Heute Morgen war meine Nachbarin in der Kunststiftung Baden-Württemberg so freundlich, mir einen Fön zu leihen. Sie ist eine deutsche Künstlerin und heißt Sigrún. Das ist ein typisch germanischer Name, hat sie mir auf Englisch erklärt. Ich habe nur gelächelt. Es wäre zu umständlich gewesen, ihr zu erklären, dass ich in einem der Fragmente von
Islandia die Geschichte von Sigrún von Seffafels erzähle, die in den toten Armen von Helgi schlief.
Später habe ich Florian Höllerer, den Geschäftsführer des Literaturhauses Stuttgart, kennengelernt, einen sehr herzlichen Mann, mit hellen Augen und einer sanftmütigen Art, der mir eine Festschrift an Sebald geschenkt hat. Er erklärte mir, dass Sebald dieses Literaturhaus im November 2001 eingeweiht hat, nachdem er aus New York zurückkam, wo kurz zuvor die Zwillingstürme eingestürzt waren. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt, bevor er einige Wochen später verstarb.
Ich schreibe diese Zeilen auf dem Schlossplatz, dem Hauptplatz Stuttgarts. Es ist Nachmittag und die Sonne scheint. Die Menschen tummeln sich auf dem Rasen, fahren Rad, lesen, essen Eis. Aus irgendeinem Grund kann ich nicht aufhören, an die Elois aus Die
Zeitmaschine von H. G. Wells zu denken. Wäre Wells jetzt hier, würde er sich sicher fragen, wo die Morlocks sind, in welcher verborgenen unterirdischen Höhle, mit ihrer dunklen Haut, ihren wollüstigen, hungrigen Körpern, die die Maschinen am Laufen halten, die den blonden Wohlstand an der Oberfläche ermöglichen.
Beim Mittagessen im Literaturhaus waren zwei Argentinier. Einer arbeitet bei Mercedes Benz. Der andere fragte mich, so wie man für gewöhnlich jemanden nach dem Namen fragt: Mit welcher Thematik beschäftigen sich deine Bücher? Kein Kommentar. Ich sehe noch mehr Hunde an Leinen vorbeispazieren. Ulf hat mich definitiv angesteckt mit seiner Hundebesessenheit.
Übersetzung: Christin Kleinhenz