Die Stadt Bahía Blanca leistet sich den Luxus, in Ingeniero White neben dem Museo del Puerto auch noch das Museo Ferrowhite zu unterhalten. Beide Museen verbindet der alltagsgeschichtliche Ansatz, doch während beim Museo del Puerto die Rolle des Hafens im Vordergrund steht, geht es im Ferrowhite um die Bedeutung der Eisenbahn für die Nachbarschaft, die Provinz und das ganze Land. Und darum, was deren unaufhaltsamer Niedergang für Argentinien bedeutet. Wenn ich davon geschrieben habe, wie liebevoll das Hafenmuseum gestaltet ist, so gilt das für das Eisenbahnmuseum genauso. Ich habe sogar ins Magazin schauen dürfen, und was da alles zusammengetragen worden ist („Take stuff from work!”) und noch der öffentlichen Präsentation harrt, das ist unglaublich - etwa eine vollständige Sammlung von Dienststempeln der argentinischen Bahn, oder Ölkännchen in allen Größen und Qualitäten, antike Feuerlöscher, Schaffnertäschchen und Fahrkartenspender usw. Das Museumsgelände besteht aus drei Gebäuden: der hier beschriebenen Werkstatt mit der großen Ausstellung, dem „Schloss”, einem riesigen, ehemaligen Elektrizitätswerk und dem Spionshäuschen mit dem Café Secreto. Obwohl das E-Werk von einer italienischen Firma betrieben wurde, war sein Jefe ein deutscher Ingenieur, nämlich der Direktor Gustav (Nachname nicht bekannt oder wird schamhaft verschwiegen!). Dieser Direktor Gustav wohnte mit seiner Familie im Spionshäuschen, welches damals noch die Direktorenvilla war. Dann aber, am 27. März 1945, fasst sich Argentinien ein Herz und erklärt dem Deutschen Reich den Krieg! Und schon kurz darauf hat man ihn überzeugend gewonnen. In der Zeit zwischen März und Mai aber sieht man den Direktor Gustav auf dem Balkon seiner Villa sitzen. Mit zusammengekniffenen Augen scheint er den Hafen und die Eisenbahnlinie zu beobachten. Und als dann auch noch Funksignale geortet werden, ist der Fall klar: Der Jefe ist ein Spion. Das Ende der Geschichte habe ich nicht richtig verstanden. Ich glaube, man hat den Gustav in Arrest genommen, konnte ihm aber letztlich doch nichts nachweisen und musste ihn wieder laufen lassen. Das Werk wurde irgendwann geschlossen und die Direktorenfamilie verließ das Land.
Das Café Secreto dokumentiert all diese Ereignisse und noch manches andere mehr - das erste aber, das man sieht, wenn man den ersten Stock erklommen hat, ist dies hier: Können Sie es erkennen?
YES, SIR - es ist: Der Gauchito!
Und hier ein weiteres, interessantes Dokument, das noch mal ein ganz anderes Licht auf die Situation der Hunde in Bahía Blanca wirft:
ist Ingeniero White der Name eines Stadtteils? Dann wäre es vermutlich nach Herrn White benannt. Dessen Vorname aber bleibt im Dunkeln. Sollte er Gustav lauten, so wie beim Direktor ohne Nachnamen, dann wäre das eine runde Sache, finde ich.
Schöne Grüße, Thias (Ex-Shnauzer)
ich hänge an Deinen Lippen, verschlinge Dein Reisetagebuch! Nun ist aber auch meine Neugier geweckt: Woran erkennt man die Vollständigkeit einer Dienststempelsammlung der argentinischen Bahn? Mit neugierig-unruhigem aber sehr herzlichem Gruss, Robin
das ist eine sehr gute und verdammt berechtigte frage. aber wenn ich dir die antwort sage, wirst du dir trotzdem vor die stirn hauen: "abgeschlossenheit" oder "vollständigkeit" einer sammlung ist immer dann gegeben, wenn sie dir als solche von dritten mitgeteilt wird. empirisch ist "A" oder "V" selbstverständlich nicht überprüfbar. glaube ich zumindest.
was denkst du über den mutti-artikel?
mit gruß!
ja, da wüßte ich noch was, ein deutsches schimpfwort, das so entsetzlich ist, so unanständig, daß ich selbst es tatsächlich noch nie benutzt habe, es kommt bei mir im blog auch bald noch vor, als wort,das manche mit V und andere mit F schreiben - und das benutzt man hier als adjektiv, also vergleichbar: spitze wetter! oder: ich habe in der neuen wohnung scheiße nachbarn.
es könnte sich aber auch um einen kapitalen verhörer handeln - den dann allerdings x-fach!
aus berlin das beste,
dein ulf