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    <title>Alan Pauls - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}}</title>
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    <pubDate>Tue, 05 Oct 2010 14:30:27 GMT</pubDate>

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        <title>RSS: Alan Pauls - Rayuela - {{!de}}Argentinisch-Deutsches Stadtschreiber-Projekt - Reisetagebuch {{--}} {{!es}}Proyecto argentino-alemán de escritores residentes - Documentando la vida diaria{{--}} - </title>
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    <title>26.9.</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
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    sonntagmorgen. fahrrad und &lt;i&gt;kilimanjaro&lt;/i&gt;, die neue scheibe von superpitcher. beim suchen nach  dem nollendorfplatz (zwischen den weltkriegen das mekka des schwulen berlin,  isherwoods paradies), der einfach nicht auftauchen will, finde ich den alten  st. matthäus-kirchhof, friedhof des bürgerlichen 19. jahrhunderts. ein schöner  ort (das erklärt, zum teil wenigstens, den text am eingang, in dem es wunderbar  zweideutig heißt: „the cementery soon enjoyed great popularity“.) es gibt  asphaltierte hauptwege, aber keine angelegten wege zwischen den gräbern. man  muss also über das gras gehen, das wie überall von sattem grün ist, dazu lang  und glatt wie das fell eines tiers aus einer anderen zeit, so gigantisch groß,  dass man es nicht mehr sieht. vereinzelt stehen holzbänke und stühle herum, die  nicht so aussehen, als seien sie „öffentlich“. eher als hätte ein  hinterbliebener sie mitgebracht, um ein weilchen bei seinem toten zu sitzen,  und sie dann dagelassen, um sich die mühe zu sparen, sie erneut anzuschleppen,  oder einfach vergessen. mit der zeit sind sie in den besitz der allgemeinheit  übergegangen, für alle da. (und wenn das gerade das geheimnis der stadt wäre?  es dahin gebracht zu haben, dass die zeit sich &lt;i&gt;gut verhält&lt;/i&gt;? dass sie nicht abnutzt, sondern veredelt und den  dingen und ihrem gebrauch größere reinheit verleiht, dass sie beispielsweise  vormals privaten besitz in allgemeingut überführt?) die brüderchen grimm sind  nebeneinander begraben, seite an seite. ganz in der nähe zwei avantgardistische  grabsteine, der eine mit einer an rodtschenko gemahnenden collage (und einem  brahms-zitat), der andere eine abstrakte skulptur aus holz mit rechteckigem  ausschnitt in der mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon wieder auf dem rückweg, mit einem morschen ast als  spazierstock (die friedhöfe verwandeln mich in eine art komödien-tiresias),  lausche ich dem text zum sagenhaften „black magic“, der spanisch ist. (ich habe  gehört, dass superpitcher einmal während einer tournee in buenos aires eine  affaire mit f. l. hatte; bestätigen konnte mir das keiner, aber ich kann  schwören, dass ich auf keine andere romanze der letzten zehn jahre so neidisch  war wie auf diese.) jemand haucht erotisch gestöhnte fetzen von latino-&lt;i&gt;pidgin&lt;/i&gt;: „magia negra/hechicera“.  „respira hondo / cachondo“. „te conocí en catemaco / en la isla de los changos  / te traje a colonia / a pasear en bicicleta“. und gegen ende das rezept für  einen zaubertrank, um das mädchen aus veracruz herüberzuschaffen: „siete pelos  de mico / escamas de trucha / una pizca de sales minerales / cuatro párpados de  hormiga / dos gotas de limón“. seitlich von mir vollzieht ein junger typ vor  einem grab eine art zeremoniell. ganz aufrecht steht er da, fährt ganz sanft  mit den händen durch die luft, wie in einer extrem verlangsamten tai-chi-übung.  ich schäme mich, ihm länger zuzuschauen. ein paar meter weiter bekomme ich  feuchte augen. obwohl r. es mir seinerzeit auf ihre hellsichtige, stets  liebevolle art vorgeworfen hatte, ist es das erste mal, dass es mich ernsthaft, &lt;i&gt;körperlich&lt;/i&gt; reut, meinen vater  eingeäschert zu haben: nicht die möglichkeit zu haben, ein eigenes ritual zu  erfinden, ein zwiegespräch mit dem, was von ihm geblieben wäre.&lt;br clear=&quot;all&quot; /&gt;&amp;#160;&lt;br /&gt;&lt;a  class=&quot;serendipity_image_link&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot;  rel=&#039;lightbox[lightbox_group_entry_157]&#039; href=&#039;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild1_Blog8.jpg&#039;&gt;&lt;!-- s9ymdb:227 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;83&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild1_Blog8.serendipityThumb.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&amp;#160;&lt;a  class=&quot;serendipity_image_link&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot;  rel=&#039;lightbox[lightbox_group_entry_157]&#039; href=&#039;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild2_Blog8.jpg&#039;&gt;&lt;!-- s9ymdb:228 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;83&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild2_Blog8.serendipityThumb.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&amp;#160;&lt;a  class=&quot;serendipity_image_link&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot;  rel=&#039;lightbox[lightbox_group_entry_157]&#039; href=&#039;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild3_Blog8.jpg&#039;&gt;&lt;!-- s9ymdb:229 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;83&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild3_Blog8.serendipityThumb.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br clear=&quot;all&quot; /&gt;&amp;#160;&lt;br /&gt;&lt;a  class=&quot;serendipity_image_link&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot;  rel=&#039;lightbox[lightbox_group_entry_157]&#039; href=&#039;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild4_Blog8.jpg&#039;&gt;&lt;!-- s9ymdb:230 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;83&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild4_Blog8.serendipityThumb.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&amp;#160;&lt;a  class=&quot;serendipity_image_link&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot;  rel=&#039;lightbox[lightbox_group_entry_157]&#039; href=&#039;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild5_Blog8.jpg&#039;&gt;&lt;!-- s9ymdb:231 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;110&quot; height=&quot;83&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild5_Blog8.serendipityThumb.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br clear=&quot;all&quot; /&gt;&amp;#160;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Sun, 26 Sep 2010 22:24:00 +0200</pubDate>
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    <title>24.09</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
    <content:encoded>
    kunst!&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:169 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild1_Blog7.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
mittagessen mit m. in der paris bar, einer &lt;I&gt;brasserie&lt;/I&gt;, die in der künstlerschickeria der achtziger und neunziger geglänzt hat (bilder an den wänden, porträts von yves saint-laurent und ben gazzara, ein schwarzweißfoto, auf dem sich ein junge, der aussieht wie jean-pierre léaud, von einem mädchen, das aussieht wie patty smith, einen blasen lässt), nach einigen steuerlichen problemen ins schlingern kam (m.: „sie konnten nicht erklären, wo der ganze wein abgeblieben war“) und bankrott ging. man sollte nur in großartige läden gehen, die zusammengebrochen sind und sich dann wieder erholt haben: sie sind immer leer, sie bewahren die ticks und die aura einstiger größe und sie bemühen sich, uns davon zu überzeugen, dass sie immer noch viel zu geben haben.&lt;br /&gt;
anschließend besuchen wir die helmut newton stiftung, eine ausstellung von n.s frau alice springs, fotografin berühmter leute und der welt der mode. mehr vom selben. im untergeschoss die sogenannte „private kollektion“ von h. n. genauso enttäuschend wie die öffentliche kollektion seiner frau. viele titelseiten. ich erfuhr, dass der arme n. durch sein eigenes auto umgekommen ist, noch nicht einmal gewaltsam. mit m. zweifeln wir: was, wenn der ausgestellte geländewagen die mordmaschine war? das museum eines echten farceurs. h. n. hätte argentinier sein können oder ein paparazzo mit dreistigkeit und glück oder – im besten fall – einer jener unwiderstehlichen hochstapler, deren geheimnis nur peter sellers zu kennen scheint. das beste kunstwerk der ausstellung: die serie von frauenperücken, die n. benutzte, um seine models herzurichten, morbide reliquien aus der photoshop-vorzeit: falsche brustwarzen, silikonbrüste, ein wirbel künstlichen schamhaars.&lt;br /&gt;
von dort zum hamburger bahnhof, um mir bruce naumann anzusehen. zweite enttäuschung des nachmittags. es sind ältere werke, fast alle kenne ich schon (die besten sind immer noch die videos, besonders das unglaubliche &lt;I&gt;clown torture&lt;/I&gt;), und die wenigen neuen – der pseudo richard serra, den er in kassel präsentiert hatte – sind schlechte scherze. einmal mehr ist das museum der star. es besteht aus einem alten gebäude und einem neuen anbau, der aus dem alten wie ein endlos langer, gigantisch großer gang herauswächst, der von außen aussieht wie ein schiffscontainer, in dem ein außerirdischer lindwurm wohnen könnte. seltsamerweise handelt es sich um ein &lt;I&gt;einbahn&lt;/I&gt;-museum, ein &lt;I&gt;one-way&lt;/I&gt;-museum, das man nur in einer richtung durchlaufen kann, wie ein pfeil, unumkehrbar, denn wenn man das ende erreicht hat, kann man nicht hinaus, sondern muss den ganzen weg wieder zurück, sich alles, was man schon gesehen hat, noch einmal ansehen (oder zu beiden seiten erahnen, während man den gut und gern zwei kilometer langen gang zurücklegt). das beste: der museumswächter, der sich allein wähnt und vor einem von paul mccarthy verkohlten michael jackson genüsslich die haare kämmt.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:170 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild2_Blog7.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;I&gt;im kaiser’s&lt;/I&gt; (wie der titel meines debüts als drehbuchautor für eine deutsche tv-sitcom lauten müsste). der wärmste tag im september. ich warte darauf, meine flasche prosecco, meine vier cola light und mein halbes pfund pfirsiche zu bezahlen. vor mir versucht ein etwa fünfzigjähriger obdachloser zwei kleine flaschen bier zu bezahlen. mütze, schal, lederjacke, schwarze jogginghose, schuh-pantoffeln (mit runtergetretenen fersen). zeit vergeht. er beklagt sich laut: „ich komme oft her, und immer behandelt man mich wie einen fremden.“ er hat dem kassierer alle seine münzen hingeschüttet. er redet weiter vor sich hin, dreht sich aber irgendwann etwas in meine richtung, und ich fühle mich angesprochen. was er gesagt hat, verstehe ich nicht und frage – das hohe bildungsniveau eines durchschnittlichen berliner obdachlosen voraussetzend – auf englisch, dicht an seinem ohr: „wie viel brauchen sie?“ der typ beginnt zu lachen und antwortet auf englisch: „bitte sehr, war nur ein witz!“ er fragt, woher ich komme, während er so tut, als suche er in seinem portemonnaie nach dem geld, von dem er weiß, dass er es nicht hat – obwohl einige bankkarten zum vorschein kommen. „ich hoffe, sie haben es nicht eilig“, sagt er und startet eine langsamere und peniblere suche. er schiebt die hand in die tasche seiner lederjacke und macht dabei ein geräusch, als griffe er in lauter plastiktüten. „früher oder später werde ich fündig werden...“, sagt er. zu viel zeit vergeht. ich frage ins leere: „wie viel fehlt?“ „fünfzig cent“, sagt der kassierer. ich lege eine 50-cent-münze aufs band. der obdachlose erzählt mir, er lebe hier im viertel, er treibe sich ständig hier rum, jeder kenne ihn. und wenn wir uns das nächste mal träfen, würde er bezahlen. „im ernst“, sagt er, „denken sie daran.“ ich sage, ich würde ihn beim wort nehmen. er packt seine bierflaschen, droht damit zu gehen, bleibt stehen und sieht mich wieder an: „ich würde mit ihnen weggehen“, sagt er, „aber... ich bin pleite!“ als er geht, frage ich den kassierer, ob er ihn kenne. „ich sehe ihn zum ersten mal in meinem leben“, sagt er. „er führt sich auf, als sei er die große nummer hier im viertel.“ „dann wird es wohl so sein“, sagt der kassierer. es macht 10 euro 50. ich bezahle mit einem zwanziger. „haben sie keine fünfzig cent?“, fragt der kassierer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
coda: als ich aus dem kaiser’s komme, hat sich der obdachlose die biere unter den arm geklemmt und feilscht mit der besitzerin eines second-hand-ladens an der ecke um den preis einer lederweste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;I&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/I&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 24 Sep 2010 21:02:00 +0200</pubDate>
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    <title>22.09</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
    <content:encoded>
    wir sagen „helle augen“ genauso gedankenlos, genauso überheblich, genauso faul, genauso rassistisch, wie wir von chinesen oder schwarzen sprechen. unglaublich, wie viele abstufungen von hellen augen man hier sieht: hellblau, graublau, grüngrau, grün, blaugrün, türkis, aquamarin, violett. es gibt augen wie wasser, leuchtendes wasser, augen wie winzige, yves-klein-blaue gluten, smaragd-augen, augen, die wie funken sprühen und manchmal das einzige sind, was am grund eines ausdruckslosen, starren, gleichsam mumifizierten gesichts noch lebendig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auf einmal ist die einzige farbkombination, die ich sehe, hellblau (die iris) und schwarz (die pupille).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;feldsalat&lt;/i&gt;. wie berlin, arm aber sexy.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:165 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild1_Blog6.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
die wunderbare erleichterung, an öffentlichen orten fast keine musik zu hören, die einzige echte &lt;i&gt;ornamental hell&lt;/i&gt; (adolf loos) der epoche. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es ist insgesamt sehr ruhig, die lautesten geräusche aber hört man ganz früh morgens. heute, am donnerstag, weckt mich ein angestellter von dieter fuhrmann, der mit ungestrafter jovialität ein wägelchen voller flaschen den bürgersteig die fasanenstraße entlang schiebt, auf der östlichen, der holprigeren seite, das er dann mit einer hebebühne in einen hübschen df-lastwagen hievt – weiß, auf einer Seite mit zwei aufgemalten roten kirschen – und schließlich seine ladung – hunderte verschreckter glasflaschen – in eine gefräßige maschine entlädt, die zwar das recycling-problem gelöst hat, aber noch nicht das der lärmentwicklung. alles geschieht zwischen sieben und sieben Uhr fünfundvierzig. um sieben uhr zweiundfünfzig bin ich auf den beinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
meine „deutschheiten“: sandalen mit strümpfen tragen, die manie, sandwichs zu halbieren und die vorliebe für etwas, das man in buenos aires „pan de westfalia“ nennt und das mich die angestellten dortiger supermärkte mit einer mischung aus staunen und bewunderung aus dem regal nehmen sehen, als sähen sie einen lasterhaften, der öffentlich ein undurchsichtiges sexspielzeug kauft. ich hatte angenommen, hier in berlin sei der lasterhafte glücklich – ein sex-tourist mehr, sozusagen –, teile seine lasterhaftigkeit mit einer heimlichen menge erfahrener kollegen. mitnichten: seit meiner ankunft habe ich niemanden die regale plündern sehen, in denen sich diese wunder des postbackwesens reproduzieren. die perversen angebote häufen sich, aber immer noch bin ich der einzige perverse.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:166 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild2_Blog6.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
das &lt;i&gt;bauhaus-archiv&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
man sagt mir, ich dürfe aus copyright-gründen keine fotos schießen. hat ihnen keiner gesagt, dass diese stühle in den möbelläden an der avenida belgrano frei verkäuflich sind?&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:167 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild3_Blog6.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
„wir schreiben alles in kleinschrift, um zeit zu sparen“ (herbert bayer). jetzt weiß ich, wer brecht auf die typographische Idee für sein &lt;i&gt;arbeitstagebuch&lt;/i&gt; gebracht hat und woher ich sie habe, während ich glaubte, ich würde sie bei brecht stehlen.&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:168 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild4_Blog6.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
der xul solar des bauhauses: johannes itten, zuständig für den propädeutik-kurs der schule. die pädagogische basis für die gesamte lehre. ein außerirdischer mit rasiertem schädel, runder brille und seherblick. &lt;i&gt;are you from the future&lt;/i&gt;?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 22 Sep 2010 22:51:00 +0200</pubDate>
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    <title>20.09</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
    <content:encoded>
    wo ist die gereiztheit?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
samstagmittags im kaiser’s, gähnende leere zwischen den regalen. ich trödele zu lange mit dem verpacken meiner einkäufe in die plastiktüten – letztere sind aus dem supermarkt und ich bringe sie jedes mal mit. beim ersten mal musste ich sie bezahlen und schwor mir, das nie wieder zu tun: es gibt nichts unwürdigereres, als für eine plastiktüte zu bezahlen – und die kassiererin fragt den kunden hinter mir, einen sehr weißen deutschen mit weißem bart und schirmmütze, ob das, was noch auf dem band liegt, von ihm sei. (es gehört mir, eine melone.) der typ grunzt, knallt einen dieser trennklötze, die unsere einkäufe portionieren, links neben die melone, und deutet mit dem kinn auf mich, kaut seinen ärger, lässt schweinsäuglein mit krimineller geschwindigkeit zu mir herüberspitzen. mir ist nicht klar, was genau passiert ist. mir ist bloß bewusst, dass ich den ablauf des geschehens irgendwie durcheinander gebracht habe und dass das nicht nur nicht gut ist, sondern bei den beteiligten unerwartete reaktionen hervorrufen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nachrichten aus der welt der tiere.&lt;br /&gt;
in der lietzenburgerstraße reißt sich ein sibirischer husky los, überquert eigenmächtig die fahrbahn, den blick fest auf einen belgischen schäferhund geheftet, den seine besitzerin, eine anorektisch gefärdete, sehr kontrolliert wirkende grace kelly an der leine zu halten versucht. die besitzerin des huskys läuft ihrem hund laut rufend hinterher. grace k. hält sich wacker, das lächeln gefriert, verkrampft zusehends und lässt ihre Kiefer flattern. die beiden tiere kommen zusammen, die besitzerinnen zu spät. die situation droht zu eskalieren: das ist jetzt eine sache unter hunden. (ich denke an einen deutschen science-fiction-roman: es herrscht klassenkampf, jedoch unter tieren, und die menschen geraten zwischen die fronten, in ein kreuzfeuer aus gebell, instinkten, geifer und grausamkeit.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vergangene woche beim essen mit s. und c. in einer bar in charlottenburg. ein typ geht sehr grob gegen sein hündchen vor. offenbar hat sich das tier schlecht benommen. er zerrt es an der leine, obwohl das tier in seiner zerknirschung nicht den geringsten widerstand leistet. herrchen muss zeigen, dass es wütend ist, um die forderungspunkte eines sozialen comments zu erfüllen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im gleichen zeitraum: eines nachmittags am s-bahnhof savignyplatz, zurück aus hamburg. ein alter zottiger hund und sein besitzer, ein junger mann in leichtem hippie-look. schon nach ein paar schritten wirft der hund seinem herrchen einen flehenden blick zu, als wollte er ihm etwas kundtun. das herrchen, ihm abgewandt, bekommt davon nichts mit. der hund macht ein gesicht, als hätte er sein möglichstes getan, und streckt sich bedächtig auf dem bahnsteig aus. es reicht, dass sein herrchen den leichten widerstand am anderen ende der leine spürt, um zu wissen, dass etwas geschehen ist. er hält inne, dreht sich um, sieht den hingestreckten hund und beginnt, in langsamen kreisen um ihn herumzugehen, als sei das ein seltsames ritual. von zeit zu zeit zieht er leicht an der leine, um das tier reagieren zu sehen. er wiederholt das drei-, vier-, fünfmal, im zentrum des kreises der hund, seelenruhig, wie ein gewerkschaftsvertreter, der seine verbrieften rechte wahrnimmt. Bis die s-bahn einfährt und der hund sich wundersamerweise genauso langsam erhebt, wie er sich vorhin ausgestreckt hatte; sein herrchen führt ihn an der leine, und gemeinsam steigen sie in den waggon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in kreuzberg am ausgang eines kaiser’s. fünf personen stehen um einen angeleinten hund herum, der jaulend auf sein herrchen wartet und sich wälzend seiner fessel zu entledigen sucht.&lt;br /&gt;
mir ist nicht ganz klar, was sie tun, tun werden: den hund befreien? sein herrchen verprügeln? ihn anzeigen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hunde in der s-bahn. hunde in den galerien, den lobbies von hotels, den warteschlangen in banken. ich weiß noch, wie es mich beeindruckt hat, dass meine deutsche großmutter nicht bereit war, irgendwohin zu gehen ohne ihre hunde. im alter von über sechzig sorgte sie sich nicht um kabinendruck, jet lag oder zwölfstündige flugzeit, sondern darum, wie es ihren im laderaum eingesperrten lieblingen erging.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:164 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/AlanPauls_zuBlog5.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
wie sehr ich sie in dem alten hulk erkenne, der mich anbrüllt, mit dem rad vom bürgersteig zu verschwinden. auch meine großmutter war der gipfel der wohlanständigkeit. sie vertrat das prinzip, wonach wahres wohlverhalten keiner verbote und durchsetzenden gewalt bedarf. selbst aber wäre sie bereit gewesen, zu töten, wenn jemand aus der Reihe tanzte, die ungeschriebenen Gesetze ausnutzte, um etwas &lt;i&gt;anderes&lt;/i&gt; zu tun. immer scheint es diese annahme zu sein, die solche wutanfälle erklärt: nicht dass ein irrtum, eine verwechslung oder ein missverständnis vorliegt, sondern dass jemand sich über einen stillschweigenden Pakt hinwegsetzt, wonach alle einen gewissen Verzicht zu leisten haben. und so kommen sich bei solchen zwischenfällen wohlverhalten und verbrechen näher als jemals sonst. &lt;br /&gt;
zwei grundhaltungen: ausbruch und chronifizierung. besonders stabile lebensweisen grenzen in gewisser hinsicht an die katastrophe. jede zufälligkeit kann anlass für ein desaster sein und der rückkehr zu brutalster irrationalität den weg bahnen. instabile lebensweisen, wo es permanent kriselt, sind schwieriger lebbar, aber paradoxerweise in dem sinne „weiser“, als sie den zufall wie eine chronische krankheit integrieren – nicht wie eine äußere gewalt behandeln – und insgesamt belastbarer sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Mon, 20 Sep 2010 23:31:00 +0200</pubDate>
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    <title>17.09.</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
    <content:encoded>
    ich träume von meiner alten continental-schreibmaschine, ein erbstück meiner deutschen großmutter, auf der ich mein erstes buch geschrieben habe und die ich zurückbekam, als mein vater starb. sie stand voll funktionsfähig in ihrer schutzhülle in einem schrank. wie in einer großaufnahme von hitchcock stürzt sich der traum auf eine einzelne taste: das ü. ich träume vom deutschen vergnügen, mit einer einzigen taste ein ü tippen zu können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im bücherbogen, der kunstbuchhandlung am savignyplatz, die ich eines nachmittags betrete, beflügelt von der annahme, dass die zeitgenössische kunst international ist und es ergo bücher in anderen sprachen geben muss. (eine annahme, für die zumindest in berlin eigentlich nichts spricht: die einzigen englischsprachigen zeitschriften, die es in den bahnhofsbuchhandlungen gibt, sind solche für musik und computer, nicht für kunst.) ich laufe durch die drei großen räume, die regelmäßig unter der vorbeifahrenden s-bahn erzittern, und durchforste mit fast aberwitziger Gewissenhaftigkeit sämtliche regale. es gibt das eine oder andere auf englisch, sehr wenig auf französisch, fast nichts auf spanisch oder italienisch. aber ich verbringe zweieinhalb stunden in der buchhandlung. irgendwann bin ich der letzte kunde im laden. man will schließen und wartet nur noch auf mich. ich stelle mir vor, was für ein seltsames bild von einem leser ich von außen betrachtet abgeben muss: eine art jiepernder gourmet, megaskrupulös und megabehindert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im haus der kulturen der welt ein eigenartiges deutsch-ivorisches festival namens &lt;i&gt;rue princesse&lt;/i&gt;. ich lerne die &lt;i&gt;chicks on speed&lt;/i&gt; kennen: s. zufolge das deutsche pendant zu den argentinischen &lt;i&gt;bay biscuit&lt;/i&gt;. auf punk-pop, perfomance und feminismus eingeschwenkte ehemalige kunststudentinnen. ein teil der show besteht aus einer diskussion zwischen ihnen und einem musiker von der elfenbeinküste, der sie fragt, warum sie akzeptieren, dass man sie in ihren videos nackt sieht. sein argument – das erfolglos ein moralisches unbehagen zu kaschieren sucht – lautet ungefähr folgendermaßen: ein weiblicher akt macht jede mögliche bedeutung zunichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mir gefällt vor allem das mollige &lt;i&gt;chick&lt;/i&gt; – die mit dem blond gefärbten pony, dem pferdeschwanz, dem mürrischen gesicht. „warum war ich nicht schön, ich hatte doch sonst alles?“ tatsächlich ist sie es, die mit einer zigarette im mundwinkel am getränkestand bedient, den ich nachher mit st. aufsuche und der teil der show ist. auf tafeln werden &lt;i&gt;wodka-shots&lt;/i&gt; angeboten. wir bestellen zwei. ohne uns aus dem auge zu lassen, greift die frau unter den tisch, zieht eine wasserpistole hervor und schießt jedem aus nächster nähe einen strahl in den mund. wodka oder nicht, der coup ist gelungen. dann fragt uns die frau, ob wir interesse an etwas richtig afrikanischem hätten. und zeigt vage auf drei plastiktütchen undefinierbaren inhalts. unter den angebotenen varianten (es gibt etwa fünf), entscheiden wir uns für die, die „sinnliches wohlbefinden, expansion, steigerung sexueller aktivität“ verheißt. die droge folgt einem genauen protokoll: man muss sich einen finger in den mund schieben, ihn in das pulver in dem tütchen tauchen (eine art  leicht feuchten mehls) und dann wieder in den mund stecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich sehe online die letzten beiden folgen von&lt;i&gt; mad men&lt;/i&gt;. großartig der moment, wo dons zehnjährige tochter sally vor dem fernseher sitzt, dabei von einer szene (mir ist nicht ganz klar ob sie aus &lt;i&gt;solo für o.n.c.e.l.&lt;/i&gt; stammt oder nicht, in der david mccallum rücken an rücken mit einem anderen typen zusammengebunden ist und sich &lt;i&gt;aus sicht der kleinen&lt;/i&gt; prompt in ein sadomasochistisches pop-fossil verwandelt) sexuell erregt wird und im halbdunkel des wohnzimmers im haus einer neben ihr auf dem sofa schlafenden freundin masturbiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
beim radfahren mit st. frage ich ihn irgendwann, in welchem gang er ist, und er lacht spöttisch. „argentinier! dasselbe fragt mich l. auch immer: ‚in welchem gang fährst du?’ es ist wie beim auto! die gänge hängen von der geschwindigkeit ab, mit der du unterwegs bist, ob du eine steigung hoch oder runter fährst, usw.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fahrrad-kultur. ich erkläre ihm, dass ich keine habe. in argentinien war das fahrrad für leute meiner generation ein mittel kindlicher und jugendlicher fortbewegung, das für immer in der ecke landete, sobald man auto fahren gelernt hatte. eine primitive phase (wie vorher dreirad fahren oder krabbeln), welche die evolution, wenn sie korrekt verlief, hinter sich lassen musste. nur einige überzeugte anhänger der umweltbewegung, die das rad zu ihrer kulturpolitischen gallionsfigur machten, durchkreuzten den linearen evolutionsverlauf und kehrten als erwachsene zum rad zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
keine frage: berlin ist die ideale stadt zum rad fahren. der radfahrer ist hier ein unangefochtener held, unangreifbar: er ist abgasfrei, gesund, sympathisch, energiesparend, souverän... er hat sogar das recht, fußgänger umzunieten, die ihm den radweg streitig machen. er reißt sich natürlich zusammen, betätigt seine putzige hupe und lässt oft wie eine moralische standpauke die fragliche verhaltensmaßregel auf den zerknirschten gesetzesübertreter niedersausen, die dieser missachtet hat, zieht seiner wege und verschwindet in der ferne wie im western die cowboys.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
aber ich sehe auch schon fußgänger, die mürrisch schnaubend vor radwegen halt machen und die heranrauschenden radfahrer voller groll anstarren, in gedanken offenbar bei dem nicht allzu fernen moment, wo sie ihrer tyrannei ein ende setzen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im watergate stempelt man mir am eingang den handrücken; in der bar 25 das handgelenk auf der innenseite. müsste man hier angesichts gewisser historischer ereignisse nicht ein anderes system erfinden, um zu kennzeichnen, dass du &lt;i&gt;drin&lt;/i&gt; bist?&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:124 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/AlanPauls_Blog4.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 17 Sep 2010 19:03:00 +0200</pubDate>
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    <title>15.9.</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
    <content:encoded>
    ich gondele mit dem rad in der umgebung des amtssitzes von angela merkel herum, zwanzig meter vom haus der kulturen der welt entfernt. fahre hierhin und dorthin, halte an, schieße fotos. kein einziger polizist in sicht. viele kameras, gut, aber nichts verglichen mit denen, die legionen von touristen auf das gebäude richten, die zehn meter entfernt auf einem ausflugsdampfer die spree entlangschippern. mit etwas mühe entdecke ich zwei wachschutzleute auf einem balkon, die lachen und rauchen, als wären sie im urlaub.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am nachmittag desselben tages gehe ich ins kadewe, fahre hoch in den sechsten stock – abteilung lebensmittel und getränke, prachtvoll und glitzernd wie ein juweliergeschäft –, und als ich die enzyklopädische pasta-phalanx filme – jene art simplen, volksnahen, unzerstörbaren reichtums, für den ich eine echte schwäche habe, obwohl man die spaghetti-packungen nicht als das aufgereiht hat, was sie sind, goldbarren, sondern wie bücher im regal –, tritt mir eine angestellte entgegen und hält mir die hand vor die kamera: „filmen nur mit drehgenehmigung“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nachts, auf dem rückweg ins literaturhaus. ich fahre mit dem rad auf dem bürgersteig der kleiststraße – einem breiten und um diese zeit fast menschenleeren bürgersteig –, und eine alte frau, die mir entgegenkommt, fährt aus ihrer vegetativen versunkenheit hoch und brüllt, außer sich, ich solle mit dem rad runter auf die straße, wie ein winziger, dem altenheim entsprungener hulk.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es gibt gigantische freiflächen an den zentralsten stellen der stadt, ganze komplexe urbanen gewebes, die verschwunden sind und an deren stelle neues zu setzen niemand gewillt scheint. kein fieberhaftes über den haufen werfen. kein wunsch, etwas zuzudecken oder zu vertuschen. eine gewisse konstatierende rohheit – &lt;i&gt;so ist es&lt;/i&gt; –, ungeschützt, an der der zahn der zeit nagen wird, ohne ihr form zu verleihen oder sie zu ästhetisieren; er wird sie höchstens liebenswert machen: zivilisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zu den dingen, die mir am meisten gefallen und die dem von bürgermeister wowereit geprägten slogan &lt;i&gt;arm aber sexy&lt;/i&gt;, glaube ich, am meisten ehre machen, gehört die beleuchtung der stadt. sie ist spärlich, moderat, gedämpft – sogar an besonders spektakulären oder symbolträchtigen orten. als würde man sie rationieren. viertel wie kreuzberg haben anscheinend eine straßenbeleuchtung wie vor dreißig jahren. deprimierend? im gegenteil: die straße entlangzugehen, ist ein verstohlenes unterfangen: schatten, geflüster, das geräusch eines plötzlich heranrauschenden fahrrads, das aufflammen eines feuerzeugs. alles hat die erstickte exaltiertheit des klandestinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
mit s. und c. im watergate, einem club für elektronische musik am spreeufer, der etwas neues versuchen will und einer veranstaltung der &lt;i&gt;klassik lounge&lt;/i&gt; des rbb-kulturradios raum gibt: ein konzert mit renaissance-musik, aufgeführt von einem vokalquintett aus leipzig. („die waren alle früher im leipziger thomanerchor“, erklärt c. später, und haben in der kirche gesungen, in der schon bach gespielt hat.) musik des 16. jahrhunderts: gastoldi, donato, arcadelt, des préz, banchieri, willaert. viele leute stehen schlange vor der tür von etwas, das große ähnlichkeit mit einer spelunke hat. der raum drinnen ist genial; zwei riesige fensterfronten mit blick auf den fluss und das gegenüberliegende ufer, an dem die letzte abendsonne klebt und den tanz der ersten künstlichen lichter eröffnet, die an einer wand riesiger gebäude knospen. innerhalb von zwanzig minuten ist der raum voll. ältere damen, fünfzigjährige, jugendliche, coole junge leute. die &lt;i&gt;bar tenders&lt;/i&gt; kommen nicht nach. die gleiche gestresste dynamik wie bei einer wilden house party, bloß mit weißweingläsern, saft, bionade, mineralwasser. das quintett trägt schwarz. abwechselnd erklären die mitglieder das jeweils nächste gesangsstück. sie sind amüsant, hart an der grenze zum „musik-kabarett”. der kontextuelle sprung (klassische musik in techno-umgebung) wird pädagogisch überspielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum essen führen sie mich ins &lt;i&gt;ming dinasty&lt;/i&gt; – ein schickes, sehr verwestlichtes chinarestaurant am ufer des flusses, einen katzensprung von der chinesischen botschaft entfernt. auf jedem tisch steht eine rose, und in jeder rose, heißt es, steckt ein mikrophon, das alles mithört. jedes mal, wenn wir ein heikles thema anschneiden, nähern wir uns beim reden der rose. phantastisches essen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
graffiti-paradies. anfängliche sympathie. später abflauend – vor allem nach ein paar stunden im prenzlauer berg und nach einem besuch im großen bunker der berliner alternativszene, tacheles, einem von künstlern besetzten, seit jahren von der räumung bedrohten gebäude ohne einen einzigen quadratzentimeter freier wand. die graffiteure sind so fanatisch, dass sie bei der ersten feuchtigkeit die beschlagenen scheiben im obergeschoss der doppeldeckerbusse &lt;i&gt;taggen&lt;/i&gt;.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;img class=&quot;serendipity_image_center&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/AlanPauls_Blog3.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
wasserhähne haben keine drehgriffe mehr. was es stattdessen gibt – ein einzelner, nach rechts (kalt) oder links (warm) schwenkender hebel –, scheint immer wie mit übereinandergeschlagenen beinen auf dem hahn zu thronen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der die sprache nicht spricht, ist nicht stumm, sondern taub. gedacht, nachdem ich nachts ins zimmer zurückkehrte, die im garten rauchenden köche grüßte, dann dem schloss mit dem schlüssel zu leibe rückte – ich war nicht betrunken: auch hier gibt es wenig licht –, und nach sekundenlangem kampf merkte, dass der klang, der durch die luft flog und auf den ich aus taubheit nicht achtete, ein signal war, eine mir zugedachte großzügigkeit. &lt;i&gt;offen&lt;/i&gt;, wiederholte einer der köche und zeigte mir, dass die tür, die ich aufschließen wollte, gar nicht verschlossen war. beschämt (nicht wegen meiner schussligkeit: sondern weil ich nicht gleich zu empfangen vermocht hatte, was man mir gab), drehe ich mich kurz um, danke und flüchte die treppe hinauf, umweht von den resten einer in der küche verdunstenden brokkoli-wolke.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
insularität des fremden. der die sprache nicht spricht, ist ein spion, ein schmuggler. sein leben entbehrt nicht der spannung. in welchem moment muss er unweigerlich gestehen, wer er ist? wann verraten, dass er die sprache nicht spricht?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/i&gt;&lt;!-- s9ymdb:116 --&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Wed, 15 Sep 2010 19:01:00 +0200</pubDate>
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    <title>10.9.</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
    <content:encoded>
    ich wohne im literaturhaus, aber mit der zeit gewöhne ich mich daran, den dienstboteneingang zu benutzen, der durch die küche des hauseigenen restaurants führt. wenn ich komme oder gehe, muss ich jedesmal ausweichen, um den kellnern mit tellern oder den küchenhilfen mit gemüsekörben nicht ins gehege zu kommen. ich empfinde ein leichtes schuldgefühl, als wäre ich hier der einzige in zivil, der einzige, der nicht arbeitet, der kommt und geht, wann es ihm passt. aber immer wenn ich – mittlerweile fast nur noch aus versehen – den luxuriösen haupteingang benutze und das hundertjährige parkett zum knarzen bringe und die rotbeläuferten stufen hinaufsteige, fühle ich mich fehl am platz, wie ein eindringling, ein fremdling. der „platz“ des schriftstellers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
s. leiht mir ein handy, das gleiche nokia für &lt;em&gt;dummies&lt;/em&gt;, das zu benutzen ich – jahrelange sture handyverweigerung über bord werfend – vor wenigen wochen in buenos aires eingewilligt hatte. ich kaufe eine sim-karte (€ 19,90), warte ein paar stunden auf ihre aktivierung, kämpfe mit deutschen sätzen (nicht auszumachen, ob sie mich willkommen heißen oder abweisen). als schließlich alles in ordnung zu sein scheint und ich einen ersten anrufversuch starten will, lande ich im telefonspeicher von s. und entdecke den namen meines vaters: &lt;em&gt;axel&lt;/em&gt;. bevor ich etwas denke, denkt es in mir abgründige gedanken: warum hat s. die nummer meines toten vaters und ich nicht? ich wähle, ein anrufbeantworter meldet sich, ich hinterlasse keine nachricht. mein vater soll sich wegen mir keine sorgen machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in allen supermärkten gibt es packungsgrößen für singles (anti-packungen sozusagen): eine einzelportion räucherlachs (zwei scheiben, € 3), ein mozzarella (€ 1,50). für eine person und eine mahlzeit. (alleinstehende leben von tag zu tag. zusammen zu leben dagegen verlangt planung im voraus. lebenszeitlich angepasste essgewohnheiten, je nachdem, ob man allein lebt oder nicht.) erst stimmt es mich froh. ein feines zeichen von zivilisiertheit. dann deprimiert es mich etwas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dienstag. konzert der &lt;em&gt;not applicable artists&lt;/em&gt; im finnland-zentrum in kreuzberg (€ 5). der klarinettist der gruppe ist zugleich der koch der suppe, die zusammen mit großen stücken brot in den pausen gratis verteilt wird. das alles findet im ersten stock statt, in einer vier mal acht meter großen wohnung. man fährt in einem aufzug mit schiebetür nach oben und landet direkt im veranstaltungsraum. flügel, schlagwerk, trommeln. zur musik, improvisierter musik, werden videos projiziert. alles nicht zur musik gehörige, ihr äußerliche, zufällige ist hörbarer und sagt mehr als die musik selbst: das knarren des klavierhockers, das einfallende licht, wenn der aufzug sich öffnet und neue besucher ausspuckt, die köpfe des publikums, die sich vor den lichtkegel des projektors schieben. alles ist „kontext“. der beste moment: eine pianistin spielt eine repetitive, dichte, notenreiche komposition, eine art stürmischer, romantischer philip glass, und beim spielen verrückt sie den hocker und sortiert sich vor dem abschnitt der klaviatur, dem sie sich in den nächsten minuten zu widmen gedenkt (was weniger an einen musiker als an einen klavierstimmer erinnert). derweil wirft b. waldbilder an die wand. zusätzlich zu dem eindruck, dass es einen „text“ gibt, wird ein piktorales &lt;em&gt;pathos&lt;/em&gt; erzeugt, so etwas wie ein experimenteller turner. erleichterung, dass es inmitten von so viel kontextueller veranstaltung einen text gibt. beim gehen denke ich, dass die musik es von allen künsten heute am schwersten hat, konzentration, zugewandte und ungeteilte aufmerksamkeit zu wecken, und dass sie – wie das bild – immer mehr zu einer atmosphärischen qualität wird. anschließend essen wir bei einem mexikaner. ich bestelle papardelle (€ 9). um zwei uhr morgens fahre ich mit dem rad zurück, das mir s. geliehen hat, durchquere in unbeschreiblich euphorischer stimmung die stadt. liebend gern würde ich mich verirren, aber es gelingt mir nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der die sprache nicht spricht, kann nicht anders, als sich über die sprache, die er nicht spricht, gedanken zu machen. zum beispiel irritiert ihn etwas, das er als eine gewisse koketterie registriert. warum muss man im deutschen so lange auf das verb warten?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seit er an der macht ist, verwechselt der bürgermeister von buenos aires regieren mit dem anlegen von verkehrsinseln in hauptverkehrsstraßen. sicher ein hobby, das er aus seiner kindheit herübergerettet hat, aus der zeit, als er mit spielzeugautos und tankstellen seinen spaß hatte, wozu sich heute erschwerend eine kitschverliebte, verquaste, über jeden zweifel erhabene einfalt gesellt. verkehrsinseln von macri erkennt man leicht: sie sind sinnlos, treten gerne gehäuft auf (wie durcheinandergewürfelte stücke pizza) und umzingeln geflissentlich verkehrsampeln (vermutlich um zu verhindern, dass die armen sie stehlen) oder einfach gleich die leere – kleine gehege, zu denen niemand zugang hat oder je haben wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ich die lietzenburger straße entlanggehe, stoße ich auf etwas, das ich „verkehrsinsellektion für mauricio macri“ nenne.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:99 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;519&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Alan-Pauls_Berlin_Blog-2.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/i&gt; 
    </content:encoded>

    <pubDate>Fri, 10 Sep 2010 23:01:00 +0200</pubDate>
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    <title>7.9.</title>
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    <author>nospam@example.com (Alan Pauls)</author>
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    ich misstraue blogs, und jetzt verpflichtet mich ein vertrag, selbst an einem mitzuwirken. was ich wegen des „obligatorischen“ charakters der sache verliere, gewinne ich aber vielleicht durch ihre „experimentelle“ dimension: das misstrauen soll nichts sein, was dich von einer ausdrucksform fernhält, sondern die kraft, die dich antreibt, sie auszuprobieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
einmal mehr die bestätigung, dass es kein experiment gibt ohne vertrag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der norden europas und die berühmte lakenfrage (oder lakenlosigkeitsfrage). beim ankommen im gästezimmer des literaturhauses eine szene der erstarrung und verlangsamung wie aus einem kaurismäki-film: ich in stummer betrachtung des fast japanischen &lt;em&gt;settings&lt;/em&gt; eines weißen betts mit nur einer ebenfalls weißen, sauber mittig gefalteten decke, ohne unterziehlaken, und meine gastgeber, die mit einem gewissen ängstlichen respekt meiner betrachtung zuschauen, als fürchteten sie, mich träfe gleich der schlag. aus scham, aber auch aus müdigkeit (ich bin den ganzen tag gereist, hatte in frankfurt den anschluss verpasst, habe hunger; alle sind liebenswürdig und zurückhaltend, eine kombination, für die man gar nicht dankbar genug sein kann) verzichte ich darauf, die überzeugenden, aber heillos exotischen argumente zu reaktivieren, die ich vor zwei jahren in brüssel bemüht hatte, um mich gegenüber meinen damaligen gastgebern, ebenso verblüfft wie jetzt die deutschen, dafür zu rechtfertigen, dass ich unbedingt in einem Bett mit unterziehlaken schlafen muss, in einem Bett, das nicht nur meinem schlaf asyl gewähren, sondern mich &lt;em&gt;umarmen&lt;/em&gt; soll. ich erinnerte mich an das obszöne beispiel, das ich in brüssel benutzte, weil ich es für total schlagend hielt: unter einer decke ohne laken schlafen sei wie eine hose ohne unterhose tragen. sanftes monster. aber auch sanfte monster sind lernfähig. diesmal sagte ich nichts, behielt es lieber für mich. behielt es für &lt;em&gt;das hier&lt;/em&gt;, was vielleicht kein tagebuch ist, auch kein bericht oder logbuch der ereignisse, eher eine armselige kleine börse, in der man die münzen verwahrt, die „im leben“ unbenutzt blieben, die es aber stumm zu begleiten verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schnell entdecke ich das wesentliche des blogs: nicht seinen ton, nicht sein gesetz, sondern seinen helden. es ist &lt;em&gt;der, der die sprache nicht spricht&lt;/em&gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;em&gt;literaturhaus&lt;/em&gt;. wie könnte die literatur ein haus sein? war sie nicht die unbehaustheit? fatale, sogar wünschenswerte spannung zwischen dem, was die literatur „ist“, und dem, was sie nach dem willen der literarischen institutionen sein soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
es geht um gastfreundschaft, und das vermutlich nicht zum letzten mal. sie ist zunächst das merkmal der stadt (nicht unbedingt auch ihrer bewohner), das mir als erstes ins auge springt. was mir gefällt – fast würde ich sagen: was mich rührt –, ist aber, dass die stadt damit nicht hausieren geht. die sprache ist nicht gefügig, die museen lassen sich nicht immer übersetzen, keinerlei ideologie der transparenz. berlin nimmt auf, ohne zu verführen, ohne sich anzubiedern, ohne zu versuchen. paradebeispiel einer unhysterischen stadt, und deshalb so ungemein &lt;em&gt;lässig&lt;/em&gt;. in dieser form des beherbergens liegen eine nüchternheit und abwesenheit von inszenierung, die keine gegenleistung verlangen, die bloß ermächtigen. das euphorische und zugleich beunruhigende gefühl, zum ersten mal in einer utopischen stadt zu sein, in einer, die zugleich unterschlupf und freiheit gewährt.&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;!-- s9ymdb:98 --&gt;&lt;img class=&quot;serendipity_image_left&quot; width=&quot;389&quot; height=&quot;292&quot;  src=&quot;http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Alan-Pauls_Hotelzimmer_Blog-1.jpg&quot; title=&quot;© Alan Pauls&quot; alt=&quot;© Alan Pauls&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&amp;#160;&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Übersetzung: Christian Hansen&lt;/i&gt; 
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    <pubDate>Tue, 07 Sep 2010 21:14:00 +0200</pubDate>
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