Bevor es nun gleich Bye, bye, Bahía Blanca heißt, noch zwei grundsätzliche Erkenntnisse, die weit über Bahía Blanca hinausweisen:
1.) Argentinier sind in aller Regel sehr gut erzogen und schweinehöflich! Das zeigt sich am permanenten Entschuldigen, am Darf-ich-Sagen, immer ist der Argentinier Am-sich-Bedanken - am Klarsten aber tritt die argentinische Höflichkeit in der Sitte hervor, nichts ohne Umschlag lassen zu wollen. Ich habe das nicht gekannt: man kauft irgendetwas: eine Eintrittskarte, einen Stadtplan, eine Broschüre - egal: immer gibt es einen ziemlich genau passenden Briefumschlag dafür, hellbraun oder weiß, kauft man eine Flasche Bier, entschuldigt sich der Argentinier zehnmal dafür, dass er keinen passenden Umschlag dafür hat. Auf meinem Schreibtisch habe ich mittlerweile einen ganzen Stapel davon! Am Anfang wollte ich den Umschlag noch ablehnen - das ist nämlich die falsche deutsche Höflichkeit, der ich leider sehr anhänge: Machen Sie sich doch bitte keine Umstände! Für so einen tollen Umschlag bin ich doch ein viel zu kleines Licht! usw. - jetzt habe ich begriffen: Umschlag muss sein wg. gutem Gefühl dabei. Wer Umschläge ablehnt, ist ein Banause, vor allem aber weiß er den Wert dessen, das er gerade erworben hat, überhaupt nicht zu schätzen bzw. zu ermessen.
Ich sage das so flapsig, aber die argentinische Höflichkeit ist etwas ganz Besonderes. Ich habe mich sehr respektiert gefühlt, die ganze Zeit, und werde versuchen die Konzepte argentinischer Höflich- und Freundlichkeit auch in Berlin Wurzeln fassen zu lassen.
Und bei den Umschlägen fang ich an.
2.) und das hat mit 1.) zu tun: wird man hier von den Kellnerinnen für eine gute Bestellung gelobt: „Ja, das ist sehr gut!”, „Nun, das passt gerade in dieser Zusammenstellung bestens!”, „Ja, sehr gut, perfekt!” oder - höchstes Lob: „Das würde mir SO auch schmecken - optimal!” Ein „Ottimo” oder „Perfetto” hört man von italienischen Kellnern schon auch mal, aber es kommt meistens so blutleer, so Dienst nach Vorschrift daher: „Ja, eine Pizza Margherita und ein großes Bier - das wäre mir zur Not auch noch eingefallen!”, während beim argentinischen Kellner dieses ganze bestimmte Feuer der Euphorie lodert, und dieses Feuer macht das Kellnerlob so großartig und - ja: so authentisch. Man fühlt sich einfach angenommen!
Und jetzt - überhaupt nicht ottimo:
Bye, bye, Bahía Blanca!



