Auf der Buchmesse, draußen in Palermo, präsentiert Carla del Ponte ihr Buch „La caza. Yo y los criminales de guerra“. Carla del Ponte ist die Schweizer Botschafterin in Argentinien und die frühere Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Draußen feiern Trommelwirbel und Piccoloflöten die argentinische Mai-Revolution vor 200 Jahren, während del Ponte über die Rolle des Vatikans beim Verstecken kroatischer Kriegsverbrecher spricht und sich von neuem über Milosevics Bluthochdruckprobleme ärgert. Sie tut dies in einem charmanten Gemisch aus Italienisch und Spanisch, mit dem sie sich leicht in die Herzen der Zuhörer spielt. „Cómo se dice?“, fragt die Botschafterin, und das versammelte Podium und zwanzig Stimmen aus dem Publikum stehen ihr gern und hilfreich beim Übersetzen bei.
Ein Auftritt, der mich ermutigt, die Botschafterlaufbahn einzuschlagen. Ich spreche fließend Englisch, kann mir also eine Botschafterstelle in Großbritannien oder in den USA abschminken. Hingegen für alle anderen Schweizer Vertretungen in der Welt habe ich noch alle Chancen.
Angeregt von den Schauergeschichten, die mir von Ariel Magnus erzählt worden sind, treibe ich mich nachts in Boca herum und verfolge harmlose Jugendliche, weil ich hoffe, eine Bandenschlacht zu sehen, zu der es nicht kommt.



