Aber wenn man nicht dachte, womit sollte man dann seine Zeit füllen?
César Aira, Varamo
Argentinien ist das Gastland an der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt. Dies bedeutet, dass außergewöhnliche argentinische Autorinnen und Autoren wie Martin Kohan, Ariel Magnus, Claudia Piñeiro, Samanta Schweblin, Washington Cucurto und – allen voran – César Aira zum Teil erstmals auf Deutsch publiziert und eine breite Resonanz zwischen Zürich, Wien, Berlin und Hamburg erfahren werden.
Vom Schriftsteller César Aira berichten die Klappentexte seiner Bücher knapp: Nació en Coronel Pringles en febrero de 1949. Desde 1967 reside en Buenos Aires.
C’est tout.
Da mich immer auch der Mensch hinter einem Buch interessiert, würde ich gern mehr über den Autor des hinreißenden Buchs „Varamo“ in Erfahrung bringen. Anekdoten, Charakteristisches ... Aber ich weiß: Schriftsteller sind meist farblose Wesen, haben selten mehr zu bieten als eine innere Biographie, es sei denn, sie jagten in Indien Elefanten oder griffen in den politischen Tageskampf ein, als Propheten oder als Repräsentanten der intellektuellen Elite, wie die politischen Autoren der Vergangenheit.
Was darf man also wissen von César Aira? Wer ist er, wie lebt er? Er empfängt selten Besucher und geht kaum aus ... Jeden Mittwoch nimmt er in der Bar an der Ecke einen Cognac und spielt ein paar Stunden Schach mit den Honoratioren von Flores...
Am 23. Februar 2009 gab César Aira anlässlich seines sechzigsten Geburtstages ein intimes Bankett für achtzehn Personen im Campo dei Fiori, Ecke Venezuela y San José. Als er am Ende der Veranstaltung die Rechnung verlangte, verbeugte sich der Oberkellner und sagte: „Señor, wir bedauern, die Rechnung ist verloren gegangen.“
Einen César Aira läßt man nicht zahlen. Weder im Campo Dei Fiori in Buenos Aires noch im Hotel Waldorf-Astoria in New York, wo er ein Appartement hat, noch beim Couturier Dessés in Paris, der ihm jährlich zwei Anzüge zur Verfügung stellt, nur damit er diese bei Lesungen und Preisverleihungen trage.
Tausende von Fröschen hält Aira in den Kellern seiner Villa, darunter sind viele, die keinen Vater haben. Seit Jahren beschäftigen Aira Versuche zur sogenannten Parthenogenese – der jungfräulichen Zeugung, wobei weibliche Tiere ohne jede andere Intervention als die der Kälte befruchtet werden und sich fortpflanzen. Hunderte Male hat Aira mit der Parthenogenese, die zum ersten Mal im Jahr 1910 dem französischen Biologen Eugène Bataillon gelang, reüssiert – bei Fröschen und letztlich auch bei Kaninchen.
Nur spekulativ und im Rahmen seiner literarischen Arbeit denkt Aira an die menschliche Parthenogenese, bei der stets wieder nur weibliche Geschöpfe das Licht der Welt erblicken würden. „Wo begriffen wird, was es heißt, dass das männliche Element nicht mehr unerlässlich ist zur Fortpflanzung“, wird er mir sagen, wenn wir uns endlich treffen, „dort stellt sich eine tiefgreifende Veränderung des Verhältnisses von Mann und Frau ein.“
Zahlreiche Frauen haben ihm bereits geschrieben, mit der Bereitschaft, sich ihm für Experimente der Parthenogenese zur Verfügung zu stellen.
Die Fantasie ist eine angenehme Einrichtung. Sie gehorcht jeder Laune und tut genau, was du willst. Jeder von uns kann zur Fantasie Zuflucht nehmen, wann immer es ihm beliebt.
18-05-10
Die Fantasie ist eine angenehme Einrichtung
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