    <pubDate>Fri, 06 Aug 2010 18:02:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 5. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Treffe E., eine Tochter deutscher Einwanderer. Sie ist groß und blond und immer auf Achse für ihr Reiseunternehmen, für ihre Kinder.&lt;br /&gt;
Ihr Großvater habe damals ein Angebot bekommen aus Patagonien: eine Stelle als Verwalter auf einer Ranch. Er habe angenommen. Nur noch eine Frau gesucht. Dann habe er ein Bild von ihrer Großmutter gesehen, die in einem Mädchenpensionat lebte. Er wollte sie sofort heiraten. Er hielt um ihre Hand an und die Eltern waren einverstanden. Das Mädchen wollte gleich mit ihm mit. E.‘s Mutter ist also in Patagonien geboren. Später brachte die Großmutter sie nach Buenos Aires, als Au-Pair-Mädchen, damit sie ihr Deutsch übe. E.‘s Kinder sprechen kein Deutsch. Das, sagt sie bedauernd, habe sie versäumt ihnen beizubringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unten am Fluss steht noch das alte Hafengebäude – allerdings zur Hälfte unter Wasser. Der Wasserspiegel des Paranás ist in den letzten Jahren angestiegen, weil weiter oben am Fluss ein Staudamm gebaut wurde. Der Wasserspiegel soll weiter angehoben werden, damit der Staudamm angemessen genutzt werden kann. Das alte Hafengebäude soll geflutet werden. Viele haben durch den Staudamm ihre Häuser verloren.&lt;br /&gt;
Proteste, Entschädigungen, Proteste.&lt;br /&gt;
Inzwischen ist das ganze Gebiet am Ufer neu angelegt worden. Sauber und ordentlich. Nackt und kahl. Frisch gepflanzte Palmen. Eine Wiese, auf der noch mehr Bäume gepflanzt werden sollen. Unzählige kleine Restaurants und Bars.&lt;br /&gt;
Jogger, Spaziergänger, Studenten, die ihren Mate trinken.&lt;br /&gt;
Die Betreiberfirma des Staudamms hat die neue „Costanera“ bezahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von meiner Terrasse sehe ich den Dauerstau auf der Brücke über den Paraná nach Paraguay. Die Argentinier fahren hinüber, um billig einzukaufen. Eine Hose, die hier 100 Pesos kostet, gibt es in Paraguay für 30. Also fahren die Leute über die Grenze und kaufen drei Hosen für 90 Pesos.  
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    <pubDate>Thu, 05 Aug 2010 20:56:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 4. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Vor dem Städtischen Museum Posadas der tägliche kleine Kunsthandwerksmarkt. Einer der Handwerker erzählt, dass der Markt früher auf dem großen Platz vor der Kirche stattgefunden habe. Es seien auch Guarani-Indianer dagewesen. Dann die Umsetzung an diesen abgelegenen Ort, den man erst mal finden müsse. Den Guaranis habe man einen Laden in der Stadt zugewiesen. Und nur dort könne man jetzt noch ihre Produkte kaufen. Asuntos Guaraníes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt hier einen Baum namens Chapeau. Seine Blätter sind groß wie Elefantenohren. Er spendet Schatten. Überall aus seinem Stamm wachsen kleine feigenartige Früchte. Er sieht sehr fruchtbar aus oder wie von St. Exupéry gezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
G. erzählt, in dem kleinen Supermercado hänge ein Schild im Fenster: „Am Monatsanfang rennt ihr alle zum großen Supermarkt und kauft euer Fleisch dort. Aber dann kommt am Monatsende bitte nicht hierher, um bei uns Fleisch auf Pump zu kaufen.”  
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    <pubDate>Wed, 04 Aug 2010 22:29:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 3. August</title>
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    <pubDate>Tue, 03 Aug 2010 21:23:00 +0200</pubDate>
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    <title>Posadas − 3. August</title>
    <link>http://blog.goethe.de/rayuela/archives/69-Posadas-3.-August.html</link>
    
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    <author>nospam@example.com (Alissa Walser)</author>
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    Heizung gibt es nicht. Mache mir heißen Tee. Ziehe mehrere Pullover übereinander an. Der Fliesenboden ist eiskalt. Eisfüße, dann Eishände. Es bleibt eisig, bis die Sonne hochsteigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um 10 Uhr bei Frau R. Wir trinken Mate. Alle aus einem Becher. Durch ein silbernes Röhrchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frau R. gießt immer wieder heißes Wasser aus einem Kessel nach. Sie zeigt auf ein Bild an der Wand: ihr Elternhaus in El Dorado. Das habe ihr Vater gebaut. Eigentlich als Tabakscheune. Später zur Wohnung umgebaut. Das Dach, hunderte handgerissener Schindeln. Es sieht gemütlich aus. Mit Läden an den Fenstern. Und Hühnern im Hof. Und hier, sagt Frau R., diese Bananenstauden seien später durch Orangenbäume ersetzt worden. Es sei eine karge Zeit gewesen am Anfang.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber es gebe doch so viele Früchte, sage ich. Nein, sagt sie, das dauere alles zu lang. Ein Orangenbäumchen brauche drei bis vier Jahre. Schnell gingen nur Bananen. Und Maniokwurzeln habe es gegeben. Aber ihr seien Kartoffeln lieber. Und Bataten. Aber lieber Kartoffeln. Fleisch habe man einmal die Woche von einem vorbeifahrenden Händler gekauft. Hühner und Schweine habe man selbst geschlachtet. Das Fleisch geräuchert oder getrocknet. Und kein Wunder, dass die Mutter es nicht ausgehalten habe. Es habe so viele Insekten gegeben, die seien einem in Mund und Nase geflogen. Man habe dann breitkrempige Strohhüte getragen und feuchte weiße Tücher drüber gehängt, an denen seien die Insekten hängengeblieben. 
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    <pubDate>Tue, 03 Aug 2010 19:44:00 +0200</pubDate>
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