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        <author>
            <name>María Negroni</name>
                    </author>
    
        <published>2010-10-04T15:56:00Z</published>
        <updated>2010-10-13T16:01:38Z</updated>
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        <title type="html">Stuttgart − 4. Oktober</title>
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                Heute ist mein letzter Tag hier. Es fällt mir nicht leicht zu gehen, das mag man mir abnehmen oder nicht. Ich habe nie gedacht, dass ich Stuttgart vermissen würde, aber jetzt merke ich doch, dass ich etwas hier lasse und mit Zuneigung an diese Stadt zurückdenken werde. Stimmt, am Anfang fühlte ich mich seltsam hier. Was sollte ich in dieser Bio-Welt voller „Elois”, die ihre bezaubernden Hunde spazieren führen? Und manchmal kam ich mir bei meinen Ausflügen aus der Stadt hinaus auch vor wie Dora aus der Zeichentrickserie „Dora the Explorer” (statt wie Madame de Staël), wenn ich zwischen Erschöpfung und Langeweile schwankend, mit dem Stadtplan in der Hand von da nach dort wanderte, ohne die leiseste Ahnung, wo ich war, und mich fragte, wer mich eigentlich dazu veranlasst hatte, so viele Städte auf einmal kennen lernen zu wollen.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:263 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/1_berlin019.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:264 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/2_berlin018.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
Mehrmals war ich drauf und dran alles hinzuwerfen und nach Hause zu fahren (aber wie gesagt, ich weiß eigentlich nicht genau wo zu Hause ist). Bei einer dieser Gelegenheiten saß ich auf einer Absperrung neben dem Gehweg und aß einen Joghurt. Plötzlich fühlte ich mich so weit weg (wovon?) und den Tränen nah. Aber ich habe es jedes Mal geschafft, mich wieder zu fangen, und das verdanke ich verschiedenen Menschen, die ich hier kennen gelernt habe und erwähnen möchte, ehe ich Abschied nehme. Mein Dank geht also:<br />
<br />
1.) an meine Kolleginnen in der Kunststiftung Baden-Württemberg für ihre Herzlichkeit und ihre zuvorkommende Präsenz<br />
2.) an Irmgard Kramer, die mich zu sich nach Hause einlud und mir das Gefühl gab, in Buenos Aires zu sein<br />
3.) an Dieter Fuchs, den österreichischen Drehbuchautor, der mir die Stuttgarter Arbeiterviertel zeigte und mit mir über Nietzsche und über seine antisemitische Schwester sprach, die in Paraguay die Colonia Nueva Germania gegründet hat<br />
4.) an Rachel, diese junge Frau von 89 Jahren, mit der ich mich einen ganzen Nachmittag lang auf der Café-Terrasse von Karstadt unterhielt und nicht wusste, was mich mehr beeindruckte, ihre schreckliche Geschichte einer jüdischen Überlebenden oder ihr unbeugsamer Lebenswille<br />
5.) an Joachim Kalka, der mich zum Deutschen Literaturarchiv Marbach begleitete und Zeit und Mühe investierte, um meinen Gedichten im Deutschen eine Melodie zu geben<br />
6.) an die Übersetzerinnen meiner Blogs – Elisabeth Müller und Christin Kleinhenz<br />
7.) an Sabine Büdel, die mich so herzlich im Berliner Literaturhaus empfing<br />
8.) an Verena Krieg, der angesichts eines unmöglichen Terminkalenders (meinem) nie schwindlig wurde und die mir viele kleine Gefälligkeiten erwies, ganz zu schweigen von ihrer sagenhaften Geduld<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:265 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/3_stuttgart9009.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
9.) an Florian Höllerer, den Leiter des Literaturhauses, der die Aussage von Gabriela Massuh in Buenos Aires, dass ich den nettesten Leiter aller Literaturhäuser in Deutschland erwischt hätte, voll bestätigte<br />
10.) und schließlich an Ulf, meinen Herzensfreund aus Stuttgart und Bahía Blanca, dem ich das Foto des ohne Herrchen und ohne Leine auf der Straße herumlaufenden Hundes widme, mit diesem Gedanken, Ulf: Es gibt immer noch Hoffnung!!!<br />
&#160;<!-- s9ymdb:266 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/4_stuttgart9073.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:267 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/5_berlin015.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
<i>Übersetzung: Elisabeth Müller</i> 
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        <link href="http://blog.goethe.de/rayuela/archives/166-29.-September-bis-3.-Oktober-2010.html" rel="alternate" title="29. September bis 3. Oktober  2010" />
        <author>
            <name>María Negroni</name>
                    </author>
    
        <published>2010-10-04T10:28:00Z</published>
        <updated>2010-10-12T13:38:12Z</updated>
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        <title type="html">29. September bis 3. Oktober  2010</title>
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                <strong>Interludium in Berlin<br />
Fünf Gedichte wie fünf abgerissene kleine Mauern</strong><br />
<br />
Es war Tag oder Nacht an irgendeinem Sonntag in der Bibliothek meiner Gefühle. Die ersten Einträge von verflossenen Abenteuern drängten sich in mein liniertes Heft, dazu die genossenen Bestrafungen. Es war Tag oder Nacht und die Liebe verdeutschte alles, im Osten, im Westen und im dunklen Loch. Trostlos erschauerte ich beim Lebensmonolog und wenn ich auf die Straße hinausging. Ich musste den Erstbesten fragen: Welches Ich ist ich?  Ich stieg von einem Buch zum nächsten die Treppe hinunter, während die Brummer der Sehnsucht durch die Luft surrten, und ließ meine steinernen Sätze fallen, einen nach dem anderen.<br />
<br />
Ich will kein Vergessen mehr mit Worten. Ich setze mich und sehe die deutschen Frauen vorübergehen. Welcher Zoom aus welcher ungenauen Ecke verschiebt die Grenze des für sie Denkbaren? Welche Vorstellungen sortieren ihre Neugier? Was ahmen sie nach, um sich vor den Männern zu schützen? Es regnet wilde Schmerzen von spitzen Zähnen. Tief Luft holen, mein Herz. Ganz ruhig. Du wirst nicht ins intime Genre verfallen. Für solche Übergriffe fehlt dir noch eine Menge. Dafür musst du erst alles lieben, was verletzt und verletzt und verletzt. Den Schatten im Schatten. Die nächtliche Privatsammlung, wenn der Mond eine einsame Frau ist und das eigene Fehlen ersehnt.<br />
<br />
Es muss sie geben, die Art, nicht als koloniale Frau zu schreiben, die Strategie fürs Eisessen und gegen den Erfüllungszwang. Ich bin nicht für endgültige Lösungen und will es auch nicht sein. Was heißen kann, dass Ziele vage bleiben: sich einschließen, dummes Zeug reden und der Sehsucht als Bad im Mondlicht der Existenz frönen. Ein vergossener Baum. Silhouetten in einem nebligen Traum. Ich selbst, zerlegt in lauter kleine Stücke. Ich habe Wein getrunken, um mein weiches Herz zu beruhigen.<br />
<br />
Tage, an denen ich mich mit der Reise und ihren Motiven sehr identifiziere. Ich schließe mich im Schreibzimmer ein, alle Utensilien drinnen und keine Landschaft draußen. Nichts als die Sinnlichkeit des Nichts. Draußen, auf der Straße nebenan, können alle deutschen Frauen an die Grenzen irgendeiner Wirklichkeit gehen, die genauso unwirklich ist wie meine eigene. Was geht es mich an. Ich würde gerne malen ohne zu malen. Mich, wenn sich die Plätze leeren und die Stunde des 19. Jahrhunderts anbricht, in die wärmende Sonne meines eigenen Körpers setzen. Morgen erzähle ich dir, wie es war.<br />
<br />
Heute ist kein Guss gefallen, hat die Sonne nicht geregnet. Ich habe gelacht wie verrückt, als ich in einem Spiegel meine Umzugsgebärden sah. Ich musste stehen bleiben und nach Luft schnappen. Es hat mich Mühe gekostet, die Verben der Zugehörigkeit zu deklinieren. Nur nachts verliere ich alles für immer und es ist mir einerlei. Nur nachts strecke ich die Hand nach der Leere aus und gebe alles für mein Staunen.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:259 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/berlin026.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:258 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/berlin025.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
<i>Übersetzung: Elisabeth Müller</i> 
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        <link href="http://blog.goethe.de/rayuela/archives/170-Sonntag,-3.-Oktober.html" rel="alternate" title="Sonntag, 3. Oktober" />
        <author>
            <name>Pablo de Santis</name>
                    </author>
    
        <published>2010-10-03T20:37:00Z</published>
        <updated>2010-10-14T10:44:59Z</updated>
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        <title type="html">Sonntag, 3. Oktober</title>
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                Die Sonne scheint. Alle Leute sind draußen und gehen spazieren. Die Straßencafés sind voll und vor der italienischen Eisdiele <i>La Perla</i> stehen lange Schlangen. Auf dem Uferweg wimmelt es von Radfahrern, Joggern und einfachen Spanziergängern. Ich überquere den Fluss und schlage den Weg nach Westen ein. Als die Stadt schon hinter mir liegt, komme ich zu einem Industriebau, der aussieht wie ein Schloss.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:269 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild1.jpg" title="© Pablo de Santis" alt="© Pablo de Santis" /><br />
&#160;<br />
Ich gehe weiter, bis die Stadt ganz hinter mir liegt, oder zumindest der Teil auf dem zerknitterten Stadtplan, der in meiner Hosentasche steckt. Links von mir erhebt sich eine Mauer aus Bäumen und verdeckt den Fluss, zu meiner Rechten führt eine Autostraße entlang. Hier gibt es keine Fußgänger mehr, bloß Radfahrer. Ein Eichhörnchen rettet sich im letzten Moment, bevor ein gelbes Fahrrad ihm über den Schwanz fährt. Ich will es fotografieren, aber es huscht hinter diesen Baum:<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:270 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild2.jpg" title="© Pablo de Santis" alt="© Pablo de Santis" /><br />
&#160;<br />
Jeder Baum trägt eine Nummer auf einem kleinen grünen Schildchen, das mit Schrauben festgemacht ist. <br />
Die Radfahrer nutzen die Gelegenheit, dass ich als einziger Spaziergänger unterwegs bin, und versuchen mich zu überfahren. Wahrscheinlich, so stelle ich mir vor, liegen schon ein paar unschuldige Fußgänger im Gebüsch, vielmehr deren Knochen. Die Einwohner von Frankfurt sind zu Fuß gehorsam und am Steuer gelassen, aber mit einem Lenker in der Hand sind sie zum Fürchten.<br />
Als ich es leid bin ihnen auszuweichen, kehre ich wieder um.<br />
<br />
<i>Übersetzung: Elisabeth Müller</i> 
            </div>
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        <author>
            <name>Ariel Magnus</name>
                    </author>
    
        <published>2010-10-02T20:50:00Z</published>
        <updated>2010-10-12T13:27:12Z</updated>
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        <title type="html">Zürich − 2. Oktober</title>
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                Es wird Zeit, sich nach Frankfurt aufzumachen, deshalb schreibe ich jetzt alles nieder, was ich noch im Tintenfass habe (wie viele Schreibwerkzeuge wird dieser Ausdruck überleben?).<br />
<br />
- Die Schweizer haben den Bau von Minaretten verboten, die Skyline von Zürich besteht aber aus den Kuppeln von Kirchen, die sich in nichts von diesen unterscheiden (und, wie man mir sagte, gerade eben von den Minaretten inspiriert sind). Sie unterscheiden sich nicht einmal, was den Klang anbelangt, denn mit ihren glockenförmigen Muezzins machen sie die ganze Zeit lang Krach.<br />
<br />
- Ich bin zwar überzeugt, dass es keine reichere Stadt als diese geben kann, dennoch wurde mir dieses Sprichwort aus Basel zugetragen: „In Zürich zeigt man das Geld, in Basel hat man es.“<br />
<br />
- Meine Internetverbindung war unzuverlässig. Die Wettervorhersage war unzuverlässig. Anmerkung für die Defätisten, die glauben, so was passiere nur in der Dritten Welt.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:242 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild1.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Hier auch zu haben: Hundekot auf den Bürgersteigen von Zürich. Auffallend, wie die Städte sich bemühen, Buenos Aires zu ähneln.<br />
<br />
- Ich habe den Test gemacht, eine Züricher Straße auf Google Earth anzusehen und dann hinzugehen. Die Hypothese war, dass es keinen Unterschied geben würde – und tatsächlich gab es keinen. Aber vielleicht gilt der Test ja für viele Städte.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:243 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild2.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Spanisch scheint hierzulande ziemlich in Mode zu sein.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:244 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild3.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Nahe der Langstrasse.<br />
<br />
- Ich wollte nach Davos fahren, um mir die Überreste des Sanatoriums anzusehen, wo <i>Der Zauberberg</i> spielt, fand aber mit ehrlicher Empörung heraus, dass sie von einem Investor gekauft und zu einem Luxushotel gemacht worden waren. Kann es sein, dass die Schweizer, die so sehr auf die Erhaltung ihrer Wohnstätten bedacht sind – das Landesmuseum in Zürich zeigt zum Beispiel Zimmer aus verschiedenen Jahrhunderten – nicht darauf gekommen sind, einen derart wichtigen literarischen Schauplatz zu bewahren? Wenn ich Schweizer wäre, soll heißen, wenn ich reich wäre und nichts zu tun hätte, würde ich mein Leben der Rekonstruktion des Sanatoriums widmen.<br />
<br />
- Im <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uXskPqVUB4Q" target="_blank">momentanen Schweizer Hit</a>, den das Fernsehen als Hymne für die Qualifizierung der „Nati“ – der Nationalmannschaft – zur Europameisterschaft 2012 benutzt, heißt es im Refrain: „Heute lasse ich die Welt so wie sie ist“. Täglich läuft das im Fernsehen und im Radio. Ich stelle mir alle Schweizer vor, wie sie tagtäglich singen, dass man die Dinge heute besser so lässt, wie sie sind, alles ist so schön, warum etwas ändern? Wann wird der Hit kommen, in dem es heißt: „Heute hole ich mir all das Geld von den Banken und gebe es den Armen zurück, damit die Welt nicht so bleibt, wie sie ist“?<br />
<br />
- Zu den Eigenschaften des Schweizerdeutsch gehört es, die letzte Silbe bestimmter Worte zu verschlucken. Ich weiß nicht, was die Katalanen mit den Silben machen würden, die auch sie verschlucken, die Schweizer jedoch sparen sie sicher ganz bewusst und legen sie gegen Zinsen auf eine Bank, nicht um sie später zu verbrauchen, sondern für alle Fälle, als sprachliche Reserve.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:245 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild4.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Das Schaufenster einer Apotheke. Oben die suggestive Frage nach der Pinkelhäufigkeit. Unten, ebenso suggestiv außerhalb des Bildausschnitts, das Mittel dagegen.<br />
<br />
- Mein Verdacht, dass es in Zürich viele Brasilianer gibt, bestätigte sich, als ich im Supermarkt inmitten der Cola-Getränke auf Guaraná stieß. Es gibt auch Dulce de leche, aber in der Abteilung für exotische Lebensmittel.<br />
<br />
- Ziemlich verblüfft haben mich <a href="http://www.swisslos.ch/swisslotto/de/lottoportal/swisslotto/werbekampagne/Werbekampagnen_1.jsp" target="_blank">diese </a>Lotterie-Werbungen, die mir beachtenswert sexistisch vorkommen. Sie beleidigen die Frauen, die sich nur für Millionäre zu interessieren scheinen, vor allem aber uns Männer, die wir uns nur für Schlampen zu interessieren scheinen. Die Vorstellung, dass man sich als Arbeiter nie eine schöne Frau verdienen kann, gibt ebenfalls zu denken.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:246 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="518"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild5.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Die Schweizer sind große Fans von Volksentscheiden. Sie machen über alles Volksentscheide, auch über Dinge, bei denen es zweifelhaft ist, ob es wirklich angebracht ist, sie der einfachen Mehrheit zu unterwerfen. In diesem Fall ging es um einen Volksentscheid über den Bau eines künstlerischen Projekts. Hier die Plakate dafür und dagegen. Es gewann das Nein.<br />
<br />
- Ich habe Wickeltische auf der Herrentoilette gesehen. Wohlan. Es gibt auch Autowerkstätten, wo man Geräte und Werkzeuge mieten kann, um selbst Hand anzulegen.<br />
<br />
- Nachdem ich Zürich kennengelernt habe, werden mir, so fürchte ich, alle Städte wie in der Dritten Welt vorkommen. Ich war in Wien, was mir zwar sehr gefallen hat, aber doch den Eindruck hinterließ, ein bisschen schmutzig zu sein, die Autos alt und die Leute liefen sehr wild durcheinander. <br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:247 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="518"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild6.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Ein als Mozart verkleideter Wiener in einer Pause. Rund um die Oper ist das eine Plage.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:248 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild7.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Er wird sogar in Wien gelesen. Das heißt Schneid haben.<br />
<br />
- Ich war auch in München, wo ich mitten ins Oktoberfest geriet. Der Journalist, der mich am Bahnhof abholen kam, trug die klassische bayrische Lederhose, was mir wenig seriös schien.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:249 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild8.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Eins der 16 Zelte, wo zum Klang der Schlager – die nur in den Filmen des großen <a href="http://www.imdb.com/name/nm0237527/" target="_blank">Andreas Dresen </a>erträglich sind – gesoffen und geschmaust wird.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:250 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild9.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Höchst subtile Wurstwerbung.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:251 --><img class="serendipity_image_center" width="434" height="586"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild10.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Eine der Vergnügungen auf dem Oktoberfest. Die niedrigste Stufe ist <i>Schlappschwanz</i>. Klein darunter steht erklärend „Damenhöhe“.<br />
<br />
- Auch wenn die Schweiz ein ziemlich fortschrittliches Land ist, ist das Konzept des Hotdogs anscheinend noch nicht bis hierher vorgedrungen. Die Leute nehmen die Wurst in die eine Hand und das Brot in die andere und beißen dann abwechselnd hinein. Mehr als einmal war ich versucht, auf einen dieser Wurst-Brot-Esser zuzugehen und ihm die Vorteile darzulegen, die es hat, die fleischerne Rolle in das getreidige Rund zu stecken, doch ich nahm an, dass sie diesen praktischen Bund schon in irgendeinem Film gesehen haben mussten und, so sie ihn nicht übernahmen, wohl ihre Gründe dafür hatten. Mehr noch, bei näherer Betrachtung liegt vielleicht darin - sich mit niemandem zusammenzutun, jedes auf seiner Seite zu lassen - das Geheimnis ihres Erfolgs. <br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:252 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="518"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild11.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Eine Bäckerei, die es seit 1626 gibt – fast doppelt so alt wie unser Land, das gerade mit so viel Getöse seinen Jahrestag feiert. Das Haus selbst wurde zu einem Zeitpunkt erbaut, als Kolumbus noch nicht mal geboren war.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:253 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild12.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
<i>Verbieten ist verboten</i>, steht auf der Wand. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ykODejO-0mA" target="_blank">Sandras </a>Fans kennen keine Grenzen.<br />
&#160;<br />
<u>Was ich nach meiner Abreise aus Zürich vermissen werde:</u><br />
<br />
- Die Stille. Und wenn sie plötzlich durch ein schreiendes Kind oder jemanden, der den Rasen mäht, unterbrochen wird, muss man nur die Doppelglasfenster schließen, damit das Zimmer zu einer kleinen Schweiz innerhalb der Schweiz wird, neutral von aller Neutralität. (In diesem Sinn kommt es mir fast komisch vor, dass Niccolò, der Besitzer dieser Wohnung, zum Schreiben seines nächsten Drehbuchs in die Berge gegangen ist, als wäre die Außenwelt hier zu chaotisch, um einer kreativen Tätigkeit nachzugehen. Vielleicht sollte er das Gegenteil versuchen und eine Zeitlang nach Buenos Aires gehen, ein Weilchen dort und seine Wohnung wird ihm wie der Gipfel des Everest vorkommen.)<br />
<br />
- Die Bibliotheken. Von ganzem Herzen werde ich sie vermissen. Auch wenn die Zentral-Bibliothek eher einem Atombunker für Bücher ähnelt (alle auf endlosen beweglichen Regalen aneinandergereiht, die mit einem Griff verschoben werden können, und zwischen denen man, wenn man nicht aufpasst, zerquetscht werden kann, der Länge oder besser gesagt der Tiefe nach in vier weißgestrichenen und von Neonlicht erleuchteten Kellerräumen, ohne weitere Ordnung als die der Zahlen oder größeren Reiz als den, an ihrem Platz zu stehen), trotzdem werde ich sie bis zu den Tränen vermissen. Es überraschte mich angenehm, in den Bibliotheken E-Readers zu sehen, nicht wie eine Drohung, sondern als Werkzeug, ein Buch mehr. Ich hoffe, das bedeutet, dass bald alle Bücher digitalisiert sein werden und man sie zuhause lesen kann. Von allem, was ich mir vorstellen kann, kommt das dem Paradies am nächsten.<br />
<br />
- Die Filmsammlung von Niccolò, dem Hausherrn, und auch Niccolò selbst, denn auch wenn ich ihn nicht kenne, so sind doch überall Fotos von ihm. Sogar auf dem Mousepad.<br />
<br />
- Die Straßenbahn. Und beim Schichtwechsel verabschiedet sich der scheidende Fahrer von allen Passagieren über den Lautsprecher und wünscht ihnen einen schönen Tag. Einmal antwortete der hinter mir mit „Danke gleichfalls“, und ich glaube nicht, dass das ein Witz war.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:254 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild13.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Das Gelb an den Fußgängerampeln.<br />
<br />
- Die Victorinox-Taschenmesser, wenn die kaputt sind, die ich mitzunehmen gedenke (ich bin in der Hoffnung zu einer Victorinox-Ausstellung gegangen, darüber höchst interessante Dinge schreiben zu können, doch tatsächlich gab es nichts Besonderes zu sagen. Das größte Taschenmesser der Welt [mit über 350 Werkzeugchen] wurde gezeigt und man konnte sich vor Ort selbst eins zusammenstellen).<br />
<br />
- „Wer wird Millionär?“ im Fernsehen, ein Frage- und Antwortspiel, wo die Leute hingehen, um Geld zu gewinnen, obwohl sie schon mehr als genug haben, und deshalb gibt es, wenn der Showmaster fragt, was sie mit dem Geld machen wollen, nie Tiefschläge à la meine Kinder auf eine Privatschule schicken oder meiner Mutter eine Operation bezahlen, sondern nur Schönes, wie sich einen Whirlpool kaufen oder auf Reisen gehen.<br />
<br />
- Die Geldscheine, die sehr bunt sind (und wert, was sie wert zu sein vorgeben, Monat für Monat).<br />
<br />
- Das Toilettenpapier, so weich, dass man sich am liebsten schon vor dem Kacken saubermachen würde.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:255 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild14.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Die Katzentreppen (ich riskiere die Behauptung, dass diese Locke, die von dem offenen Fenster hinunterführt, eine Katzentreppe ist, kann aber auch falsch liegen).<br />
<br />
- Der Supermarkt Coop, genauer gesagt die Käseabteilung. (Eigentlich sollte man bei Migros kaufen, der ist nicht nur ein bisschen billiger, sondern rein schweizerisch, der Gründer ist eine Legende und seine Stiftung tut viel für die Kultur. Aber nun gut, ich kofe lieber bei Coop.) (Einmal bin ich zu Lidl gegangen, einem billigen Supermarkt aus Deutschland – wenn auch nicht so billig wie Aldi, der König der Billigsupermärkte in Deutschland ... der Besitzer ist einer der reichsten Männer der Welt –, es war eine schreckliche Erfahrung. Ich bedaure es für die Schweizer, dass die deutsche Vorstellung vom Sparen am Essen bis in ihr lukullisches Land vorgedrungen ist.)<br />
<br />
- Die Bürli, Brötchen mit dicker Kruste, nichts Besonderes, jedoch sehr lecker, und außerdem mit diesem Namen, Bürli, der gleich Appetit macht.<br />
<br />
- Die Ausflüge in die umliegenden Berge.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:256 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild15.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Der Baum der Nicht-Erkenntnis, zu dem ich täglich pilgere.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:257 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/ArielMagnus/Bild16.jpg" title="© Ariel Magnus" alt="© Ariel Magnus" /><br />
&#160;<br />
Schöne Ansichten vom Baum aus.<br />
<br />
<i>Übersetzung: Silke Kleemann</i> 
            </div>
        </content>
        
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        <link href="http://blog.goethe.de/rayuela/archives/169-Samstag,-2.-Oktober.html" rel="alternate" title="Samstag, 2. Oktober" />
        <author>
            <name>Pablo de Santis</name>
                    </author>
    
        <published>2010-10-02T20:09:00Z</published>
        <updated>2010-10-13T16:11:07Z</updated>
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        <title type="html">Samstag, 2. Oktober</title>
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                Ich überquere eine von den Brücken. Ich lehne mich über die Brüstung, um ins Wasser zu schauen. Ein Ausflugsboot kommt vorbei, mit einer Piratenflagge und jungen Leuten in orangefarbenen Rettungswesten, die winken. Ich winke zurück. Schiffen haftet etwas an, das zum Winken einlädt; niemand käme auf die Idee, einem Unbekannten aus einem Zug oder aus einer Stadtbahn zu winken. Und wir erwidern das Winken vom aus Schiff jedes Mal, als folgten wir einem alten Seefahrergesetz. <br />
Neben mir, ein Rabe. Ich will ein Foto von ihm machen, aber er fliegt weg und lässt sich auf einem Brückenpfeiler nieder. In der Tasche an meiner Schulter sind ein deutsches Wörterbuch, ein Heft, ein Handy und ein Buch, mein Fotoapparat ist unter all diesen Dingen vergraben. Ich brauche so lange, dass mir nur ein ausgestopfter Rabe den Gefallen getan hätte zu warten. <br />
Ein paar bunte Tretboote liegen im Wasser und erinnern mich an die Seen von Palermo. Ein Ruderboot stand damals für das Klassische; ein Tretboot (wie die auf dem Foto) für die Moderne. Als ich klein war, wusste ich, dass Ruderboote eine gute Sache waren, dass damit alles prima klappen würde, dass niemand nass würde oder ins Wasser fiele. Aber verlocken taten uns trotzdem die Tretboote, die Boote der Zukunft. Deshalb lehnten wir die herkömmlichen Boote ab. Die Menschen werden sogar des Guten überdrüssig, schrieb Somerset Maugham. <br />
Die Boote entkommen mir nicht, im Gegensatz zu den Raben:<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:268 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="518"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild_Blog7.jpg" title="© Pablo de Santis" alt="© Pablo de Santis" /><br />
&#160;<br />
Am anderen Ufer stoße ich auf den Flohmarkt, der jeden Samstag stattfindet. Die Stände erstrecken sich drei oder vier Straßenblocks weit. Wie immer überkommt einen an solchen Stätten aus der Entfernung die Ahnung von etwas Wertvollem, Seltenen oder Interessanten – es ist die Vielfalt, die uns anzieht. Doch kaum senken wir den Blick darauf, verschwindet die Begeisterung. Ein paar Bücher, Hausschuhe, alte Gabeln, Messer und Löffel, die zum Stückpreis von einem Euro verkauft werden, Berge von kaputten Armbanduhren, afrikanischer Ramsch … und dann kommt man auch schon zur „industriellen“ Abteilung: ein Stand mit an die vierzig unterschiedlichen Mischbatterien, eineinhalb Meter große Hubschrauber, die tatsächlich fliegen können (die Propeller sehen aus, als dienten sie zum Köpfen, und ich stelle mir vor, dass man in die Sahara reisen muss, um sie gefahrlos zum Einsatz zu bringen). Wie immer bei solchen Märkten, gibt es einen Kern von wenigen die Bezeichnung Flohmarkt rechtfertigenden Ständen, umgeben vom ausufernden China-Import.<br />
<br />
Abends betrachte ich auf der Brücke die in den Fluss fallenden Lichter. Als ich die Schweizer Straße erreiche, gehe ich weiter und entferne mich vom Wasser. Es ist ein Viertel mit Kneipen und Keidergeschäften. Die Restaurants sind voll. Irgendwann biege ich in eine dunkle Straße ab. In einiger Entfernung sehe ich Lichter und gehe weiter, bis ich zum Südbahnhof komme, der kleiner und schlichter ist als der Hauptbahnhof. Straßenbahnen und Busse fahren hell erleuchtet, ruhig daran vorüber.<br />
Ich gehe ziellos weiter, ohne zu wissen, wo ich bin. Schließlich drängt mich nichts. Eigentlich müsste mich mein fehlender Orientierungssinn leiten: Wenn ich glaube, ich ginge nach Westen, dann gehe ich nämlich nach Osten, und wenn ich glaube, ich ginge nach Norden, dann gehe ich nach Süden. Endlich sehe ich etwas Vertrautes: Die Hochhäuser führen mich zum Fluss. Ich sehe an den Fassaden in einigen Fenstern Licht brennen und frage mich, wer wohl um diese Uhrzeit noch dort ist. Reinigungskräfte, arbeitswütige Manager, nächtliche Spione. In einem dreigeschossigen Haus unweit von mir tritt eine Frau hinter einem weißen Vorhang ans Fenster und zündet sich eine Zigarette an. Bei Tag beachten wir die Fenster nicht, es gibt sie gar nicht; aber bei Nacht sind sie für uns was ganz anderes, als kämen wir aus einem Land, wo es nur Türen und Wände gibt, als sähen wie sie zum ersten Mal.<br />
<br />
<i>Übersetzung: Elisabeth Müller</i> 
            </div>
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        <link href="http://blog.goethe.de/rayuela/archives/164-Mittwoch,-29.-September.html" rel="alternate" title="Mittwoch, 29. September" />
        <author>
            <name>Pablo de Santis</name>
                    </author>
    
        <published>2010-09-29T20:23:00Z</published>
        <updated>2010-10-05T15:12:39Z</updated>
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        <title type="html">Mittwoch, 29. September</title>
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                Morgens sehe ich, dass jemand mit verlaufender schwarzer Farbe etwas auf die Fassade vom Krankenhaus an der Zeil gepinselt hat; zwei Angestellte sprühen ein Lösungsmittel darauf, um es zu entfernen. <br />
<br />
Lina, die in Heidelberg studiert hat, nimmt mich mit zur Besichtigung dieser etwa 45 Bahnminuten entfernten Stadt. Im Ausland ist das Zugfahren immer eine Gaudi und die Welt ein Vergnügungspark; mit der Sarmiento-Bahn in den Westen des großen Buenos Aires zu fahren, ist etwas anderes. Nach unserer Ankunft nehmen wir die Bergbahn zum Schloss hinauf. Es ist die Jahreszeit des „Federweißen“, einem „neuen Wein“, der nur im September und Oktober ausgeschenkt wird. Angeblich hat er wenig Alkohol - in mein Glas müssen sich aber mehr Prozent gemogelt haben. Man isst dazu einen mit Zwiebeln belegten flachen Fladen, „Zwiebelkuchen“ genannt. Eine Engländerin fragt die Wirtin, ob das etwas ähnliches sei wie die Quiche Lorraine. Worauf ihr die Wirtin antwortet, die deutsche Variante sei viel besser.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:241 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/PablodeSantis_zuBlog6.jpg" title="© Pablo de Santis" alt="© Pablo de Santis" /><br />
&#160;<br />
Zurück in Frankfurt, gehe ich durch das Bahnhofsviertel, wo es wimmelt von Wettbuden, kleinen Speiselokalen, schmuddeligen Internet-Cafés. Die pralle Multikultur, wie immer in den umgebenden Straßen von Hauptbahnhöfen. An einem Kiosk gibt es Zeitungen in einem halben Dutzend Sprachen. Ich betrete eine Buchhandlung, die innen größer ist als auf den ersten Blick vermutet. Es gibt dort Unmengen von Büchern auf Spanisch. Die Inhaberin bedient mich in meiner Muttersprache. Ich entdecke Bücher von argentinischen Autoren, die sogar in Buenos Aires schwer zu kriegen sind, wie <i>El viaje de los siete demonios</i>, von Manuel Mujica Laínez. Als ich mein Erstaunen zum Ausdruck bringe, dass sie so viele Titel von Mujica Laínez vorrätig hat, sagt sie: „Wo sind die denn? Gestern hat jemand danach gefragt und ich konnte sie nicht finden”. Sie hat so viele Bücher, dass sie sich schon gegenseitig zudecken. Schließlich kaufe ich <i>Plenilunio</i>, einen Krimi von Antonio Muñoz Molina, nach dem ich seit einiger Zeit gefahndet habe.<br />
<br />
<em>Übersetzung: Elisabeth Müller</em> 
            </div>
        </content>
        
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        <author>
            <name>María Negroni</name>
                    </author>
    
        <published>2010-09-29T19:33:00Z</published>
        <updated>2010-10-05T14:55:01Z</updated>
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        <title type="html">Stuttgart − 29. September</title>
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                Es ist wohl am besten, wenn ich es gleich direkt sage: Ich habe den Faden verloren, bin nach Venedig gefahren und habe die überschwemmte Stadt gesehen, ich war in Bayreuth (ah, diese Spieldose der alten Oper – nicht der von Wagner, sondern der alten – hat mich umgehauen). Ich weiß nicht, wie und wann ich das alles gemacht habe.  Ist auch nicht wichtig.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:234 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/Bild1_marbach-reading001.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
Das Spiel „Rayuela“ heißt auf Deutsch „Himmel und Hölle“ und hat viele Felder, auf die man springen muss. Warum überspringt man nicht einfach alle? Italien war im Übrigen immer Teil des deutschen Traums und ich wollte die Premiere von „En la medida de las cosas“ sehen, einer Pocket-Oper (wie es im Programm der Biennale hieß) für Sopran, vier Instrumente mit Live-Video, deren Libretto auf zwei Gedichten von <i>Arte y Fuga</i> basiert.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:235 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/Bild2_cerveza006.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
Nach meiner Rückkehr verbrachte ich einen herrlichen Nachmittag mit dem Dichter Ulf Stolterfoht. Ulf hat mir das Haus gezeigt, in dem er geboren wurde, und mich anschließend zum Essen in eine bayerische Kneipe eingeladen, wo ich ein eigenartiges Linsengericht mit Wurst, Nudeln und Schweinespeck aß, während die Chefin des Gasthofs am Nebentisch mit ihrer Familie Karten spielte.<br />
<br />
Ulf und ich haben über Poesie gesprochen, über Hölderlin, über Bahía Blanca, über Stuttgart und Berlin, und danach sind wir wie durch Zufall auf ein Thema gestoßen, das mich sehr interessierte.  Damit man den Zusammenhang versteht, muss ich erklären, dass die Erzählerin an einer Stelle von <i>La Anunciación</i> (Die Ankündigung) sagt: „Gestern hat Ulrike Meinhof sich das Leben genommen, die deutsche Rebellin, die Pfeife geraucht hat, erinnerst du dich?“ Ulf hat mir erzählt, dass Ulrike Meinhof von hier war. Er erzählte mir auch, dass sie nicht nur Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF), sondern auch eine bekannte Schriftstellerin war, die mit dem Publizisten Klaus Röhl (Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift „Konkret) verheiratet war, und dass er sich sehr gut an ihren „Selbstmord“ erinnert, der mit dem „Selbstmord“ von vier weiteren politischen Gefangenen im Hochsicherheitsgefängnis Stammheim, das sich ebenfalls in Stuttgart befindet, zusammenfiel. Jean-Paul Sartre hatte das Gefängnis übrigens kurz zuvor besucht und die menschenunwürdigen Bedingungen angeprangert, unter denen die Häftlinge dort gefangen gehalten wurden.<br />
<br />
Unser Gespräch war äußerst interessant, weil Ulf mich über den Hintergrund der Rebellenorganisation informierte. Er hat mir erzählt, dass viele der RAF-Mitglieder der ersten Generation – knapp 30 Personen – aus der Oberklasse und/oder aus pietistischen Familien kamen, d. h. evangelisch-lutherischen Familien, die eine individuelle religiöse Praxis vertraten, die, ausgehend von heterodoxen Ursprüngen im 17. Jahrhundert, schließlich in einer moralistischen und konservativen Haltung mündete. Es fiel mir nicht schwer zu verstehen, dass Ulf deshalb von einer komplexen Rebellion sprach und damit andeutete, dass die Kinder in der Auflehnung ebenfalls eine Art des Gehorsams gefunden hatten. Ich wiederum habe Ulf von Trelew nahe Bahía Blanca erzählt. Merkwürdigerweise gab es auch ein Massaker politischer Häftlinge in Argentinien, das mehr oder weniger zur selben Zeit zu einem exponentiellen Wachstum der bewaffneten Organisationen führte.<br />
Der Rest des Tages verlief belanglos. Es genügt, an dieser Stelle zu erzählen, dass ich auf einem so genannten „Bierfest” – einer Art süddeutschem <i>Thanksgiving</i> – gelandet bin.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:236 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/MariaNegroni/Bild3_cerveza008.jpg" title="© María Negroni" alt="© María Negroni" /><br />
&#160;<br />
Das Fest dauert ganze zwei Wochen. Um 11 Uhr werden in einer Art religiöser Zeremonie die Tore riesiger Zelte geöffnet, in denen sich lange Holztische reihen, und man beginnt zu trinken. Das Fest beginnt, sobald man dort ist, und nachdem man sich zwei XXL-Krüge Bier eingeflößt hat, kann es sein, dass man Lust bekommt, auf den Tisch zu steigen und zu singen, wobei man von einem Bein auf das andere wankt wie ein Bär. In meinem ganzen Leben habe ich nur ein Fest gesehen, das diesem ähnlich war. Das war in einem Ort in Texas namens Cowboys Red River – nur dass die Texaner auf einer ovalen Tanzfläche tanzten und zumindest eine gewisse Grazie hatten. Hier sind die vier imposanten Zelte von einem riesigen Rummelplatz umgeben. Wie man sieht, hat das „tiefste Deutschland“ unterschiedliche Gesichter – alle gleichermaßen schaurig. Es erübrigt sich an dieser Stelle zu erläutern, dass jedes Land seine eigenen tiefsten Gefilde hat und dass ich nicht weiß, was ich mit dieser Erkenntnis anfangen soll.<br />
<br />
<i>Übersetzung: Christin Kleinhenz</i> 
            </div>
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        <author>
            <name>Rayk Wieland</name>
                    </author>
    
        <published>2010-09-29T16:13:00Z</published>
        <updated>2010-10-04T15:41:19Z</updated>
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&#160;<br />
am ende hat mich argentinien sehr an die ddr erinnert. vielleicht weil die zeit mir etwas lang wurde und nichts passierte. vielleicht weil die zeit auch hier stehen geblieben zu sein scheint. argentinien ist das land der alten, der alten kellner, die würdevoll im halbschatten der schankräume stehen, der alten billardspieler, mit hosenträgern und gel im grauen haar, der alten tänzer, die in alten häusern ältere damen zum tanz bitten. so kam’s mir vor. mag sein, ich bin irgendwo falsch abgebogen. doch der eindruck bleibt. wie die ddr macht dieses land einen blassen eindruck, es zieht überall, und wenn es etwas gibt, das einem sofort ins auge fällt bzw. bläst, dann ist es der staub. die städte sind grau und haben fassaden von gestern. jede menge fahnen, kreisrunde plätze, geometrisch konfuse denkmäler mit zacken. die straßen sind schlecht. das essen kann man nicht essen. mir ist ein rätsel, wie die leute hier überleben. die argentinische küche kennt keine gewürze außer ketchup und mayo, keinen fisch außer lachs und forelle. die existenz von gemüse wird bestritten. fleisch liegt in arschbackengroßen portionen vor. pizzas sind fondue, fondue ist quark. woher der kaffee seine braune farbe hat, weiß niemand. sport spielt eine große rolle. die mittagspausen sind lang. es wird viel geredet. morgen ist auch noch ein tag.<br />
<br />
ist der vergleich einmal gezogen, findet sich eine gemeinsamkeit nach der anderen. die peso-scheine zum beispiel sind hier aus billigstem papier, auf dem fälscher nicht wagen würden, ihre blüten zu drucken. bei der ddr waren es die alu-münzen, die noch plumper wirkten als spielgeld. in beiden ländern wurde gern gewandert, in argentinien allerdings ein, aus der ddr hinaus. in beiden ländern gab es eine insel, die sie nicht erobern konnten: die argentinier nicht die malvinas, die ddr nicht westberlin. ja, beide länder hatten eine diktatur und einen machtvollen geheimapparat, wobei die vergleicherei spätestens jetzt nonsens wird, denn die stasi verfügte nun mal über keine hubschrauber, mit denen sie tausende nackte und gefolterte menschen ins meer werfen konnte. (sie hatte übrigens auch zu wenig meer.)<br />
<br />
worin beide länder sich wiederum unheimlich zu gleichen scheinen, ist das, was der soziologe émile durkheim „anomie“ genannt hat, das nicht-so-ernst-nehmen der eigenen gesetze, die normative unzulänglichkeit. in der ddr machte jeder, was er wollte, staat und polizei störten eigentlich nur, und in argentinien läuft’s wohl genauso. rote ampeln sind zum überfahren da, und das leben ist eine aneinanderreihung von kavaliersdelikten.<br />
<br />
die aufzählung ließe sich fortsetzen. das ende der welt, das zu markieren beide länder für sich beanspruchten, argentinien in ushuaia, die ddr an der mauer. das jeweils spezielle verhältnis zu den indianern. die vorliebe für dampferfahrten, tortenungetüme und für eine besondere nationalität, die nur in der einbildung existiert. bevor es zu beliebig wird, will ich mit einer gemeinsamkeit, der einzigen wahren gemeinsamkeit vielleicht,  schließen, die ich bezeugen kann: beide länder, argentinien und die ddr, wurden leider beherrscht  vom gleichen, irgendwie betonartigen, dunkelgrauen, trüben, scheußlich nasskalten Wetter, jedenfalls als ich da war. 
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        <author>
            <name>Pablo de Santis</name>
                    </author>
    
        <published>2010-09-28T21:07:00Z</published>
        <updated>2010-10-05T15:09:24Z</updated>
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                Es ist kalt und nieselt. Der Regen ist etwas, womit man auf Reisen nicht rechnet, als gäbe es ihn nur zu Hause, in der eigenen Stadt, im eigenen Viertel, als wäre er ein Phänomen von daheim. Mein ganzes Leben lang habe ich noch nie einen Regenschirm eingepackt.<br />
<br />
In Frankfurt, oder jedenfalls in der Innenstadt, sieht man keine Supermärkte, weder große noch kleine. Ich weiß nicht, wo die Leute einkaufen. Es gibt auch keine chinesischen Läden, die bei uns die Rettung sind, wenn man abends um halb elf einen Liter Milch braucht oder Kaffee oder Wein. Im Tiefgeschoss von Karstadt habe ich heute den ersten Lebensmittelladen entdeckt, so was ähnliches wie ein Supermarkt. Sie verstecken ihn, damit niemand drauf kommt.<br />
<br />
Dagegen ist es ganz üblich, auf der Straße zu essen, und viele Lokale stellen kleine Tische raus, wo man im Stehen essen kann. Das ist ein kultureller Unterschied, denn wir Argentinier würden keine Sekunde auf die Erwägung verwenden im Stehen zu essen, oder gar im Gehen! Um die Frühstückszeit oder nachmittags, wenn die Leute von der Arbeit kommen, hat eine Kette mit Namen BackWerk, viel Zulauf, ein Selbstbedienungslokal mit Kaffee, Kuchen und belegten Brötchen. Einmal trinke ich morgens dort einen Kaffee und esse dazu eins dieser großen Croissants, aber da bin ich der Einzige: Alle anderen nehmen mit Sesam bestreute Brötchen, dick belegt mit Aufschnitt und Salat.<br />
<br />
Am Abend gehe ich zu den Brücken. Ich habe inzwischen die Übersetzung des Verses aus der Odyssee gefunden, der auf Griechisch an einer der Brücken steht: „Jetzo schifft' ich hier an; denn ich steure mit meinen Genossen über das dunkle Meer zu unverständlichen Völkern”. Athene sagt das, als sie Telemachos am Anfang des Gesangs rät, sich auf die Suche nach dem Vater zu machen, und ihm dazu in der Gestalt des reisenden Königs Mentes erscheint. Ich verstehe den Sinn dieses Satzes nicht, zumal der Main nur auf deutschem Boden fließt und nie zu „unverständlichen Völkern“ führt. <br />
<br />
Bei den alten Brücken sind die Zwischenräume von Pfeiler zu Pfeiler ziemlich eng. Ich bewundere die Geschicklichkeit der Kapitäne von den riesigen Frachtschiffen (die wir in Argentinien „chatas”, platt, nennen würden), wenn sie genau die Lücke zwischen den Pfeilern treffen. Ich warte oben auf der Brücke, um den Führerstand zu sehen, und dann sehe ich den Kapitän, umgeben von Monitoren und allen möglichen Geräten. Trotz der Technik behält dieser Mann am Steuer des riesigen Frachters, der in der Nacht durch eine Brücke nach der anderen fährt, etwas bewunderungswürdiges.<br />
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Bemerkenswert finde ich diese ökologischen Fahrradtaxis:<br />
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<!-- s9ymdb:240 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/PablodeSantis_zuBlog5.jpg" title="© Pablo de Santis" alt="© Pablo de Santis" /><br />
&#160;<br />
<i>Übersetzung: Elisabeth Müller</i> 
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        <author>
            <name>Rayk Wieland</name>
                    </author>
    
        <published>2010-09-28T20:56:00Z</published>
        <updated>2010-09-30T16:23:08Z</updated>
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        <title type="html">Buenos Aires - London City</title>
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&#160;<br />
als ich in deutschland aufbrach, herrschte hochsommer, die sonne summte, die fliegen brannten, so dass es mir eine willkommene abwechslung zu sein schien, nach bariloche in den winter zu fliegen, wo ich bei einer wanderung am cerro otto durch hüfthohen schnee schwamm und einmal sogar meinen mantel als floß einsetzen musste, um nicht völlig zu versinken und womöglich nicht mehr nach buenos aires zu kommen und dort den frühling zu erleben, überall die singenden leute draußen in cafés, das flatternde licht des frühlings und die tango tanzenden vögel. zurück in deutschland, fallen die blätter aus den büchern, und es wird herbst sein und kalter regen wird die bäume schrägen.<br />
<br />
ein jahr in vier wochen, wie auf speed, wie im comic, alle vier jahreszeiten, ich hab sie durch. und ich fühle mich auch so: reifer, müder vor allem, ein jahr gealtert eben. und würde gern wissen, was das bedeutet? ob meine daten korrigiert werden müssen zum beispiel? ob ich früher rente bekomme? oder sie irgendwie gut geschrieben kriege, die ausstehenden elf monate? das sind so fragen.<br />
was mich auch interessiert: muss mein tod jetzt neu angesetzt werden? 
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            <name>Ariel Magnus</name>
                    </author>
    
        <published>2010-09-28T20:02:00Z</published>
        <updated>2010-10-05T14:37:36Z</updated>
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        <title type="html">Zürich – 28. September</title>
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                Vor einigen Jahren zog ich nach Patagonien um, als ich gerade einen Roman über Lärm zu Ende schrieb. Es war seltsam, die letzten Kapitel aus der Perspektive eines neurotischen Städters anzugehen, der nun von der kaum weniger als perfekten Stille der Berge umgeben war. Wie zu erwarten war, beeinflusste die Entdeckung der Existenz dieses Paradieses für die Ohren mein Schreiben, und ich bin sicher, das Buch wäre anders ausgegangen, wenn ich es in der Stadt geschrieben hätte.<br />
<br />
Nun gut, in Fortführung dessen, was man schon als eine Tradition oder gar als Vorgehensweise ansehen könnte, bin ich jetzt ins reichste Land der Welt gekommen, als ich gerade einen Roman zu Ende schreibe, der im Armenviertel Villa 31 in Buenos Aires spielt. Schlimmer noch: Ich bin in die Stadt dieses Landes gekommen, in der es keine Armen gibt. Man läuft durch die Straßen und trifft keine einzigen Bettler, sieht keine einzige Dose, nicht einmal ein handgeschriebenes Schild mit der üblichen Bitte an jede beliebige Großstadt, vor allem, wenn jedes Kleidungsstück der Passanten einen Mindestlohn wert ist.<br />
<br />
Diese Armut an Armen gibt zu denken. Mich zumindest ließ sie denken, dass die - ebenfalls unsichtbare - Polizei sie wohl aus den Gegenden verjagt, wo sie hätten betteln können. Aber nein. „So richtig Arme gibt es nicht“, sagte mir der Mann von der Touristeninformation am Hauptbahnhof, als ich ihn fragte, wo man sie versteckt hielte. „Und die Ausländer, wo sind die? Welche Gegend empfehlen Sie mir nachts lieber zu meiden?“, ich war fast verstört. „Ausländer gibt es überall, und in Zürich ist es nirgendwo unsicher.“<br />
<br />
Zum Glück haute mich, als ich aus der Information kam, ein Schwarzer um Geld an. „Du bist der erste sogenannte Christ, der sich nicht wegdreht, wenn er mich sieht“, sagte er zu mir. „Ich nenne mich nicht Christ“, stellte ich klar. Er quatschte mich fünf Minuten lang in hervorragendem Deutsch voll und erzählte mir, er sei pleite, weil er Bekannten ausgeholfen habe, und brauche jetzt nur was, um keine Ahnung wohin zu reisen („Ich möchte nicht schwarzfahren“, erklärte mir der Schwarze, vielleicht in dem Glauben, seine Zivilisiertheit könne mich rühren, denn was die Klamotten anging, war er besser gekleidet als ich). Dass er mir das Geld am Montag, wenn er seinen Lohn erhielte, zurückzahlen würde, war der Gipfel der Zivilisiertheit. Inzwischen bereue ich, ihm nichts gegeben zu haben, und sei es auch nur, um ihn am Montag zu suchen und bestätigt zu finden, dass er nicht da ist.<br />
<br />
Das war der einzige sagen wir mal Arme, den ich bis dato gesehen habe. Der, und einer auf einem Foto in der Mappe, die der Ehrenamtliche einer NGO einem Passanten auf der Bahnhofstraße zeigte, um ihn zu überzeugen, für die Sache zu spenden.<br />
<br />
Der Mangel an Armen ist so verzweifelnd, dass es just dieser Tage eine Ausstellung gibt, die sie sichtbar machen möchte. Durch Interviews mit Sozialhilfeempfängern und ein paar <a href="http://www.im-fall.ch/de/spiel/" target="_blank">interaktiven Spielen</a> (du gibst an, wie viele ihr zuhause seid und bekommst gesagt, wie viel du kriegen würdest, wenn du keinen Job hättest, dann klickst du alles an, was du normalerweise machst, und kapierst so, dass es nicht mal für die Hälfte reichen würde), dadurch sollen sich die Schweizer bewusst werden, dass das Geld schlecht verteilt ist. Mir fällt dazu ein, dass es nur jemandem in einem so hoch kulturalisierten Land einfallen kann, durch „Vermuseumslichung“ denen das Problem nahezubringen, die es nicht sehen wollen.<br />
Während wir auf die neue Zweigroschenoper zum Thema warten, kam gerade dieser Tage <a href="http://www.videoportal.sf.tv/video?id=91298BFC-0554-446F-AD34-D95A33B34746&referrer=http%253A%252F%252Fwww.tvprogramm.sf.tv%252Fdetails%252F36e121b2-d33b-453c-b03f-d2a3cbae0de9%253FWT.zugang%253Dfront_sen" target="_blank">dieser Dokumentarfilm</a> im Fernsehen, des anscheinend bekannten <a href="http://www.sendungen.sf.tv/dok/Nachrichten/Archiv/2008/10/23/dokmanual/SF-Dokumentarfilmer-Pino-Aschwanden-ausgezeichnet" target="_blank">Pino Aschwanden</a> (nein, Aschwanden heißt nicht Solanas). Von Anfang an erklärt Pinos Stimme aus dem Off, dass wir keine „Elends“-Geschichten sehen werden, und defininiert als arm jemanden, der noch nie einen Sonnenuntergang über dem Meer gesehen hat oder lange nicht mehr auswärts essen oder mit den Kindern im Zoo war. Ich muss nicht extra sagen, dass die porträtierten Familien nicht nur jede Familie in der Villa 31 vor Neid erblassen lassen würden - die ihrerseits Familien anderer Armenviertel vor Neid erblassen lassen -, sondern auch viele Mittelschichtfamilien.<br />
Mehr oder minder darum ging es in der Kritik im <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/fernsehen/TVKritik-Die-herbeigeredete-Armut/story/27443818" target="_blank">Tagesanzeiger</a>, und sie verdiente sich ziemlich viele negative Kommentare unten auf der Seite. Für viele ist Armut wirklich ein Problem, auch wenn niemand verhungert oder nicht mehr zur Schule geht oder keine medizinische Versorgung hat. Andere stimmen nüchtern zu, dass man nicht von Armut sprechen kann, solange die Grundbedürfnisse gedeckt sind, selbst wenn sie im Vergleich mit dem Besitzer von Nestlé (ich wusste gar nicht, dass das ein Schweizer Unternehmen ist) nicht so gut gestellt sind.<br />
<br />
Es muss seltsam sein, in einem Land zu leben, in dem die einzigen Armen sich auf Fotos in Mappen von NGOs befinden oder in den halbgeschriebenen Büchern, die südamerikanische Autoren mitbringen. Ich erinnere mich, dass Carla del Ponte bei dem Abendessen, zu dem sie uns in ihrer argentinischen Residenz einlud, sagte, für sie sei ihr Aufenthalt in Argentinien wie Urlaub von der Welt. „Denn Argentinien liegt außerhalb der Welt, nicht wahr?“, suchte sie unsere Zustimmung, sie sprach dabei ohne mehr Hochmut als den, den man ganz natürlich entwickelt, wenn man im Zentrum der Welt lebt (und in ihrem Fall an den großen Themen der Welt teilhat). In dem Moment war ich einer Meinung mit ihr, denn dieses Gefühl hatte ich stets, wenn ich im Ausland lebte. Doch wo ich nun hier bin und mir überlege, dass auf der Welt die meisten Leute arm sind, frage ich mich, ob nicht die Schweiz das Land ist, das außerhalb der Welt liegt. Im Paradies, so man denn will, ein zu künstliches für meinen Geschmack, jedoch außerhalb der irdischen Realität. Diese Front, an der man in Argentinien nicht neutral sein kann, die man auch nicht ignorieren kann, selbst wenn man nicht in einem Armenviertel lebt.<br />
<br />
Vielleicht ist für mich das Leben in dieser Stadt deshalb so wie in den Bergen, wo die Außenwelt einen nicht betrifft. Sie ist da für den, der sie suchen möchte, doch sie wird dich nie suchen kommen. Eine kaum freundlichere, kaum weniger grausame Gleichgültigkeit als die, die ich von der patagonischen Natur zu erwarten lernte.<br />
<br />
<em>Übersetzung: Silke Kleemann</em> 
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            <name>María Sonia Cristoff</name>
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        <published>2010-09-27T21:42:00Z</published>
        <updated>2010-11-10T17:10:13Z</updated>
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        <title type="html">Auf Wiedersehen, Leipzig</title>
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                Ständig geschieht das, ob wir es im Vorhinein wissen oder nicht: Irgendwann kommt der letzte Tag. Heute heißt es für mich also aufstehen, meine Sachen packen – nicht bloß den kleinen Handkoffer, der mir in meinem provisorischen Alltag unersetzliche Dienste geleistet hat – und mehrere Züge nehmen, die mich, voraussichtlich um vier Uhr nachmittags, in Köln absetzen werden. Zum ersten Mal seit ich in diesem Hotel eine vorläufige Heimat gefunden habe, unterläuft den Leuten von der Rezeption ein Irrtum und sie wecken mich eine Stunde früher als vereinbart. Ich nehme es als eines der vielen guten Vorzeichen, die mir in dieser Stadt schon zugekommen sind, was sich später auch bestätigt: Obwohl ich eine Stunde mehr Zeit gehabt habe, komme ich gerade noch rechtzeitig beim Bahnhof an. Außerdem mit zweiundfünfzig Kilo Gewicht im Schlepptau. <br />
<br />
Ich atme auf: Der Anzeigetafel nach hat mein Zug Verspätung, wieviel Verspätung genau wird allerdings nicht verraten. Ich schleppe mich mit meinem Gepäck zum Informationsschalter, um diesbezüglich Erkundigungen einzuziehen, in Frankfurt habe ich nämlich bloß zwölf Minuten Zeit zum Umsteigen. Als ich endlich an die Reihe komme (an den Schaltern sämtlicher Bahnhöfe in Deutschland musste ich mich anstellen, was mir unangenehm bekannt vorkam), stelle ich fest, dass auch die Frau auf der anderen Seite des Schalters zu den Leuten gehört, die <i>a little bit</i> Englisch sprechen. Ihre zwei mit blauen Anzügen bekleideten Kolleginnen ebenfalls. Trotzdem versuche ich herauszufinden, was ich wissen möchte. Hartnäckig. Bis ich es mit Tränen in den Augen irgendwann aufgebe. Ich schultere erneut meine zweiundfünfzig Kilo und kehre zum Bahnsteig zurück, entschlossen, den nächsten halbwegs passenden Zug zu besteigen. Dass der, den ich eigentlich hätte nehmen sollen, inzwischen, wenn auch verspätet, nicht nur längst eingetroffen, sondern auch schon wieder weitergefahren ist, scheint mir klar.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:276 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/2_Trenes7.jpg" title="© María Sonia Cristoff" alt="© María Sonia Cristoff" /><br />
&#160;<br />
Und so ist es auch: Der Zug ist weg, und damit auch mein Anschlusszug, beziehungsweise meine Anschlusszüge. Auch wenn mich das ärgert, wundert es mich nicht: Jedes Mal wenn ich von Leipzig aus für einen oder zwei Tage in eine andere Stadt fahren wollte, hatte ich Schwierigkeiten mit den Zügen. Wie aus heiterem Himmel, als hätte eine außer Kontrolle geratene Maschinerie es so verfügt, fuhren sie von einem anderen Bahnsteig ab, oder kamen zu spät, oder es hieß – kaum hatte man sich, mal mehr, mal weniger zufrieden mit der Nische, die man hatte aufstöbern können, um das Gepäck abzustellen, auf seinem reservierten Sitzplatz niedergelassen –, die Passagiere müssten sich in einen anderen Wagon begeben, mit der Folge, dass die betroffenen Passagiere sich wütend beschwerten. Wenn etwas dafür gesorgt hat, den Mythos von der deutschen Pünktlichkeit und Ordnungsliebe in meinen Augen zu zerstören, dann meine Zugreisen. Worüber ich andererseits sehr erleichtert bin, auch wenn es in diesem Fall zur Folge hatte, dass ich auf meiner Abschiedsreise von Leipzig aus immer wieder unter Aufbietung meiner letzten Kräfte zweiundfünfzig Kilo Gewicht eine Rolltreppe hinauf- und hinunterbefördern musste, bis ich schließlich in bedauernswertem Zustand und ohne auch nur eine Minute Zeit zu haben, um mich einzustimmen, an dem Ort eintraf, wo ich zusammen mit mehreren anderen Schriftstellern auf einem Podium Platz nehmen sollte.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:277 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/3_Trenes10.jpg" title="© María Sonia Cristoff" alt="© María Sonia Cristoff" /><br />
&#160;<br />
Als wir Schriftsteller nach der Veranstaltung von unseren Gastgebern mit einer selten köstlichen Suppe bewirtet werden, erzähle ich einem deutschen Journalisten, der neben mir am Tisch sitzt, dass mein erster Zug Verspätung hatte, weil sich jemand davor warf. Ausgerechnet heute musste der sich zum Selbstmord entschließen, füge ich hinzu. Von wegen, das hätte genauso gut gestern passieren können, oder auch morgen, sagt der Journalist. Und erzählt mir von Robert Enke, dem Torwart der deutschen Fußballnationalmannschaft, der bereits für mehrere große Vereine Europas gespielt hatte, aber vor nicht einmal einem Jahr in der Nähe von Hannover sein Auto an einer Bahnstrecke abstellte, seine Brieftasche auf den Beifahrersitz legte, ausstieg und sich vor einen Zug warf. Aus naheliegenden Gründen berichteten alle Zeitungen darüber, anders als in den vielen tausenden ähnlichen Fällen. Angeblich würde eine vergleichbar ausführliche Berichterstattung so manchen zur Nachahmung verleiten, ja schlimmstenfalls eine ganze Selbstmordserie auslösen. Genau dieselbe Theorie hatte ich schon einmal in Las Heras zu hören bekommen, einem Ort in Patagonien, wo sich in den Jahren um den Jahrtausendbeginn sechsundzwanzig Jugendliche in erschreckend gleichmäßigen zeitlichen Abständen das Leben nahmen, im Schnitt etwa alle zwei Monate einer, und fast alle erhängten sich. Überrascht bin ich dennoch. Als ich der Sache damals in dem geisterhaften Ort nachging, um anschließend etwas darüber zu schreiben, hielt ich die Idee für ziemlich abwegig, so als könnte man bloß an einem so weit von allen Diskussionen über Kultur und Gesellschaft entfernten Ort auf derlei Vorstellungen verfallen, die typische Vogel-Strauß-Reaktion eines Dorfes eben, das, bevor es seinen gegenwärtigen Namen erhielt, tatsächlich „Straußenspur“ hieß. Trotz aller der Kultur geschuldeten Unterschiede verbindet uns jedoch offensichtlich die Neigung, Selbstmorde, wenn sie reihenweise auftreten, nicht als Vielzahl von Einzelschicksalen, sondern als Ausdruck einer gesellschaftlichen Erkrankung zu betrachten, der man etwas entgegenhalten muss. Mir läuft ein Schauer über den Rücken. Während meine Schriftstellerkollegen sich gleichzeitig über lauter verschiedene Dinge unterhalten, sage ich mir, dass ich etwas dafür gäbe, nicht in diesem Zug gesessen zu haben. Oder gar nicht aus Leipzig abgereist zu sein. Trost finde ich erst, als ich mich wieder der köstlichen Suppe zuwende und mir „Chili“ in Erinnerung rufe, einen Parson Jack Russell Terrier, der mir im Zug gegenüber saß. Nicht zum ersten Mal verlasse ich bedrückter Stimmung einen Ort, um mich unversehens in Gesellschaft eines Hundes wiederzufinden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mich zu beschützen.<br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:275 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/1_Trenes1.jpg" title="© María Sonia Cristoff" alt="© María Sonia Cristoff" /><br />
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<i>Übersetzung: Peter Kultzen</i> 
            </div>
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        <author>
            <name>María Sonia Cristoff</name>
                    </author>
    
        <published>2010-09-27T20:37:00Z</published>
        <updated>2010-11-10T16:48:48Z</updated>
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                Zuletzt bin ich dann also doch nicht geflohen, anders als die Schüler, an die im „Zeitgeschichtlichen Forum“ erinnert wird – die machten sich ja eines Tages alle zusammen aus dem Staub und verschwanden gen Westen –, anders auch als B. Traven, der offenbar, nachdem er viele Jahre lang in Deutschland gelebt hatte, im mexikanischen Chiapas im Urwald untertauchte, und anders auch als Wakefield, selbst wenn der, wie Poes entwendeter Brief, sich sozusagen vor aller Augen versteckt hielt. Es gäbe noch viele Beispiele – aber hier bin ich also, immer noch in Leipzig und gerade damit beschäftigt, einen Handkoffer zu kaufen, weil ich erneut in eine andere Stadt reisen muss, um an einer Lesung oder Podiumsdiskussion teilzunehmen. Diesmal will ich alles richtig machen, denn der Koffer, den ich davor kaufte – in einer Art Alles-ein-Euro-Shop – verkraftete offensichtlich den Abschied von Leipzig nicht und ging gleich auf der Hinfahrt zu meiner letzten Veranstaltung, kaputt. <br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:272 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/1_InglesenEste8.jpg" title="© María Sonia Cristoff" alt="© María Sonia Cristoff" /><br />
&#160;<br />
Wer diesmal kurz davor steht, alles hinzuschmeißen, bin ich: Seit mindestens vierzig Minuten liege ich mit einer Verkäuferin im Clinch, die, wie die meisten Bewohner dieser Stadt über fünfzig, nicht ein Wort Englisch spricht. Jemand – wahrscheinlich von einer staatlichen Behörde wie dem Erziehungsministerium oder dem für Kultur oder für Tourismus – muss diesen Leuten nach der Wiedervereinigung beigebracht haben, „<i>a little bit</i>“ zu antworten, sobald sie gefragt werden, ob sie Englisch sprechen. Leider befolgen sie diese Anweisung, was die Verständigungsschwierigkeiten nur erhöht. Es war schon kompliziert genug, der Dame klar zu machen, dass ich nicht irgendeine Art von kleinem Koffer suche, selbiger sollte vielmehr darüberhinaus der Kategorie „Handgepäck“ entsprechen. Das Ende der Sackgasse und jeglicher Verständigung war jedoch erreicht, als es irgendwann darum ging, mir zu zeigen, wie der Code des Sicherheitsschlosses funktioniert. Auf halbem Wege hat die Frau etwas vergessen oder durcheinandergebracht, und nun stehen wir da, jede auf einer Seite der Verkaufstheke und zwischen uns wie ein Leichnam bei einer gerichtsmedizinischen Untersuchung der kleine Koffer, den die gute Frau zwar zubekommen hat; jetzt weiß sie allerdings nicht mehr, wie er aufgeht. Etwas, was genau weiß ich noch nicht, macht mich dabei zu ihrer Komplizin, vielleicht ist es der Kugelschreiber, den ich ihr geliehen habe, um die Sache entsprechend der – nur auf Deutsch verfassten – Bedienungsanweisung in Gang zu bringen, oder auch die drei Zahlen, die ich ihr mit den Fingern meiner Hand anzeigte, als spielten wir ein Ratespiel, bei dem man sich nur per Pantomime ausdrücken darf, wodurch sich die Zahlenfolge in meinen persönlichen Geheimcode verwandelt hat. Jedenfalls bin ich jetzt gewissermaßen so sehr in die Sache verstrickt, dass ich nicht auf der Stelle kehrtmachen und mit Türenknallen das Geschäft verlassen kann, nicht so ohne Weiteres, meine ich. Deshalb versuche ich es erneut, variiere mit allen mir zur Verfügung stehenden Ausdrucksmöglichkeiten die vielleicht zehn Wörter, die meiner Schätzung nach dem Inhalt des englischen <i>a little bit</i> entsprechen sollten. Aber alles bleibt vergebens. Suchend lasse ich den Blick durch den großen Verkaufsraum schweifen und frage, aus Verzweiflung auf Spanisch, wie es sein kann, dass niemand in diesem vierstöckigen Gebäude, das bis unter die Decke mit Sachen vollgepackt ist, die man käuflich erwerben kann, Englisch spricht. <br />
&#160;<br />
<!-- s9ymdb:273 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="519"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/2_InglsenEste3.jpg" title="© María Sonia Cristoff" alt="© María Sonia Cristoff" /><br />
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Die Frau ruft drei Kolleginnen herbei, sämtlich Altersgenossinnen und um nichts weniger verschlossen. Sie ziehen und zerren an dem Köfferchen, das schon bald mir gehören soll, als wollten sie an einem früheren Liebhaber Rache nehmen. Ich zögere jedoch, dem Koffer zur Seite zu springen, schließlich weiß ich ja gar nicht, ob er immer noch für mich bestimmt ist – indem ich ihn verteidige, mache ich mich jedenfalls noch mehr zur Komplizin, sage ich mir. Die erste Verkäuferin hat angefangen zu schwitzen, ihr Gesicht ist von einer überall gleichmäßig feuchten Schicht überzogen, als hätte sich in ihrem Inneren eine hochmoderne Sprinkleranlage in Gang gesetzt. Eine ihrer Kolleginnen verschwindet, um bald darauf mit einem Deutsch-Englischen Wörterbuch aus der entsprechenden Abteilung des Geschäftes zurückzukehren. Ich reiße es ihr aus den Händen wie ein Bettler, der, inmitten einer Schar halbverhungerter Schicksalsgenossen stehend, plötzlich einen Brotkrumen entdeckt hat. Aber auch das hilft nicht weiter. Es gelingt mir nicht, aus lauter einzelnen Wörtern einen deutschen Satz zu konstruieren, nicht einmal den allereinfachsten. Vielleicht liegt es auch nur an meiner Aussprache, die offensichtlich unüberbrückbar weit vom richtigen Klang entfernt ist. Da fällt mir ein, dass mein Zug morgen in aller Frühe abfährt, was mich nur noch mutloser macht. Da erscheint eine Kundin, die perfekt Englisch spricht, aber auch das hilft jetzt nicht mehr. Sie schafft es weder, den Koffer aufzubekommen, noch den Code zu knacken. Und ich erst recht nicht – selbst wenn die Bedienungsanweisung in argentinischem Spanisch verfasst wäre, wäre ich außerstande, sie zu verstehen. Da richtet die erste Verkäuferin plötzlich in einer genialen Wendung – das ist wirklich hohe Schauspielkunst – den Blick für einen kurzen Moment auf den Boden, hört ebenso schlagartig zu schwitzen auf, wie sie angefangen hatte, und sieht mich dann mit einem klassischen „Was-kann-ich-für-Sie-tun?“-Gesicht an. Ich stammele etwas in ich weiß selbst nicht mehr welcher Sprache, während das Wörterbuch weiterhin aufgeschlagen auf der Theke liegt. Ich klappe es zu und überlasse mich ihrer Führung, wie wahrscheinlich jeder Schauspielschüler, wenn er zum ersten Mal neben einem wirklich großen Darsteller, neben dem Leinwandidol seiner Kindertage, auf der Bühne steht. Sie spielt ihre Rolle dermaßen überzeugend, dass ich nicht einmal mehr die Kofferleiche auf der Theke zu sehen glaube, zumindest erscheint sie mir nicht mehr als das unverkäuflich-unbrauchbare Objekt, das das Scheitern unserer Begegnung bekundet. Dafür füge ich mich meinerseits in meine Rolle und verlasse schleppenden Schrittes den Ort, als hätte ich mich hier bloß einmal umsehen wollen.  <br />
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Draußen gehe ich mit dem gleichen schleppenden Schritt weiter – im Grunde genommen ist das eine meiner Lieblingsrollen. Dabei fällt mir ein, dass ein Stück von <i>Supertramp</i>, von dem ich als Teenager, noch vor der Pubertät, begeistert war, <i>A little bit</i> hieß, oder so ähnlich. Woraufhin ich wieder an langweilige Ferienabende denken muss, an denen ich mich damit beschäftigte, den Text dieses und anderer Stücke aufzuschreiben, so wie sie aus einem leiernden Kassettenrecorder kamen, der mir die Arbeit nicht unbedingt einfacher machte. Wie mir auch das Gespräch mit Annerose Heinich wieder einfällt, einer Englischlehrerin, die mir erzählt hat, mit welchen Tricks sie sich zur Zeit der kommunistischen Herrschaft Platten von den Beatles, Rolling Stones und anderen beschaffte, um sie zu überspielen und anschließend heimlich ihren Schülern vorzuführen. Zu ihrer großen Zufriedenheit war sie nie dabei erwischt worden. Es reichte schon, dass sie damit leben musste, als Aussätzige, Verräterin, ja mutmaßliche Spionin angesehen zu werden. Weil nur wenige sich vom Englischen so sehr angezogen gefühlt hätten, dass sie dafür derartige Verdächtigungen auf sich nahmen, habe vor dem Mauerfall auch kaum jemand in Ostdeutschland Englisch gelernt. Seit 1989 hätten sich die Dinge jedoch grundlegend verändert, Englisch sei inzwischen von der ersten Schulklasse an Pflichtfach. Wieder betrete ich ein Geschäft, wo es, wie man mir gesagt hat, brauchbare Handkoffer geben soll. Bevor ich den Mund öffne, überlege ich jedoch genau, ob die Verkäuferin, der ich mich schließlich nähere, wirklich erst in den neunziger Jahren in die Schule gekommen ist. <br />
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<!-- s9ymdb:274 --><img class="serendipity_image_center" width="389" height="292"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/3_InglsenEste.jpg" title="© María Sonia Cristoff" alt="© María Sonia Cristoff" /><br />
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<i>Übersetzung: Peter Kultzen</i> 
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            <name>Rayk Wieland</name>
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        <published>2010-09-27T15:51:00Z</published>
        <updated>2010-09-30T16:23:14Z</updated>
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ich bin sehr froh, wieder zurück in buenos aires zu sein. meine gespräche mit gletschern sind vorerst in beiderseitigem einverständnis abgeschlossen. die tiere, die ich sah, habe ich gesehen. beispielsweise die seehunde, die vor puerto madryn hauptsächlich herumnölten und damit meine bewunderung letzlich nicht erringen konnten. anders die glattwale in der bucht, die auf eine derart lässige und souveräne art im wasser faulenzten, sich herumwälzten und ab und zu, wie nach einem tiefen cigarrenzug, ausatmeten, dass ich etwas wie neid verspürte auf ihre enorme innere ruhe. den flamingos von calafate meine verehrung. die dort auf mich herabschießenden raubmöwen aber sollten nicht mit einer lobenden erwähnung rechnen. gegen die adler und geier im umfeld von bariloche hege ich keinen groll. es ist nicht ihre schuld, wenn ich sie mit dem kondor verwechselte, dessen bekanntschaft ich gern gemacht hätte. im naturpark von feuerland sah ich einen schwarzspecht, den ich hiermit grüße. als er davonflog, klang es, als würde ein kleiner hubschrauber starten. wenn er lust hat, auf mich zu hören, würde ich ihm raten, es vielleicht etwas weniger affektiert zu tun. <br />
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ganz in der nähe scharrten hundertschaften von falken im boden und ich wagte kaum, durch ihre mitte zu gehen. das offizielle treffen mit dem führenden dalmatiner von ushuaia war einer der höhepunkte meiner expedition. wenn er einmal nach deutschland reisen wollte, wäre es mir ein vergnügen, ihn diesmal schweigend an mir vorüber gehen zu lassen. der qualle oben in den bergen, am ausläufer des beagle-kanals, wünsche ich eine gedenktafel, auf der ihre pionierleistung in sachen weichtier-tourismus adäquat gewürdigt wird. habe ich jemanden vergessen? eines nachts war mir, als hörte ich neben mir im hotel los naranjos in ushuaia das mylodon kurz aufstöhnen, jenes legendäre, vermeintlich ausgestorbene riesenfaultier, das einst in den weiten flächen patagoniens zu hause war. zweifellos eine sensation. aber im hotel? für ganz ausgeschlossen halte ich es nicht, muss aber in erwägung ziehen, dass das geräusch auch von der interaktion jenes liebespärchens verursacht worden sein könnte, das am nächsten morgen mit roten ohren im frühstücksraum platz nahm. 
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            <name>Alan Pauls</name>
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        <published>2010-09-26T20:24:00Z</published>
        <updated>2010-10-05T14:30:27Z</updated>
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                sonntagmorgen. fahrrad und <i>kilimanjaro</i>, die neue scheibe von superpitcher. beim suchen nach  dem nollendorfplatz (zwischen den weltkriegen das mekka des schwulen berlin,  isherwoods paradies), der einfach nicht auftauchen will, finde ich den alten  st. matthäus-kirchhof, friedhof des bürgerlichen 19. jahrhunderts. ein schöner  ort (das erklärt, zum teil wenigstens, den text am eingang, in dem es wunderbar  zweideutig heißt: „the cementery soon enjoyed great popularity“.) es gibt  asphaltierte hauptwege, aber keine angelegten wege zwischen den gräbern. man  muss also über das gras gehen, das wie überall von sattem grün ist, dazu lang  und glatt wie das fell eines tiers aus einer anderen zeit, so gigantisch groß,  dass man es nicht mehr sieht. vereinzelt stehen holzbänke und stühle herum, die  nicht so aussehen, als seien sie „öffentlich“. eher als hätte ein  hinterbliebener sie mitgebracht, um ein weilchen bei seinem toten zu sitzen,  und sie dann dagelassen, um sich die mühe zu sparen, sie erneut anzuschleppen,  oder einfach vergessen. mit der zeit sind sie in den besitz der allgemeinheit  übergegangen, für alle da. (und wenn das gerade das geheimnis der stadt wäre?  es dahin gebracht zu haben, dass die zeit sich <i>gut verhält</i>? dass sie nicht abnutzt, sondern veredelt und den  dingen und ihrem gebrauch größere reinheit verleiht, dass sie beispielsweise  vormals privaten besitz in allgemeingut überführt?) die brüderchen grimm sind  nebeneinander begraben, seite an seite. ganz in der nähe zwei avantgardistische  grabsteine, der eine mit einer an rodtschenko gemahnenden collage (und einem  brahms-zitat), der andere eine abstrakte skulptur aus holz mit rechteckigem  ausschnitt in der mitte.<br />
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schon wieder auf dem rückweg, mit einem morschen ast als  spazierstock (die friedhöfe verwandeln mich in eine art komödien-tiresias),  lausche ich dem text zum sagenhaften „black magic“, der spanisch ist. (ich habe  gehört, dass superpitcher einmal während einer tournee in buenos aires eine  affaire mit f. l. hatte; bestätigen konnte mir das keiner, aber ich kann  schwören, dass ich auf keine andere romanze der letzten zehn jahre so neidisch  war wie auf diese.) jemand haucht erotisch gestöhnte fetzen von latino-<i>pidgin</i>: „magia negra/hechicera“.  „respira hondo / cachondo“. „te conocí en catemaco / en la isla de los changos  / te traje a colonia / a pasear en bicicleta“. und gegen ende das rezept für  einen zaubertrank, um das mädchen aus veracruz herüberzuschaffen: „siete pelos  de mico / escamas de trucha / una pizca de sales minerales / cuatro párpados de  hormiga / dos gotas de limón“. seitlich von mir vollzieht ein junger typ vor  einem grab eine art zeremoniell. ganz aufrecht steht er da, fährt ganz sanft  mit den händen durch die luft, wie in einer extrem verlangsamten tai-chi-übung.  ich schäme mich, ihm länger zuzuschauen. ein paar meter weiter bekomme ich  feuchte augen. obwohl r. es mir seinerzeit auf ihre hellsichtige, stets  liebevolle art vorgeworfen hatte, ist es das erste mal, dass es mich ernsthaft, <i>körperlich</i> reut, meinen vater  eingeäschert zu haben: nicht die möglichkeit zu haben, ein eigenes ritual zu  erfinden, ein zwiegespräch mit dem, was von ihm geblieben wäre.<br clear="all" />&#160;<br /><a  class="serendipity_image_link" title="© Alan Pauls"  rel='lightbox[lightbox_group_entry_157]' href='http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild1_Blog8.jpg'><!-- s9ymdb:227 --><img class="serendipity_image_center" width="110" height="83"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild1_Blog8.serendipityThumb.jpg" title="© Alan Pauls" alt="© Alan Pauls" /></a>&#160;<a  class="serendipity_image_link" title="© Alan Pauls"  rel='lightbox[lightbox_group_entry_157]' href='http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild2_Blog8.jpg'><!-- s9ymdb:228 --><img class="serendipity_image_center" width="110" height="83"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild2_Blog8.serendipityThumb.jpg" title="© Alan Pauls" alt="© Alan Pauls" /></a>&#160;<a  class="serendipity_image_link" title="© Alan Pauls"  rel='lightbox[lightbox_group_entry_157]' href='http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild3_Blog8.jpg'><!-- s9ymdb:229 --><img class="serendipity_image_center" width="110" height="83"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild3_Blog8.serendipityThumb.jpg" title="© Alan Pauls" alt="© Alan Pauls" /></a><br clear="all" />&#160;<br /><a  class="serendipity_image_link" title="© Alan Pauls"  rel='lightbox[lightbox_group_entry_157]' href='http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild4_Blog8.jpg'><!-- s9ymdb:230 --><img class="serendipity_image_center" width="110" height="83"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild4_Blog8.serendipityThumb.jpg" title="© Alan Pauls" alt="© Alan Pauls" /></a>&#160;<a  class="serendipity_image_link" title="© Alan Pauls"  rel='lightbox[lightbox_group_entry_157]' href='http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild5_Blog8.jpg'><!-- s9ymdb:231 --><img class="serendipity_image_center" width="110" height="83"  src="http://blog.goethe.de/rayuela/uploads/Bild5_Blog8.serendipityThumb.jpg" title="© Alan Pauls" alt="© Alan Pauls" /></a><br clear="all" />&#160;<br /><br />
<i>Übersetzung: Christian Hansen</i> 
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